Reisetipps Washington

Stadtspaziergänge Washington

Georgetown - Washingtons Grünes Prachtviertel

Das schönste Viertel der Stadt ist quirlig und idyllisch zugleich. Der Spaziergang vorbei an den attraktivsten Sehenswürdigkeiten Georgetowns dauert drei Stunden ohne Innenbesichtigungen.

Lange bevor es die amerikanische Hauptstadt Washington gab, war Georgetown - benannt nach dem König von England - schon ein blühendes Hafenstädtchen. So befindet sich hier mitten auf der M Street (Nr. 3051) das älteste Haus Washingtons, das Old Stone House, erbaut 1765 und originalgetreu restauriert, umgeben von einem hübsch angelegten englischen Garten. Folgen Sie der M Street zwei Blocks ostwärts, und biegen Sie links ein in die 28th Street. Die gehen Sie hinauf bis zur Q Street, rechts rein bis zur Nr. 2715, zum Dumbarton House. Das wundervoll eingerichtete Haus wurde um 1800 gebaut und ist mit wertvollen Antiquitäten ausgestattet. | Führungen Di bis Sa 10.15-13.15 stündlich, an Feiertagen und im Aug. geschl. | Eintritt 5 $ | www.dumbartonhouse.org

Folgen Sie anschließend weiter der 28th Street, vorbei an der Nummer 1607, wo in den 1960er-Jahren Senator Edward Kennedy wohnte, und an der Nummer 1623, dem Evermay. Hier verschanzte sich Ende des 17. Jhs. ein schottischer Immobilienspekulant namens Samuel Davidson. Mit phantasievollen Verbotsschildern warnte er unerwünschte Eindringlinge: „Zu ihrem eigenen Besten ist allen Personen unabhängig von Alter, Hautfarbe und gesellschaftlichem Status der Zutritt Tag und Nacht verboten, vor allem stehlenden Gaunern und nichtsnutzigen Landstreichern ...“ Auch heute darf man das Grundstück nicht betreten.

Der Spekulant ruht nun selig auf dem Oak Hill Cemetery, dessen Eingang auf der R Street liegt. Im Wärterhäuschen am Eingang gibt es ein Verzeichnis der Gräber zu kaufen (Mo bis Fr 9-16.30 Uhr, So 13-16 Uhr | www.oakhillcemeterydc.org). Beim Verlassen des Friedhofs schaut man auf das Haus der verstorbenen Herausgeberin der „Washington Post“, Katherine Graham (2920 R Street). Heute gibt ihr Sohn die Zeitung heraus. Vorbei geht's am Montrose Park. Wenn Sie viel Zeit haben, können Sie hier bis zum Rock Creek hinunterkraxeln. Ansonsten ist Ihr nächstes Ziel Dumbarton Oaks and Garden (unbedingt anschauen!), ein herrlich gestalteter Park mit Orangerie, Rosengarten, Brunnen und schattigen Bänken (Di-So 14-18, im Winter 14-17 Uhr | 31st und R Sts. | www.doaks.org).

Folgen Sie der R Street, und biegen Sie links in die 31st Street, weiter zum nächsten Mansion, dem Tudor Place (1644 31st St.). Die stuckverzierte, neoklassizistische Villa mit großzügigem Park wurde um 1800 erbaut von Georgetowns Bürgermeister Thomas Peter und seiner Frau, einer Stiefenkelin George Washingtons. Ein Großteil der Möbel stammt aus Mount Vernon, dem Landsitz der Washingtons. | Garten Mo-Sa 10-16, So 12-16 Uhr | Eintritt 2 $ | Führungen durch das Haus Di-Sa 10-15, So 12-15 Uhr | Eintritt 6 $ | www.tudorplace.org

Weiter geht es die 31st Street hinunter, rechts in die Q Street bis zur Wisconsin Avenue, hinein ins quirlige Leben. Vielleicht ist Ihnen nach einem kleinen Imbiss im Basil Thai Restaurant (1608 Wisconsin Ave. | €). Danach biegen Sie rechts in die OStreet, die zur renommierten Georgetown University führt, der ältesten katholischen Hochschule der Vereinigten Staaten, 1789 gegründet und von Jesuiten geführt.

