1860-Delegiertenversammlung Ein bisschen Ruhe

Man sagt 1860 München gerne nach, ein chaotischer Verein zu sein. Bei der Delegiertenversammlung haben sich die Mitglieder für personelle Konstanz entschieden, wenn auch mit Protest. Wer sich an die Versammlungen der vergangenen Jahre erinnert, der wird feststellen: Es ist etwas Ruhe eingekehrt - doch es wird nie ruhig werden. Gott sei Dank.

Von der Veranstaltung berichtet Martin Mühlfenzl

Wo tanzt das Maskottchen der Löwen künftig? Also in welchem Stadion und in welcher Liga. Darüber soll debattiert werden.

(Foto: dpa)

Auf der Tagesordung stehen die Worte "Stadionzukunft und Stadionsicherheit" - doch es wird sich bei der 44. ordentliche Delegiertenversammlung des TSV 1860 München auch um andere Themen gehen: Wie geht es dem Verein wirtschaftlich? Gibt es einen neuen Trainer? Und was ist mit Investor Hasan Ismaik geplant?

18:14 Uhr

Vize-Präsident Wolfgang Hauner hat schon auf dem Podium Platz genommen. Auch der andere Vize und Versammlungsleiter, Franz Maget, ist schon auf der Bühne.

18:20 Uhr

Präsident Dieter Schneider ist da, begrüßt Journalisten und Delegierte - und macht gleich mal einen Scherz: ""Keine Ahnung, es kann schnell gehen, aber auch lange dauern. Mir wäre am liebsten, wenn um 9 Uhr alles vorbei wäre."

18:24 Uhr

Weil auf der Bühne noch nicht allzuviel los ist, lohnt ein Blick auf die Speisekarte: Leberkäse mit Breze, Currywurst mit Pommes, Schweinebraten mit Kartoffelknödel und Biersauce. Rahmschwammerl mit Semmelknödel. Käsespätzle mit Allgäuer Emmentaler und Röstzwiebeln.

18:35 Uhr

Gleich geht's los: Otto Steiner (Aufsichtsratsboss), Franz Maget, Dieter Schneider, Wolfgang Hauner (Vize-Präsident) und Ekkehard Krebs (Geschäftsstellenleiter des Vereins) werden die Veranstaltung vom Podium aus leiten.

18:37 Uhr

Schwieriges Verhältnis: 1860-Präsident Dieter Schneider und Investor Hasan Ismaik.

Schwieriges Verhältnis: 1860-Präsident Dieter Schneider und Investor Hasan Ismaik.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Worum geht's heute Abend? Das steht auf der Homepage des Vereins: "Die 217 stimmberechtigten Delegierten werden den Aufsichtsrat, Ehrenrat, Seniorenvertreter und Kassenprüfer neu wählen. Neben den Berichten, Aussprachen und Neuwahlen steht dabei die Entlastung von Präsidium und Aufsichtsrat auf der zwölf Punkte umfassenden Tagesordnung.

Interessant ist auch der Bericht des Präsidiums unter TOP 6.6 der Tagesordnung über den Stand der Satzungsneufassung. Unter TOP 11 stehen zwei eingebrachte Anträge zum Thema Stadionzukunft und Stadionsicherheit zur Behandlung an."

18:38 Uhr

Scheichs oder Emire sind noch nicht gesichtet worden. Auch die Zahl schwedischer Fußballtrainer geht gegen Null. Vize-Präsident Franz Maget hat bereits seinen Platz auf dem Podium eingenommen und studiert Akten.

18:41 Uhr

Das erste Machtwort: Franz Maget bitte alle, sich hinzusetzen, damit es losgehen kann.

18:47 Uhr

Präsident Schneider eröffnet dann doch noch die Versammlung. Natürlich begrüßt er zunächst alle Aufsichtsräte, die alle 13 Abteilungen immer wieder unterstützt haben und das "Schiff 1860" auf Kurs gehalten haben. Freundlicher Applaus begleitet die Begrüßungs-Arie. Schneiders besonderer Dank geht an Ekkehard Krebs, den Geschäftsführer des Gesamtvereins. Das Interesse der Medien überrascht Schneider freilich nicht: Schließlich passiere bei 1860 derzeit doch Einiges. Die weitere Versammlungsleitung übernimmt Franz Maget.

