Reisetipps USA West

Auftakt USA West Was für eine Region!

Amerikas Westen ist seit jeher ein Land der Verheißung. Früher lockten Gold, Öl und freies Land die Siedler. Heute sucht man oft ein ganz persönliches Erlebnis von Freiheit und Abenteuer. Zu Recht, denn in grandiosen Landschaften, bekannt aus ungezählten Roadmovies und Western, lassen sich hier beim Rafting oder Biken, beim Surfen und Skifahren neue Erfahrungen sammeln, kann man herrlich verrückte Traumstädte wie San Francisco oder Las Vegas erleben oder in großartigen Nationalparks staunend vor feuerroten Schluchten und dampfenden Geysiren stehen. Amerikas Westen hat nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Der Westen Amerikas beginnt mit den großen Prärien jenseits des Mississippi. So sahen es die Pioniere, die vor gut 150 Jahren auf dem legendären Oregon Trail westwärts zogen, und so will es auch die Geografie.

Doch der „Westen“ ist mehr, er symbolisiert nach wie vor die Zukunft des Landes, er ist ein Traum, ein Mythos und eine Geisteshaltung in Amerika. Wer im Westen lebt, fühlt sich dem Klischee nach oft freier, fährt ein größeres Auto (Pick-up-Trucks sind selbst heute in Zeiten steigender Ölpreise mancherorts häufiger als normale Autos), pflegt einen aktiveren Lebensstil und glaubt noch weniger als andere Amerikaner an die Regierung in Washington.

Der Westen steht für Kreativität und für die Jungmilliardäre, die vor kaum 30 Jahren Microsoft und Apple gründeten und unlängst Google. Er steht für das Lebensgefühl der Surfer in Südkalifornien und der Mountainbiker in Colorado, für Hollywood und für die Oldie-Hits der Beach Boys. Und er liefert nach wie vor die Rohstoffe, die Amerikas Wirtschaft prägen. Aus den Prärien kommen Mais, Weizen und Soja, aus Wyoming Rinder, aus Texas das Öl und aus Oregon das Holz für die Häuser Amerikas. Aber es wird hier auch verarbeitet: In Seattle werden Flugzeuge gebaut, in San Francisco Computerchips.

Im Westen heißt es, sind die Menschen zupackend und aufgeschlossen für Neues. Hier ist Platz für gesellschaftliche Experimente wie sie schon die Mormonen vor 150 Jahren in ihrem Gottesstaat in der Wüste Utahs versuchten. Der Westen weist den Weg, von hierher kommen die Trends in Amerika - positiv wie negativ. Wenn in Kalifornien der Strom knapp wird, wenn eine Blase der New Economy entsteht oder ein Grundstücksboom zerplatzt, dann wird das zumeist im Westen als erstes deutlich. Dort werden aber oft auch die Lösungen für Probleme ausprobiert und gefunden.

In Klima und Landschaften umfasst die Region ein verblüffendes Spektrum. Schon die Dimensionen sind für uns Besucher aus der Alten Welt schwer fassbar: Zwischen der Grenze zu Kanada am 49. Breitengrad bis zur mexikanischen Grenze am 33. liegen gut 2000 km Luftlinie, von Kansas City in den Prärien bis San Francisco sind es ebenfalls gut 2500 km. Das heißt, im Süden ist man auf der Höhe von Marokko - was das Wüstenklima in Südkalifornien, Arizona und Texas erklärt. 40, ja 45 Grad im Schatten sind im Sommer hier der Normalfall. Die Staaten Washington, Idaho und Montana dagegen liegen auf der Höhe von Süddeutschland, entsprechend kühler ist das Klima.

Ebenso kontrastreich zeigen sich die Landschaften des Westen, die am Mississippi mit den schier unendlichen, flachen Prärien beginnen und fast unmerklich ansteigen, bis man in Denver schon auf 1600 m über dem Meer ist - und immer noch in der weiten Ebene steht. Die gesamte Region westlich davon wurde vor rund 30 bis 60 Mio. Jahren geformt. Mächtige Bergzüge wurden damals von der Kontinentalverschiebung aufgeworfen: die Rocky Mountains, die Sierra Nevada in Kalifornien und die Cascade Mountains in Oregon und Washington etwa, deren eisbedeckte Vulkangipfel noch immer aktiv sind, wie der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980 eindrucksvoll bewies. Bis heute sind all diese Gebirge nur ganz dünn besiedelt, ein Dorado für Outdoor-Fans: In den Rockies warten die Geysire des Yellowstone, in den Bergen der Olympic Peninsula in Washington verwunschene Regenwälder. In den Küstenbergen Kaliforniens wachsen über 100 m hohe Redwoods und am Westhang der Sierra Nevada die seltenen Sequoias, 3000 Jahre alte Mammutbäume mit bis zu 10 m Stammdurchmeser - Superlative kann der Westen reichlich bieten.

Wirklich spektakulär wird es im Südwesten, in der Region des Colorado-Plateau von Utah, Arizona und New Mexico. Hier haben der Colorado River und seine Nebenflüsse fantastische Canyons in die roten Sandsteinfelsen geschnitten. Dies sind die Kulissenwelten der großen Hollywoodwestern und von Roadmovies. Hier liegen die schönsten Nationalparks und Naturwunder Amerikas und natürlich der Grand Canyon. Südlich davon beginnt entlang der Grenze zu Mexiko eine weitere Großlandschaft: die Sonorawüste, in der pittoreske Saguarokakteen ihre Arme gen Himmel recken, wo einst die Apachen unter Geronimo gegen die US-Kavallerie kämpften - und wohin heute die Winterurlauber in Scharen aus dem kalten Norden flüchten. Nicht weniger grandios ist die Pazifikküste ganz im Westen. Eine Küste, die zu Recht als eine der schönsten der Welt gilt. Mit langen Sandstrände im Süden, wilden Klippen, Dünen und Buchten im Norden. Besonders berühmt ist die Steilküste entlang des Highway 1 in Kalifornien: die vielbesungene Traumstraße der Welt.

Eingebettet in den berauschenden Naturszenerien des Westens liegen die Städte, manche übrig geblieben aus der Goldgräberzeit, manche noch heute Treffs für die Cowboys und manche mutiert zu schicken Urlaubsorten - alle jedoch mit einer wechselvollen Geschichte voller Wildwest-anekdoten und skurriler Begebenheiten. Sie haben viel zu erzählen, die kleinen Nester des Westens. Dazwischen, meist abgelegen im Hinterland, liegen die Reservate der Indianer, der einstigen Herren des Landes. Erst in jüngster Zeit regt sich ein kulturelles Erwachen. In den Reservatsdörfern aber herrscht oft noch Tristesse, es ist schwer für die Indianer, neue Lebensinhalte im modernen Amerika zu finden.

Ganz anders präsentieren sich die Metropolen. Städte wie Los Angeles, San Francisco, Phoenix, Dallas, Seattle oder Denver sind Hochburgen des „American Way of Life“: vital, jung, in sich selbst verliebt und in ihren Trends dem alten Europa meist einige Jahre voraus. Gerade auch sie machen auf einer Reise in den Westen das Erlebnis Amerika aus. Das Gefühl der Freiheit und der Weite aber wartet draußen auf den Highways des Westens und in den grandiosen Naturparks. Dort wird man bald auch die kribbelnde Abenteuerlust verspüren, die bestimmt schon die Pioniere auf dem Oregon Trail antrieb.