Reisetipps USA West

Stichworte USA West

Campus

Auch in Europa hat sich der Begriff durchgesetzt, auch dort steht eine Universität auf einem Campus. Doch dort ist das vielleicht nur ein gepflasterter Platz mit verstreuten Seminargebäuden und hat wenig mit dem amerikanischen Campus gemein. Besonders die Elitestätten der höheren Bildung, die Universities of California in Berkeley oder Los Angeles, zeigen, was ein Campus wirklich ist: eine nach außen fast geschlossene Gelehrtenrepublik. Überall müssen die jüngeren Semester in dormitories, recht karg ausgestatteten Studentenwohnheimen, Unterkunft nehmen. Und die Seminargebäude sind nicht selten Stiftungen ehemaliger Studenten. Dennoch liegen die Studiengebühren in astronomischer Höhe. Doch wer seinen Nachwuchs durch eine gut angesehene Universität bringt, kann fast sicher sein, dass dem Eintritt in eine gehobene Stellung nichts mehr im Weg steht.

Drogen

Drogen sind leicht und an vielen Stellen erhältlich. Crack, crack hört man an einschlägigen Orten die Dealer rufen, H oder Pot. Im Norden Kaliforniens ist der (illegale) Anbau von Marihuana leider sogar der bedeutendste landwirtschaftliche Erwerbszweig. Deswegen eine besondere Warnung: Die Amerikaner halten die Rauschgiftsucht für das Problem Nummer eins, und entsprechend hart greift die Polizei durch. Auch Ausländer werden nach den Gesetzen des Landes abgeurteilt - samt Todesstrafe. Und der Aufenthalt im State Penitentiary ist weitaus ungemütlicher als in einer europäischen Vollzugsanstalt.

Frauen

Den Einwanderern und Siedlern blieb gar nichts anderes übrig, als ihre Frauen gleichrangig zu behandeln. In der Neuen Welt musste die Frau von Anfang an ihren Mann stehen. Spätestens in der Wohlstandszeit nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Rolle der Frau. Es galten wieder die drei K: Kinder, Küche, Kirche. Hinter den Kulissen aber hielten die Frauen ihre Position. Daheim zogen sie die Fäden. Seit den 1970er-Jahren und durch die stetig teurer werdenden Lebenshaltungskosten gab es erneut eine Kehrtwende. Damit die Raten für das Häuschen, das wegen der Entfernungen nötige zweite Auto, überhaupt der Lebensstandard gehalten werden konnten, blieb wieder nichts anderes übrig, als dass die Frauen mitarbeiteten. Heute sind mehr als die Hälfte der Jobs, die von professionals - im Großen und Ganzen: Hochschulabgängern - besetzt werden, in den Händen von Frauen. Und auch außerhalb von Büros zeigt sich ein Bild, das in Europa noch nicht überall und immer üblich ist: Soldatinnen, Feuerwehrfrauen, Bauarbeiterinnen. Nur ganz oben, da blieb etwas, das die Amerikaner glass ceiling nennen, eine unsichtbare Decke, durch die nur Männer in die höchsten Positionen vorstoßen können. San Francisco aber war die erste Großstadt mit einer Bürgermeisterin: Dianne Feinstein.

Mittlerweile hat es sogar eine schwarze Frau geschafft, in den innersten Zirkel der Macht vorzudringen: Condoleezza Rice, unter George W. Bush Außenministerin und engste Beraterin des Präsidenten. Dieser Riss in der Glasdecke war 2008 zwar noch nicht groß genug, dass Senatorin Hillary Clinton, die erfolgreiche Frau des ehemaligen Präsidenten, hätte hindurch schlüpfen konnte. Doch die Realität einer ersten Präsidentin der USA liegt bestimmt nicht mehr fern.

Gay pride

If you're going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair. Nein, nicht mehr nötig. Scott McKenzies Aufforderung war ein musikalischer Hit - zur Hippiezeit. Tragen Sie etwas anderes: Vorurteilslosigkeit. Denn eines ist San Francisco geblieben: die Symbolstadt schwulen und lesbischen Stolzes, der gay pride. Kein ängstliches Sichverstecken, kein Sich-als-andersartig-abstempeln-lassen. Gay pride gibt es auch anderswo, wenn auch nicht so demonstrativ. Aber wo auch immer: If you're going, be sure to wear some acceptance in your heart.

Indianer

Amerikas Ureinwohner kamen vermutlich vor 15000 bis 30000 Jahren aus Asien über die Beringstraße nach Amerika. Sie lebten von der Jagd, dem Fischfang und der Landwirtschaft. Aber sie verfügten über keine Schrift, und bearbeiteten kein Metall. So konnten sie außer Namen von Flüssen, Gebirgen und Landstrichen wenig hinterlassen. Anfängliche Freundschaft zu den Eroberern und Siedlern aus Europa wich bald der Feindschaft. Zwangstaufen, Vertragsbrüche und eine geradezu systematische Ausrottung hörten erst auf, als die meisten überlebenden Indianer in abgelegene Reservate verdrängt worden waren. Dort leben heute noch viele, misstrauisch, kulturell zerrissen. Keine Volksgruppe der Vereinigten Staaten ist weniger integriert. Viele von ihnen leben in den Slums der Großstädte oder in ärmlichen Reservaten. Einige jedoch kamen zu Reichtum, da ihnen vielerorts Sondergesetze erlauben, legal Glücksspielzentren zu betreiben. Andere, wie die Cahuilla von Palm Springs, verdienen gut an der Grundstücksspekulation.

