Bertrand Russell als Kronzeuge gegen die Kirche? Intra-Act: Lernkonzept oder Drill-Programm? Schulen als Sicherheitstrakte? SZ-Leser diskutieren.

"Frau Zekri scheint es vordergründig um berechtigte Kritik an Papst Benedikt zu gehen, tatsächlich benutzt sie diese aber als Vehikel für einen Generalangriff auf die Religion. Als Kronzeugen für ihre Attacke führt sie Bertrand Russel an und versteigt sich dabei zur der abstrusen Behauptung, Russel habe mit seinem Beispiel von den vergammelten Orangen die Unsterblichkeit mit den Mitteln der Logik "widerlegt". Nun, Sokrates, der zwar keinen Nobelpreis erharten hat, aber wohl dennoch zu den herausragenden Geistern des Abendlandes gehört, hat seine Schüler gelehrt, gerade mithilfe der Logik das Verhältnis des Menschen zum Göttlichen zu erkennen. Und er selbst hat, unmittelbar vor seinem Tode, von der Unsterblichkeit der Seele gesprochen.

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SZ-Leser diskutieren die Person Bertrand Russell. (© Foto: ddp)

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Frau Zekri macht ihren Angriff auf die Religion vor allem am Papst und an militanten Islamisten fest. Von Persönlichkeiten wie Franz von Assisi, Mahatma ("Große Seele"!) Gandhi, Martin Luther King, Mutter Teresa und Dalai Lama scheint sie noch nichts gehört zu haben.

Robespierre, der im Artikel von Frau Zekri ebenfalls erwähnt wird , hat bekanntlich für die hohen Menschheitswerte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gekämpft. Dass er diese Werte dann später selber mit Füßen getreten hat, bedeutet doch nicht, dass sie nicht weiterhin hohe Ideale sind. Und wenn Papst Benedikt Handlungen begeht, die man als lieblos einstufen kann, bedeutet das doch nicht, dass das Gebot von Christus: "Liebe Deinen Nächsten (also auch den Andersgläubigen oder Ungläubigen) wie dich selbst" falsch, oder heute ungültig ist. Und viele große Denker haben erkannt und formuliert, dass Religion nicht "Opium fürs Volk", sondern unverzichtbare Nahrung für die menschlich Seele ist. Aber es darf natürlich auch Menschen geben, die lieber darben."

Karl Gnatz Planegg

Die Michaelikirche als Aldi-Filiale?

"Die von Ihnen verkündeten Wahrheiten - es gibt keinen Gott, - die Vorstellung von Gott ist eines freien Menschen unwürdig - die reine Lehre der kath. Kirche ist lebensgefährlich.

unter anderen, müßte von Ihnen eigentlich um die Frage ergänzt werden, ob wir jetzt eine zweitausend Jahre alte Kulturgeschichte des christlichen Abendlandes auf den Müll werfen sollten. Und was geschieht mit dem Vatikan, den vielen Klöstern, Wallfahrtstätten, den christlich-caritativen Einrichtungen und den wunderschönen Kirchen. Auf Bayern bezogen käme dann etwa in Betracht, die Theatinerkirche in einen Tanzpalast, die Michaelikirche in eine Aldi-Filiale und die Wieskirche in eine Bierwiesen umzuwandeln. Die noch lebenden Altkommunisten könnten Ihren zeitgeistigen Bemühungen mit Rat und Tat zur Seite stehen."

Josef Dlugi Paderborn

Das Paradies auf Erden

"Sonja Zekri hat meines Erachtens hervorragend die Kluft zwischen Religionsabhängigkeit und dem Denken Bertrand Russells aufgezeigt.Was vielleicht erwähnenswert gewesen wäre:Religion ist nicht unwesentlich als Wirtschaftsfaktor zu begreifen.Man braucht nicht erst auf die Prunkpaläste von Religionsfunktionären hinzuweisen,um zu erkennen,dass von den Pharaonen bis heute mit der Angst der Leute vor dem Nach-dem-Tod sehr viel Geld zu machen ist.

