Ist der Streik in Kinderkrippen und Kindergärten gerechtfertigt? Das war die Frage der vergangenen Woche - und hier sind die Antworten.
In Kinderkrippen und Kindergärten wird gestreikt - die Gewerkschaft fordert einen besseren Gesundheitsschutz für die Betreuer, weil die Arbeit mit den Kindern immer anstrengender werde. Insgesamt geht es aber auch um bessere Arbeitsbedingungen. Ist es richtig, dass Erzieher streiken? Das war die Frage der vergangenen Woche - und hier sind die Antworten. Fast alle zeigen Verständnis für die Erzieher:
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Die Kitas bleiben geschlossen: Ist es richtig, dass Erzieher streiken? (© Foto: dpa)
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"In den meisten Betreuungseinrichtungen herrscht eklatanter Personalnotstand, die Folge ist, dass viele durch Überlastung an ihre physischen oder psychischen Grenzen stoßen und erkranken, oftmals dauerhaft. Die Leidtragenden sind letztlich die Kinder. Nur gesunde, zufriedene Erzieher - in ausreichender Zahl - können ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag gerecht werden.
Eine Lösung kann nur höhere Löhne bedeuten, damit die Berufe im Erziehungsdienst wieder attraktiv werden und viele junge Menschen, auch mehr Männer, sich dafür entscheiden. Nur fünf Prozent der Münchner Erzieher sind männlich. Warum nur? Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, lohnen sich die Streiks - für unsere Kinder."
Angelika Nuber München
"Die Gewerkschaften müssen sich fragen lassen, warum sie ohne Not dafür gekämpft haben, den Ortszuschlag an die Besoldungsstufen zu koppeln und nicht an den jeweiligen Ort. Anders gesagt: Erzieherinnen müssten in München einen Ortszuschlag bekommen, der ein adäqutes Einkommen sichert."
Manfred Fürstenberger München
"Es sind in Deutschland immer die Berufe, die unmittelbar mit der Betreuung von Menschen zu tun haben, die eher schlecht als recht bezahlt werden. Zu bewundern sind all jene, die in diesen Bereichen arbeiten. Von einer adäquaten Bezahlung kann keine Rede sein. Die Forderung der Kita-Mitarbeiter ist durchaus gerechtfertigt."
Reinhard Ettel Berlin
"Wie sollen sich denn diese Persönlichkeiten sonst wehren beziehungsweise ihre Interessen durchsetzen? Freilich ist es schlecht für mich, wenn ich berufstätig bin und mein Kind wegen der Streiks nicht unterbringen kann! Aber gucken wir nach Frankreich, wo, wenn ein Berufszweig streikt, die restliche Nation wohlwollend auf die Streikenden schaut. Im Zweifel also für die Kita-Leute!"
Jürgen Schmierer Göppingen
"Die Erzieher gehören zu den wichtigsten Menschen im Leben unserer Kinder. Sie prägen sie, formen und feilen ihren Charakter. Erzieherin ist nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung! Die Liebe, die sie unseren Kindern schenken, kann man nicht ausbilden oder bezahlen. Apropos Bezahlung. Wenn, optimistisch gerechnet, eine Erzieherin 2000 Euro im Monat erhält, entspricht das bei 20 Kindern in der Gruppe, die vier Stunden am Tag betreut werden, 1,25 Euro pro Stunde und Kind. Für eine Parkgarage zahle ich manchmal sogar mehr!
Dies ist auf keinen Fall der Aufruf, die Kindergartengebühren in die Höhe zu treiben. Wir als Eltern bezahlen genug an den Staat. Nur hat der Staat leider kein Geld für Erzieher. Dafür ist er aber sehr großzügig, wenn es darum geht, mich zum Kauf eines neuen Autos zu motivieren. Der Streik war längst fällig, ein Zeichen musste gesetzt werden. Ich hoffe sehr, dass die Aktion etwas bringt. Wir stehen auf jeden Fall hinter unserem Kindergarten und unseren Erzieherinnen. Auch wenn sie eine Woche lang streiken müssen. Man sagt ja: Starke Eltern - starke Kinder. Ich sage: Starke Erzieher - starke Kinder."
Svetlana Missaoui Erlenbach
"Kinder-Betreuer bekommen derzeit also gleich viel wie Handwerker. Damit seien sie viel zu schlecht gestellt, heißt es. Nach den Unannehmlichkeiten beurteilt, sind beide Jobs etwa vergleichbar. Und ist der Faktor ,,spezielle Qualifikation'' so schwierig? Wenn Kitas sich verweigern, mögen doch Omas einspringen. Wenn Schreiner, Metzger, Dachdecker streiken: Können Omas das auch?"
Gertrud Herbart München
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(SZ vom 20.05.2009/sus)
Da anderea nicht hilft, muss wohl der Streik als Druckmittel eingesetzt werden.
Die Eltern der Kinder werden erstens die Forderungen der Erzieher verstehen und
zweitens selbst sehr mit einem Erfolg einverstanden sein. Es geht schließlich auch
um das Wohl der bertreuten Kinder.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass diese Tätigkeit in diesem Land mit Sicherheit
zu jenen gehört, die dazu noch eher schlecht bezahlt werden.