18:50 Uhr

Aus allen 13 Abteilungen sind mittlerweile mehr als 160 Stimmberechtigte eingetroffen. Das spricht für eine gewisse Disziplin. Die Versammlung kann ordnungsgemäß durchgeführt werden. Der aktuelle Mitgliederstamm der Löwen: 19.500 - ein stabiler Stand, so Maget. Die Löwen sind einer der größten Sportvereine der Republik. Genau genommen liegen die Löwen auf Rang elf.

18:59 Uhr

Das Protokoll der Delegiertenversammlung wird nach kleinen Korrekturen genehmigt. An solchen Kleinigkeiten soll aber nicht einmal bei den Münchner Löwen einen Versammlung scheitern. Es folgt die Totenehrung - ein stiller Moment im Gedenken an verstorbene Mitglieder des TSV 1860 München. Nach dem Innehalten werden jene Mitglieder geehrt, die dem Verein 50 Jahre und länger angehören. Lohn der nicht immer einfachen Treue: Lebenslange Beitragsfreiheit.

19:08 Uhr

Der Präsident hat das Wort: Noch einmal betont Dieter Schneider, dass er Präsident des Gesamtvereins ist - und so schnell wie möglich die Marke von 20.000 Mitglieder überschreiten will. Das Hauptaugenmerk liege bei 13 Abteilungen aber natürlich auf dem Fußball, der mit Abstand der größten Abteilung des TSV. Ein kurzer Rückblick: Viele, viele Krisen hätten die Gremien des Vereins in der jüngeren Vergangenheit bewältigen müssen. Diese Aussage kommt nicht überraschend.

19:09 Uhr

Investor. An dem bei nicht bei allen Löwen-Fans beliebte Wort kommt der Präsident nicht vorbei. Hassan Ismaik. Ohne dessen Geld wären die Delegierten heute nicht hier, sagt Schneider. Ohne den Verkauf von 49 Prozent der Anteile wäre die KgAH damals in die Insolvenz geschlittert. Dieser Umstand wird doch tatsächlich mit ein wenig Beifall gewürdigt. "Eine Badewanne ohne Wasser" - wer will das schon? Diesen Vergleich wählt der Präsident, um die Bedeutung der Fans zu würdigen, ihren Einsatz und as gute Zusammenspiel mit dem Verein. Der Beifall wird lauter und gefühlt auch ein wenig wärmer.

19:13 Uhr

Noch spielt 1860 in der Allianz Arena.

Noch spielt 1860 in der Allianz Arena.

(Foto: dpa)

Vom Investor zum nächsten wichtigen und heiß diskutierten Thema: ein eigenes Stadion.Eine eigene Heimat für die Löwen sei auch sein inniger Wunsch, sagt Schneider. Der Auszug aus der Allianz Arena gehöre zu den Zielen, die der Verein prüfen werde. Prüfen. Mehr sei derzeit aber nicht machbar. Gewaltige Millionen-Summen für ein eigenes Stadion kann der TSV nicht aufbringen. Wenn denn in Zukunft doch eine blaue Arena gebaut werden sollte, macht Schneider deutlich, werde sie sicher nicht den Löwen gehören - sondern einem Investor. Die Finanzen? Kein einfaches Terrain für den Präsidenten. Nur so viel: "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel." Selbst die Rückführung des Jugendleistungszentrums in den Hauptverein mit einer Größenordnung von einer Million Euro stelle für den TSV keine Peanuts dar.

19:20 Uhr

Noch einmal zurück zu den Fans - und zum Thema Stadionsicherheit. Bereits in einer Podiumsdiskussion mit der Süddeutschen Zeitung hat Schneider deutlich gemacht, dass dieses Thema nicht zwischen Vereinen, Politik und Fans hin und her geschoben werden darf. Auf dem Rücken der Fans, wiederholt Schneider noch einmal, dürfe dieser wichtige Bereich nicht ausgetragen werden. Die Fans müssen sich einbringen und einbinden und dürfen sich nicht beleidigt zurückziehen. Der TSV sei mit seinen Fans in ständigem Kontakt - und dieser werde auch fortgeführt.

19:24 Uhr

Mal sehen, ob das Thema Investor auch diesmal wieder für großen Aufruhr sorgt. Schneider räumt ein, Dass es zu Beginn der Zusammenarbeit mit Hassan Ismaik Probleme gegeben habe - aber: "Es haben sich alle Seiten zusammengerissen." Der Dreijahresplan zur Konsolidierung zeige seine Wirkung. Mehr hat Schneider zu den Finanzen nicht zu sagen.

19:29 Uhr

Derzeit Trainer der Löwen: Alexander Schmidt.