Verlassen Sie den Campus, wie Sie gekommen sind, halten Sie sich rechts, und folgen Sie der 37th Street bis zur Prospect Street, in die Sie links einbiegen. Zur Rechten führt eine sehr steile Treppe in den Abgrund, hier wurde die Schlussszene zum Horrorfilm „Der Exorzist“ gedreht. Nicht runterfallen, sondern links in die 34th Street und gleich wieder rechts in die N Street gehen, wo die Nummern 3327 bis 3339 die dekorative Cox's Row bilden, benannt nach Georgetowns erstem gewählten Bürgermeister John Cox, der im Haus 3339 wohnte. John F. und Jacqueline Kennedy erstanden 3307 N Street kurz nach der Geburt ihrer Tochter Caroline.

Die kleine Potomac St. den Berg hinunter, kommen Sie auf die MStreet. Auf der anderen Seite gibt es bei Dean & Deluca köstliche Snacks und Cappuccino. Daneben sehen Sie den Georgetown Park: keine Grünanlage, sondern ein Einkaufszentrum. Wer keine Lust zum Einkaufen hat, geht einfach durch und verlässt den Einkaufspark Richtung C & O Canal. Abrupter Szenewechsel: Wasser, Vögel und Eichhörnchen statt Autos. Folgen Sie dann dem Verlauf des Kanals bis zur 31st St., in die Sie rechts einbiegen Richtung Potomac, zum Washington Harbor. Hier hinunter wurden einst die riesigen Tabakballen gerollt, um sie in alle Welt zu exportieren. Heute ist der Washington Harbor nur noch ein Vergnügungshafen mit prächtiger Aussicht: rechts die Keybridge, links die Roosevelt Memorial Bridge und vor Ihnen das Roosevelt Island. Das große runde Gebäude östlich des Hafens ist übrigens der berühmt-berüchtigte Watergate-Komplex, wo 1972 fünf Männer beim Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei erwischt wurden. Ihre Auftraggeber saßen im Weißen Haus, der damalige Präsident Richard Nixon musste zurücktreten.

Dupont Circle - das Kosmopolitische Washington

Historische Herrenhäuser zeigen, dass Dupont Circle einst nicht weniger gediegen war als Georgetown. Heute gibt sich das Stadtviertel weltoffen und unkonventionell. Kein Wunder, dass sich gerade hier viele Galerien angesiedelt haben. Dieser Spaziergang dauert je nach Besichtigung zwei bis vier Stunden.

Am besten unternehmen Sie diesen Ausflug zwischen Mittwoch und Samstag und machen sich nicht allzu früh auf den Weg, denn viele Galerien und Herrenhäuser öffnen erst um die Mittagszeit und sind am Wochenanfang ganz geschlossen.

Starten Sie in der 2020 O Street. Das Mansion on O Street ist nicht nur eine originelle Nobelpension, sondern auch ein verrücktes Museum mit unzähligen Kunstwerken, 18 Kaminen, 32 Geheimtüren und - von wegen altmodisch?! - 100 Fernsehern und Bildschirmen. Lassen Sie sich überraschen!

Von hier aus geht's zur 1307 New Hampshire Avenue, zum Heurich House, auch bekannt als Brewmaster's Castle. Das Ende des 19. Jhs. erbaute Wohnhaus des deutschen Bierbrauers Christian Heurich ist das erste feuerfeste Steinhaus Washingtons. Dabei benutzte der übervorsichtige Hausherr keinen der 17 Kamine ein einziges Mal. | Führungen Mi-Sa 11.30 und 13.30, Sa auch 14.30 Uhr oder nach Anmeldung | Tel. 4291894 | Um eine Spende wird gebeten.

Am Dupont Circle halten Sie sich nun links und biegen in die Massachusetts Avenue Richtung Nordwesten, vorbei an der prunkvollen indonesischen Botschaft zur Rechten (Nr. 2020) und der weiß getünchten marokkanischen Botschaft zur Linken. Die Massachusetts Avenue vom Dupont Circle bis zur National Cathedral wird auch Embassy Row genannt, denn hier haben sich die meisten Botschaften angesiedelt. Das Anderson House (Nr. 2118) gehörte dem ehemaligen amerikanischen Botschafter in Japan, Larz Anderson III. Mit seinen Bögen und korinthischen Säulen, mit 18 verschiedenen Marmorsorten und wertvollen Antiquitäten wirkt es wie ein italienischer Palast. | Di-Sa 13-16 Uhr | Um eine Spende wird gebeten.

