1. FC Köln Chaosklub adé

Geborener Österreicher, aber längst Mentalitäts-Kölner: FC-Trainer Peter Stöger, 49.

(Foto: Jonas Güttler/dpa)

Köln bindet Trainer Peter Stöger vorzeitig bis 2020 - die Vertragsverlängerung ist ein weiteres Zeichen dafür, wie stabil der Klub zurzeit arbeitet.

Von Philipp Selldorf

Die Verantwortlichen des 1. FC Köln fangen mittlerweile an, Mitgefühl für die Vertreter der Boulevardzeitungen zu entwickeln. Der beängstigend sorgfältig geordnete FC im Jahr 2016 hat ja kaum noch etwas gemeinsam mit jenem FC, der sich vor wenigen Jahren täglich um das Unterhaltungsprogramm der Sensationspresse verdient machte. Vor dem letztmaligen Sturz in die zweite Liga vor dreieinhalb Jahren hat der Verein alle Punkte des Anforderungsprofils übererfüllt, das an einen "Chaosklub" gestellt wird. Erst wurde der Manager entlassen (Volker Finke), dann der Trainer (Stale Solbakken), ferner trat mit lautem Knall das Präsidium um Wolfgang Overath zurück, nebenbei kam raus, dass der Verein mehr oder weniger pleite war, und wenn die Fans nicht im Stadion rebellierten und randalierten, dann taten sie es am Geißbockheim, wo die Spieler sich nicht mehr auf den Parkplatz trauten.

Länger als Hennes Weisweiler hielt noch keiner durch - bisher

Am Donnerstag nun gab es wieder Neuigkeiten vom 1. FC Köln, aber die Nachrichten kommen nicht mehr aus einem Chaos-, sondern aus einem Musterklub. Der Verein gab bekannt, den Vertrag mit Trainer Peter Stöger verlängert zu haben, dessen laufender Vertrag sich jedoch keineswegs in den letzten Zügen befand. Stöger, 49, war bis 2017 an den Verein gebunden, und nun hat man sein Arbeitsverhältnis bis ins Jahr 2020 fortgeschrieben. So eine neue Vereinbarung ist in der Regel mit einer Gehaltserhöhung verbunden - Präsidium und Management scheint sehr daran gelegen zu sein, der Wertschätzung für den österreichischen Coach Ausdruck zu geben.

Stöger erklärte, er habe "nicht lange nachdenken" müssen: "Wir haben eine Mannschaft, die sich noch weiterentwickeln wird, und abseits des Fußballs fühle ich mich in der Stadt sehr wohl. Es passt einfach alles." Sportchef Jörg Schmadtke sagte: "Mit Peter Stöger haben wir den optimalen Trainer für den FC. Wir haben ein sehr gutes Arbeitsklima. Und Dinge, die funktionieren, soll man nicht auseinanderreißen." Historiker haben ermittelt, dass Stöger im Falle der Vertragserfüllung den Amtszeitrekord von Hennes Weisweiler aus den frühesten Tagen der Vereinsgeschichte übertreffen wurde.

Derzeit möchte man das beinahe für möglich halten. Es gehört zu den Leistungen des Präsidenten Werner Spinner, einen Führungskreis installiert zu haben, der auf wundersame Weise ein ideales Ganzes bildet. Für das sportliche Management engagierte Spinner zunächst Schmadtkes Assistenten Jörg Jakobs, dann lotste er aus Stuttgart den kreativen Geschäftsführer Alexander Wehrle in die Stadt, schließlich folgte aus Hannover auch Schmadtke. Stöger wurde noch von Jakobs und Vizepräsident Toni Schumacher zum Umzug nach Köln überredet, er brachte seinen Wienerischen Landsmann Manfred Schmid mit. Der Fortsetzung dieser geglückten Geschichte steht eigentlich nichts im Wege, jedenfalls kein Vertragsende. Schmadtke wurde bis 2020, Wehrle bis 2021, Jakobs bis 2018 verpflichtet. Im unruhigen öffentlichen Leben der Stadt, in dem bekanntlich zuletzt vieles schief gelaufen ist, bildet der grundsolide FC eine erstaunliche Ausnahme.