Mal wieder musste 1860 München einen Weg aus einer Krise finden - heraus kam aber nur die zweitbeste Lösung.
Es gab nur zwei Wege aus dieser Situation, in der das Funktionärspersonal am Dienstag auf seiner zigsten Krisensitzung steckte. Eine Möglichkeit war, dass jene, die das Finanz- und PR-Desaster des geplatzten Investorenvertrags eingebrockt hatten, zurücktreten. Das hätte aber bedeutet, dass die Löwen das Präsidium sowie mindestens Aufsichtsratschef Peter Lutz verloren hätten. Eine andere Möglichkeit war, kollektiv den Kniefall zu zelebrieren - in der Hoffnung, dass dieser abgenommen wird. Als Willi Mantel nach einer Stunde sein Amt als Aufsichtsrat der Fußball-KGaA hinwarf, weil er die Fehler von Präsident Rainer Beeck sowie von Lutz nicht mehr mittragen wollte, war die Entscheidung gefallen.
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Kann sich der TSV 1860 München jetzt wieder auf den Fußball konzentrieren? (© Foto: dpa)
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Der intern als Querulant empfundene 71-Jährige war von Bord, es war nun ein Leichtes, sich gegenseitig die repräsentativen Posten zu sichern. In diesem Punkt hat 1860 oft gut funktioniert, auch das ist ein Grund für das jahrelange Verschleppen hausgemachter Probleme. Den Rest besorgte der neue Geschäftsführer Manfred Stoffers, dem nichts übrig blieb, als per Pressedekret um Vergebung und Besserung aller zu bitten. Der Verbalakrobat glänzte erneut als Jobretter für die angeknockte Funktionärsfamilie.
Eingeleitet hat diesen zweitbesten Weg vor allem Aufsichtsrat Christian Ude, der kürzlich noch in einem Interviewmarathon den Part des Mahners übernommen hatte; dem stimmgewichtigen OB war der rechtlich zweifelhafte Investorenvertrag aufgestoßen, als politische Institution konnte er es sich nicht leisten, wegzugucken. Aus dem Versagen der Verursacher - darunter Vizepräsident Michael Hasenstab, der das Projekt vorantrieb - aber konsequentere Schlüsse zu ziehen, fehlten Ude offenbar Mut wie Lust, sein Terminkalender ist voll und der OB kein Fan dauernder nächtlicher Krisentreffs. Somit ist der kolportierte Frieden auch ein Frieden aus Bequemlichkeit - und einer aus Furcht vor neuen chaotischen, Sponsoren abschreckenden Kämpfen um vakante Ämter.
Ein Schnitt wäre dennoch teils angebracht gewesen, Lutz etwa steht exemplarisch für Fehler im Löwen-System. Unter Wildmoser war er Vizepräsident und lavierte sich bis heute geschickt die Fronten wechselnd und oftmals im Hintergrund zündelnd auf der Funktionärsbühne durch. Noch am Montag sagte der Anwalt, dessen Kanzlei den Investorenvertrag mitgestaltete: "Ich habe alles richtig gemacht." Als Außenstehender fällt es schwer, ein solches Verhalten als integer einzustufen.
Dass die DFL und der FCBayern, beide mit 1860 durch die Lizenzierung bzw. die Arena verbandelt, zurzeit allergisch auf die konfusen Löwen reagieren, ist in der Summe also schon berechtigt. Immerhin, eine subtile Zäsur fand am Dienstag statt. Der Plan Stoffers', die Kontrollgremien von e.V. und KGaA nicht mehr identisch zu besetzen und für den Fußball-Kontroll-Rat vier neue Wirtschaftsweise zu holen, könnte ein erster cleverer Schritt sein, sich Kompetenz zu sichern. Denn die haben die finanziell gebeutelten Löwen in den Gremien dringend nötig.
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(SZ vom 5.3.2009/aum)
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So wie im Artikel kann man die Lage bei 1860 natürlich auch sehen.
Ich vertrete eher die Meinung, dass jetzt eine Selbstreinigung eingesetzt hat, wenn ich die Personalie im Präsidium und Aufsichtsrat mit der Horror Picture Show unter von Linde vergleiche. Wenn schon eine begrüßenswerte Verbesserung stattgefunden hat, dann darf ich die heilenden Wunden nicht wieder einer neuen Zerfleischung aussetzen.
Die peinliche Schwarzerkomödie war größtenteils der Zeitnot wegen der Rukavina- und Gulanausleihen geschuldet und wird eine Lehre sein.
Die jetzige Mannschaft an der Spitze weiss um die Situation und hat jetzt schon einmal gehandelt. Der Stoffers hat die Gremien bereits besser an der Leine als es der Einzelkämpfer Ziffzer jemals schaffen hätte können.
Die Löwengemeinde ist in Aufbruchstimmung und kann keine neuen Machtkämpfe brauchen. Sogar die Fans aus den zerstrittenen Lagern sehen die Situation nüchterner als die Medien.