1. FC Nürnberg Im Schlafwagen

„Es war klar, dass wir nicht durch jedes Spiel durchmarschieren können.“ – Nürnbergs Trainer Michael Köllner gab sich weniger entsetzt, als er aussah.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

"Das war ein gebrauchter Tag": Der ermattete 1. FC Nürnberg verliert in Heidenheim 0:1 und ärgert sich über wiederkehrende Fehler in der Defensive.

Das DFB-Pokal-Spiel beim Drittligisten VfL Osnabrück hatte bei den Fußballern des 1. FC Nürnberg einige Spuren hinterlassen. Das Schlimmste daran war nicht die ungewöhnliche Rückreise mit der Bahn; als der ICE mit den reservierten Plätzen in Kassel defekt war, mussten die Zweitliga-Profis in einen anderen, völlig überfüllten Zug wechseln und teilweise auf dem Boden sitzen. Schwerer wogen der kräftezehrende Kampf an der Bremer Brücke, bis das 3:2 endlich feststand, und die Verletzungen von Patrick Kammerbauer und Enrico Valentini. Ermattet und ersatzgeschwächt reisten die Nürnberg also am Sonntag, immerhin diesmal mit dem komfortablen Reisebus, zum Zweitliga-Spiel nach Heidenheim - und verloren nach Schlafwagenfußball 0:1.

"Das war ein gebrauchter Tag, an dem wir unsere Leistung nicht gebracht haben", stellte Mittelfeldspieler Kevin Möhwald fest. "Letztlich haben wir durch ein dummes Gegentor verloren." Es war die 67. Minute, als eine der zahlreichen Standardsituationen der Heidenheimer zum Erfolg führte. Nach einem Eckstoß missglückte die Kopfballabwehr von Patrick Erras, und der am entfernen Pfosten völlig ungedeckte Griesbeck bediente per Kopf Robert Glatzel, der mühelos traf (67.). Möhwalds Mittelfeldkollege Tim Leibold meinte: "Die Fehler, die wir hinten machen, kosten uns immer wieder Punkte. Letzte Woche hatten wir noch Glück, heute wurde es bestraft. Wir müssen analysieren, woran es hapert, und es klar ansprechen."

Bei der Analyse drängt die Zeit, wenn der Club als Tabellendritter (22 Zähler) weiter in den Aufstiegsplätzen bleiben will. Diesmal hatte er Glück, dass Konkurrent Union Berlin nur 1:1 in Duisburg spielte und punktgleich auf Platz vier bleibt, und dass auch der Tabellenzweite Holstein Kiel in Darmstadt und der Fünfte FC St. Pauli gegen Aue nicht über ein 1:1 hinauskamen.

"Das wird eine ganz heiße Partie", meint Torwart Kirschbaum mit Blick auf den FC Ingolstadt

Doch am Montag, 6. November (20.15 Uhr), kommt der aufstrebende FC Ingolstadt zum Derby ins Frankenstadion; die Schanzer haben nach ihrem Fehlstart mittlerweile 17 Punkte gesammelt und könnten mit einem Sieg zur Spitzengruppe aufschließen. "Das wird eine ganz heiße Partie", meinte Torwart Thorsten Kirschbaum, der mit Paraden eine höhere Niederlage in Heidenheim verhindert hatte. "Jetzt müssen wir unsere Kräfte für dieses Heimspiel bündeln", appellierte Trainer Michael Köllner, den der Rückschlag auf der Ostalb offenbar am wenigsten überraschte: "Es war klar, dass wir nicht durch jedes Spiel durchmarschieren können. Leider ist es uns nicht gelungen, die eine oder andere Chance zu verwerten."

Auch Köllner gab zu, dass sich seine Mannschaft zur Pause glücklich schätzen konnte, dass es noch 0:0 stand. Nur in der Anfangsphase hatte sie sich zielstrebig gezeigt, danach agierte sie im Aufbau viel zu ungenau und leistete sich immer wieder Abspielfehler. Ganz anders zeigten sich die Heidenheimer, die unter der Woche ja auch im Pokal im Einsatz gewesen waren (5:2 in Regensburg), aber wesentlich lauffreudiger auftraten und sich ein klares Übergewicht an Chancen erarbeiteten. Glatzel (25.), Sebastian Griesbeck (27.) und vor allem Marc Schnatterer (29.) mit einem Freistoß an die Querlatte verpassten jedoch die Führung.

Erst in der Schlussphase wachte der FCN auf - zu spät. Eine Hereingabe von Miso Brecko in den Strafraum traf Mikael Ishak (77.) mit dem rechten Fuß nicht richtig, Heidenheims Torhüter Kevin Müller entschärfte seinen Schuss; und auch gegen Möhwald (80.) war Müller auf dem Posten. Immerhin, das war die einzige gute Nachricht für den Club: Auf der Rückfahrt hatten alle einen Sitzplatz.