1. FC Nürnberg Sieg der Moral

Traf gegen seinen ehemaligen Klub: Der Nürnberger Niclas Füllkrug (links) bejubelt mit seinem Kollegen Guido Burgstaller seinen Treffer zum 2:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der 1. FC Nürnberg durchbricht gegen die SpVgg Greuther Fürth den Derbyfluch und gewinnt nun auch Partien, ohne die bessere Mannschaft zu sein.

Von Patrick Reichardt

Das Stilmittel der Wiederholung dient normalerweise dazu, beim Leser oder Zuhörer eine verstärkende Wirkung zu erzielen. Es bezeichnet das mehrmalige Benennen des gleichen Wortes oder einer Folge von Wörtern in einem kurzen Textabschnitt. Der Fußballtrainer René Weiler hat sicher nicht an dieses Stilmittel gedacht, er wusste auf die Nachfragen der Journalisten nur keine Antwort als: "Ich bin einfach froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben." Weiler zählte es sogar genüsslich mit, wie er es das dritte, das vierte und das fünfte Mal wiederholte. Einfach froh, dieses Spiel gewonnen zu haben: Das waren auch die Profis des 1. FC Nürnberg, die erstmals seit November 2008 wieder drei Punkte gegen den Rivalen SpVgg Greuther Fürth feiern durften.

Während beim als nüchternen Analytiker bekannten Weiler die Erleichterung überwog, feierte sein Team mit den Fans in der Kurve eine spontane Party in der Fankurve, von den Spielern durch das Megafon gesungene Schmähgesänge für die Gäste aus Fürth inklusive. "Ich habe neun Jahre Profifußball hinter mir, aber so etwas Geiles habe ich noch nie erlebt. Die Stimme ist weg, man hört es", sagte Verteidiger Georg Margreitter also mit dem Rest seiner Stimme, die er noch mit in die Katakomben des Stadions retten konnte. Er habe ja schon viel miterlebt, Derbysiege in Wien und Einsatzminuten in der Champions League, aber dass ein Großteil der 45 666 Fans noch 20 Minuten nach Spielschluss bleibt, das war Margreitter neu: "Dafür trainiert man eigentlich ein Leben lang", schwärmte er.

Dank Treffern von Sebastian Kerk (40.) und dem ehemaligen Fürther Niclas Füllkrug (84.) konterten die Nürnberg den frühen Rückstand durch Robert Zulj (7.). Mental, so sah es zumindest Weiler, hat seine Mannschaft eine extrem harte Herausforderung bestanden. "Ich bin nicht immer so begeistert, dass dieser immense Druck auf uns lastet. Dieses Duell ist schon speziell mit all den Begebenheiten vor, während und nach dem Spiel", sagte der Schweizer. Er habe in den Tagen vor dem Derby regelrecht gespürt, wie sehr ein Sieg von seiner Mannschaft erwartet wird. Dass die Nürnberger zum dritten Mal in Serie einen Rückstand konterten, sieht Weiler als eine der größten Stärken: "Das spricht für die Moral. Diese Mannschaft gibt nie auf." In der Tat stellten sich die Gastgeber der Herausforderung, die diesmal nur mit Kampf, Leidenschaft und Wille zu gewinnen war. "Und natürlich etwas Glück, das will ich nicht bestreiten", wie Weiler anfügte.

Dass der Erfolg nicht nur für die ausbaufähige Derbybilanz und die eigene Seele wichtig war, ging fast ein wenig unter: "Wenn die Endorphine mal aus dem Blut sind, wir uns ruhig hinsetzen und auf die Tabelle schauen, hat uns das sicher auch dort gut getan", sagte Margreitter, der das zweite Tor von Füllkrug aufgelegt hatte. "Das wird uns Auftrieb geben", prophezeite er. Seit der 2:3-Hinspielpleite in Fürth hat Nürnberg nur eines von 18 Spielen in der Liga verloren. Abgesehen von den Emotionen stellte der Defensivspieler aus Österreich fest: "Mich stimmt es positiv, dass wir immer wieder zurückkommen und ein frühes Gegentor wegstecken können."

Wie beim letzten Nürnberger Erfolg über Fürth dank Christian Eigler war es in Füllkrug auch diesmal ein ehemaliger Fürther, der das brisante Duell zugunsten seiner jetzigen Mannschaft entscheiden konnte. "Gut" fühle er sich und dass er sich einen Eintrag im fränkischen Fußball-Geschichtsbuch verdiente, sei "geil, aber dazu kann ich jetzt noch nicht mehr sagen". Eine besondere Genugtuung war es für ihn aber nicht: "Es tat gut, in so einem Spiel wieder zu treffen. Das freut mich einfach", sagte Füllkrug, der nach dem Siegtor mit blau-weißen Badeschlappen und einem breiten Grinsen aus der Kabine kam.

Direkt mit dem Aufstieg konfrontiert, wollten sie beim FCN dann aber keine allzu forschen Töne anstimmen. "Ich kann dazu nichts sagen, es sind ja noch ein paar Spiele, ich weiß gar nicht, wie viele", sagte Füllkrug. Trainer Weiler wich gar noch geschickter aus. Er habe die Frage akustisch nicht verstanden, sagte er und grinste dabei schelmisch. Schließlich war Weiler ja einfach nur "froh, dass wir das Spiel gewonnen haben."