Reisetipps USA Ost

Auftakt USA Ost Was für eine Region!

Nationalparks und historische Schlachtfelder, glitzernde Metropolen und winzige Weiler, mehrsprachige Weltbürger und gastfreundliche Hillbillies (Hinterwäldler): Im Osten der USA liegen zwischen Maine und Miami nicht nur ungeahnte Freizeitmöglichkeiten, sondern auch zahllose Welten mit jeweils unverwechselbarem regionalem Flair. 21 Bundesstaaten gilt es zu entdecken, dazu die meisten lokalen Dialekte des Landes und eine sich quasi stündlich verändernde Natur. Hinter jeder Kurve werden Sie neue Facetten dieses vielseitigsten Landes der Welt erleben. Der Osten wartet. Gute Reise!

USA: eine Buchstabenkombination, die Assoziationen weckt - seien sie tagespolitischer, historischer oder landschaftlicher Natur. Für viele Millionen von Auswanderern waren die USA das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Optimismus und Zukunftszugewandtheit, Technologiegläubigkeit, grenzenlose Freiheit und reichlich Platz für Träumer und Spinner - das und noch viel mehr ist Amerika.

Die USA lassen sich nicht so leicht in den Griff kriegen. Sie sind modern und rückständig, progressiv und reaktionär, liberal und erzkonservativ. Sie sind alles Mögliche für alle möglichen Leute. Nur eines sind sie mit Sicherheit nicht: langweilig! Jedes Klischee hat hier auch einen Gegenpart. Eine miserable Allgemeinbildung - die meisten Nobelpreisträger. Die schlechteste Luft - die schärfsten Umweltgesetze. Hatz auf Homosexuelle - Anerkennung der Schwulenehe. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Vor allem im Osten. Denn Amerika ist nicht - natürlich nicht - automatisch gleich Amerika.

Der amerikanische Traum wurde im Westen verwirklicht - aber erst, nachdem ihn der Osten geträumt hatte. Was Amerika heute ist, wurde hier zum ersten Mal angedacht, ausprobiert und durchexerziert, im Guten wie im Schlechten. Es begann in der Nordostecke des Landes, auf einem Areal nur halb so groß wie Deutschland.

In Neuengland stand die Wiege der Nation. Die Puritaner, protestantische Fundamentalisten aus England, prägten mit ihrer Ideologie der Auserwähltheit und göttlichen Vorsehung das amerikanische Wertesystem. Ihre Universitäten, bis heute die besten des Landes, wurden zu Brutkästen einer kritisch denkenden, nach Unabhängigkeit rufenden Generation. Sie machten Neuengland zum liberalen Vorzimmer Amerikas: In Vermont regieren sozialistische Bürgermeister, in Massachusetts werden Windenergiefarmen erbaut und Maine verurteilte als erster amerikanischer Staat das Vorgehen Washingtons im Irak.

Auch der Süden träumte - erst von der Unabhängigkeit, dann vom friedlichen Miteinander von Weiß und Schwarz. Ein erbittert geführter Bürgerkrieg (1861-65) riss das Land fast auseinander, danach spaltete die Rassenfrage die amerikanische Gesellschaft. Seit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre sind die Schatten der Vergangenheit kürzer geworden. Ganz verschwunden sind sie nicht, doch Amerika - rettungslos optimistisch - arbeitet daran. So werden in Georgia schwarze Politiker und Polizeichefs an die Macht gehievt, finanzieren in Florida schwarze Millionäre Luxushotels. Noch vor 30 Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Der unerschütterliche Glaube daran, dass alles nur besser werden kann, wird hier tagtäglich aufs Neue umgesetzt. Und hapert es am Glauben, ist Gott das Allheilmittel. Oder Elvis. Nirgends sonst ist Amerika so fromm wie im Bible Belt zwischen North Carolina und Louisiana, nirgends sonst so musikalisch wie am Mississippi zwischen New Orleans und den Großen Seen. Dass Amerika schlussendlich mit dem aus Hawaii stammenden Barack Obama den ersten afro-amerikanischen Präsidenten kürte, war damit nur eine Frage der Zeit.

Wer den gesamten Osten bereist, wird seine ganze Vielfalt und Widersprüchlichkeit auf 2,2 Mio. km² erleben - denn hier sind beispielsweise die meisten amerikanischen Dialekte zu Hause. Neuengland wird Sie in vielem an Europa erinnern: Die Entfernungen sind kurz, die Städte alt und die Menschen belesen. Boston, noch immer die Grand Old Lady der Ostküste, Provincetown, die liberalste Stadt nördlich von Key West, und die unwegsamen, bis zu 2000 m hohen White Mountains mit den schönsten Etappen des von Georgia heraufziehenden Appalachian Trail setzen hier die Highlights.

New York, New York, von jeher anziehend und abstoßend zugleich, ist Amerika unter dem Vergrößerungsglas. Das brodelnde Völkergemisch in den Straßenschluchten stimuliert, das Tempo der Stadt macht schwindelig. Nebenan in Pennsylvania bestellen gottesfürchtige Amische ihre Äcker mit von Pferden gezogenem Pflug: unglaublich, aber wahr, amerikanische Echtzeit eben.

Das Herz der Nation wiederum wirkt fast schläfrig: Washington repräsentiert - etwas angestrengt wie einstmals Bonn - mit weiten Avenuen, Parks und viel Marmor. Kein Wolkenkratzer stört die in Neoklassizismus erstarrte Ernsthaftigkeit, und von den Machtkämpfen hinter den Kulissen erfährt man nur aus der „New York Times“. Richtig geliebt werden andere Städte. Wie Charleston und Savannah, die legendären Southern Belles in Georgia und South Carolina, Südstaatenschönheiten, deren Häuser Veranden mit schmiedeeisernen Balkongittern besitzen und deren Straßen von alten Eichen gesäumt werden, schwer mit Spanisch-Moos behangen. Oder Key West, Amerikas südlichster Punkt und letzte Station vor Havanna, wo New York nur noch undeutliche Erinnerung ist. Und New Orleans erst, Amerikas unamerikanischste Stadt, die berüchtigt ist für ihre losen Sitten und wilden Partys.

In New Orleans mündet der Mississippi in den Golf von Mexiko. Der „Old Man River“ ist für die Amerikaner, was Vater Rhein für die Deutschen ist: ein das Nationalgefühl prägendes Symbol. An seinen Ufern liegen vergessene Weiler, aber auch Memphis und St. Louis, die die ur-amerikanischen Musikstile Blues, Jazz und Rock 'n' Roll entscheidend prägten. Am Ende führt der Mississippi geradewegs ins Herz der USA, in „America's Heartland“ am Südrand der Großen Seen. Hier warten weitere Highlights auf einen Besuch, allen voran Chicago, das Kunstmekka, und die Niagara Falls, die meistfotografierten Wasserfälle der Welt.

Die Natur jedoch hat noch mehr zu bieten: subarktische Vegetation in den White Mountains, Tropenflora in Florida. Krokodile und Alligatoren in den Everglades, Wale vor Neuengland. Dazwischen: endlose Strände und das Wanderermekka der Appalachen, dessen schönste Abschnitte Nationalparks schützen. Wer gerne Auto fährt, mag sich den Luxus gönnen, einmal drei Klimazonen an einem Tag zu durchfahren. Das Beste, die Menschen, würde er dabei allerdings verpassen. Und das wäre schade.