G-20-Gipfel ohne Folgen: Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, die Finanzmärkte zu reformieren, schreiben SZ-Leser.
Zur Berichterstattung über den G-20-Gipfel Ende vergangener Woche in London schreiben Leser:
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Der britische Premier Gordon Brown vor den Flaggen der teilnehmenden Staaten auf dem G20-Treffen in London. (© Foto: Reuters)
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"In London wird auf höchstem Niveau Polittheater gespielt und unsere Theaterrezensenten schreiben Geschleime dazu, etwa: Die Regierungen wollen - endlich nach einem Jahr Desaster - über 'eine tiefgreifende Reform des weltweiten Finanzsystems verhandeln', unsere Kanzlerin will sogar 'die Architektur der Finanzmärkte reformieren'.
Das ist alles Unsinn, weil es erstens nicht kommen wird und zweitens weil es nichts mehr nützt. Was not täte, wäre einfach, für die Zukunft und das ab sofort den alten Paragraphen 764 des Bürgerlichen Gesetzbuches wieder in Kraft treten zu lassen, welcher Termingeschäfte für unverbindlich erklärte und damit auch alle ihre Derivate, Hebelprodukte, Zertifikate, Hedgefonds, Buchprodukte und was das menschliche Gehirn sonst noch erfindet, um seinen geschätzten Nachbarn über den Tisch zu ziehen, für Banken, Versicherungen und Börsen einfach verboten hatte.
Die Märkte sollen kontrolliert werden. Auch das ist letztlich Unsinn, denn es geht nicht. Die kriminelle Energie und Intelligenz der Marktteilnehmer wird immer größer sein als die Fähigkeiten einer noch so großen und teuren Kontrollbürokratie. Was allerdings eine gewisse Kontrolle erzeugen würde, wäre der schon alte Vorschlag einer geringen Steuer auf Kapitalbewegungen aller Art. Man könnte etwa regeln, dass bei jedem Geldtransfer ein Promille der Summe direkt an das nächstgelegene Finanzamt fließt. Das ist im Zeitalter der Computer und des weltweiten Zugriffs auf alle Daten technisch nur ein geringes Problem.
Schreiben Sie also nicht, was die Politiker in London so von sich gaben. Schreiben Sie lieber, was die 10.000 Demonstranten in London zu sagen hatten."
Wolfgang Wurtz, Oldenburg
Ein historisches Treffen?
"Von wegen.
Die Bundeskanzlerin bewertet den Finanz-Gipfel dreifach: Das Ergebnis der Konferenz bezeichnete sie gleich nach der Tagung als 'wichtigen Schritt zur Ordnung der Finanzmärkte', etwas später sogar als 'fast historischen Kompromiss', einen Tag später als 'klaren Sieg für die internationale Zusammenarbeit'.
Zur Information: 40 Prozent der Weltbevölkerung waren in London nicht vertreten, global verbindliche Regeln für die Finanzmärkte und eine global verbindliche Kontrolle wurden in London nicht beschlossen. Fazit: Auch dieser Gipfel ist leider wieder nur ein Gipfel. Und auf der 'Schwarzen Liste' der Steuer-Oasen erscheinen weder die britischen Kanal-Inseln noch die amerikanischen Cayman-Inseln."
Eugen Prinz, Schwarzenbek
Die Weltwirtschaft muss zusammenbrechen
"Beim G-20-Gipfel wurde die Uhr von 5 vor 12 auf 3 vor 12 vorgestellt. Beschlossen wurde unter anderem, die Mittel des Internationalen Währungsfonds von 250 auf 750 Milliarden Dollar aufzustocken. Mexiko kündigte an, 47 Milliarden Dollar zu beantragen, mit dem Kommentar, dass man das Geld nicht sofort benötigt, es aber als Sicherheit haben möchte.
Es wurden umfangreiche Sicherungen von insgesamt einer Billion Dollar beschlossen. Außerdem sollen die Steuerfluchtgebiete auf einer schwarzen Liste stehen und die Finanzmärkte und Finanzprodukte besser kontrolliert werden. Konjunkturprogramme wurden glücklicherweise nicht auch noch beschlossen. Die Börsen reagierten geradezu euphorisch auf die Ergebnisse, ausgenommen die Bondmärkte, die danach schwächelten. Da konnte selbst die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank nicht helfen.
Was bringt dieses Ergebnis für die Konjunktur in der Wirtschaftskrise? Nichts! Die Staatsverschuldungen wachsen immer weiter und es wird immer mehr Geld in die Märkte gepumpt, mit dem die Blase noch vergrößert wird. Bei den Endverbrauchern kommt das Geld nicht an. Wenn nichts mehr verkauft wird, muss auch nichts produziert werden.
Die 'Abwrackprämie' ist ein zeitlich versetztes, kumuliertes Kaufen des langfristigen Konsumgutes Auto. Wenn die Prämie aufhört, wird der Einbruch am Automarkt in Deutschland verheerend sein. Die Arbeitslosenzahlen in den Industrienationen wachsen schneller, als die Volkswirte dachten. Der Export vieler Produkte fällt für die exportstarken Länder wie Deutschland und Japan ins Bodenlose.
Die Finanzmärkte und die Regierungen scheinen die Lage nicht zu erkennen. Es ist wie im Jahr 1929 als, nach einem ersten Absacken der Kurse im Frühjahr, Geld den Markt überflutete und nach einem Auf und Ab der Todesstoß für die Weltmärkte im Herbst erfolgte. Auch damals stiegen die Kurse entgegen dem Wirtschaftstrend, der schon Anfang 1929 nach unten wies. Die Regierungen wissen sich nicht zu helfen, weil es keine Hilfe gibt.
Die Weltwirtschaft muss und wird zusammenbrechen, um danach wieder wachsen zu können. Je länger man versucht, diesen Teil des Konjunkturzyklus hinauszuschieben, desto schlimmer wird der Absturz sein. Es geht nicht mehr um eine Krise der Finanzwirtschaft, sondern um eine Rezession in der Realwirtschaft."
Christian Gläsmann, Erkrath
Aus Mangel an Kontrolle
"Prima! Jetzt werden nur noch die Böcke gesucht, die man zum Gärtner machen kann, so à la Finanzminister Steinbrücks Chefberater Jörg Asmussen! Oder ist Kontrolle der Regeln überhaupt vorgesehen?"
Norbert Haas, München
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(SZ vom 08.04.2009/brei)
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