Derzeit Trainer der Löwen: Alexander Schmidt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Jetzt wird es spannend: Sven Göran Eriksson. "Ein Wunderheiler ist das nicht", sagt Schneider. In dieser Geschichte habe sich das Präsidium eine eindeutige Meinung gebildet, nach intensiver Diskussion: Er, Schneider, habe eben nicht nach Gutsherrenart die Meinungshoheit für sich beansprucht. Befasse sich der Verein tatsächlich mit einer neuen Strategie - etwa der Strategie Eriksson - müsste der Dreijahresplan geändert werden, schließlich koste nicht nur ein Welttrainer viel Geld, sondern auch der gesamte Rattenschwanz, den dieser mit sich ziehe. Nur wie die Meinung des Präsidiums tatsächlich aussieht, wird bei Schneiders Ausführungen nicht wirklich deutlich. Ja? Nein? Nicht ganz so geschickt versucht der Präsident das Thema zu umschiffen.

19:34 Uhr

Der Präsident kommt zum Ende, lobt noch einmal die Loyalität innerhalb des Präsidiums. Nur einen vergisst er zu loben: sich selbst. Das übernimmt dann in üblicher Loyalität Franz Magt: "Es ist erstaunlich, was du für diesen Verein leistest. Wir bekommen das jeden Tag aus nächster Nähe mit." Jetzt ist der Präsident mit seinem Bericht wirklich fertig. Es folgt der Bericht des Schatzmeisters: Wolfgang Hauner darf in das Werk der Zahlen eintauchen und für alle Delegierten verständlich aufbereiten.

19:36 Uhr

Mit allzu vielen Zahlen aus der Blanz des TSV 1860 wollen wir Sie nicht quälen. Daher kurz aufgeführt: Im vorläufigen Jahresabschluss 2011/2012 steht ein Fehlbetrag von 20.407 Euro zu Buche - das Vereinsvermögen des Gesamtvereins liegt bei über 2,3 Millionen Euro. Das muss als Auszug aus der Bilanz reichen. Wer es genau wissen will, der klicke bitte hier.

20:00 Uhr

Noch einmal muss man den Schatzmeister zu Wort kommen lassen. In seinem Bericht erinnert er daran, dass der TSV 1860 einen Rechtsstreit mit einem bekannten Neonazi ausfechten musste, der dem Verein beitreten wollte - und dem die Aufnahme verweigert wurde. Der TSV machte den Namen des Rechtsradikalen öffentlich, wogegen dieser prozessierte. Der Klub bekam aber Recht; und darf sich über einen kleinen Erfolg im Kampf gegen rechte Tendenzen freuen.

20:02 Uhr

Konzentriert haben die Delegierten dem Bericht des Schatzmeisters gelauscht. Aber Geld spielt bei den Löwen freilich immer eine besondere Rolle. Es bleibt spannend: Es folgt der Bericht von Robert Schäfer zur Lage der KGaA. Vor allem zur wirtschaftlichen Entwicklung.

20:05 Uhr

Im Jahr 2011 habe die KGaA noch einen operativen Verlust von 11 Millionen Euro hingelegt. Dieser, sagt Schäfer, konnte im Jahr 2012 auf 2,4 Millionen reduziert werden. Beeindruckende Zahlen, dafür hat der Verein jetzt Schulden beim Investor. Euphorie mag angesichts der Ausführungen des Managers nicht aufkommen. Applaus bekommt Schäfer aber für sein Lob der hervorragenden Nachwuchsarbeit - der U21 und der U19. Und vor allem für die Erwähnung der Erfolge der Talente in den Derbys gegen die ungeliebten Roten. Jetzt kommt doch noch Stimmung auf.

20:08 Uhr

Aber Schäfer kommt noch einmal zu den Finazen und zur Verschuldung der KGaA: Heute liege diese nur noch bei neun Millionen Euro. An Spielerwerten stehe diesem Schuldenstand ein Spielerwert von 20 Millionen gegenüber. Klingt doch zuversichtlich: Die Spieler als 20 Millionen schwere stille Reserve.

20:11 Uhr

Stille bei den Löwen-Fans - nicht wegen der Leistung der Mannschaft, sondern gegen das Sicherheitspapier der DFL.

Stille bei den Löwen-Fans - nicht wegen der Leistung der Mannschaft, sondern gegen das Sicherheitspapier der DFL.

