50+1 in der Bundesliga Bayern einholen - mit Geld aus China?

Her mit der Macht: Martin Kind und Hannover 96 bringen die 50+1-Regel in Gefahr.

(Foto: dpa)

Hannover-Boss Kind will die Alleinherrschaft über seinen Verein, die Deutsche Fußballliga erwägt Berichten zufolge, das abzulehnen. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass 50+1 in der aktuellen Form bestehen bleibt.

Kommentar von Sebastian Fischer

Der "FC PlayFair!" ist ein eingetragener Verein, es handelt sich um einen Zusammenschluss von Fußballfans, die der Meinung sind, dass es beim Fußball weiterhin um Torchancen gehen müsse, "nicht um Renditechancen". Der Verein vertritt also eine unter Fußballfans verbreitete Forderung. Die Berichte in mehreren Medien, wonach die Deutsche Fußball-Liga DFL am Montag entscheiden werde, dem Präsidenten Martin Kind die Alleinherrschaft über den Bundesligisten Hannover 96 zu versagen, nennt der "FC PlayFair!" einen "Hoffnungsschimmer". Es ist allerdings, wenn man sich die investorenkritische Haltung mal zu eigen macht, nur ein schwaches Schimmern.

Hannover 96 ist auch ein eingetragener Verein. Allerdings will Kind den e.V. entmachten: Er plant, 51 Prozent der Hannover 96 Management GmbH zu kaufen, welche die Stimmenmehrheit an der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA hält, dem Bundesliga-Team. Das steht im Widerspruch zur sogenannten 50+1-Regel, laut der immer der Verein eine Stimme Mehrheit haben muss. Kind hat eine Ausnahmegenehmigung beantragt, ähnlich wie etwa auch VW in Wolfsburg und Dietmar Hopp in Hoffenheim eine haben.

DFL-Chef Seifert fordert ein Bekenntnis zum Kommerz

In einer Rede fürchtet der Boss der deutschen Fußballigen um die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga. Außerdem werde die Schere zwischen Profis und Amateuren noch weiter auseinandergehen. Von Philipp Selldorf mehr ...

Die allerdings, so berichteten es der Berliner Tagesspiegel und die Bild, könnte ihm nach langem Abwägen nun verweigert werden, weil er 96 in den vergangenen 20 Jahren nicht "erheblich" unterstützt habe. Das wäre die Bedingung für Ausnahmen. Die DFL teilte dazu mit, dass noch nichts entschieden sei. Abgesehen davon, dass es durchaus ironisch wäre, würde dem Präsidenten Kind nun vorerst verweigert, mehr Kapital für seinen Verein zu generieren, weil er noch nicht genug Kapital investiert hat, stellt sich die Frage: Stünde bei so einer Entscheidung der DFL wirklich ein Kurswechsel bevor?Ja zu Torchancen, Nein zu Renditechancen? Weniger kommerzielle Interessen, mehr Mitbestimmung?

Gewiss nicht. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat jüngst auf dem DFL-Neujahrsempfang ein Bekenntnis zum Kommerz gefordert, Debatten über Fußball-Kultur (die Sängerin Helene Fischer, die in der Halbzeit des DFB-Pokalfinales sang, wird hier wohl ewig als Synonym herhalten müssen) als bisweilen kuriose Randerscheinung abgetan und die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga als höchstes Gut beschworen. Sollte die DFL nun Kinds Antrag ablehnen, bedeutet es eher nicht, dass sie nun den Gedanken der protestierenden Fans im Stadion folgt. Oder dass sie eine Regel, die dem Fußball ein wenig Demokratie und damit gesellschaftliche Legitimation versichert, nun über die Maßen zu schätzen weiß. Ein mögliches Folgeszenario geht ja so: Martin Kind klagt - und die als juristisch instabil geltende Regel fällt womöglich ganz in sich zusammen.

Es gibt weiterhin einige Trainer, Manager und Funktionäre in der Bundesliga, die sich für die Regel aussprechen, ein deutsches Alleinstellungsmerkmal im internationalen Fußball. Und es gibt das Beispiel des VfL Wolfsburg, der trotz Umgehung der 50+1-Regel durch die Liga stolpert, als würde er auch die 10+1-Regel umgehen, wonach eine Mannschaft aus zehn Feldspielern und einem Torwart besteht, die miteinander spielen. Aber niemand sollte sich allzu sehr wundern, wenn selbst Klubs wie der FC Augsburg im Hintergrund schon mal mit dem Gedanken gespielt haben, nach dem Fall der 50+1-Regel mit Investoren aus China zusammenzuarbeiten. Die Hoffnung, dass mit Hilfe frischen Geldes eine Tages wieder ein nachhaltiger Konkurrent des FC Bayern erwachsen könnte, treibt die Debatte weiter an.

Torchancen statt Renditechancen? Pierre-Emerick Aubameyang ist, ohne dass er es so intendiert hätte, in dieser Woche eine treffende Zustandsbeschreibung des Fußballs im Jahr 2018 gelungen. Nachdem er sich seinen Wechsel von Dortmund zum FC Arsenal erstreikt hatte, schrieb er auf Instagram: "Vielleicht war es nicht der beste Weg, für den ich mich entschieden habe, aber jeder weiß, dass Auba verrückt ist - und ja, ich bin ein verrückter Junge, hahahaha!" Vielleicht ist es nicht der beste Weg, für den sich der Fußball bald entscheiden wird, aber jeder weiß, dass der Fußball verrückt ist. Ha, ha, ha!

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