Hegen Sigmar Gabriel und Hermann Scheer unrealistische Träume und was wollte eigentlich Joschka Fischer mit seinem Artikel? Was SZ-Leser schreiben.

Joschka Fischer: Sieben Kriege - und nichts gewonnen, 27. Januar

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Was schreibt der Joschka Fischer da? (© Foto: AP)

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Na, endlich!

"Endlich stellt mal einer diese unselige Zwei-Staaten-Lösung für den Nahen Osten in Frage. Es ist zwar nur unser Ex-Außenminister, aber er musste sich wohl erst in die Obhut der Süddeutschen begeben, um einen Satz wieDie Alternative zur Zwei-Staaten-Lösung ist die Fortdauer des Konflikts und de facto die Realität einer Ein-Staaten-Lösung, in der früher als später die Palästinenser die Mehrheit bilden werden. Für Israel und die Palästinenser ist dies strategisch wie humanitär eine düstere, weil hoffnungslose Perspektive. niederschreiben zu dürfen, Mutter Albright hätte ihm das nie erlaubt!

Dieser Satz muss bejubelt werden, obwohl er zwei Fehlschlüsse enthält: Die Fortdauer des Konflikts ist nicht die Alternative, sondern die Folge der Zwei-Staaten-Lösung! Der Konflikt ist um nichts geringer geworden, seitdem nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und dem Verzicht Jordaniens auf die Westbank die Möglichkeit, einen Palästinenser-Staat zu gründen, entstanden ist. Die meisten der von Fischer aufgezählten Kriege fanden danach statt.

Die Ein-Staat-Lösung, also wenn Palästinenser und Israelis in einem demokratischen Rechtsstaat unter palästinensischer Mehrheit friedlich zusammenleben, ist eine düstere, weil hoffnungslose Perspektive? Das hat man zu Zeiten der Apartheid von Südafrika auch gesagt! Die Zwei-Staaten-Lösung wäre Apartheid! Die Palästinenser weiterhin im Gaza-Streifen oder in der Westbank zu isolieren, entspräche der schlimmen Home­land-Lösung, damals in Südafrika.

Die Palästinensergebiete sind genauso wie die Homelands wirtschaftlich to­tal abhängig vom Kernland Israel und damit politisch nicht lebensfähig. Die Israelis würden, wie bisher, nach Belieben die Grenzen öffnen oder schließen, Arbeit geben oder nehmen, Hilfe leisten oder unterbinden und damit die Palästinenser in jede ihnen genehme Richtung pressen können. Das Ergebnis wäre, wie in den Home­lands, ein stän­diges Aufbegehren gegen Armut und Unterdrückung, die Region käme nie zur Ruhe.

Israel braucht einen Mann vom Schlage F. W. de Klerks, über den Nelson Mandela geschrieben hat: 'Er hatte den Mut, einzuräumen, dass unserem Land und seinen Menschen durch die Auferlegung des Apartheidsystems schreckliches Unrecht zugefügt worden ist. Er besaß die Voraussicht, zu verstehen und zu akzeptieren, dass alle Menschen un­seres Landes auf dem Wege von Verhandlungen und als gleichberechtigte Teilha­ber an dem Prozess gemeinsam entscheiden müssen, was sie aus ihrer Zukunft zu machen gedenken.'

Haben die Israelis aber einen solchen Mann, dann bringen sie ihn um. Und ein Nelson Mandela ist bei den Palästinensern weit und breit nicht zu sehen.

Also muss die Welt, will sagen, die UNO, die NATO, die EU, vor allem aber die USA, oder alle zusammen massiv für Ordnung sorgen Dazu muss vor al­lem Obama über den jüdischen Schatten sprin­gen und die Israelis von ihrem hohen Pferd herunterholen. Und Frau Merkel sollte ganz schnell ihre fatale Äußerung, die Deutschen sei­en in diesem Kon­flikt nicht neutral, son­dern an der Seite Israels, zurücknehmen, sonst disqualifizieren wir uns von vornherein für diesen Job, für den Joschka ja noch einmal die Laufschuhe schnüren könnte?

