Beim Zweitliga-Auftakt im Augsburger Rosenaustadion überrascht der TSV 1860 mit einem 6:2-Erfolg und ist erster Tabellenführer.
Um zu begreifen, wie außergewöhnlich dieser Saisonauftakt für den TSV 1860 war, lohnte sich nach dem zwischenzeitlichen 1:5 ein Blick zu Stefan Ziffzer und Willi Mantel. Sie standen auf der Tribüne des Augsburger Rosenaustadions und jubelten gemeinsam. Geschäftsführer und Aufsichtsrat, Freund und Feind, all das spielte an diesem Nachmittag keine Rolle mehr bei den Löwen. Nach dem 6:2 (3:1)-Erfolg beim Lokalrivalen FC Augsburg, der die Löwen in der Vorsaison zweimal gedemütigt hatte (0:3, 0:3), war der Ärger der vergangenen Wochen für einen Nachmittag vergessen.
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,,So etwas habe ich bei 1860 noch nicht erlebt'', sagte Mittelfeldspieler Danny Schwarz. ,,Aber wir wollen jetzt nicht ausflippen, und der Trainer wird dafür sorgen, dass wir nicht abheben.'' Das tat Marco Kurz mit den Worten: ,,Das waren auch nur drei Punkte, wichtig für den Start, aber nicht mehr.'' Denn für eine sportliche Bilanz ist es noch zu früh nach dem ersten Spiel. Die neu formierte, durchgängig mit groß gewachsenen Spielern besetzte Abwehr machte es dem Gegner schwer, mit Standardsituationen und langen Bällen Tore zu erzielen. Der FCA versuchte viel zu oft, so zum Erfolg zu kommen. Insgesamt präsentierten sich die mit Imre Szabics (Mainz 05, früher VfB Stuttgart), Vaclav Drobny (Sparta Prag) und weiteren Akteuren namhaft verstärkten Augsburger zu schwach, um ein Urteil über die Leistungsfähigkeit des TSV 1860 zu erlauben.
Dabei hatten sie in der Anfangsphase mehr Spielanteile und durch Fernschüsse von Elton da Costa die besseren Chancen. Erst nach einer Viertelstunde sorgte Berkant Göktan, der sehr weit ins Mittelfeld zurückgezogen spielte, mit einem Flachschuss für die erste gute Szene der Münchner - und eine Minute später mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze für das 0:1. Der Ball sprang von der Unterkante der Latte Richtung Torauslinie. Die Fernsehbilder zeigten, dass der Ball auf der Torlinie landete und nicht dahinter, aber nachdem das Spiel noch einige Sekunden weiter gelaufen war, entschied der Schiedsrichter dennoch auf Tor. ,,Solche Fehlentscheidungen gleichen sich im Laufe einer Saison immer aus, diesmal hatten halt wir das Glück'', sagte Schwarz. Es war ein schwacher Trost für die Augsburger.
Denn das 1:0 ,,war ein bisschen eine Erlösung'' für 1860, wie Trainer Kurz zugab. ,,Am Anfang hat man die Ungewissheit nach der langen Pause gemerkt, das Tor hat uns viel Sicherheit gegeben.'' Nach der glücklichen Führung kamen die Münchner besser ins Spiel. Göktan köpfelte nach einer Flanke von Danny Schwarz kurz darauf knapp über das Tor. Die erste Hälfte blieb geprägt von umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen und kuriosen Szenen. Nach einem Foul von Benschneider an di Salvo im Strafraum schickte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer den Sünder mit Rot vom Platz, es war eine harte Entscheidung; Torben Hoffmann schob den Ball dem Augsburger Torwart Traub Sven Neuhaus in die Arme (30.).
Als sich die Zuschauer noch fragten, ob es Hoffmanns Kullerball ohne Einwirkung des Torwarts ins Netz geschafft hätte, sorgten die Augsburger mit einem weiteren Fauxpas doch noch für das 0:2. Nach einem weiten Ball war ihre Abwehr noch nicht wieder geordnet, Antonio di Salvo ließ seinen Gegenspieler Ingo Hertzsch stehen, der Ball prallte von Neuhaus ins Tor zum 0:2. ,,Da waren wir nicht sortiert, und das war der Knackpunkt in diesem Spiel'', sagte FCA-Trainer Rainer Hörgl.
Auf der Gegenseite entschied der Schiedsrichter auf Handelfmeter, nachdem ein Freistoß in der Abwehrmauer der Löwen am hoch gestreckten Arm von Danny Schwarz hängen geblieben war, Hdiouad traf (34.). Aber die Löwen spielten in Überzahl überlegen weiter. Kurz vor der Pause traf Daniel Bierofka in seinem ersten Spiel für die Löwen mit einem Schuss aus 17 Metern zum 1:3.
Für Diskussionsstoff sorgte nur noch der Augsburger Stadionsprecher
Die zweite Hälfte geriet nach dem schnellen vierten Treffer zu einem besseren Freundschaftsspiel. Der FC Augsburg steckte auf und steuerte in eine Blamage, di Salvo erzielte zwei weitere Treffer und erwischte als Vertreter des verletzten Schroth einen hervorragenden Saisonstart.
Für Diskussionsstoff sorgte nur noch der Augsburger Stadionsprecher, der zur Halbzeit die Fehlentscheidung des Schiedsrichters beim 0:1 verkündet hatte (,,die Fernsehbilder zeigen, der Ball war nicht drin''). Manager Andreas Rettig entschuldigte sich nach der Partie ,,in aller Form''. Der FC Augsburg hat aber jetzt ganz andere Sorgen. Während beim TSV 1860 plötzlich ungewohnt gute Laune herrscht.
(SZ vom 13.8.2007)
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