Von Von Volker Kreisl

Warum es zwischen Greuther Fürth und 1860 München doch noch zu einem Endspiel kommt.

Am Anfang steht ein Konzept. Ein solider Plan mit nur einem Ziel, der Stabilisierung. Dann beginnt die Zweitliga-Saison, und es läuft richtig gut. Und irgendwann, vielleicht im November, geraten die Spieler doch wieder ins Träumen.

Die Spieler von 1860 München würden ihre Trikots gerne in der 1. Bundesliga tragen... (© Foto: ddp)

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Dann ist die Winterpause vorbei, es läuft immer noch gut und plötzlich wird aus dem Traum ein offener Wunsch: der Aufstieg in die Bundesliga. Alle bekennen sich dazu, und schließlich wird er auf Plakaten in der ganzen Stadt verkündet: "Ich will rauf."

Dann verliert die Mannschaft wieder ein Spiel nach dem anderen, lässt hier drei Punkte und dort zwei Zähler auf der Strecke, sie rutscht ab, und die Plakate werden lieber wieder abgehängt.

So lief es in der Saison 2004/2005 bei der SpVgg Greuther Fürth. In abgeschwächter Form hatte Präsident Helmut Hack das schon etliche Male erlebt. Greuther Fürth ist der Klub, der immer mitkämpft um den dritten Aufstiegsplatz, aber immer scheitert.

Ein Phänomen, das andere Vereine kennen, früher der FSV Mainz 05 und Energie Cottbus, heute noch Alemannia Aachen. Im entscheidenden Moment verlässt eine Mannschaft der Mut oder das Glück oder der Zusammenhalt. Der TSV 1860 München und Greuther Fürth schienen abgeschlagen, und doch war das nicht das Ende, denn die Aussichten wechseln wöchentlich.

Nach Frankfurts Niederlage vom Montag haben nun beide wieder Chancen, die Eintracht zu überholen. Der Vergleich zwischen Fürth und dem TSV 1860 am Sonntag ist ein Endspiel.

Greuther Fürth, das ist eine Fusion aus Tradition und Provinz, in so einem Milieu muss man sich seriös geben: "Wir sind nur ein kleiner Karpfen im Teich der Zweiten Liga", sagt Hack, jeder Verein habe letztlich sein Geschick selber in der Hand, Ausreden gebe es nicht.

Fetter und fressbegieriger Karpfen

Es sei bitte nicht als Ausrede zu verstehen, dass Fürth negative Schlüsselerlebnisse hatte, im Schneesturm gegen Trier oder auf einer "Betonpiste" gegen Duisburg. Dass dann eine Durststrecke einsetzte, sei auch keine Ausrede, denn "Durststrecken hatten auch Aachen und Frankfurt und 1860".

Das Besondere an der Fürther Durststrecke sei aber gewesen, dass sie nicht aufhören wollte. Erst vor zwei Wochen fand die Mannschaft wieder aus dem Abwärtstrend heraus, das habe gezeigt, "dass wir mit unseren Mitteln nicht die Gesamtqualität haben. Du kannst nur aufsteigen, wenn alles passt."

Das ist der offizielle Grund für die Unberechenbarkeit dieses Kampfes um den dritten Aufstiegsplatz; dass es viel mehr Gründe gibt, zeigt ein Blick auf den Gegner.

Der TSV 1860 München müsste in Hacks Bild ein fetter und fressbegieriger Karpfen sein, doch verschlungen haben die Sechziger in dieser Saison niemanden. Der Etat musste nach dem Abstieg reduziert werden, dann setzte jene Dynamik ein, die große Erwartungen auslöst.

Bekannte Spieler wie Karl-Heinz Pflipsen enttäuschten, die Mannschaft war lange keine Einheit. Erst nach dem Trainerwechsel (Maurer für Bommer) präsentierten sich die Löwen als Team, das unbedingt aufsteigen will, und auch dieses erlitt Rückschläge, ähnlich wie Fürth. Manche Spieler ärgerten sich danach über andere, die offenbar gar nicht aufsteigen wollten.

Überheblichkeit und Egoismen

Und Führungsspieler Roman Tyce, im Sommer ablösefrei, machte keinen Hehl daraus, dass er zu einem höherklassigen Verein wechseln will. Trainer Reiner Maurer unterstellte ihm mangelnden Einsatz, erst jetzt, nach Tyces starkem Auftritt gegen Aachen, glätten sich die Wogen. Angeblich bietet 1860 seinem Mittelfeldspieler 300.000 Euro mehr an Gehalt, und Tyce findet Klub und Stadt wieder etwas attraktiver.

In Fürth gab es keinen Trainerwechsel und auch keinen frustrierten tschechischen Nationalspieler, aber es gab Überheblichkeit und Egoismen in einer Phase, die entscheidend war für die Zukunft aller Beteiligten. Manche Spieler verhandelten, manche machten sich Gedanken, was mit ihnen geschieht, falls sie aufsteigen.

Auf einmal war der Konjunktiv im Karpfenteich. Stürmer Sascha Rösler behauptete, er werde kommende Saison "Bundesliga spielen", obwohl ihm erst gegen Essen vergangenen Sonntag der erste Treffer in der Rückrunde gelang. Trainer Benno Möhlmann versuchte einzugreifen, unter anderem tauschte er den Kapitän aus und ersetzte erfahrene Spieler durch Talente, doch es half lange nichts. Über seine Mannschaft fällte er das wohl vernichtendste Urteil: "Das ist keine Mannschaft."

Der Aufstieg wurde abgehakt - ähnlich wie zwischenzeitlich beim TSV 1860, Möhlmann redet gar nicht mehr darüber. Es soll ein ganz normales Fußballspiel werden, ein Spiel wie immer, in dem nicht die große Perspektive, sondern zum Beispiel die Spekulationen um Verletzungsdetails im Vordergrund stehen.

Marcus Feinbier, bester Fürther Stürmer, fehlt wohl wegen einer Zerrung - genauso wie Michal Kolomaznik bei 1860. Und wenn es doch eine Wende in der Aufstiegsfrage gibt? Die Löwen würden vielleicht zu ihrem Italiener gehen, Pizza essen und sich auf den letzten Spieltag einschwören. Und in Fürth würde man wohl nach den Plakaten mit dem Aufsteiger-Motto kramen, angeblich sind sie noch nicht vernichtet.

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(SZ vom 14.5.2005)