Reisetipps Usedom

Auftakt Usedom Was für eine Insel!

Ob Sie Ruhe und Beschaulichkeit genießen oder lieber sportlich aktiv sein wollen - Deutschlands zweitgrößte Insel wurde zu einer der beliebtesten Ferienregionen, weil sie für jeden etwas bereit hält: eine idyllische Landschaft mit feinem, breitem Sandstrand, Seebäder, die sich mit Villen und Hotels in der berühmten Bäderarchitektur schmücken, verträumte Winkel im Achterland und Natur pur auf den vorgelagerten Mini-Inseln Ruden und Greifswalder Oie. Dazu kommt eine vielfältige Kulturszene mit Festen, Events und Museen. Zur Insel Usedom gehört auch das polnische Swinemünde, das mit der Aufnahme in die EU noch ein Stückchen näher gerückt ist.

Trubel am Strand oder Einsamkeit im Hinterland, Baden in der Ostsee oder Wandern um einen Binnensee - Usedom ist voller Naturschönheiten und so kontrastreich, dass die Langeweile zu Hause bleiben wird. Dicht drängen sich an der Ostseeküste die Badeorte, darunter so traditionsreiche wie Ahlbeck, Bansin, Heringsdorf und Zinnowitz. Nur einige hundert Meter vom Trubel entfernt dösen kleine Dörfer vor sich hin - mit sandigen Wegen, blumengeschmückten Vorgärten, rohrgedeckten, weißen Häuschen.

Usedom vereint auf 445 km² alle landschaftlichen Besonderheiten der Ostseeküste: flache Dünen, Steilufer und einen 40 km langen, weißen Sandstrand, dazu leicht gewelltes Hinterland mit Wäldern, Wiesen, Äckern, Boddengewässern und Binnenseen. Zum Wahrzeichen der Insel wurde das Seebrückengebäude mit seinen vier grünen Türmchen in Ahlbeck, das einzige historische, das an der Ostseeküste erhalten geblieben ist. Nicht zu vergessen: Meteorologen haben anhand ihrer Aufzeichnungen der letzten 30 Jahre ermittelt, dass Usedom die sonnenreichste Ferienregion Deutschlands ist. 1906 Sonnenstunden hat die Insel im Jahresdurchschnitt.

Vor allem im letzten Jahrzehnt des 20. Jhs. schossen auf der Insel Pensionen und Hotels aus dem Boden. Sie bekamen Türmchen, Säulen, Erker und verzierte Loggien. Bäderarchitektur wird dieser Baustil allgemein genannt, der den Badeorten Usedoms bis heute ein eigenes, unverwechselbares Gesicht gibt - auch dem im polnischen Teil liegenden Swinemünde. Denn seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Usedom geteilt. Die Alliierten sprachen die Odermündung einschließlich Swinemünde Polen zu. Zum Gesicht der Seebäder gehören auch die Seebrücken. Entstanden waren sie in jenen Jahren, als die Gäste noch auf dem Wasserweg in die Badeorte gebracht werden mussten, weil es keine Eisenbahn und Straßen gab. Später avancierten sie zu Flaniermeilen, und das sind sie bis heute geblieben. Die schönste Seebrücke mit verschnörkelten Aufbauten besaß Heringsdorf. Im strengen Winter 1941/42 zerstörten fast überall Eisschollen die hölzernen Bauwerke. Zu DDR-Zeiten waren Schiffspartien auf der Ostsee untersagt, also brauchte man keine Seebrücken. Nach der Einheit, als es Fördermittel für den Neubau gab, erlebten die Seebrücken ihre Renaissance. Zinnowitz, Koserow und Bansin legten sich wieder eine zu, der Seebrückenpavillon in Ahlbeck bekam seinen Landungssteg zurück. In Heringsdorf bauten private Investoren eine Brücke, die heute die modernste und mit 508 m auch die längste bewirtschaftete in Kontinentaleuropa ist.

Fast alle der schönen alten Pensionen und Hotels wurden nach und nach restauriert und modernisiert, viele neue entstanden, sodass sie Vergleiche auf internationalem Niveau nicht scheuen müssen. Gebaut wird auch weiterhin, vorrangig Einrichtungen, die den Gästen an Schlechtwettertagen im Sommer und in der kühlen Jahreszeit Abwechslung bieten sollen. Immer mehr Hotels legten sich in der jüngsten Zeit Wellnessbereiche zu oder erweitern ihren Swimmingpool zu modernen Wohlfühl-, Fitness- und Schönheitstempeln. Einige von ihnen sind gegen Gebühr auch für Nichthotelgäste geöffnet, so im Ferienparadies Lütow auf der Halbinsel Gnitz. Usedom möchte ein ganzjähriges Ferienziel werden.