Wem man Angst vor einem wie auch immer gearteten Jenseits vermitteln kann,der ist zu jeder Summe und Anstrengung bereit - Hauptsache,er bekommt "dort" den sicheren Platz,den die Religionsmanager ihm versprechen.Freilich waren und sind diese Versprechen nie überprüfbar - Reklamationen von vorneherein ausgeschlossen. Merke: wer dir für viel Geld das Paradies verspricht,will sich nur auf deine Kosten schon auf Erden das Paradies schaffen... "

Harald Arweiler Dillingen/Saar

Antworten auf letzte Fragen

"Mit der geistreichen Apfelsinenkiste-Parabel von Bertrand Russell als Grundlage ihres atheistischen Manifests liefert Sonja Zekri ein schönes Beispiel für das Spiel der "freien Intelligenz" und für die umwerfende Wirkung der Aufklärung auf das logische Denken von heute. In ihrem Sammelbehälter werden nicht nur vergammelte und unverdorbene Orangen, sondern auch Äpfel und Birnen, Kraut und Rüben zu einem unverdaulichen Konvolut vergoren: Der Nordirland-Konflikt ist wahrlich kein Religionskrieg, sondern ähnlich dem Sprachenstreit in Belgien ein hässlicher sozialer und politischer Kampf.

Dessen ungeachtet packt die Autorin Nordirland, den militanten Islamismus, Sekten, Fundamentalisten und religiöse Eiferer in die große Kiste, die sie Papst Benedikt vor die Tür stellen will. Ihrer religionskritischen Analyse entgeht völlig, dass die mörderischsten Ideologien aller Zeiten, Kommunismus und Nationalsozialismus, antichristliche und religionsfeindliche Weltanschauungen sind, die letztlich der Ursünde des Menschen entstammen, der nicht Geschöpf, sondern selbst wie Gott sein will. - Auch die Angst vor dem "unendlichen Nichts"(Nietzsche) kann zur "Mutter der Grausamkeit" werden.

Denn wer mit Bertrand Russell den Gottesglauben als "intellektuelle Lähmungserscheinung" abqualifizieren will, sollte den Einspruch des Papstkritikers Hans Küng beachten: "Der Preis, den der Atheismus für sein Nein zahlt, ist offenkundig! Er setzt sich der Gefährdung durch eine letzte Grundlosigkeit, Haltlosigkeit, Ziellosigkeit aus: der möglichen Zwiespältigkeit, Sinnlosigkeit, Wertlosigkeit, Nichtigkeit der ganzen Wirklichkeit überhaupt." Könnte diese Vorgabe Küngs nicht zur Basis für Atheisten und Christen werden, gemeinsam die existentielle Erkenntnis zu akzeptieren, dass die sogenannten letzten Fragen immer zu einer Antwort führen, die nicht naturwissenschaftlich zu beweisen ist, sondern einer Überzeugung, einem Glauben entspricht?"

Josef Bürger Salzweg

Demokratie mit unabhängiger Religion

"Es läuft auf die Frage hinaus: Glaube ich an Gott oder nicht? Ist die Antwort ein Nein, dann ist das Christentum eine 2000 Jahre alte Philosophie und es gibt aktuellere, dem Zeitgeist nähere Alternativen. Glaube ich aber an Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit und Güte, dann ist die Frage, ob der Papst sich gegen Kondome ausspricht oder ein katholischer Christ sich die Freiheit seines Gewissens nimmt, sie dennoch zu gebrauchen, relativ nachrangig und kein Grund, deshalb die Kirche zu verdammen.

Einen Gottesstaat wie den Iran mit der katholischen Kirche zu vergleichen, ist ein unzulässiger Vergleich, denn die Besonderheit des katholisch geprägten Teils der Erde ist genau das Gegenteil: In jenem Teil der Welt, in dem während des europäischen Mittelalters die katholische Kirche und später auch die sich von ihr abgespaltenen Kirchen verbreitet waren, gab es niemals einen Gottesstaat, sondern immer eine weltliche Macht (Kaiser und Könige), und - getrennt und unabhängig davon - den Papst als religiöse Autorität.

Es sind genau diese Länder des "Westens", in dem heute die Demokratie tief verwurzelt ist, im Unterschied zu Erdteilen mit anderen Religionen. Offensichtlich schadet es der Entwicklung eines "aufgeklärten" Denkens nicht, wenn es eine von der weltlichen Autorität und dem Zeitgeist unabhängige Religion gibt."

Dr. med. Holger Schmidt-Endres Gröbenzell

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  2. 27. März 2009
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