Peter Bläsing. Bollendorf/Eifel

Außenansicht?

In einer "Außenansicht" vertritt der frühere Außenminister Joschka Fischer - wie übrigens viele andere westliche Politiker, aber auch Journalisten - die Meinung, dass der Westen, also die USA und Europa, zur Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern mindestens beitragen müssten, wenn nicht gar eine Lösung dieses Konflikts herbeiführen.

Was aber hätte man jemandem gesagt, der vorgeschlagen hätte, dass z.B. die arabisch-islamischen Staaten des Nahen Ostens zur Lösung des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland, oder des Konflikts der Basken mit der spanischen Zentralregierung hätten beitragen müssen?

Nein, so geht das nicht.Die Palästinenser müssen zunächst ihre inneren Konflikte selber lösen, und die Hamas muss sich von ihrer Charta und ihrer Ideologie verabschieden, die in wesentlichen Teilen (wie der Vernichtung Israels bzw. der Auslöschung der Juden) übrigens auf dem Koran basiert. Erst dann wird ein dauerhafter Frieden zwischen Palästinensern und Israelis möglich sein."

Eckhardt Kiwitt, Freising

Wer sind die Unschuldigen?

"Joschka Fischer schreibt in seinem bedenkenswerten Artikel 'Sieben Kriege und nichts gewonnen': 'für böse Wunschträume, müssen weiter Unschuldige ihr Leben lassen.' Immer wieder wie hier wird in Artikeln und Kommentaren zu kriegerischen Auseinadersetzungen von 'Unschuldigen' oder gar 'unschuldigen Opfern' geredet. Wer sind die Unschuldigen? Kinder, Frauen, Zivilisten allgemein? Einverstanden! Wer sind dann die Schuldigen? Die Soldaten in Panzern oder Bunkern? Die Kämpfer, die Heckenschützen, die Hamaskämpfer, auch die israelischen Soldaten in diesem Krieg? Auch die amerikanischen oder deutschen Soldaten in Afghanistan? Dass Soldaten in Kriegen getötet werden, euphemistisch: 'fallen', ist ja allgemein akzeptiert, wenn auch betrauert und durch Denkmale geehrt.

Die Soldaten, die ja meist nicht freiwillig in den Kampf ziehen, sondern gezogen, verpflichtet, psychologisch getrimmt sind, können doch nicht Schuldige im Unterschied zu den Unschuldigen sein. Nach dem Motto: Schuldige dürfen und sollen bombardiert, liquidiert, erschossen, gezielt in ihren Gefährten getötet werden. Wer selber Söhne und Töchter hat, die Soldaten oder Freiheitskämpfer sind oder sein könnten, beantworte diese Frage!Schuldige können doch eigentlich nur die sein, die die Kriege und kriegerischen Aktionen befehlen. Wenn es denn Schuldige treffen darf, wären sie doch zuerst dran. Aber ihnen geschieht meist nichts, sie bekommen die Orden oder werden wiedergewählt.

Also, man sollte nicht von Unschuldigen und Schuldigen reden. Die Toten der Kriege und ihre Angehörigen sind zu bedauern zu beklagen auf welcher Seite immer. Sind sie Opfer? Opfer werden einer Gottheit zu einem bestimmten Zweck gebracht. Wem wurden die Menschen im Gazastreifen oder aus Israel geopfert? Wer bringt das Opfer, wer ist der opfernde Priester? Gibt es in unserer Zeit noch Menschenopfer? Seit Abraham seinen Sohn Issak nicht opfern musste, nicht opfern durfte, ist das Menschenopfer bei Juden und danach auch bei Christen und Moslems verboten, so die Bibel, so der Koran.

Also: Wenn man die hinter den Worten 'Schuldige', 'Unschuldige', 'Opfer' stehenden Vorstellungen nicht will, sollte man die Begriffe im Zusammenhang der Kommentare und Berichte über Kriege in unserer Zeit vermeiden. Denn: Deine Sprache verrät Dich!"

Klaus Philipps, Dortmund

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