von Tim Jürgens

Huub Stevens blickt zurück auf zwölf Jahre Bundesliga: die verlorene Meisterschaft auf Schalke, die Fehler von Dieter Hoeneß, die Machtspielchen mit Wolfgang Overath. Und er erklärt, warum die Niederlande Probleme haben, konstant erfolgreich Fußball zu spielen.

11 Freunde: Huub Stevens, am Saisonende verlassen Sie den HSV und übernehmen den PSV Eindhoven. Ihr endgültiger Abschied aus der Bundesliga?

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HSV-Trainer Huub Stevens wechselt in der nächsten Saison zum PSV Eindhoven. (© Foto: Reuters)

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Huub Stevens: Davon gehe ich fest aus. Obwohl man niemals nie sagen sollte. Es sah auch nach meiner Zeit beim 1. FC Köln so aus, als würde ich nie mehr zurückkommen. 

11 Freunde: Ihre Stationen beim 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04 und dem Hamburger SV gehören zu den schwierigsten, die die Bundesliga zu bieten hat. Ohne Frage. Wobei Hertha der einzige Klub war, bei dem die Tradition nicht so spürbar war wie bei den anderen. Beeinflusste das Ihre Arbeit?

Huub Stevens: Das Training lief sehr viel ruhiger ab. Die Rentner am Zaun, die bei den anderen Klubs in großer Zahl auftauchten, gab es in Berlin so gut wie nicht. 

11 Freunde: Erhöhen Kiebitze beim Training den Druck, der auf einem Trainer lastet? Ach was, Druck lege ich mir selbst genug auf. Und wer in diesem Beruf nicht mit der Kritik von Fans zurechtkommt, sollte ohnehin was anderes machen. 

11 Freunde: Ist der Trainerjob in der Bundesliga trotzdem nervenaufreibender als in der niederländischen Ehrendivision?

Huub Stevens: Wissen Sie, wann ich in meiner Laufbahn wirklich Druck verspürt habe? Als ich noch Jugendtrainer beim PSV Eindhoven war. In dem Job ging es darum, Spieler zu entwickeln - als Sportler und als Menschen. Und obwohl das Ergebnis eines Spiels eine weitaus geringere Rolle spielte als heute bei den Profis, hat diese soziale Aufgabe meine Nerven viel stärker belastet.

11 Freunde: Hört man manchen Jungprofis zu, drängt sich allerdings der Eindruck auf, vielen mangele es an Charakter und Mündigkeit.

Huub Stevens: Das sehe ich total anders. Die Spieler sind mündiger als früher. Heute verfügt fast jeder über eine eigene Meinung zur Trainingslehre, zur Aufstellung, zur Karriereplanung. Die wissen genau, wie sie mit den Medien umgehen. Schließlich wird heute jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Dadurch sind Spieler natürlich auch zurückhaltender geworden und hauen nicht mehr jeden Spruch raus, den sie vor 15 Jahren noch locker gesagt hätten.

11 Freunde: Wie kann ein Trainer solchen Schlitzohren noch Werte von Teamgeist vermitteln?

Huub Stevens: Auch ich bin als Trainer reifer geworden und habe Techniken entwickelt, wie ich Spieler anspreche. Mit meinem Handwerkszeug von 1995 würde ich heute nicht mehr weit kommen. 

Auf der nächsten Seite: Stevens besondere Stärke als Coach, seine Maxime und warum jeder eine zweite Chance bekommt.

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