(Foto: dapd)

Schäfer geht aber auch auf das sportliche Abschneiden der Mannschaft ein: Durchwachsen sei dies gewesen. Daher habe sich die KGaA für Alexander Schmidt als Nachfolger von Coach Maurer entschieden. Schmidt kennt den Verein, er kann die Mannschaft führen, hat klare Vorstellungen - all dies habe für ihn als neuen Löwen-Dompteur gesprochen. Er habe das vollste Vertrauen der Geschäftsführung. Bleibe es bei der Entwicklung der Mannschaft, werde Schmidt auch über diese Saison hinaus mit ihr zusammen arbaiten dürfen. Dann bleibt der Welttrainer Eriksson der wohl teuerste Tribünengast der Löwen.

20:18 Uhr

Sicherheit im Stadion? Da werde auch viel von den Medien aufgebauscht, sagt der Geschäftsführer. Stadionbesuche sind sicher und kämen eben nicht - wie so oft dargestellt - der schnellen Körperverletzung gleich. "Familien sind im Stadion sicher", sagt Schäfer. Die Politik müsse daher mit ihren Maßmnahmen aufpassen - sie darf die Fankultur nicht gefährden. Diese Sätze freuen die Besucher der Nordkurve.

20:21 Uhr

Schäfers Fazit? Die Blauen streben gemeinsam die "schwarze Null" an. Konsolidierung sei oberstes Gebot, ohne die Tradition des Vereins, seine Nachwuchsarbeit und Kultur zu gefährden. Der Weg sei richtig.

20:24 Uhr

Der Aufsichtsrat hat eine eindeutige Haltung zur Arena: "Mittel- bis langristig wollen wir da raus", sagt Otto Steiner, der sein Gremium für das aktivste der jüngeren Vergangenheit hält und vor allem für ein neues Image des Vereins sorgen will. Der Investor habe dem Verein überhaupt erst eine Zukunftsoption gegeben - eine Option, an deren Ende der Aufstieg in die Bundesliga stehen soll. "Aber wir werden in keine Richtung gehen, die den Verein und die KGaA gefährden wird." Daher hätten sich alle Gremien auch für Alexander Schmidt als Trainer ausgesprochen - den Schweden Eriksson hat schon lange keiner mehr erwähnt.

20:29 Uhr

Jetzt gibt es doch wirklich mal etwas Neues bei einer Delegiertenversammlung: Alle Kandidaten setzen sich Richtung Bühne in Bewegung und werden sich den Anwesenden mit einem kleinen Statement vorstellen. Sie werden wohl das letzte Mal in einer Blockwahl gewählt. Der Verein strebt schließlich eine Satzungsreform an, die für eine deutliche Demokratisierung und mehr Transparenz sorgen soll.

20:42 Uhr

Immer wieder die Arena. Auch Sigfried Schneider geht bei seiner Bewerbung für den Aufsichtsrat auf das ungeliebte Stadion ein - und erntet großen Apllaus mit seinem klaren: "Raus". Nur wohin soll die Reise gehen? Ins Grünwalder? Unvorstellbar. In das Olympiastadion? Wenig sinnvoll. Also ab auf bdie grüne Wiese, nach Freimann oder Garching? Keine zufriedenstellenden Antworten. Schneider erläutert den Wunsch des Aufsichtsrates: Riem ist derzeit der begehrteste Standort. Die Anfrage bei der Stadt München läuft. Die wirtschaftliche Prüfung wird durchgeführt. "Dafür bitten wir um eure Unterstützung", fordert Schneider.

20:51 Uhr

Willi Rieber als Sprecher der Revisoren fasst sich kurz. Alle Abrechnungen hätten den Anforderungen der Revisoren entsprochen. Dennoch scheint unter den Anwesenden die Konzentration ein wenig nachzulassen. Frische Luft scheint bei vielen der dringendste Wunsch zu sein. Nach Riebers Bericht aber könnte die Versammlung wieder Fahrt aufnehmen. Dann steht die Aussprachen zu den Berichten bevor.

21:00 Uhr

Jetzt kommt die Aussprache. Es wird wohl einige Wortmeldungen geben - und es könnte hitzig werden.

21:04 Uhr

Eine gemeinsame Turnhalle, ein gemeinsames Vereinsheim. Das ist die Forderung von Ulla Hoppen, die sich als erstes Mitglied in der Aussprache zu Wort meldet. "Und das sage ich nicht als Mitglied der Fußballabteilung, sondern der Boxabteilung. Es wäre schön, wenn alle Mitglieder ein gemeinsames Vereinsheim hätten", das findet Zustimmung. 

