In einem denkwürdigen Spiel zeigt der Aufsteiger aus Kaiserslautern der Bundesliga, dass die Bayern doch schlagbar sind. Deren Trainer Louis van Gaal prognostiziert seiner Elf ein schwieriges Jahr.
Es war ein Moment für die Ewigkeit der Klubhistorie, nichts weniger. Alle spürten das am Freitagabend auf dem Betzenberg. Doch um die ganze Dimension des Ereignisses zu verdeutlichen, erinnerte Klubchef Stefan Kuntz, nachdem das 2:0 gegen den FC Bayern endlich so unerschütterlich in der Statistik stand wie ein Monolith im Wind, an eine der prekärsten Situationen in der Geschichte des 1.FC Kaiserslautern.
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Jubel nach dem 1:0: Christian Tiffert (Mitte) war einer der besten FCK-Akteure an diesem Abend. (© AFP)
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Zwei Jahre ist es her, als ein Sieg gegen den 1. FC Köln im allerletzten Saisonspiel den FCK vor dem Abstieg in die dritte Liga rettete. Kuntz betete damals vor der schicksalhaften Partie am Grab seiner Oma, der FCK stand am Abgrund. "Dass wir nun so einen Sieg gegen den Deutschen Meister in einem Ligaspiel feiern dürfen, ist die größte Belohnung für alle hier", sagte Kuntz: "Vor anderthalb Jahren waren die Bayern noch zum Benefizspiel hier."
"Das war ein Wahnsinsabend"
Es schwang viel Pathos mit in den Worten des früheren Nationalspielers, aber für den FCK bedeutete dieser Sieg gegen den Rekordmeister nach vier Jahren in Liga zwei tatsächlich mehr als nur den Gewinn von drei Punkten. Sie haben die bitteren Jahre der internen Grabenkämpfe und des Größenwahns überlebt. Und nach dem Erfolg zum Saisonstart in Köln zeigte den Pfälzern dieser Sieg gegen den Branchenführer, dass sie trotz des kleinsten Lizenzspieleretats der Liga und einer Mannschaft ohne gestandene Erstligaprofis konkurrenzfähig sind. Und sie haben der Bundesliga gezeigt, dass die Bayern nicht unschlagbar sind. "Das war ein Wahnsinnsabend. Heute haben Herz und Wille gewonnen", sagte FCK-Trainer Marco Kurz stolz.
Wie schon in der vergangenen Runde gegen Mainz 05 gaben die Bayern auch diesmal wieder früh in der Saison den Aufsteigerselbstvertrauenverschaffer. Mark van Bommel aber empfand die Erinnerung an die Pleite in Mainz fast als Beleidigung. "Das war ein Ausrutscher heute. Wer uns damals in Mainz gesehen hat und heute - dazwischen liegen Welten. Wir haben nicht schlecht gespielt heute." Vor einem Jahr mussten sich die Münchner Profis noch an die Vorgaben ihres neuen Trainers Louis van Gaal gewöhnen und es schien nicht absehbar, wie schnell das gelingen würde.
Im Herbst hatte die Mannschaft die Philosophie des strengen Holländers dann doch verinnerlicht und auch in Lautern war die Handschrift des Trainers klar zu erkennen. Die Bayern dominierten das Spiel, 72 Prozent Ballbesitz beweisen die Überlegenheit. Doch am Ende musste van Gaal zugeben, "dass dies heute wieder so ein Tag war, an dem wir trotz Ballbesitz nicht viele Chancen kreiert haben". Der FCK verteidigte mit großer Leidenschaft. "Wir sind extrem viel gelaufen, das war die Hölle", gab ein völlig geschaffter Christian Tiffert zu, der überragende FCK-Akteur des Abends. Und kamen die Bayern doch einmal aussichtsreich in den Strafraum des Aufsteigers, fehlte ihnen die Genauigkeit im letzten Abspiel oder die totale Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. "Wir waren nicht scharf genug in Phase vier", bemerkte van Gaal. "Phase vier" bezeichnet die finale Stufe des Torabschlusses in seiner vierstufigen Lehre des Fußballs.
Vielleicht hätten die Bayern das Spiel gewonnen, hätte Thomas Müller in einer 3:1-Situation frei vor Lauterns Torwart Sippel zu den mitgelaufenen Miroslav Klose oder Ivica Olic abgespielt, statt den Ball am Tor vorbeizuschießen. Es stand noch 0:0 in jener 24. Minute. Ein Knackpunkt des Spiels sei das gewesen, glaubte Lauterns Trainer Marco Kurz. "Ich gehe davon aus, dass Müller die Mitspieler nicht gesehen hat, er ist normalerweise kein egoistischer Spieler", sagte van Gaal.
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