Von Moritz Kielbassa

Ein bitteres 0:3 in Augsburg und Siege der Abstiegskonkurrenten: Bei 1860 beginnt wieder das Zittern.

In letzter Zeit bemühte sich Uwe Wolf um eine gemäßigte Tonart. Seine lärmende Kampfrhetorik der ersten Amtswochen dimmte der Coach des TSV 1860 herunter - auf ganz normale Trainersätze. Es gebe keine leichten Gegner in der Zweiten Liga, floskelte Wolf unlängst bescheiden, und vor dem Derby beim FC Augsburg, einem Erzrivalenduell mit Generationen-langer Historie, sagte Wolf dezent: "Ich würde gerne gewinnen. Wir wollen couragiert auftreten."

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Das große Zittern geht wieder los - auch für Trainer Uwe Wolf. (© Foto:)

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Es blieb beim Vorsatz, 1860 verlor nach einem laut Torwart Michael Hofmann "peinlichen" Auftritt 0:3 (0:1). Für Augsburg trafen Michael Thurk (20./71.) und der eingewechselte Da Costa (86.), vor 28000 mehrheitlich erfreuten Zuschauern. Die über die A8 zahlreich angereisten 1860-Fans reagierten während und nach dem Spiel hörbar ungehalten.

Dass sich damit die mehrjährige Pleitenserie gegen Augsburg fortschrieb, war für 1860 hinterher noch das kleinste Problem. Weil an diesem schwarzen Maifeiertag auch Rostock und Osnabrück siegten, schrumpfte das Polster bis zum Relegationsplatz 16 auf bedenkliche vier Punkte, in den nun folgenden Kellerduellen gegen Rostock und Wehen sieht Wolf, sein Team "zum Punkten verdammt", er selbst blieb im neunten Spiel als Chef zum siebten Mal nacheinander sieglos.

Seine alten Kämpen waren in der ersten Nach-dem-Spiel-Erregung fuchsteufelswild: "Wenn wir weiter so auftreten, kann man sich leicht ausmalen, was uns in den letzten Spielen wieder erwartet", grollte Keeper Hofmann, 36 - er meinte: das große Zittern auf der Zielgeraden, wie 2006, 2008.

Hoffmann flucht und warnt

Verteidiger Torben Hoffmann, 34, fühlt sich gar an 2004 erinnert: "Ich warne seit Wochen, dass mich die Konstellation an unseren Bundesliga-Abstieg erinnert, als wir uns auch zu früh zu sicher fühlten. Wie naiv wir heute Tore gefressen haben, war wieder fatal. Wir müssen endlich kapieren, dass wir uns immer tiefer reinmanövrieren." Manager Miroslav Stevic bemerkte spitz: "Wir brauchen keine Leute, die analysieren, wir brauchen Leute, die auf dem Platz die richtige Einstellung zeigen." Wie Hofmann ("müssen Ruhe bewahren") bemühte sich Stevic, keine übergroße Nervosität herbeizureden: "Andere hinten in der Tabelle wären froh, wenn sie vier Punkte Vorsprung hätten."

Konsequenzen der Niederlage ließ Stevic unkommentiert: "Wir werden sehen." Trainer Wolf rang um ein moderates Fazit, man habe sich "gewehrt", Pech mit Aluminiumtreffern gehabt - und mit einem verweigerten Elfmeter beim Stand von 0:1, als Manuel Schäffler mit Patrick Mölzl kollidierte (60.): "Das war die Schlüsselszene", fand Wolf. Stevic pflichtete ihm bei - teilweise: Die Serie ungünstiger Schiedsrichter-Entscheidungen gegen 1860 seit Wochen sei "kein Zufall, aber es wäre falsch, nur über diese Schiene zu argumentieren." Tatsache war: Schwache Löwen bescherten dem Rosenaustadion seinen wohl letzten großen, stimmungsvollen Fußballabend.

Viele Schlachten hat der FCA in dieser ehrwürdigen Spielstätte bestritten, im Sommer erfolgt der Umzug in die neue Arena. Augsburgs Anhänger begrüßten die Gäste aus der Landeshauptstadt mit einer süffisanten Fanblock-Choreographie: "Schwaben - Frei statt Bayern!" 1860-Aufstellungschoreograph Wolf hatte mehrere Umbauten veranlasst; Rukavina rückte rechts ins Mittelfeld vor, hinter ihm verteidigte Edelreservist Ledgerwood. Am linken Flügel durfte sich Holebas versuchen, und gegen den Lochfraß im kreativen offensiven Mittelfeld setzte Wolf Fabian Johnson als Halbspitze ein.

Schlafmützig beim 0:1

20 Minuten passierte fast nichts, dann ertönte scheppernde Gaudimusik: Thurk traf zum 1:0 (20.), nach Flanke von Tobias Werner, auf der Tartanbahn freute sich der neue FCA-Trainer Jos Luhukay in froschgrüner Klubgarderobe. Die 1860- Verteidiger schienen gedanklich früh zu Bett gegangen zu sein, außen verhinderte niemand die schnelle Freistoßausführung, vor dem Tor blieb Thurk ungestört. Von 1860 ging zunächst kaum Torgefahr aus. In der Pause reagierte Wolf erneut umfangreich: Schäffler kam als zweite Spitze, im Uhrgzeigersinn wechselten Johnson und Rukavina nach rechts vorne/hinten, Ledgerwood ersetzte zentral Sven Bender. Schäffler trat beim vermeintlichen Strafraumfoul in Szene (60.), hinten parierte Hofmann gegen Thurk (68.).

Ein Schuss, von Werner krachte an die Latte (70), im Fortgang der Szene holte 1860-Verteidiger Schick jedoch Khizaneishvili von den Füßen. Nun gab es Elfmeter, Thurk verwandelte (2:0). Vis a vis köpfte Schäffler an die Latte (77.), Johnson ließ einen Schrägschuss an den Pfosten folgen, nun fehlte 1860 auch das Glücksquäntchen. Das 0:3 (86.) gab Wolf den Rest, gedankenverloren tigerte er mit seiner Schirmmütze durch die Coaching-Zone. Er weiß: Der Druck wächst. Auch für ihn.

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(SZ vom 2.5.2009/vw)