Bauherren werden auf Usedom oft Zügel angelegt, sie dürfen nur so bauen, wie es die Gemeindevertreter zulassen. Doch zwei Baumeister scheren sich nicht um Gesetze und Genehmigungen, sie modellieren seit Jahrtausenden ungefragt die Küste: Sturm und Wasser. Unablässig nagen beide an den Steilküsten und brechen immer wieder große Teile heraus, die das Meer fortträgt. Am Langen Berg bei Bansin wurde 1878 ein hölzerner Aussichtsturm errichtet, der rund 40 m vom Steilhang entfernt stand. Schon vor Jahrzehnten ist sein Betonfundament in die Tiefe gestürzt. Auch ohne Turm beeindruckt die Aussicht vom Langen Berg, doch schöner sind die Blicke von den zahlreichen Hügeln - die Usedomer sprechen von „Bergen“ - im Hinterland. Stets werden Sie irgendwo Wasser erblicken, denn mehr als ein Dutzend Seen liegen in die Landschaft gebettet, schilfbewachsen die einen, mit Badestränden die anderen.

Schöne Ansichten schenkt das leicht gewellte Hinterland der Insel zu allen Jahreszeiten. Im Frühjahr blühen auf der Halbinsel Gnitz Felder von saftigen Sumpfdotterblumen, im Mai und Juni leuchten im Usedomer Winkel die gelben Rapsfelder, und einige Monate später hängen im Lieper Winkel die Sträucher voller Brombeeren, zeigen sich die Buchenwälder in prächtigen Farben. Typisch für Usedom sind auch die Alleen: „Grüne Tunnel“ werden die baumbestandenen Straßen genannt, weil die Kronen der Bäume sie fast undurchdringlich überspannen. In der Vergangenheit halfen die Linden, Kastanien und Apfelbäume den Menschen sich zu orientieren: Bei hohem Schnee markierten sie den Weg zu Nachbarorten, im Sommer spendeten sie Pferdefuhrwerken Schatten.

Usedoms Geschichte war zu allen Zeiten bewegt. Zu ihr gehört der legendäre Pirat Klaus Störtebeker, der hier einen Schlupfwinkel besessen haben soll, ebenso wie die gotteslästerliche Gold- und Silberstadt Vineta, die angeblich vor der Küste Koserows unterging. Auf Usedom liegt auch Peenemünde, heute einer der historisch problematischsten Orte in Deutschland. Denn hier, im Norden Usedoms, ließen die Nazis die erste automatisch gesteuerte Flüssigkeitsgroßrakete der Welt entwickeln, die in Westeuropa unermessliche Schäden anrichtete. Die V 2 war aber auch die erste Rakete, die die Atmosphäre durchstieß und somit das Tor zum Weltraum öffnete. Peenemünde gilt deshalb als Geburtsort der Raumfahrt.

Die Raketenbauer hatten seinerzeit nicht nur Peenemünde für die Öffentlichkeit gesperrt, sie riegelten auch den ganzen Nordteil der Insel ab und sperrten ferner die vorgelagerten kleinen Inseln Ruden und Greifswalder Oie für den Publikumsverkehr. Auch zu DDR-Zeiten blieben die Inseln Touristen verschlossen. Seit der Einheit lassen sich Besucher wieder von Fahrgastschiffen auf den Ostseewellen zu den beiden kleinen Schwestern Usedoms tragen.

Deutschlands zweitgrößte Insel bietet noch viele Bilder wie aus Kaisers Familienalbum. Nach der Wiedervereinigung haben sich die Usedomer nach Kräften bemüht, den rechten Glanz wieder herzustellen. Sie waren und sind dabei, auch die letzte Ecke herauszuputzen, und mittlerweile fühlen sich selbst verwöhnte Gäste auf Usedom wieder wohl. Und die meisten von ihnen schwärmen - wie bereits der Dichter Theodor Fontane vor über hundert Jahren - von der „Ruhe und frischen Luft“ und dem „Blick durch die Bäume hindurch auf das graue Meer“, der „poetisch und für Herz und Sinn unendlich wohltuend“ sei.