1. FC Nürnberg Ende der Kältestarre

„Ich war mir sicher, dass wir noch ein Tor schießen würden.“ – Trainer Michael Köllner spendet Applaus.

(Foto: imago/Zink)

Nach vielen vergebenen Chancen siegt Nürnberg doch noch gegen Sandhausen - und könnte Weihnachten nun auf einem direkten Aufstiegsplatz verbringen.

Von Julian Budjan

Ein Raunen kam auf im Max-Morlock-Stadion, als das Ergebnis des parallel stattfindenden Spitzenspiels zwischen Holstein Kiel und Fortuna Düsseldorf auf der Stadionleinwand eingeblendet wurde. 2:2! Die beiden in der Tabelle ganz oben stehenden Teams würden sich gegenseitig Punkte abnehmen und den 1. FC Nürnberg zum Gewinner des Spieltags machen. Der Club führte nämlich kurz vor Spielende gegen den SV Sandhausen seit dem Treffer von Tim Leibold aus der 68. Minute.

Genau 50 Jahre zuvor war Nürnberg eines der glorreichsten Spiele seiner Vereinsgeschichte geglückt. 7:3 hieß es damals im Duell mit dem großen FC Bayern. Doch nicht der deutsche Rekordmeister war im letzten Heimspiel des Jahres zu Gast, sondern mit dem Dorfverein aus der Kurpfalz der Inbegriff deutscher Fußballprovinz. Und statt Zeuge von Glanz und Gloria zu werden, bibberten die Zuschauer mit steinerner Miene in der eisigen Winterluft lange vor sich hin; sie sahen vor allem in der ersten Halbzeit nicht viel Herzerwärmendes von ihrer Mannschaft. Wie so oft bei Heimspielen in dieser Saison. Zwar spielt Nürnberg bisweilen ansehnlichen Fußball und mischt um die Aufstiegsplätze mit, zu Hause gelangen aber nur drei von acht möglichen Siegen, auch aufgrund vermeidbarer Gegentore.

Die Sandhäuser machten den Nürnbergern das Leben schwer und ihrem Ruf als unangenehm zu bespielende Mannschaft alle Ehre. Sie waren aggressiv in den Zweikämpfen und störten häufig den Spielaufbau der Hausherren, bei Ballgewinn konterten sie schnell und waren immer wieder gefährlich. So hatten Lucas Höler (6. Minute), Richard Sukuta-Pasu (17.) und Manuel Stiefler (42.) beste Möglichkeiten, zeigten aber, warum die Sandhäuser erst 18 Tore in dieser Saison erzielt haben.

Gleichzeitig aber verfügt der SVS über die beste Defensive der Liga, aus der an diesem Tag einer herausragte: Torwart Marcel Schuhen. Der 24-Jährige war vor der Saison von Hansa Rostock aus der dritten Liga zu den Sandhäusern gewechselt und hatte schnell dem Österreicher Marco Knaller aus dem Tor verdrängt.

"Er hat das Spiel seines Lebens gemacht", sagt Ishak über Sandhausens Torwart Schuhen

In den vergangenen Wochen erlaubte er sich aber immer wieder Aussetzer und geriet in die Kritik. Nach der Leistung von Nürnberg dürfte diese wohl erstmal verstummen. "Er hat das Spiel seines Lebens gemacht", sagte Nürnbergs sonst so treffsicherer Top-Torjäger Mikael Ishak, der Schuhen nicht überwinden konnte.

Kurz vor dem Tor des Tages hatte Ishak seine größte Chance, doch abermals parierte Schuhen seinen Schuss aus kurzer Entfernung. Ungläubiges Kopfschütteln. Zuvor hatte der Gästetorwart bereits hochkarätige Möglichkeiten abgewehrt: die Kopfbälle von Edgar Salli (8.) und Ewerton (38.), den Distanzschuss von Leibold (45.+2) und den Abschluss von Hanno Behrens (49.).

In der zweiten Hälfte steigerten sich die Nürnberger nochmals deutlich. "In der Pause haben wir dann ein paar Dinge festgezurrt. Das war heute der Schlüssel", sagte Köllner. Der FCN war in der Folge spielbestimmend, wacher in den Zweikämpfen und präziser im Angriffsspiel, drängte Sandhausen in die eigene Hälfte. Die Nürnberger rannten immer wieder auf das Gästetor zu, nur um ein ums andere Mal an Schuhen zu verzweifeln. Bis zum Tor von Leibold. "Beim Siegtreffer schlagen wir sie dann ein bisschen mit den eigenen Waffen", sagte Enrico Valentini: Bei einem Angriff des SVS fing Leibold einen Querpass ab und leitete blitzschnell den Gegenangriff ein, legte vor dem Strafraum auf Ishak ab, der ihn abermals bediente. Schuhen war diesmal chancenlos. Und die Zuschauer lösten sich aus ihrer Kältestarre.

"Ich war mir sicher, dass wir noch ein Tor schießen würden", sagte Köllner über den ersten Sieg ohne Gegentor seit dem zweiten Spieltag. "Nun kann der erste Advent auch hier in Nürnberg Einzug halten und jeder in aller Ruhe feiern." Weihnachten gilt als das Fest der Versöhnung - und noch versöhnlicher würde man den Club-Anhang vermutlich stimmen, wenn bei Fortuna Düsseldorf nächste Woche ein weiterer Sieg gelänge. Dann würde man nämlich an den Rheinländern in der Tabelle vorbeiziehen und auf einem direkten Aufstiegsplatz stehen. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk gibt es wohl nicht. Köllner macht Mut: "Auswärts haben wir diese Saison schon stark gespielt. Wenn die Hütte voll ist und viel auf dem Spiel steht - das liebt meine Mannschaft."