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Naturpark Český Ráj: das Böhmische Paradies

Was amerikanischen Trekkern der Yellowstone National Park, ist tschechischen Campern ihr 125 km² kleines Böhmisches Paradies. Das Naturpark-Dreieck zwischen den Städten Mnichovo Hradiště (Münchengrätz), Turnov (Turnau) und Jičín (Jitschin) gleicht dem Spielplatz eines jungen Gottes, der die Erschaffung der Welt üben durfte. So formte er bizarre Felsenstädte und -labyrinthe, stapfte fröhlich in kleinen Tümpeln herum, überzog die Steinformationen mit dichten Mischwäldern und errichtete an besonders gelungenen Stellen seiner Schöpfung kunstvolle Sandsteinburgen. Zum Schluss überließ er sein Gesellenstück den Nordböhmen, die anders als weiland Adam und Eva ihr Paradies seitdem nicht mehr verlassen haben.

Die Siebenmeilenstiefel sollte der Stadtmensch an der Pforte des Jitschiner Berglandes abgeben und die heilsame Langsamkeit dieses zeitlosen Stücks heiler Welt gemessenen Schrittes erkunden. Das beste Verkehrsmittel sind die eigenen Füße oder ein Fahrrad. Und am besten sucht man sich auf einem der vielen wildromantischen Campingplätze eine schnuckelige Blockhütte (chata) mit eigener Veranda: z.B. am Waldrand 5 km südlich der Ortschaft Žd'ár. Dann erkundet man an sieben Tagen voller sinnlicher Eindrücke die wichtigsten Stationen entlang der markierten Rad- und Wanderwege.

Lassen Sie es am ersten Tag ruhig angehen. Marschieren Sie vom Campingplatz auf dem rot markierten Weg in Richtung Hrada in den Wald. Nach einem moderaten Aufstieg wandern Sie auf einer Hochebene an den ersten kleinen Felstürmen vorbei. Etwa 20 Minuten später kommt die erste Herausforderung für alle, die nicht ganz schwindelfrei sind: eine steile Treppe führt auf die Spitze eines gewaltigen Sandsteinbrockens. Von dort überblicken Sie in aller Ruhe Ihr Urlaubsreich.

Am zweiten Tag machen Sie einen Kulturtrip. Auf dem roten Wanderweg Richtung Südosten erreichen Sie nach etwa 11 km die Burg Kost. Der mittelalterliche Prachtbau mit gotischem Palas beherbergt eine Alchimistenküche.

Am dritten Tag setzen Sie ein paar Kilometer drauf, schlagen den gelben Weg Richtung Žehrov ein, biegen nach ca. 6 km auf den blauen Weg nach Vyskeř ab und erreichen nach insgesamt 15 km Hrubá Skála. Dort haben Sie die Wahl zwischen dem Aehrenthalschen Schloss oder den 220 Sandsteintürmen der Felsenstadt westlich des Ortes.

Am vierten Tag sind Sie bereits in passabler Form, weshalb Sie auf dem gelben Weg vom Vortag gleich bis Tachov weitermarschieren und dort auf den roten Weg nach Troskovice einbiegen. 17 km weiter belohnt Sie die Burgruine Trosky hoch auf einem schroffen Basaltfelsen mit einem geradezu gigantischen Ausblick.

Am fünften Tag begeben Sie sich wieder unter Menschen, Sie unternehmen einen Ausflug nach Turnov auf der kleinen Landstraße von Zd'ár über Všeň und Mašov (etwa 10 km). Der Ort (14000 Ew.) hat zwar nicht gerade viel zu bieten, aber das Museum des Böhmischen Paradieses sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Am sechsten Tag gibt es einen kulturellen Höhepunkt: Über Olšina, Dneboh und Hoškovice erreichen Sie nach ungefähr 10 km Mnichovo Hradiště. Beschäftigen Sie sich dort gar nicht erst mit der vergeblichen Suche nach Sehenswürdigkeiten auf dem Marktplatz, sondern marschieren Sie schnurstracks zum Wallensteinschen Renaissanceschloss.

