Reisetipps USA Ost

Stichworte USA Ost

Antebellum

Die Südstaatler reden vom Antebellum, wenn sie die Blütezeit der Region vor dem Bürgerkrieg (1861-65) meinen. Im Gegensatz zum industriellen Norden blieben die Südstaaten agrarisch geprägt. Riesige, von Sklaven bewirtschaftete Baumwollplantagen schufen hier die Basis für eine aristokratische Pflanzergesellschaft, die der Nachwelt die „Vom Winde verweht“-Romantik und die grandiosen Villen, die mansions, hinterließ. Im Alltag des Südens haben sich die alten Umgangsformen vielfach erhalten. So helfen hier selbstverständlich die Gentlemen den Ladys in den Mantel oder halten ihnen die Tür auf.

Bible Belt

Deutsche Priester würden neidisch: Sonntagmorgens um elf haben ihre Kollegen im amerikanischen Süden Parkplatzprobleme. Im Bible Belt ist das normal, denn der in südwestlicher Richtung quer durch Amerika ziehende, äußerst religiöse Landstreifen ist God's Country. Radioprediger verdammen Abtreibung und vorehelichen Sex und werden wie Rockstars verehrt. In vielen Schulen steht die Genesis neben der Evolutionstheorie auf dem Lehrplan, lernen die Schüler mit Intelligent Design eine neue Philosophie, die davon ausgeht, dass die Evolution so kompliziert ist, dass menschliches Leben ohne göttlichen Funken nie hätte entstehen können.

44 Prozent der Amerikaner legen die Bibel wörtlich aus und bezeichnen sich als Born-again-Christians (Wiedergeborene Christen). Allerdings garantiert auch dies keineswegs immerwährende Glückseligkeit. Der Bible Belt weist die zweithöchste Scheidungsrate in den USA auf.

Civil Rights Movement

Die Gleichstellung der Rassen: Verfassungsmäßig ist sie garantiert, in der Praxis wird sie jedoch immer wieder vertagt. Präsident Abraham Lincoln erklärte 1863 die Sklaven der Südstaaten für frei, doch erst das Jahr 1954 mit dem Ende der Segregation an allen öffentlichen Schulen und dem darauf folgenden Boykott aller rassistischen Busgesellschaften markierte die Wende. Die von Martin Luther King Jr. angeführte Bürgerrechtsbewegung erkämpfte unter großen Opfern die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen, doch der unbefangene Umgang miteinander ist, wie 1994 der Fall O.J. Simpson zeigte, noch immer das erklärte und bislang unerreichte Ziel. Ob die historische Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten auch diesbezüglich einen Wandel einleitet, bleibt abzuwarten.

Historic Site

Die Amerikaner - ein Volk von Geschichtsbanausen? Amerikaner haben durchaus Sinn für Geschichte. Allerdings kommt diese oft mit einem kräftigen Schuss Patriotismus daher, der vor allem das Nationalgefühl und Werte wie Familie und Gemeinschaft stärken soll. In einem jungen Land wie den USA macht das Sinn. Weder gab es hier ein über die Jahrhunderte erworbenes Gemeinschaftsgefühl noch eine historisch gewachsene Kultur. Um eine Nation zu werden, musste dem Nationalstolz nachgeholfen werden. Das Resultat begegnet Ihnen auf Schritt und Tritt. Überall, wo ein Cowboy sein Pferd erschossen oder ein Prominenter (dessen Vettern, Cousinen oder Schulkameraden tun es zur Not auch) gelebt oder gewirkt hat, wird abgesperrt, geflaggt und Eintritt verlangt. Bezeichnet werden diese Orte als Historic Sites. Handelt es sich um Orte von nationaler Bedeutung, heißen sie National Historic Sites.

Indianer

Das Schicksal der Ureinwohner Nordamerikas ist wohl bekannt: Gastfreundlich halfen sie den Weißen über die ersten Winter, um anschließend von diesen verdrängt, vernichtet oder in Reservate abgeschoben zu werden. Der Grund, warum man im Osten der USA kaum Indianer - hier heißen sie politisch korrekt Native Americans - trifft, ist einfach: Weil sie hier zuerst dem Landhunger der Weißen zum Opfer fielen.

Die Indianer Neuenglands spielten schon um 1680 keine Rolle mehr. Im Süden und im Gebiet der Großen Seen schlug ihre Stunde zu Beginn des 19. Jhs., als die jungen USA über die Appalachen und das Ohiotal hinauswuchsen. Der 1830 erlassene Indian Removal Act machte das neue Siedlungsgebiet indianerfrei: Alle östlich des Mississippi ansässigen Stämme wurden in das (noch leere) Indian Territory westlich des Flusses ausgewiesen. Viele Stämme wehrten sich. Der Widerstand der Seminolen Floridas konnte erst nach drei Kriegen 1858 gebrochen werden, die Fox und Sac in Illinois kämpften bis 1832.

Die in den Appalachen Georgias lebenden Cherokee zogen 1832 vor den Supreme Court, der ihre Umsiedlung für illegal erklärte. Das Weiße Haus erkannte den höchstrichterlichen Spruch jedoch nicht an. 1838 wurden die Cherokee auf einem 2000 km langen Gewaltmarsch nach Kansas und Oklahoma verbracht. Auf dem Trail of Tears kamen 4000 Indianer ums Leben. Heute posieren nicht wenige Ureinwohner des Ostens als „echte Häuptlinge“ mit Federschmuck für die Kameras.

