Mein Deutschland Ein Parasit, der über seine Verhältnisse lebt.

Viele Russen haben keine Angst vor der Zahlungsunfähigkeit der USA.

Kein Zweifel: Die Amerikaner sind weltweit die besten Thriller-Produzenten. Auch wenn der Stoff für ihre Blockbuster nicht in Hollywood, sondern auf dem Kapitolshügel entsteht, bleibt die Qualität beeindruckend. Für das Schauspiel namens US-Schuldenkompromiss, das in dieser Woche in Washington aufgeführt wurde, gilt eindeutig: "Fortsetzung folgt". Aber wie reagieren die Zuschauer?

Das Verhalten der Deutschen könnte man als sehr pragmatisch bezeichnen. Die Situation in der Euro-Zone gibt ihnen mehr Grund zur Sorge. Dennoch sehen einer Umfrage zufolge mehr als ein Drittel das Ende der Vereinigten Staaten als führende Wirtschaftsnation eingeläutet. Optimistischer stimmt eine Umfrage unter Managern von deutschen Unternehmen, die in den USA tätig sind.Knapp 80 Prozent wollen weiter in ihre US-Geschäfte investieren. Deutsche Politiker und Medien gehen offen mit ihren Landsleuten um und erläutern unabhängig voneinander die Unterschiede zwischen den Ereignissen in den USA und in der EU.

Die russischen Medien schenken diesem Thema nicht weniger Aufmerksamkeit. Aber die staatlichen Fernsehkanäle, die die höchsten Einschaltquoten haben, berichten sehr oberflächlich und ohne die möglichen Konsequenzen für Russland zu kommentieren. Nach dem Motto: Das passiert irgendwo in Übersee, weit von uns entfernt. In einigen Kommentaren liest man zwischen den Zeilen sogar Schadenfreude über die Krisen in den USA und Europa - die übrigens gleichgestellt werden. Vielleicht haben deshalb fast die Hälfte der Russen keine Angst vor einer Zahlungsunfähigkeit der USA. Dennoch sind mehr als 30 Prozent alarmiert. Die Reaktionen können so zusammengefasst werden: "Ich befürchte, dass unsere Staatsführung falsch reagiert!"

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der russische Premierminister Wladimir Putin nannte die USA bei einer öffentlichen Veranstaltung einen "Parasiten", der "über seine Verhältnisse" lebe. Zugleich erklärte er, dass der Rubel zu einer regionalen Reservewährung werden könnte. Als erfolgreichstes Beispiel für Konvertierbarkeit und Stabilität des Rubels erwähnte Putin die Handelsabrechnungen mit Weißrussland. Wenn man bedenkt, dass in Russland 2012 die Präsidentschaftswahl stattfindet, wird klar, an wen diese Worte adressiert waren.

An dieser Stelle schreiben Auslandskorrespondenten über Deutschland. Andrey Kobyakov arbeitet in der russischen Redaktion der Deutschen Welle in Bonn.