Gehen Sie weiter auf der Massachusetts Avenue, dann rechts in die S Street zum Woodrow Wilson House (Nr. 2340), dem Wohnhaus des ehemaligen US-Präsidenten (Di-So 10-16 Uhr | Eintritt 7,50 $). Ein Stück weiter östlich (2320 S Street) liegt das Textilmuseum (Mo-Sa 10-17, So 13-17 Uhr | Eintritt 5 $).

Danach geht es die S Street hinauf und dann rechts in die 22nd Street. Laufen Sie die zauberhaft mit Blumen geschmückten Spanish Steps hinunter, und biegen Sie links in die R Street, die nach der Florida Avenue von einer interessanten Galerie neben der anderen gesäumt wird (meist Mi-Sa 12-17 Uhr). Die R Street trifft auf die Connecticut Avenue, wo sich viele Bars und Restaurants zu einer Pause anbieten.

Capitol Hill - Historisches viertel mit Charme

In knapp zwei Stunden lernen Sie ein unprätentiöses Viertel mit viktorianischen Wohnhäusern, ungewöhnlichen Museen und originellen Läden kennen. Am schönsten ist es in Capitol Hill samstags und sonntags, da dann rund um die Halle des Eastern Market ein lebhafter Flohmarkt stattfindet.

Fahren Sie mit der U-Bahn zur Union Station, und wandern Sie durch die prächtige Bahnhofshalle zum Westausgang. Überqueren Sie die 1st Street, und betrachten Sie die beeindruckende Marmorfassade des fast 100 Jahre alten City Post Office. 1986 wurde das Gebäude für 200 Mio. Dollar restauriert und in das National Postal Museum der Smithsonian-Stiftung umgewandelt. Im Untergeschoss finden Sie u.a. historische Postkutschen, Postflugzeuge und Briefkästen. | Tgl. 10-17.30 Uhr

Verlassen Sie das Museum wieder durch die Tür zur 1st Street, überqueren Sie den Vorplatz der Union Station, und werfen Sie dabei einen Blick auf den Columbus Memorial Fountain (1912) und die Nachbildung der Freiheitsglocke aus Philadelphia. Folgen Sie nun der Delaware Avenue, vorbei an der wunderschönen Parkanlage hinter dem Kapitol, bis zur Ecke Constitution Avenue, in die Sie links einbiegen.

Sie spazieren zwei Blocks weit, vorbei am Russell Building und Hart Building des Senats. Das Sewall Belmont House an der Ecke zur 2nd Street nimmt sich gegen diese imposanten Bauten zwar bescheiden aus, ist aber eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt. Seit 1929 beherbergt es das Hauptquartier der National Women's Party, außerdem ein kleines Museum, das den Kampf der Suffragetten für das Wahlrecht der Frauen und die Gleichstellung dokumentiert. | Nr. 144 | Führungen Di-Sa 11-14 Uhr zur vollen Stunde, Sa auch 15 Uhr | Eintritt 5 $

Gehen Sie nun auf der 2nd Street zwei Blocks nach Süden, und biegen Sie links in die East Capitol Street ein. Auf der rechten Seite sehen Sie die Folger Shakespeare Library, ein erlesenes Literaturmuseum, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Richten Sie Ihr Augenmerk auch auf die historischen Wohn- und Herrenhäuser in dieser prächtigen Straße, und genießen Sie den schönen Blick auf das Kapitol.

Zwischen 4th und 5th Streets liegt auf der rechten Seite (Nr. 417) der gut sortierte und gastfreundliche Secondhandbuchladen Riverby Books. Bei einer Tasse Kaffee können Sie sich hier ausruhen und gleichzeitig in Büchern zur Geschichte Capitol Hills schmökern.

Spazieren Sie danach weiter bis zur 7th Street, biegen Sie rechts ein, und folgen Sie ihr bis zur Ecke North Carolina Avenue. Der große Ziegelbau ist der Eastern Market. Im Tortilla Cafe gleich gegenüber gibt es preiswerte Gerichte aus Lateinamerika, zwei Häuser weiter serviert die 200 Jahre alte Tunnicliff's Tavern amerikanische Küche und Drinks. Wenn Sie der 7th Street bis zur Ecke Pennsylvania Avenue folgen, stoßen Sie gleich auf mehrere nette Straßencafés. Wer sofort den Heimweg antreten will, findet auf der anderen Seite der Pennsylvania Avenue, zwischen 7th und 8th Streets, den Eingang zur U-Bahn-Haltestelle Eastern Market.