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Cornwall Literarisch Erwandern

Berühmte Schriftsteller haben sich in die Halbinsel Cornwall verliebt; der äußerste Südwesten Englands ist oftmals Handlungsort ihrer Bücher. Cornwall literarisch zu erwandern ist deshalb besonders ergiebig. Der „Hall Walk“ oder Königsweg, eine der 100 schönsten Wanderungen in Großbritannien, bringt Ihnen die Landschaft näher, die die Bestsellerautorin Daphne du Maurier so geliebt und in ihren Werken so anschaulich geschildert hat. Der Parcours ist 6km lang. Sie benötigen dafür gute zwei Stunden - den Genuss der schönen Ausblicke selbstverständlich mit eingerechnet.

„Rebecca“ oder der Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“ - nur wenige denken bei diesen Filmtiteln daran, dass dahinter die englische Schriftstellerin Daphne du Maurier (1907-89) steht. Fast alle ihre Geschichten sind in Cornwall angesiedelt. Ein eigener Genuss ist es, die Klippen, Felder und Bauernhöfe ausfindig zu machen, die in den Romanen der Maurier auftauchen. Eine ihrer Lieblingswanderungen war der „Hall Walk“.

Die kleine Autofähre kurz hinter der Touristeninformation in Fowey bringt Sie ans andere Ufer, nach Bodinnick. Bei der Überfahrt springt Ihnen ein in Blau-Weiß gehaltenes Haus ins Auge: Ferryside. Genauso ging es Daphnes Familie, als sie Mitte der 1920er-Jahre hier ankam. Es war dieses Haus, das ihre Verbundenheit mit der Region begründete. Daphnes Mutter soll sich vor dem Hauskauf erst einmal in dem einladenden Old Ferry Inn neben der Anlegestelle gestärkt haben. Das können auch Sie tun, bevor Sie die leicht ansteigende Straße hinaufgehen und rechter Hand den historischen „Hall Walk“ nach Polruan (ausgeschildert) beginnen.

Der Wanderweg verläuft hoch über der Bucht auf bewaldeten Klippen und garantiert großartige Ausblicke auf den Hafen, die Bucht und das gegenüberliegende Fowey. Der erste markante Punkt ist Penleath Point. Dort erinnert ein Denkmal an Daphnes Mentor, den Schriftsteller Sir Arthur Quiller-Couch. Die Wanderung geht nach links weiter entlang dem Pont Pill und dann hinunter zur Fußgängerbrücke. Die Brücke war früher ein wichtiger Umschlagplatz für die Bauern. Die damals üblichen Preise für den Transport von Getreide und Bauholz stehen auf dem Schild, das am Landhaus angebracht ist.

Auf dem schmalen Weg vorbei am Landhaus gehen Sie hinauf zur Langteglos-Kirche. Von dort spazieren Sie weiter in Richtung Polruan. Auf halber Höhe zwischen der Kirche und einem Farmhaus weist linker Hand ein Schild den Weg dorthin. Er steigt zunächst etwas an und führt dann direkt in das kleine Dorf hinunter. Mit der Fähre (letzte Fahrt im Sommer gegen 23 Uhr) gelangen Sie von Polruan zurück nach Fowey. In diesem charmanten Fischerdorf mit dem Auf und Ab der gewundenen Gässchen gibt es vieles zu sehen, was mit dem Leben und Schaffen Daphne du Mauriers zu tun hat. Gleich links neben der Anlegestelle führt der Weg zur Readymoney-Bucht, wo die Schriftstellerin während des Zweiten Weltkriegs lebte, nachdem sie „Ferryside“ verlassen musste. Doch wirklich bedeutsam war für sie nur ein Haus. Sie hatte immer wieder davon gehört und es ganz zufällig bei einer ihrer Wanderungen entdeckt: „Menabilly". Dieses Anwesen - in „Rebecca“ heißt es „Manderley“ - ist seit fast fünf Jahrhunderten im Besitz der Familie Rasleigh und war zeitweise an die Maurier vermietet. Das Haus selbst kann nicht besichtigt werden; nur den Weg dorthin können Sie erspähen.

Unterwegs zu den Schönsten Gärten

Der Südosten ist eine üppig bewachsene Region mit sanften Hügeln, altem Baumbestand und kleinen Landstraßen, die im Sommer tunnelartig überwachsen sind. Eingebettet in diese Landschaft liegen viele der Öffentlichkeit zugängliche Gärten. Sie wurden zumeist von einer Person angelegt, deren Sinn für Tradition oder individueller Geschmack jedem Garten seinen eigenen Stil verlieh. Wenn Sie alle vier Gärten sehen wollen, planen sie für die Strecke von ca. 65 km zwei Tage ein.

Die Tour beginnt in Great Dixter (in Northiam, 11km nordwestlich von Rye an der A 268). Um den pittoresken Familiensitz hat Christopher Lloyd seiner Freude an Experimenten freien Lauf gelassen. Man sieht ungewöhnliche Farb- und Pflanzenkombinationen. In vielen Beeten gedeihen Stauden so dschungelartig, dass man kaum durchkommt, während der Bewuchs andernorts von Eibenhecken im Zaum gehalten wird (April-Okt. Di-So 11-17 Uhr | Eintritt £ 6,50).

Über die A 268 nach Hawkhurst, dann die A 229 in Richtung Norden und rechts auf die A 262 geht es dann nach Sissinghurst Castle weiter (April-Okt. Fr-Di 11-18.30 Uhr | Eintritt £ 8,10). Dieser Garten gehört zu den meistbesuchten des Landes. Es empfiehlt sich, früh am Vormittag oder erst nach 15 Uhr anzukommen, wenn die Busgruppen fort sind. Hier sehen Sie ein typisches Gestaltungsmerkmal englischer Gärten des 20. Jhs.: Die Kombination von strenger, durch Wege und Hecken vorgegebener Ordnung mit dicht gepflanzter und überbordender Blütenpracht. Für ihre geschickte Wahl der Pflanzen und deren farbliche Abstimmung wird die Schöpferin des Gartens, Vita Sackville-West, noch heute bewundert.

Westlich auf der A 262, dann bei Lamberhurst nach links auf die A 21 in Richtung Süden erreichen Sie Scotney Castle (Mitte März-Okt. Mi-So 11-17.30 Uhr | Eintritt £ 5,90). Als Kontrast zu den Blumenbeeten von Sissinghurst und Great Dixter findet man hier eine hügelige Parklandschaft mit einer Burgruine aus dem 14. Jh.. Die beste Zeit für einen Besuch sind Mai und Juni, wenn sich die blühenden Rhododendren und Azaleen im Wassergraben spiegeln. Die Familie Hussey zog Mitte des 19. Jhs. in den nahe gelegenen neuen Herrensitz und ließ die Burg zur malerischen Ruine umbauen: Scotney Castles‘ romantische Anmutung war also sorgfältig geplant.

Die Route führt südlich weiter auf der A 21 bis Hurst Green, wo Sie rechts auf die A 265 abbiegen und bei Burwash das Haus Batemans (März-Okt. Sa-Mi 11-17 Uhr | Eintritt £ 6,50) erreichen. Den Landsitz aus dem 17. Jh. kaufte sich Literaturnobelpreisträger Rudyard Kipling 1902. Sein bekanntestes Werk ist „Das Dschungelbuch“. Er ließ sich von dem ausgedehnten Garten, der sich bis zur Wassermühle am River Dudwell erstreckt, inspirieren. Besonders attraktiv ist der Kräutergarten, sehenswert auch das Haus mit dem Arbeitszimmer des Dichters und seinem Rolls Royce in der Garage.