Doch neben vielen Problemen gibt es auch Erfolgsgeschichten. Die Legalisierung des Glücksspiels in den Reservaten verhalf manchen Stämmen zu einer neuen Einnahmequelle. Die Mashantucket-Pequot in Connecticut wurden sogar Multimillionäre: Ihr Foxwoods Casino bei Ledyard gehört zu den größten der Welt.

Ivy League

Die ältesten der rund 3700 Universitäten und Colleges der USA sind auch die renommiertesten: Brown in Providence (RI), Columbia in New York City (NY), Cornell in Ithaca (NY), Dartmouth in Hanover (NH), Harvard in Boston (MA), Princeton (NJ), Pennsylvania (PA) und Yale in New Haven (CT). Sie sind Karrieresprungbretter und kosten jährlich bis zu 30000 $. Die Bezeichnung Ivy League (Efeuliga) stammt aus den 1940er-Jahren, als die Präsidenten dieser Hochschulen beschlossen, ihre Footballteams gegeneinander antreten zu lassen. Inzwischen wird auch Basketball und Baseball gespielt, messen sich die Teams der Ivy League im Rahmen der NCAA (National Collegiate Athletic Association) mit Uniteams aus allen Teilen des Landes. Im allgemeinen Sprachgebrauch symbolisiert der Begriff Kultur und Bildung der weltoffenen Ostküste.

New South

Die Niederlage der Südstaaten im Bürgerkrieg war total. Danach mussten die Beziehungen Herren-Sklaven und Bürger-Staat neu definiert werden. Nach über 100 Jahren scheint sich das um 1880 geprägte Schlagwort vom New South nun endlich zu realisieren: Die Wirtschaft wurde erfolgreich diversifiziert. Tabak und Baumwolle sind nicht mehr die alleinigen Devisenbringer. Die verarbeitende Industrie boomt, Atlanta gilt als Metropole des Neuen Südens. Über 3000 Schwarze wurden allein 2002 in öffentliche Ämter gewählt. Die Frauen des traditionell konservativen Südens haben sich von ihrer Rolle an Heim und Herd emanzipiert. Das Idealbild der schönen, aber unbedarften Southern Belle ist längst dem Leitbild der karriereorientierten Steel Magnolia gewichen. Auch politisch redet der Süden wieder mit. Vier der fünf letzten US-Präsidenten waren Südstaatler.

Puritanismus

Unterwegs im Nordosten ist selten Positives über die Puritaner zu hören. Sie verfolgten, heißt es, Andersdenkende oder verbrannten sie als Ketzer, sie konnten nicht kochen und hatten auch sonst wenig Freude am Leben. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte besagt, dass sie das Wertesystem der USA prägten wie keine andere Gruppe. In England verfolgt, weil sie die Church of England von den als „katholischen Pomp“ empfundenen Ritualen reinigen wollten, wanderten sie nach Amerika aus. 1620 kamen die ersten „Pilgerväter“ an Bord der Mayflower in Plymouth (MA) an. Hier gründeten sie zahlreiche Städte und errichteten theokratisch geführte Gemeinwesen.

Kern ihres Glaubens war die Prädestinationslehre. Danach hat der Mensch die Pflicht, Gottes Willen in der Welt zu erfüllen - über das tägliche Gebet, ein tugendhaftes Leben und harte Arbeit. Daher galt Wohlstand als eine moralische Errungenschaft - für Historiker eine der Grundlagen des amerikanischen Turbokapitalismus. Die Gewissheit, mit harter Arbeit in Amerika alles erreichen zu können, prägt das amerikanische Bewusstsein bis heute.

Yankees & Southerners

Angeblich stammt der Name yankee von den im 17. Jh. in New York siedelnden Holländern. Diese wurden von ihren englischen Nachbarn in Connecticut als „Jan Kaas“ oder „Janke“ bezeichnet. Sie gelten als geschäftstüchtig und vor allem praktisch veranlagt. Ihr yankee ingenuity, ihr Ideenreichtum, ist weltberühmt. Die Erfindung arbeitssparender Maschinen geht auf ihr Konto, aber auch Waffen aus austauschbaren Teilen und Investmentfonds.

Südlich von Washington leben die southerners, die Südstaatler, die verdammt stolz darauf sind, keine yankees zu sein. Diesen begegnen sie mit Vorbehalt, schließlich ist der Bürgerkrieg erst 140 Jahre her. Die yankees, das wissen sie jedoch genau, denken nur ans Geldverdienen und verstehen nichts von Frauen. Sei das, wie es sei - ganz gewiss verstehen sich die southerners auf das gute Leben, und die southern hospitality ist legendär. Sie haben immer Zeit für einen Plausch und halten ihre Familie in Ehren. Die bekannteste Unterart der southerners sind übrigens die rednecks. Ursprünglich bezeichneten die Städter der Ostküste so die armen Weißen des Südens, ihnen Rassismus und einen latenten Hang zur Gewalttätigkeit unterstellend. Die heutigen rednecks weisen das von sich. Proletarier und stolz darauf sind sie jedoch noch immer. Sie heißen Bobby-Jack oder Billy-Bob, tragen auch im Restaurant Baseballmützen, hören Countrymusic und trinken mit ihren Freundinnen Anna-Mae und Norma-Jean Dosenbier auf der Haube ihres Pick-up-Trucks.