Würden Sie sich bei der Auswahl eines Heimes auf dessen Noten verlassen? Das war die Frage der vergangenen Woche - SZ-Leser haben geantwortet.
Zu wenige Betreuer, profitgierige Betreiber, vernachlässigte Patienten: Pflegeheime stehen seit langem in der Kritik. In Zukunft sollen sie von einem Pflege-TÜV geprüft werden. Würden Sie sich bei der Auswahl auf Schulnoten für Pflegeheime verlassen? Das war die Frage der vergangenen Woche - hier sind einige Antworten:
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Kann ein TÜV die schwierige Pflegesituation in Zukunft verbessern? (© Foto: ddp)
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"Die Noten des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sind nur begrenzt maßgeblich für eine Heimwahl, sie konkurrieren mit Bewertungen verschiedener anderer Organisationen. Woran soll ich mich halten? Mein Vorschlag: Jedes Heim muss sich der Internetbewertung von Angehörigen, Pflegekräften, Ärzten und (wenn möglich) Bewohnern stellen. Was für Arztpraxen recht sein soll, kann doch für Heime nicht verkehrt sein? Übrigens: Überall gibt es Angehörige, Betreuer, Pflegekräfte, die den Heimalltag erleben oder erlebt haben. Viele von ihnen können ihre Meinung verständlich, kompetent, praxisnah, authentisch und über den eigenen Tellerrand blickend formulieren!"
Brigitte Bührlen München
"Bei der Suche nach pflegerischer Hilfe im Altwerden alleine auf die Noten des Pflege-TÜV zu schielen, würde denselben Effekt wie beim wirklichen Schielen erzeugen: divergierende, nicht übereinstimmende Doppelbilder. Stimmige Einschätzungen eines Pflegedienstes (denn der Pflege-TÜV erfasst bekanntlich Pflegeheime und ambulante Dienste) lassen sich nach unserer Überzeugung nur dann gewinnen, wenn auch dessen Struktur selbst menschennah geformt ist.
Eine 'Quartier-Pflege' ist der Schlüssel zu dieser Pro-Mensch-Struktur: Ihr Einsatzbereich ist örtlich strikt und eng begrenzt, folglich wird die tägliche Pflege immer vom gleichen und kleinen Fachkräftestamm geleistet, die Verantwortlichen sind persönlich bekannt, direkt ansprechbar und es gibt eine persönliche Anlaufstelle für alle Beschwernisse des Alterns, mitten in der eigenen Wohnsiedlung. Solche 'Quartierspflege' lässt sich dann zwar nicht aus einer fernen Pflegezentrale managen, aber die identische Aktivitätsgrenze des Pflegedienstes mit den Grenzen des eigenen Stadtteils ermöglicht es dem hilfesuchenden Menschen schon lange im Vorfeld die Verantwortlichen zu kennen und einzuschätzen.
So etwas gibt es bereits, etwa in Nürnberg, wo seit über 18 Jahren der Träger einer solchen Sozialstation ein gemeinnütziger Verein ist und bei dem immerhin zehn Prozent aller Stadtteil-Bewohner durch ihre Vereinsmitgliedschaft ihren Willen zum Bestehen einer stadtteilbezogenen ambulanten Versorgung beweisen."
Bernd Roth Krankenpflegeverein St. Willibald Nürnberg
"Seit Jahren schon untersuchen Mitarbeiter des MDK Altenpflegeeinrichtungen auf Herz und Nieren. Jetzt kommt der so genannte Pflege-TÜV, der aber lediglich Diagnosen erstellt. Damit sind die Probleme noch lange nicht aus dem Weg geräumt. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe weist seit langem auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den Pflegeeinrichtungen hin.
Immer mehr Arbeit und Verantwortung wird auf immer weniger Schultern verteilt. Damit ist die Versorgung der Bewohnerinnen oftmals akut gefährdet. Nur eine bessere Personalausstattung kann die Situation in der Pflege langfristig verbessern."
Dr. Marliese Biederbeck Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe München
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(SZ vom 09.07.2009/dab)
Bildung in Europa