Am siebten Tag gehen Sie es ein bisschen bequemer an und gönnen sich eine Autofahrt nach Jičín. In der 17000-Ew.-Stadt gibt es wieder einen richtigen Marktplatz mit Laubenhäusern und ein weiteres Renaissanceschloss Wallensteins mit Park. Auf dem Rückweg bietet sich ein Abstecher nach Prachov an, wo Sie sich die Beine in der bizarren Felsenstadt der Prachower Felsen (Prachovské skály) vertreten können. Nach etwa 200 Aufstiegen über 80 Türme und durch zahllose Grotten und Schluchten machen Sie im Zentrum dieser Naturgewalt eine Rast in der Turistická chata.

Der Karst: Reise in das innerste Mährens

Das unterirdische Gegenstück zum Böhmischen Paradies ist der Moravský kras, der Mährische Karst. Das 25 km lange und 6 km breite Drahaner Bergland nordöstlich von Brünn ist ein von unterirdischen Flüssen durchzogenes Labyrinth. Vom Wasser ausgehöhlte Kalkschichten stürzten in sich zusammen. Ergebnis sind tief eingeschnittene Canyons, zerklüftete Kalksteinformationen und plötzlich auftauchende Gewässer, die ebenso schnell wieder im Gestein verschwinden. Unter der Erde entstanden regelrechte Tropfsteinpaläste, in denen sich frei stehende Säulen bizarr auftürmen, riesige Steinzapfen von der Decke hängen und sich Kaskaden flüssigen Gesteins glänzend über die Wände ergießen. Auf 100 km² Fläche gibt es mehr als 1000 Höhlen, die meist nur für die Forschung freigegeben sind. Eine Rundfahrt schließt einen Kreis von etwa 30 km ein und ist per Auto oder Fahrrad an einem Tag zu bewältigen. Im Kernbereich stehen zahlreiche Verkehrsmittel zur Verfügung, die die Verbindung zwischen den Höhlen mittels Zügen, Schiffen und Schwebebahnen gewährleisten. Mountainbikes können überall günstig geliehen werden. Ausgangspunkt ist der Parkplatz des Hotels Skalní mlýn in Blansko (Informationen: Tel. 516417825 | www.cavemk.cz | Eintritt in die Höhlen jew. ca. 30 Kronen).

Sie beginnen am nördlichsten Punkt des Mährischen Karstes, etwa 10 km nördlich von Blansko, mit der Besichtigung der Sloupsko-šošůvské-Höhlen. Planen Sie für die Durchquerung dieses steinernen Irrgartens zwei Stunden ein. Auf einem verzweigten Weg von gut 3 km wechseln sich beklemmend enge Gänge und weite Hallen mit skurril geformten Tropfsteingehängen und -gewächsen ab. Etwa 5 km südöstlich, kurz unterhalb des Dorfes Ostrov u Macochy, liegt der Eingang zur Jeskyně Balcarka. Auf zwei Stockwerken wechseln die zarten Tropfsteingebilde der Balcar-Höhle chamäleonartig ihre Farben.

3 km südwestlich erreichen Sie den Aussichtspunkt bei der Macocha-Schlucht. Der Blick fällt in einen 139 m tiefen Graben, aus dem schroffe Felswände emporsteigen. Die Schlucht entstand durch den Einsturz eines riesigen unterirdischen Doms. Karstgewässer und tektonische Störungen brachten seine Decke zum Bersten; der Schluchtboden ist noch heute mit ihren Resten bedeckt, unter der unterirdische Flüsse ihre Betten in den Kalk graben. Benannt ist der Canyon nach der Legendenfigur Macocha: eine alte Frau, die ihr Stiefkind in die Tiefe gestürzt haben soll. Das Kind blieb an einem Strauch hängen und wurde von Dorfbewohnern gerettet, die böse Macocha aber zur Strafe selbst in die Schlucht gestoßen.

