Mein Deutschland Heilige Maria, der ADAC!

Luftballons am Stand des ADAC auf der "Bremen Classic Motorshow" (31.01-02.02.2014) in den Messehallen in Bremen.

Wem vertraut der Deutsche mehr?

Eine Kolumne von Pascale Hugues

Der ADAC - ich staune seit Jahren - ist jene Institution, der die Deutschen am meisten Vertrauen schenken. Mehr als ihrem Bundespräsidenten (vor allem seit Christian Wulff), mehr als ihrem Parlament, mehr als ihren Gerichten, ihrer Verfassung und ihren Kirchen (vor allem der katholischen)? Ich muss gestehen, dass dieser unerschütterliche Glaube an den ADAC mich immer verdutzt hat. Wen kann man damit beauftragen, das Risiko des Lebens zu minimieren? Den lieben Gott, die Medizin, einen guten Stern, einen Schutzengel, ein Amulett oder ein vierblättriges Kleeblatt, einen Marienkäfer, ein Hufeisen, die Fernsehlotterie, die Zahl 13 . . . Glauben und Aberglauben gibt es viele. Warum also wählt man sich so etwas Banales wie einen Automobilclub?

Na klar, ich würde meine Meinung ändern, wenn sich mein Auto gerade dreimal überschlagen hätte und jetzt im Straßengraben liegen würde, mit rauchender Motorhaube, die Räder in der Luft. . . Und doch: Welch Mangel an Poesie, Inbrunst und Vorstellungskraft! So eine spießige Anbetung des Autos! Was für eine Anhaftung an materielle Sicherheit und Abwesenheit jeglicher Spiritualität!

Ich erinnere mich an eine Reise in einem Bus auf einer kleinen Bergstraße in Mexiko, die sich die Abhänge entlangschlängelte. Der Busfahrer hielt den Knopf der Gangschaltung fest in der Hand, auf den er ein Bild der Madonna geklebt hatte. Eine anbetungswürdige, süße Jungfrau mit Mandelaugen, voller Glitzer, die der Chauffeur manchmal losließ, um das Kreuzzeichen zu machen - um eine besonders hässliche Kurve in die Schranken zu weisen. Schweißgebadet und klopfenden Herzens kamen wir heil auf der Ebene an.

Die Madonna hatte ihre Mission erfüllt. Sie hatte über uns gewacht. Und im Gegensatz zum ADAC hatte sie weder Abstimmungen manipuliert noch Rettungshubschrauber für Dienstflüge zweckentfremdet. Ich frage mich, ob die Deutschen nach den Enthüllungen, die ihre letzte Bastion der Effektivität und strengen Moral erschüttern, sich nicht doch besser ein Beispiel an dem mexikanischen Busfahrer nehmen sollten. Eine Madonna ist schon per Definition unantastbar. Der ADAC ist es nicht mehr.

Pascale Hugues ist Deutschland-Korrespondentin des französischen Nachrichtenmagazins Le Point . Sie lebt in Berlin.