2. Liga Alles geht die Pader runter

Fassungslos über den Abstieg: Die Paderborner Spieler Christian Bickel of Paderborn (rechts) und Khaled Narey

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der SC Paderborn kann den freien Fall nicht stoppen und steigt in die dritte Liga ab. Stefan Effenberg trifft allerdings nicht alleine die Schuld an der beispiellosen Misere.

Sehr wahrscheinlich erinnern sich in Paderborn noch ein paar Menschen an Uwe Hünemeier. Fast 1,90 Meter groß und Abwehrchef des SC in der Bundesliga, Typ: Verlässlicher Turm in der Schlacht. Vor der Saison wechselte er für 2,7 Millionen Euro Ablöse zum englischen Zweitligisten Brighton & Hove Albion. Brighton spielt gerade um den Aufstieg in die Premier League und Paderborn, das weiß man seit Sonntag, hat es als einer von sieben Vereinen geschafft, von der ersten direkt in die dritte Liga durchzurauschen. Wäre das mit Hünemeier auch passiert?

Natürlich ist diese Frage unmöglich zu beantworten, aber der Abgang des wichtigen Stabilitätsankers war vielleicht der erste Schritt Richtung Verderben. Markus Gellhaus, der Nachfolger von André Breitenreiter als Trainer, schaffte es jedenfalls schon nicht, aus dem vorhandenen Kader eine konkurrenzfähige Truppe zu formen. Als er im Oktober 2015 gehen musste, hatte Paderborn gerade mal sieben Punkte.

Dann kam natürlich Stefan Effenberg und es wäre nun einfach, ihm eine große Mitschuld an der Saison zu geben. Aber faktisch war er der zweite Cheftrainer ohne Cheftrainer-Erfahrung, dem die Vereinsführung in Paderborn das Kommando übertrug. Es folgten Siege zu Beginn von Effenbergs Engagement und anschließend mysteriöse Suspendierungen - unter anderem von Stürmer Srdjan Lakic - und ein peinliches Trainingsplager in der Türkei, wo der Präsident und Mäzen Wilfried Finke im Anschluss darüber referieren musste, wer, wann, wo seine Hose runtergelassen hatte, wer welchen Blumenkübel in den Pool geworfen hatte und wann Stefan Effenberg zu Bett gegangen ist.

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"Ich glaube, der Verein an sich hat komplett versagt", kritisierte Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp nach dem Abpfiff am letzten Spieltag. Stoppelkamp ist einer der wenigen, die auch schon in der Bundesliga dabei waren. Weil er damals ein Tor aus 82,3 Metern schoss, das zum Tor des Monats gewählt wurde, gibt es eine Stoppelkamp-Allee vor dem Paderborner Stadion. "Der Abstieg heute fühlt sich definitiv schlimmer an als der vergangenes Jahr aus der Bundesliga", sagte Stoppelkamp. Die Fans reagierten wütend: Sie zündeten schwarze Rauchbomben und schwenkten dazu ein Transparent mit dem Schriftzug "Ihr Versager".