Eine Kolumne von Alessandro Melazzini

Der Umgang mit dem Minister hat einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Bitte, Deutschland, bleibe sachlich! Das hatte ich mir erhofft, als ich erstmals von der Affäre Karl-Theodor zu Guttenberg erfuhr. Obwohl sich inzwischen herausgestellt hat, dass der Großteil der Doktorarbeit des Verteidigungsministers abgeschrieben wurde, gehen seine Verteidiger unbeirrt auf Guttenbergs Kritiker los und behaupten, es gehe in der Diskussion gar nicht um Fakten. Vielmehr seien die Plagiatsvorwürfe gegen ihn nur eine Schmutzkampagne.

Guttenberg will laut 'Bild' zuruecktreten Bild vergrößern

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)  im Bundestag in Berlin. Am 1. März 2011 legt Karl-Theodor zu Guttenberg sein Ministeramt nieder. (© dapd)

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Natürlich wollen die Oppositionsparteien die günstige Gelegenheit nutzen, um die dunkle Seite der Lichtgestalt Guttenberg auszuleuchten. Verständlich ist andererseits auch, dass die Kanzlerin und die regierenden Parteien den Freiherrn in Schutz nehmen. Aber die anfängliche Verneinung dessen, was offensichtlich ist, nämlich dass es sich bei Guttenbergs Doktorarbeit um eine systematische Plünderung des Schaffens anderer handelt, sowie die Entscheidung Guttenbergs, sich zunächst nur vor ausgewählten Journalisten zu äußern, seine gravierenden akademischen Fehler herunterzuspielen und zu leugnen, hat mich leider an die Praxis des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi erinnert. Berlusconi ist gewohnt, alle seine Kritiker zum Schweigen zu bringen, indem er ihnen Unredlichkeit unterstellt und Freiheit für sein Handeln verlangt.

Zum Glück handelt es sich im Fall Guttenberg "nur" um einen Doktortitel und keine allzu enge Beziehung mit Libyens Diktator Gaddafi oder mit mehreren, teilweise minderjährigen Prostituierten. Die Art und Weise aber, wie man im Fall Guttenberg in Deutschland mit den Kritikern des Ministers umgegangen ist, hat bei mir einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Müssen denn auch in Deutschland, wenn es um eine charismatische Persönlichkeit geht - was Karl-Theodor zu Guttenberg ohne Zweifel ist - seine Anhänger mit der Sachlichkeit von Fußballfans argumentieren? Als Italiener weiß ich nämlich sehr genau die allzu oft kritisierte Nüchternheit und Langeweile der politischen Szene in Deutschland, die norddeutsche Trockenheit einer Angela Merkel, zu schätzen, ja, mich dafür zu begeistern.

Zum Glück hat Karl-Theodor zu Guttenberg dann doch nachgegeben. Ich würde mich übrigens nicht wundern, wenn er sich als überaus geschickter Manager in eigener Sache am Ende imstande zeigen würde, seine Niederlage zu seinen Gunsten zu nutzen.

An dieser Stelle schreiben Auslandskorrespondenten über Deutschland. Alessandro Melazzini arbeitet als Kulturkorrespondent für die italienische Tageszeitung Il Sole 24 Ore.

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(SZ vom 26./27.02.2011/ib)