Reisetipps Venedig

Stichworte Venedig

Dialekt

Die Venezianer sprechen untereinander voll Selbstbewusstsein ihren uralten Dialekt. Der erinnert teilweise an das Spanische und folgt eigenen Regeln nicht nur in der Aussprache, sondern auch in Rechtschreibung und Grammatik. So lieben es die Lagunenbewohner, lange (Orts-)Bezeichnungen zusammenzuziehen. Hinter dem Namen San Zanipolo zum Beispiel verbirgt sich die berühmte Kirche Santi Giovanni e Paolo, hinter San Zan Degola Johannes der Enthauptete - San Giovanni Decollato. Weitere Charakteristika: Viele Konsonanten werden stimmhaft gesprochen, was beispielsweise aus dem amico einen spanisch anmutenden amigo macht. An die Stelle der italienischen sch- und tsch-Laute tritt im Venezianischen vielfach ein scharfes s, wodurch sich cento (hundert) in ßento verwandelt. Und aus dem z wird gelegentlich ein x. Paradebeispiel: die vor vielen Trattorien auf Plakaten verheißene cucina venexiana.

Dogen

Ob die Männer wirklich zu beneiden waren? Da bekleideten sie als Dogen das höchste Amt, das der mächtigste Stadtstaat auf Erden zu vergeben hatte. Und dann durften sie die Republik nicht ohne Genehmigung verlassen. Durften weder ihre Berater selbst auswählen noch unter vier Augen Gesandte empfangen. Geschenke anzunehmen war ihnen ebenso verboten wie ins Café oder Theater zu gehen oder gar unaufgefordert abzudanken. Selbst ihrer Ehefrau konnten sie keinen Brief schreiben, ohne dass ihn der Zensor las. Und ab dem 11. Jh. verfügten sie nicht einmal mehr über wirkliche Macht. Seit 697 hatten sie als mittelalterliche Souveräne selbstherrlich und eigenverantwortlich regiert. Hatten mit Kaiser und Papst verhandelt, Fragen von Krieg und Frieden selbst entschieden und sogar ihre Nachfolger auf eigene Faust bestimmt. Doch dann, im Jahr 1032, war ein Doge aus dem einflussreichen Orseolo-Clan der Machtgier erlegen, hatte versucht, die Erblichkeit des Amtes durchzusetzen. Prompt wurde er mitsamt seinem Sohn ermordet. Und seinen Nachfolgern wurden ihre Befugnisse radikal beschnitten. Zu ausführenden Beamten degradiert, wurden sie vom berüchtigten Rat der Zehn, einer Art Staatssicherheitsdienst, überwacht. Das führte schließlich dazu, dass in späteren Jahrhunderten kaum noch eine fähige Persönlichkeit zur Übernahme des hohen Amtes bereit war.

Karneval

Wenn während der letzten eineinhalb Wochen vor Beginn der Fastenzeit Zehntausende in ihren Phantasiegewändern durch die Stadt ziehen und das ganze Panoptikum der Commedia-dell'Arte-Figuren ihre Gassen und Plätze bevölkert, wirkt die Lagunenstadt wie verzaubert. Über viele Jahrhunderte ermöglichte die große Verkleidung den Venezianern, sich wenigstens für einige Zeit der strengen Kontrolle des Staates zu entziehen. Es blieb dem Besatzer Napoleon vorbehalten, aus Argwohn, hinter den Masken würde die Konspiration gedeihen, den Mummenschanz komplett zu verbieten. Die Wiederauferstehung erfolgte erst 1979.

Seither strömen - zur großen Freude der Hoteliers, Gastronomen und Sponsoren - alljährlich im zuvor umsatzschwachen tiefen Winter Heerscharen Vergnügungs- und Verwandlungssüchtiger aus aller Welt herbei, posieren, stelzen stolz durch die Stadt und lassen sich, so es ihre Finanzen erlauben, private Feste in Mietpalästen inszenieren. Und obwohl sich nur wenige Einheimische unter die Massen mischen und mittlerweile die Zahl der Schaulustigen und Paparazzi die der Maskierten vermutlich übersteigt, obwohl neben den klassischen Kostümen längst manch schnöde Maskerade Marke Mickymaus, King Kong und Biene Maja auftaucht, sind sich alle Teilnehmer darin einig, dass die Freude an diesem Schau-Spiel und die einzigartige Atmosphäre die Anreise und die erhöhten Zimmerpreise allemal lohnen.

MARCO POLO

Keine Frage, dass in diesem Reiseführer auf ihn besonders hingewiesen wird: Immerhin gilt der 1254 in Venedig geborene und 70 Jahre später ebenda verstorbene Marco Polo bis heute als Inbegriff des von Fernweh und Wissensdurst getriebenen (Welt-)Reisenden. Der Kaufmannssohn brach als fast noch Halbwüchsiger von der Adria Richtung Asien auf, verbrachte lange Zeit in China und kehrte erst 24 Jahre später auf dem Seeweg in die Lagunenstadt zurück. In Gewahrsam der Genuesen diktierte er einem Mitgefangenen später seinen Reisebericht, der unter dem Titel „Il Milione“ zum mittelalterlichen Bestseller avancierte und die geografischen Vorstellungen der Europäer über Asien maßgeblich prägte. Das Wohnhaus der Familie Polo stand unweit der Rialtobrücke, dort wo sich heute das Teatro Malibran erhebt.

Markuslöwe

Nein, das einzige Volk waren die Venezianer beileibe nicht, das den Löwen zu seinem Wappentier erkor. Doch kein zweites verpasste dem König der Tiere zwei Flügel und schob ihm ein Buch unter seine Pranken. Weshalb dieses merkwürdige Mischwesen just den heiligen Markus symbolisieren soll, weiß niemand. Was heute verblüfft, ist die Vielzahl und Verschiedenförmigkeit der steinernen Raubkatzen. Man begegnet dem Markuslöwen an Fassaden, Simsen und Säulenkapitellen, auf Schornsteinen, Gräbern, Blumentöpfen, Gemälden und, frei stehend, als Statuen.