21:15 Uhr

(Foto: dapd)

Es sein sicher einiges auf dem Weg der Besserung, sagt Löwen-Mitglied Richard  Ostermeier: "Mehr aber auch nicht." Zu oft hätten sich Medien und Gegner in den vergangenen Monaten über den Verein lustig machen können. Deshalb formuliert er eine klare Forderung an den Aufsichtsrat: "Wir wollen ein eigenes Stadion und zwar in zweieinhalb Jahren. Ist das klar?"

21:18 Uhr

Auch die geplante Satzungänderung spielt heute eine Rolle. Vor allem die Rückkehr von der noch praktizierten Delegiertenversammlung zur umfassenden Mitgliederversammlung. Seit Jahren wird diese Reform vorbereitet - bereits im kommenden Jahr soll sie vollzogen sein.

21:23 Uhr

Roman Beer von "Pro 1860" hat sich gleich mit seinem gut gefüllten Aktenordner auf den Weg hinter das Rednerpult gemacht: "Aber nur, wenn ich wirklich Fragen beantorten muss." Muss er letztlich nicht. Beer spricht sich klar für die Satzungsänderung aus. Schließlich sei heute nicht einmal geregelt, was passieren würde, wenn der Aufasichtsrat heute nicht gewählt wiord. Amtiert er dann einfach weiter oder gibt es dann keinen? Solche Fragen müssten geregelt werden und das kann die neue Satzung.

21:30 Uhr

Franz Hell ist ein bekanntes Gesicht bei Delegiertenversammlung - als einer der dienstältesten bei diesen Veranstaltungen. Er ist froh, dass "das System der Delegierten abgeschafft wird." Er selbst habe immer nur unzureichende Antorten auf seine Fragen bekommen, jetzt könne dann jedes Mitglied selbst fragen. Die Lacher hat das 1860-Urgestein auf seiner Seite.

21:35 Uhr

Auch den Drei-Jahres-Plan nimmt das Mitglied aus Korn: "Ich kenne so viele Zwei-, Drei- und Vierjahrespläne bei unserem Verein. Und meistens werden sie dann um ein Jahr verlängert. Ich kann diese Drei-Jahres-Pläne nicht mehr hören." Vielmehr müsste die erste Mannschaft verstärkt werden, um endlich den angestrebten und versprochenen Erfolg herbei zu führen. Da hat Franz Hell nicht nur die Lacher, sondern auch den Applaus auf seiner Seite.

21:41 Uhr

Was wäre eine Mitgliederversaammlung ohne einen Scherzkeks bei der Aussprache? Joachim Schänzler übernimmt in diesem Jahr gerne die Aufgabe des Comedy-Beauftragten und sorgt sich vor allem darum, wie denn die Freikarten zum "Sven" finden. Also zu jenem Schweden, der so gerne die Arena besucht und schon viel zu lange nicht mehr erwähnt wurde. Eine ernsthafte Frage hat das Löwen-Mitglied aber doch noch im Fragenkatalog: "Wie wird den der e.V. bei Ablösesummen beteiligt? Also die Jugendabteilung, die so gute Arbeit leistet."

Die Antworten des Präsidiums folgen nun.

21:45 Uhr

Wolfgang Hauner widerspricht zunächst der Behauptung, die Fußballabteilung bekomme 800.000 Euro pro Jahr von der KGaA. Der Betrag liege vielmehr bei etwa 450.000 Euro und dürfe aufgrund der eingeforderten Gemeinnützigkeit auch nicht höher liegen. Zum Thema Ablöse: Ein schöner Gedanke, sagt Hauner. Aber auch hier greife wieder das System der Gemeinnützigkeit. Eine Ablöse bei Jugendlichen sei eine verdeckte Gewinnerzielung, am Finanzamt vorbei.

21:55 Uhr

Franz Maget kann in manchen Momenten seiner einstudierten Rolle als Politiker einfach nicht entfliehen. Langatmig erklärt der Vize noch einmal das Prinzip der Gemeinnützigkeit. Es geht aber auch ganz kurz und einprägsam: Gewinn darf der Verein nicht machen. In aller Kürze kann Maget aber den rechtlichen Status zum Thema Aufsichtsrat erklären: Seine Amtszeit endet heute; wenn kein neuer gewählt wird, amtiert nach diesem Abend bis zur nächsten Versammlung kein Aufsichtsrat. Geht doch!

