Mein Deutschland Supermann Putin

Macht, Entschlossenheit oder die Fähigkeit, mutige Entscheidungen zu treffen? Was Frauen an Politikern wirklich attraktiv finden: Eine Analyse.

Von Andrey Kobyakov

Was haben Wladimir Wladimirowitsch Putin und Karl-Theodor zu Guttenberg gemeinsam? Wenig, so scheint es auf den ersten Blick: Der Russe war Oberst des Geheimdienstes und verwendet gerne grobe Ausdrücke.

Russische Frauen sind von diesem Mann ehrlich begeistert: Putin, dieses Mal als Cowboy.

(Foto: Foto: AP)

Der andere, ein Deutscher aus adeligem Geblüt, überzeugt durch weltgewandtes Auftreten, Diskussionsbereitschaft und Aufgeschlossenheit. Doch eines verbindet sie: Beide gelten in ihrem Heimatland als "Sexy Politiker".

Liegt das nur an der Macht, die bekanntlich jeden noch so kümmerlichen Mann attraktiv macht? Oder an Entschlossenheit und der Fähigkeit, mutige Entscheidungen zu treffen? Der Ex-Präsident und amtierende Premierminister Russlands bleibt bis heute ein Liebling der Frauen, nicht nur in den Umfragen, die in Russland bekanntlich leicht zu manipulieren sind. Russische Frauen sind von diesem Mann ehrlich begeistert.

Die mächtige Medienmaschine Russlands wird vom Kreml gelenkt, und der Gedanke liegt nicht fern, dass das Bild von Supermann Putin ein Produkt modernster PR-Technologien ist. Schon deswegen wäre es unfair, das russische Regierungsoberhaupt mit dem deutschen Minister zu vergleichen. Dennoch bringt eine Internet-Recherche mit den Schlagworten Putin und Sex-Idol interessante Ergebnisse.

Denn man versteht endlich, was russischen Männern aus der Sicht russischer Frauen fehlt. "Schau auf seine Gangart: Der Mann weiß, was er will! Wenn sein Körper ihn im Sport und Alltag so gut hört, kannst du dir weiteres sehr gut vorstellen..." Oder: "Er treibt Sport, raucht nicht, trinkt keinen Wodka, liebt seine Frau und Kinder: Was will man mehr?" Und weiter: "Echte Frauen brauchen eine Stütze, einen Baum, um welchen man sich ranken könnte... Putin ist gerade ein solcher!"

Und die Wirklichkeit? Putin ist kleinwüchsig, seine Augen verschwinden im zu großen Kopf, er hat so gar nichts Attraktives. Dieser Premier-Präsident ist ein Medienprodukt und eine perfekte Kremlsche Konstruktion. Sie haben aus dem profillosen kleinen Beamten einen Star gemacht, was auch deshalb möglich war, weil Putin der erste Kremlchef in der neuesten Geschichte Russlands war, der als junger Mann inthronisiert wurde.

Wäre diese Gestalt auch in Deutschland populär? Eher nicht: Deutsche Frauen können nicht nur Formen, sondern auch Inhalte besser einschätzen. Ich kenne hier nicht viele Frauen, die vom Kasernenhumor Putins begeistert wären. Im Gegensatz zu Putin bekam der "bestangezogene Deutsche" Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Ehrentitel "Sexiest Politiker" des Landes definitiv fair: Schließlich kontrolliert das Bundeskanzleramt nicht die deutschen Medien.

Guttenberg wiederum wäre in Russland chancenlos: Zu viel Intelligenz, zu viel Schick, zu starke Diskussionsbereitschaft, zu viel Gel im Haar und zu wenige Sorgenfalten im gepflegten Gesicht, die ausdrücken: Ich kümmere mich um das arme Volk.

Aus Neugierde fragte ich meine Frau, eine Russin: Warum denn ist Karl-Theodor zu Guttenberg bei Frauen beliebt? "Das ist doch klar", antwortete mir milde lächelnd meine Ehefrau. "Der Mann ähnelt Hollywood-Star Matt Damon..."

An dieser Stelle schreiben Auslandskorrespondenten jeden Samstag über Deutschland. Andrey Kobyakov arbeitet in der russischen Redaktion der Deutschen Welle in Bonn.