Das 1:1 zwischen dem Köln und Frankfurt beweist, wie eng es im Tabellenkeller zugehen dürfte. Auf Teams wie Köln, Frankfurt, Energie Cottbus, Arminia Bielefeld, den VfL Bochum oder den KSC wartet eine schwere Saison.

Petit wollte unbedingt noch weiterspielen, doch statt der flehend erbetenen Zugabe hatte ihm der Schiedsrichter nur ein großzügiges Lächeln zu bieten. Außerdem gewährte Manuel Gräfe einen Blick auf seine Armbanduhr, sie zeigte vollendete deutsche Pünktlichkeit an: Exakt 90 Spielminuten waren soeben vorübergegangen. Petit erkannte die Aussichtslosigkeit seines Verlangens und wandte sich hadernd ab.

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Ein Portugiese in Köln: Mittelfeldspieler Petit (links) verstärkt die Geißböcke. (© Foto: ddp)

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Der portugiesische Nationalspieler, "unser Portugiese", wie man ihn vor dem Spiel den 50.000 Besuchern angepriesen hatte, war schwer enttäuscht über den nunmehr unveränderlichen Ausgang seines ersten Heimauftritts mit dem 1. FC Köln. Das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt fasste man beim Aufsteiger eher als Niederlage denn als Remis auf, zumal man ja den Sieg schon greifbar vor sich hatte. Weil Roda Antar aber seinen Elfmeter gegen den Pfosten setzte, fehlten am Ende, wie Trainer Christoph Daum resümierte, "zwei Zentimeter zur Glückseligkeit". Stattdessen herrschte Trübsal.

Lichter Moment

Ein seltener lichter Moment hatte den Frankfurtern den unverhofften Ausgleich durch Fenin beschert, es war eine unangemessene Belohnung für ihr sprödes und einfallsloses Spiel. Andererseits war dieses Remis ein symptomatisches Resultat in einem symptomatischen Duell: Man wird in dieser Saison noch viele solcher zähen Auseinandersetzungen erleben, die durch ein unvermutetes Vorkommnis entschieden werden. Die Liga, soviel zeichnet sich nach zwei Spieltagen schon ab, weist in ihrer unteren Hälfte einen viel dichteren Leistungsstand auf als im Jahr zuvor. Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel kann das nicht überraschen: "Das sage ich nicht erst jetzt, das habe ich schon vor dem ersten Spieltag gesagt."

Funkel, seit 35 Jahren ein intimer Kenner der Liga, begründet seine These vom umfassend grassierenden Abstiegskampf vor allem mit den Möglichkeiten der drei Aufsteiger - die im Gegensatz zu den natürlichen Grenzen der Absteiger Duisburg und Rostock stehen. Tatsächlich ließ sich am Sonntag erkennen, dass die Qualitäten des erheblich verstärkten Aufsteigers Köln kaum hinter denen der in jahrelanger Aufbauarbeit etablierten Eintracht zurückstehen.

In Frankfurt will man das lieber nicht wahrhaben, dort erwartet das Publikum eine stete Steigerung Richtung Bayern München, was dem Erz-Realisten Funkel schon lange auf die Nerven fällt. Dankbar nutzte der Trainer also die Gelegenheit, eine Gewinnwarnung auszugeben: "Diese Saison kann für viele Klubs schwierig werden, auch für uns", weissagte er, „auch wir werden vielleicht mal an 14., 15. oder gar letzter Stelle stehen.”

Lob für Zugang Geromel

Die Kölner dagegen hätten gern mehr Kapital aus ihrer Aufstiegseuphorie geschlagen. Die Voraussetzung hatte am Sonntag bestanden, doch einer überlegen geführten ersten Hälfte mit Novakovics Führungstor ließ der FC eine kümmerliche zweite Halbzeit folgen. „Die Kölner haben Angst vor dem Sieg gehabt, nur dadurch sind wir noch mal ins Spiel gekommen”, bedankte sich Frankfurts Kapitän Amanatidis. Lediglich moralischer Trost blieb den FC-Anhängern: Ihre Elf wurde an den neuralgischen Stellen gewinnbringend reformiert.

Den Brasilianer Geromel etwa, der jetzt neben dem Libanesen Mohamad das Abwehrzentrum bildet, ortet nicht nur Christoph Daum „am Anfang einer großen Karriere”. Der 22-Jährige ist laut Manager Michael Meier eine Entdeckung des neuen Kölner Nachrichtendienstes, der abseits der europäischen Groß-Ligen nach Talenten rasterfahndet. Im Fall Geromel wurde man bei Vitoria Guimaraes im Norden Portugals fündig. Daum lobt seine Zuverlässigkeit, Geradlinigkeit und Übersicht, und diese Komplimente bestätigte der Spieler in allen Belangen.

Andere Kölner Zugänge sind von seinem Entwicklungsstand aber weit entfernt: Die Angreifer Radu und Sanou sind dem Rest des Teams noch fremd wie Marsmenschen, und auch der 31-jährige Portugiese Petit, der seine Fußballerkarriere bisher bei Boavista Porto und Benfica Lissabon verbracht hat, befindet sich noch in der Anpassung. „Er muss sich erst an Tempo und Härte in Deutschland gewöhnen”, entschuldigt Meier. Spielerisch gehört Petit bereits der Oberklasse der Liga an. Zu einer Zugabe fühlte sich Schiedsrichter Gräfe aber trotzdem nicht veranlasst.

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