1. FC Nürnberg Der Stern des Franz Brungs

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Stadionpoesie: Das 7:3 des Clubs gegen den FC Bayern jährt sich zum 50. Mal.

Von Martin Wallentich

"Die Sonne ging unter, und der Stern des Franz Brungs begann aufzugehen!" Es war ein unvergesslicher Tag, einen lokalen Radioreporter animierte er gar zu ein bisschen Stadionpoesie. Zu diesem Zeitpunkt umjubeln 65 000 Zuschauer die Spieler des 1. FC Nürnberg nach einem denkwürdigen 7:3-Erfolg. An jenem kühlen Nachmittag gelingt Brungs etwas, das seitdem keinem anderen Stürmer gelungen ist: fünf Tore innerhalb eines Spiels gegen den FC Bayern München. An diesem Samstag jährt sich der klare Erfolg zum 50. Mal.

"So viele Tore erzielt man nicht allzu oft, da hat einfach alles gepasst", erinnert sich Brungs an den hohen Erfolg der Nürnberger. Als Außenseiter waren die Franken in die Saison gestartet, nach 15 Spieltagen stand der Club jedoch an der Tabellenspitze, der FC Bayern war einen Rang dahinter. "Wir haben von Anfang an sofort auf Angriff geschaltet, einen unheimlichen Druck entwickelt und die Bayern überrascht", erzählt der ehemalige Stürmer. "Mit Georg Volkert und Zvezdan Cebinac hatten wir zwei sehr gute Außenstürmer, mit beiden haben die Bayern mehrmals Probleme gehabt."

Nach 26 Minuten bringt Heinz Strehl den Club in Führung, Volkert erhöht kurze Zeit später, ehe noch vor dem Pausenpfiff der erste Treffer von Brungs folgt. "Wir waren an dem Tag so gefährlich, dass wir zwangsläufig zu unseren Chancen kamen. Die muss man dann auch nutzen, und das ist mir an diesem Tag gut gelungen."

Trotz des Halbzeitstandes von 3:0 motiviert FCN-Trainer Max Merkel seine Mannschaft weiter: "Wir lassen nicht nach. Wir wollen angreifen und nicht nur das Spiel verwalten." Was folgte, war die wohl beste Halbzeit in Brungs Karriere: Vier weitere Tore erzielt der damals 30-Jährige. "Mit Werner Olk hatte ich einen Gegenspieler, der sehr zweikampfstark war, aber an diesem Tag hatte ich den Vorteil, dass ich ein bisschen schneller war als er." Brungs' fünfter Treffer ist gleichzeitig der schönste der Begegnung, er trifft per Seitfallzieher zum zwischenzeitlichen 7:1. Das Publikum ist entzückt, auch nach dem Schlusspfiff hält die Begeisterung an. "Die Zuschauer wurden ja absolut mitgerissen durch dieses Spiel."

Als neuer Favorit auf die Meisterschaft behauptet Nürnberg auch im Frühjahr den ersten Tabellenplatz. "Man hat auch schon in den Spielen vorher gemerkt, dass wir nicht umsonst ganz oben stehen. Da hatten wir auch Glück, dass sich niemand verletzt hatte und wir unsere Stammbesetzung hatten." Tatsächlich setzte der Club nur 15 Spieler in der gesamten Saison ein. Brungs und seine Mitspieler sichern sich im Mai 1968 den Titelgewinn ausgerechnet mit einem 2:0 in München. Es sollte der vorerst letzte Meistertitel des 1. FC Nürnberg bleiben.