Von Moritz Kielbassa

Nach Oktoberträumen verpasst der TSV 1860 München beim enttäuschenden 0:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen den Sprung nach oben.

Als die Euphoriebremse jäh gezogen war und das Spiel 0:1 verloren, schickte die Tonregie im Stadion eine tröstende Moll-Hymne durch die Lautsprecher ("Weiß-blau TSV"). Die freundlichen Serviceleute, die kurz nach dem Abpfiff alle Daten und Fakten des Tages verteilten, präsentierten derweil schwarz auf weiß ein paar bittere Wahrheiten. "Schüsse auf das Tor: 1" stand auf Seiten von RW Oberhausen zu lesen. Es waren zwar richtigerweise zwei Schüsse, die nicht am Tor von 1860-Keeper Philipp Tschauner vorbeiflogen, doch ein einziger gefährlicher, von Mike Terranova in Minute 32, genügte dem Aufsteiger aus dem Ruhrpott - zum ersten Auswärtssieg.

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Marco Kurz' Löwen kassierten nach 13 Punkten aus fünf Spielen wieder eine Niederlage. (© Foto: dpa)

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Die anderen Resultate der Zweiten Liga machten den Dämpfer für 1860 noch schmerzlicher: Die Löwen hätten sich mit einem Sieg Zutritt zur Spitzengruppe verschafft, sie wären, anknüpfend an ihren goldenen Oktober, Dritter gewesen - und hätten gewiss noch viele Zuschauer mobilisiert für das Heimderby am Freitag gegen Augsburg.

"Wir haben eine große Chance verpasst, einen Schritt nach vorne zu tun", klagte Manager Stefan Reuter, der als überzeugter Realo jedoch bereits vor der Partie mit Unbehagen registriert hatte, dass "im Umfeld schon wieder einige angefangen haben zu träumen". Der offiziell indizierte Begriff Aufstieg feierte fröhliche Urständ, nach 14 Punkten aus sechs Spielen ohne Niederlage - dabei herrschte kürzlich noch Endzeitstimmung. Am Sonntag ist 1860 nun in der Mitte angekommen. Im Alltag.

Willig, aber vergebens

Zumindest die Färbung des Oberhausen-Spiels war: grau. "Wir haben als Heimmannschaft zu wenig gezeigt, wir waren fußballerisch nicht gut genug", sagte 1860-Stürmer Benjamin Lauth im Klartextmodus. 24400 Zuschauer, darunter viele Kinder mit Ein-Euro-Aktionstickets, erlebten ein Spiel, wie man es schon millionenmal im Fußball gesehen hat: Die defensiv gut organisierte Gastelf verteidigte eifrig und machte die Räume eng wie in einem U-Bahn-Abteil zur Rush-Hour.

1860 suchte willig, aber vergebens nach Lücken, und an allen wichtigen Zutaten eines probaten Vorwärtsspiels gegen massierte Defensivblöcke mangelte es: zu wenig Bewegung, Esprit, Tempo, zu wenige Dribblings und beherzte Einzelaktionen, um überraschende Situationen zu schaffen. Auch attackiert wurde zu zaghaft. Statt, wie von Trainer Marco Kurz gewünscht, den Ball auch mal früh im Mittelfeld zu erobern, um auf kurzen Passwegen schnell in die Spitze spielen zu können, musste 1860 meist von weit hinten aufbauen.

Doch einen Gegner durch langes Ballkreiseln sich geduldig zurechtlegen, bis irgendwo eine Lücke entsteht - das ist keine 1860-Stärke, dafür sind nicht genügend Feinmotoriker an Bord, und das macht die Aufgabe gegen vermeintliche Leichtgewichte aus dem Tabellenkeller oft schwer. Die ultima ratio, erlebte Benny Lauth, war am Sonntag vielfach: "hohe Bälle".

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