Reisetipps Stuttgart
Stichworte Stuttgart
Autostadt
„Wenn der Daimler huschtet, dann isch's Ländle krank.“ Ein launiger Spruch, der beweist, wie sehr der Daimler-Konzern Stuttgart und das Umland prägt: Rund 75000 Mitarbeiter in den Werken der Region bestätigen das Bild von der Autostadt, das allerdings so makellos nicht mehr ist: Auch im Ländle wird immer wieder von Massenentlassungen gemunkelt. Dennoch verdient Stuttgart den Titel. Immerhin sorgten hier Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach mit ihrer Erfindung des schnell laufenden Benzinmotors für den Siegeszug des Automobils. Der zweite große Karossenbauer heißt Porsche, hat nur rund 8000 Mitarbeiter, sorgt aber mit seinen Bilanzen regelmäßig für Begeisterungsstürme und mit seinem Engagement bei VW für Schlagzeilen. Rund um die beiden Unternehmen hat sich eine ganze Liga von Zulieferfirmen angesiedelt, die zum Teil selbst - wie etwa die Firma Bosch - in der Weltspitze mitspielen.
Besenwirtschaft
Gemütlich und eng geht's zu, wenn der Reisigbesen vor der Tür hängt. Ursprünglich servierten die Besenwirte in ihren Wohnstuben, heute laden sie oft in einen Schuppen, einen Kellerraum oder die Garage ein. Dort schenken die Wengerter (Weingärtner) ausschließlich ihren eigenen Wein aus. Weil sie dies ohne Konzession tun dürfen, müssen sie gewisse Regeln einhalten: Der Besen darf maximal zweimal im Jahr für vier Monate geöffnet sein, es dürfen nur kalte und einfache warme Speisen und höchstens 40 Sitzplätze angeboten werden. So serviert man Deftiges wie Schlachtplatte, Sauerkraut oder Zwiebelkuchen. Viele der etwa 40 Stuttgarter „Besen“ liegen in Untertürkheim. | www.besenwirtschaften.de
Kehrwoche
Für viele in und um Stuttgart gehört die Kehrwoche nach wie vor zu den ehernen Gesetzmäßigkeiten - selbst wenn das eigentliche Gesetz seit 1988 nicht mehr gilt. Sauberkeit muss sein - und so ist jede Woche eine andere Mietpartei dafür zuständig, Haus und Hof ordentlich zu halten.
Mineralbäder
Neben Budapest hat keine andere Stadt in Europa einen ergiebigeren Segen an Mineralwasser. In den Stadtteilen Bad Cannstatt und Berg sprudeln aus 19 Quellen, davon elf staatlich anerkannte Heilquellen, täglich mehr als 22 Mio. Liter kohlensäurehaltiges Wasser. Den Kur- und Badegästen stehen drei Mineralbäder, zwei Kurmittelhäuser und 20 öffentliche Mineralwasser-Trinkbrunnen zur Verfügung. Man geht ins Leuze (tgl. 6-21 Uhr | Am Leuzebad 2-6 | Tel. 2164210 | U 1, 2, 14 Mineralbäder), ins benachbarte Mineral-Bad Berg (Mo-Do 6-20, Fr/Sa 6-21, So 6-17 Uhr | Am Schwanenplatz 9 | Tel. 9236516 | U 1, 2, 14 Mineralbäder). oder ins Mineralbad Cannstatt (tgl. 9-21.30 | Sulzerrainstr. 2 | Tel. 2169240 | U 2 Kursaal). | www.stuttgart.de/baeder
Schillerstadt
Stuttgart begreift sich seit jeher als Schillerstadt, obwohl der Poet (1759 bis 1805) einst von hier Reißaus nahm. Herzog Carl Eugen hatte ein Schreibverbot verhängt, und wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe - zu zwei Aufführungen der „Räuber“ in Mannheim - drohten dem Dichter 14 Tage Arrest. Ganze zehn Jahre lebte Schiller in Stuttgart. Erzählt wird, der Dichter habe seinen Freunden im Waldgebiet auf dem Bopser Teile aus seinen „Räubern“ vorgelesen. Stuttgart organisierte das erste Schiller-Fest (1825), hier gab es den ersten Schiller-Verein (1827) und auf dem Schillerplatz steht das erste größere Denkmal für den Dichter.
Stuttgart 21
Einer der tiefsten Griffe ins Portemonnaie der Stadt wird mit Sicherheit das äußerst kontrovers diskutierte Großprojekt „Stuttgart 21“, der Umbau des Hauptbahnhofs. Der Sackbahnhof soll in den kommenden zehn Jahren zur unterirdischen Durchgangsstation umgestaltet und somit ein wichtiger Stopp auf der Trasse von Paris nach Budapest werden. Dafür würden im Schlossgarten Dutzende von Bäumen gefällt und im Zentrum der Stadt eine riesige Baugrube ausgehoben. Schließlich soll auch noch die bisher langsame ICE-Trasse von Stuttgart nach München ausgebaut werden. Die Gesamtkosten des Projekts sollen sich auf 3 Mia. Euro belaufen, die Gegner rechnen allerdings mit mehr als dem Doppelten. In der Stuttgarter Stadtmitte auf dem Bahnhofsgelände soll schließlich statt der oberirdischen Gleisanlagen ein völlig neues Stadtviertel mit Büros, Wohnungen und Geschäften entstehen.
Tüftler
Stuttgart ist die Hauptstadt der Erfinder, die hier Tüftler genannt werden. Der Grund: Not macht erfinderisch - und das Land war stets arm an natürlichen Rohstoffen. Nicht nur der Dampfpflug von Max Eyth und das Luftschiff von Ferdinand Graf von Zeppelin wurden hier erfunden, sondern 1895 auch der Hebelordner mit Exzenterverschluss, besser bekannt als Leitz-Ordner. Die elektrische Handbohrmaschine aus der Werkstatt W. E. Fein stammt aus Stuttgart, ebenso der arbeitsfreie Samstag und der Acht-Stunden-Tag aus dem Hause Bosch. Das schwäbische Fastfood, die Brezel, wurde hier erfunden sowie der Büstenhalter (1913). Mit ihren Patentanmeldungen liegen die Erfinder aus der Region Stuttgart europaweit an dritter Stelle. Im Jahr werden knapp 2000 Patente angemeldet.
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