Weitere 3 km südwestlich liegt die Kateřinská-Höhle. Der durch Wasser auf einen Raum von 96 x 36 x 20 m ausgewaschene Hauptdom zeigt nur noch wenige Tropfsteinkaskaden. Die einst herunterhängenden Zapfen haben vor langer Zeit die Stalagmiten unter sich begraben. Dafür bietet der Kalksteinsaal eine hervorragende Akustik, die bereits für Klassikeinspielungen genutzt wurde. Danach durchqueren Sie das Bambuswäldchen, Hunderte stabartiger Stalagmiten, gruppiert zu einem Steinforst.

Wenige Kilometer nördlich von Blansko liegt der Eingang der Punkevní-Höhlen. Gut zwei Stunden dauert die Höhlenforschung, zum Teil per Boot auf der unterirdisch fließenden Punkva. Endstation sind zwei Seen im Boden der schon vorher bewunderten Macocha-Schlucht.

Nach dieser Expedition empfiehlt sich eine Übernachtung in der schönen alten Mühle (1888) am Stadtrand von Boskovice. Sie verbindet romantisches Ambiente mit Komfort, etwa einem türkischen Bad, und einem Restaurant (Hotel Moravia | Lasákův Mlyn | 35 Zi. | Dukelská 77 | Tel. 516454441 | €€-€€€).

Böhmerwald: Hort der Märchenschlösser

Šumava, die Rauschende, wird der Böhmerwald im Tschechischen genannt. Um dieses akustische Naturereignis zu genießen, machen Sie eine etwa 200 km lange, 5-tägige Radrundreise auf den Spuren alter Adelsfamilien: Natur pur, nur unterbrochen von kulturellen Highlights. Ausgangsort ist Horní Vltavice an der oberen Moldau.

Folgen Sie am ersten Tag der Straße Richtung Zatoň. Nördlich von Kaplice liegt der Parkplatz des Naturschutzgebiets um den Boubín, des höchsten Berges (1362 m) im Böhmerwald. Marschieren Sie entlang der grünen Markierung zu einem idyllischen See. Nach dem Spaziergang haben Sie noch 30 km vor sich. Fahren Sie zurück bis Zatoň, und folgen Sie der warmen Moldau über Lenora bis zum Lipno-Stausee. Mieten Sie für die Nacht eine chata (Hütte) an einem der Campingplätze am See in Horní Planá.

Bevor Sie am nächsten Tag aufbrechen, werfen Sie einen Blick in das kleine Museum Adalbert Stifters, das Kindheit und Jugend des Dichters dokumentiert. Danach radeln Sie auf der idyllischen Seestraße über Frymburk 32 km bis zum Kloster Vyšší Brod. In zwei Stunden können Sie die gotische Hallenkirche und eine bedeutende Bibliothek besichtigen. Weiter geht es Richtung Český Krumlov, Sie machen aber nach 8 km einen Abstecher zur romantischen Burg Rožmberk. Die Führung durch die erhaltene Untere Burg dauert etwa 45 Minuten. 22 km weiter erreichen Sie das Kulturidyll Český Krumlov mit seinem lebendigen Nachtleben.

Auf der Fahrt Richtung Budweis stoßen Sie nach 8 km auf das Zisterzienserkloster Zlatá Koruna. 14 km später halten Sie im großzügigen České Budějovice an für einen Schweinebraten und ein kühles Budweiser. So gestärkt, setzen Sie die Fahrt Richtung Písek fort und machen nach 12 km beim Märchenschloss Hluboká Halt (Besichtigung: 1 Std.). 8 km weiter nehmen Sie die linke Abzweigung zum 5 km entfernten Netolice mit Campingplatz.

Der neue Tag bringt einen Ausflug zum 2 km entfernten Wasserschloss Kratochvíle mit der wohl originellsten Ausstellung Tschechiens im Museum des tschechischen Trickfilms. Nach einigen Steigungen rollen Sie ins 15 km entfernte Prachatice mit seinem historischen Stadtkern hinunter. In Richtung Volary machen Sie nach etwa fünf Bergkilometern eine kleine Wanderung zum Aussichtsturm auf dem Libín: Eine tolle Aussicht über den Böhmerwald und eine urige Berghütte belohnen Sie.

Am fünften Tag geht es fast nur noch bergab. Über Volary kehren Sie ins Moldautal und nach 22 Tageskilometern nach Horní Vltavice zurück.