Von Markus Schäflein

Kopfrechnen vor dem Kellerduell: Der Abstand von 1860 auf den Relegationsplatz kann beruhigend wachsen - oder beängstigend schrumpfen.

Die Rechnungen sind einfach: Gewinnt der TSV 1860 München am Freitagabend gegen Rostock und verliert Osnabrück gegen Aachen, hätten die Löwen drei Zweitligaspieltage vor Schluss beruhigende sieben Zähler Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz. Verlieren die Münchner hingegen ihr Heimspiel, könnte jener Abstand auf einen sehr beunruhigenden einzigen Zähler schrumpfen.

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Zeigt her eure Oberarme: 1860-Abwehrspieler Torben Hoffmann verteidigt gegen Rostock wohl auf einer neuen Position. (© Foto: dpa)

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Diese Kopfrechenübungen hat natürlich auch Stürmer Benjamin Lauth absolviert, der Wortführer der 1860-Mannschaft. "Es ist vielleicht schon ein Matchball, vielleicht sind wir dann endlich durch", sagte er am Donnerstag im Kurztrainingslager in Miesbach, und so kraftvoll, wie die Sonne im Voralpenland auf den saftigen Rasen strahlte, mochte man da unbedingt zustimmen. Über die zweite Option wollte Lauth hingegen nicht sprechen, denn: "Man muss den Ernst der Lage erkennen, aber den Druck nicht zu groß machen."

So sieht das auch Trainer Uwe Wolf, der sich sicher ist, "dass jeder Spieler weiß, um was es geht" - während er selbst "nicht weiß, warum manche vom Abstiegskampf reden", sagt er, man wolle "mit einem Kampfspiel den Sack zumachen". Wolf wandert auf einem schmalen Grat - er muss den Spielern die Dringlichkeit eines Sieges vermitteln, ohne zu viel Druck auf die großteils junge Mannschaft aufzubauen.

Auf die Hilfe des routinierten Torwarts Michael Hofmann muss Wolf gegen Rostock verzichten. Am Mittwochmorgen habe "der Rücken zugemacht", berichtete Wolf. Philipp Tschauner, unter Wolfs Vorgänger Marco Kurz Stammtorwart, kehrt in das Team zurück, Markus Krauss aus der U23 sitzt auf der Bank.

Im Mittelfeld fällt Sven Bender mit einer schweren Schienbeinprellung aus, die er sich beim 0:3 in Augsburg zugezogen hat, an der Seite von Lars Bender wird Mathieu Beda auflaufen. Auf der rechten Abwehrseite wird der Versuch mit Nik Ledgerwood auf Intervention von Sportdirektor Miroslav Stevic korrigiert, Antonio Rukavina rückt zurück und Stefan Aigner wieder ins Team.

Manuel Schäffler, dem Wolf in Augsburg eine Auszeit gönnen wollte, kehrt mangels überzeugender Alternativen wahrscheinlich als zweiter Stürmer ins Team zurück. "Eigentlich müsste ich ihm viel mehr Pausen gönnen, weil er auf dem Zahnfleisch geht", gibt Wolf allerdings zu bedenken.

Auch in der Viererkette deutet sich eine Veränderung an, die aber keineswegs Verletzungen oder Müdigkeit geschuldet ist. Im letzten Trainingsspiel in Miesbach ließ Wolf am Donnerstag Mate Ghvinianidze in der Innenverteidigung spielen, der unter seiner Leitung noch kein einziges Spiel absolviert hat - anstelle von Torben Hoffmann.

Sonne um 19.45 Uhr

Weil Wolf auf Hoffmanns vielgerühmte Kampfkraft und Motivationshilfe nicht verzichten will, setzt er den 34-Jährigen voraussichtlich auf der linken Abwehrseite ein - und hinten fällt Michael Schick runter. Der Linksverteidiger überzeugte zwar ausnahmslos mit soliden Leistungen, seit ihn Wolf zu Beginn seiner Amtszeit aus der U23 zu den Profis holte - aber jetzt, wo es eng werden könnte, muss er wohl eine Pause einlegen.

Die Handschrift Wolfs trug diese Mannschaft nur noch bedingt - wenn sie so auflaufen sollte, nährt sie die Spekulationen über die - von beiden Seiten unter der Woche vehement bestrittene - schleichende Entmachtung des Übungsleiters durch Sportdirektor Stevic.

Aber Uwe Wolf wäre nicht Uwe Wolf, wenn er dieses Thema nicht konsequent beiseite schieben würde, nicht nur außen, auch ganz tief drinnen, um sich auf den notwendigen Sieg zu konzentrieren und immer positiv zu reden. Also stand er in der Sonne von Miesbach und erinnerte: "Wichtig ist, dass morgen um 19.45 Uhr die Sonne über der Arena in München scheint."

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(SZ vom 08.05.2009)