21:59 Uhr

Das war fast schon wie im Streichelzoo: Alle Fragen sind beantwortet - die Ausprache geschlossen. Es folgen die Entlastung des Präsidium und Aufsichtsrates sowie die Neuwahl des Aufsichtsrates, des Ehrenrates, des Vertreters der Senioren und der Kassenprüfer.

22:03 Uhr

Jetzt muss bei der Entlastung des Präsidiums doch gezählt werden. Zu viele Arme gehen nach oben, als gefragt wird, wer gegen eine Entlastung ist. Das Ergebnis: 103 Stimmen pro Entlastung - 47 dagegen - 23 Enthaltungen. Großes Vertrauen sieht wohl etwas anders aus. Doch letztlich reicht es.

22:14 Uhr

Mit 100 Stimmen spricht sich die Basis für eine Blockwahl bei der Entlastung des Aussichtsrates aus. Zumindest diese Abstimmung funktioniert. Denn die erste Abstimmung über die Entlastung misslingt - manche Delegierte haben wohl mehrfach abgestimmt. Also alles auf Anfang und ein zweiter Versuch: Diesmal werden nur die Gegenstimmen und Enthaltungen gezählt. Es reicht für den Aufsichtsrat: 89 Delegierte entlasten den Aufsichtsrat. Jetzt geht es gleich in die Neuwahlen.

22:22 Uhr

Alle Aussichtsräte - bis auf Christine Jodlbauer - haben sich wieder bereit erklärt, für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Für den neunten Platz im Gremium gingen bei der Wahlkommission keine weiteren Vorschläge ein. Abgestimmt wir im Block: Gewählt werden bei 44 Nein und 30 Enthaltungen mit 99 Ja-Stimmen: Otto Steiner, Klaus Hagl, Dr. Klaus Leipold, Hep Monatzeder, Siegfried Schneider, Robert von Bennigsen, Christian Waggershauser und Beatrix Zurek. Präsident Schneider ist euphorische Freude nicht direkt anzusehen. Die Delegierten scheinen sich alles andere als einig zu sein.

22:39 Uhr

Die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen gehören dem Ehrenrat an an - in folgender Reihenfolge: Roman Beer, Herbert Schröger und Jean Marie Leone. Aufgrund der seperaten Auszählung bei jedem Kándidaten hat es sich in die Länge gezogen. Nicht alle Delegierten waren mit der Auszählung einverstanden, da nur Nein-Stimmen und Enthaltungen gezählt wurden. Erstmals regt sich auch etwas lauterer Protest. Jetzt folgt die Wahl des Vertreters der Senioren.

22:41 Uhr

Das Protest-Stürmchen ist verflogen. Günter Winchen und Wolfram Kretzer sind die neuen Senioren-Vertreter bei den Löwen.

22:43 Uhr

Die letzte Wahl steht an. Der Saal leert sich merklich, die Laustärke indes steigt - wie wohl bei jeder Vereinsversammlung. Auf zwei Kassenprüfer können sich die Verbliebenen doch noch einigen: Willi Rieber und Heinz Schmidt.

22:47 Uhr

Zwei Anträge müssen noch behandelt werden: "Sicheres Stadion" und "Bestellung der Projektgruppe "Stadionzukunft".

22:52 Uhr

Der Antragstext "Sicheres Stadion" wird angenommen und bald weiter behandelt. Auch der Antrag auf Bestellung einer Projektgruppe zur "Stadionzukunft" wird positiv behandelt. Die Delegiertenversammlung nähert sich ihrem Ende. TOP 12 ist der letzte und wie immer gleich formuliert Verschiedenes.

22:55 Uhr

Aus is'! Nach mickrigen vier Stunden. Das mutet doch nach einer Rekordveranstaltung an - zumindest den zeitlichen Rahmen betreffend. Man sagt den Löwen ja gerne nach, ein etwas chaotischer Verein zu sein. Ein wenig wie eine Soap, eine oberbayerische Telenovela mit wechselnden Hauptdarstellern. Bei dieser Delegiertenversammlung aber haben sich die Mitglieder für personelle Konstanz entschieden, wenn auch mit einem ausgeprägtem Hang zu stummen Protest. Aber auch das gehört zu diesem Verein. Wer sich an die Versammlungen der vergangene Jahre erinnert, der muss dennoch festgestellt haben: Es ist etwas Ruhe eingekehrt - und in diesem Verein wird es nie ruhig werden. Gott sei Dank.