Kirche

Eine der meistgestellten Fragen lautet: Which church do you belong to? Baptisten, Buddhisten, Methodisten, Episkopale, Holy Rollers, Latter-Day Saints (Mormonen), Juden, Katholiken, Moslems, unzählbare Abzweigungen von den Hauptkirchen - die Vielfalt hat mit der Einwanderungsgeschichte zu tun, aber auch damit, dass Staat und Kirche wirklich strikt getrennt sind. Ein Geistlicher muss schon zusehen, dass er sein Gotteshaus voll bekommt. Denn die Kirchen werden ausschließlich von den Spenden ihrer Gläubigen finanziert. Der Staat gibt keinen Cent dazu.

Nationalparks

Die Nationalparks des amerikanischen Westens sind die schönsten, die weitläufigsten und die bestgehüteten der Welt. In den Naturschutzgebieten leben Tiere und Pflanzen weitgehend unbeeinträchtigt von den Menschen. Berühmte Parks wie der Yosemite oder der Grand Canyon sind chronisch überlaufen - aber nur an den touristischen Ballungspunkten. Das Hinterland ist wie in den übrigen Parks ruhig, und die Natur so unberührt wie kaum in einem anderen hoch entwickelten Land.

Ein Heer von Park Rangers sowie von überaus engagierten Naturschützern wacht über die Parks, zu denen noch National Forests (Wälder), National Seashores (Küstenabschnitte) und National Recreation Areas (Erholungsgebiete mit Zelt- und Picknickplätzen) kommen, und bemüht sich um ihre Erweiterung. Bundesstaaten und Gemeinden folgten dem vor rund 140 Jahren aufgekommenen Schutzgedanken und stellten ihrerseits State Parks oder County Parks unter Schutz.

Patriotismus

Mit wehender Fahne und Trommelwirbel: Amerikaner lieben ihr Land. Rally around the flag heißt das Phänomen, bei dem sich in der Stunde wirklicher oder vermeintlicher Not alle um die Fahne sammeln. Kein Parteitag ohne Fahnenmeer, kein Baseballspiel ohne bejubelten Flaggengruß. Würden in Deutschland derartig viele Staatsbanner wehen und so viele Bekenntnisse zur Größe der Nation abgelegt, die restliche Welt würde aufschreien. In puncto Patriotismus verstehen die Amerikaner keinen Spaß, mögen sie keine Kritik hören. Right or wrong, heißt der Spruch, it's my country.

Politik und Gesetze

Die föderative Ordnung garantiert den 50 Bundesstaaten große Gestaltungsspielräume, besonders im Erziehungswesen und im Strafrecht. Manche praktizieren auf lokaler Ebene direkte Bürgermitbestimmung durch Versammlungen (town meetings), in denen etwa über den städtischen Haushalt entschieden wird. Gängig ist überall das Misstrauen gegen jedwede Regierung. Bei Präsidentschaftswahlen eilt gerade mal die Hälfte der Bürger an die Urnen, bei Lokalwahlen kaum ein Viertel. Hohe Beteiligung kommt aber bei Volksentscheiden zustande.

Rednecks

Die Sonne brennt, und wer unter ihr arbeiten muss, der wird sich ihr, anders als jemand am Strand, nicht schutzlos ausliefern. Also Baseballkappe auf, T-Shirt an. Der Nacken wird trotzdem rot, die Arme von knapp über den Ellbogen hinab auch. Ein Redneck ist also einer, der in der Sonne arbeitet, typischerweise ein Farmer. Der abfällige Volksmund hat noch mehr aus dem Redneck gemacht. Engstirnige Leute mit aufgemotzten, tiefer gelegten, chromverzierten Autos, langsam Sprechende - eben mehr oder weniger alle, denen großstädtische Raffinesse abgeht.

Umwelt

Auf der Weltbühne haben die USA im Umweltschutz nicht den besten Ruf - vor allem seit George W. Bush das Kyoto-Abkommen zu den Akten legte. In manchen Staaten werden zwar auf eine Getränkedose 15 Cent Pfand erhoben, und die Strafe für das Wegwerfen von Abfall auf der Straße beträgt 500 Dollar. Anderswo, etwa in Hanford im Staat Washington, wurde bei der Plutoniumherstellung für Bomben derart gepfuscht, dass ganze Landstriche radioaktiv strahlen.

Die Amerikaner verbrauchen mehr Energie, verpesten die Atmosphäre stärker und betreiben mehr Raubbau als die meisten anderen Völker zusammen. Andererseits sind ihre Abgasnormen oft strenger als anderswo. Kalifornien ist schon lange führend bei neuen Vorschriften für Autos, und der rasante Anstieg der Ölpreise in neuester Zeit leitet endlich auch in Amerika ein Umdenken ein. Sprithungrige Autos verkaufen sich nicht mehr. Und im Lokal wird nun häufiger auf das einst obligatorische Eiswasser auf den Tisch verzichtet, doch noch immer fließen Millionen Liter des kostbaren Nasses in Hunderttausende selten genutzter Privatpools. Viele Amerikaner sind jedoch durchaus umweltbewusst. Und auch als Tourist kann man beitragen, indem man z.B. die Klimaanlage abschaltet.