Reisetipps Sevilla

Highlights Sevilla

Region: Sevilla

Komo

Javier Padura hat bei zwei der größten Köche Spaniens gearbeitet: bei Martín Berasátegui und Ferran Adrià. Daher rührt sein Faible für Gelees und Schäume, Türme und Pürees. Frischeste Zutaten und originelle Kompositionen wie Mozzarella auf Algensalat. Nicht nur die Weinkarte ist anspruchsvoll, auch die der Olivenöle: Es gibt acht sogenannte Autorenöle von namhaften Produzenten. So-Abend und Mo geschl. | Fernando Tirado 4 | Tel. 954571464 | www.komo.es | Bus C1, C2: Santa Justa

Eslava

Eine der besten Tapabars weit und breit. Am Tresen herrscht immer drangvolle Enge, hinten gibt es ein kleines Restaurant mit praktisch dem gleichen Angebot. Betörend guter salmorejo, ausgezeichnete Miesmuscheln (mejillones), lecker auch Schweinefilet in pikanter Käsesauce (solomillo al cabrales). Für Tische hinten unbedingt reservieren (Tel. 954906568)! So-Abend geschl. | Eslava 3 | Bus 13, 14: Duque de la Victoria | €€

Garlochi

Eine Madonna auf ihrem Prozessionspodest beherrscht die winzige Kneipe, umgeben von Blumen, Weihrauch, Semana-Santa-Musik und weiteren Karwochendevotionalien. Dazu wird sangre de Cristo (Blut Christi) serviert, ein knallroter Cocktail aus Wer-weiß-was. Großartig verrückt! Tgl. | Boteros 26 | Bus B2, C5: Encarnación

Casa Anselma

Eine der witzigsten peñas flamencas (öffentliche Flamencoclubs) in Triana. Inhaberin Anselma, eine gefeierte Flamencotänzerin, führt ein strenges Regiment: Wessen Nase ihr nicht passt, der fliegt raus. Die Bar ist komplett gekachelt und mit Fransentüchern, Gitarren und anderen Flamencoaccessoires verziert. Vor 23 Uhr ist gar nichts los, dann füllt sich die Kneipe schnell bis zum Anschlag. Ab Mitternacht live Flamenco, Musik und Tanz, aber ohne feste Zeiten und Programm. Als Rausschmeißer singt Anselma, die den ganzen Abend unter den Gästen ist, der Virgen del Rocío, der Madonna vom Morgentau, ein Ständchen. Mo-Sa 23 Uhr bis open end | Pagés del Corro 49 | Bus 43: San Jacinto

Isla Mágica

Im Themenpark auf der Expoinsel dreht sich alles um die Zeit der Entdecker: Sevilla als Hafen zur Welt, Die Mayas, Tor nach Amerika, Amazonien, Der Jungbrunnen, Die Piratenhöhle, Eldorado und Balkon Andalusiens heißen die Länder. Zu den 26 Fahrattraktionen gehören die Achterbahn Jaguar mit fünf Loopings und die Wasserattraktionen Splash, Iguazú (ein Sturz aus einem 15 m hohen Wasserfall) und Anaconda mit drei Wasserfällen. Dazu gibt es täglich mehrere Theatershows; die beliebteste ist El Motín, die Meuterei der Piraten, bei der richtig geballert wird und einige baden gehen. Auch ohne Sprachkenntnisse ein Mordsspaß. Der Bereich Jungbrunnen (Fuente de la Juventud) ist speziell für kleine Kinder bis ca. fünf Jahre konzipiert. Rund 20 Bars und Restaurants sind über das Gelände verteilt. Nehmen Sie Kleidung zum Wechseln mit: Früher oder später ist hier jeder klatschnass! Die Öffnungszeiten variieren stark, am besten im Internet aktuell checken. Tägliche Öffnung ist zwischen Mitte April und Mitte September gewährleistet, aber wiederum mit stark schwankenden Zeiten, vor allem was die abendlichen Schließzeiten betrifft. Hauptsaison 27 Euro, Abendticket 19 Euro, Nebensaison 23,50 Euro, Abendticket 17 Euro, Kinder 19/14 bzw. 17/12 Euro | Isla de la Cartuja | Bus C1, C2: José Gálvez | www.islamagica.es

Region: Alfalfa & Macarena

Casa de Pilatos

Es grenzt schon fast an Frechheit, so etwas schlicht casa, Haus, zu nennen: Selbst in den Pferdeställen, heute Garage, schliefen und fraßen die Rösser zwischen antiken Säulen und deren Imitaten. Die maurischen Kunsthandwerker konnten sich richtig austoben und haben eine Art Privat-Alhambra hingestellt, voller Stuck- und Kachelornamente, arabischer Kalligrafien, dazwischen hier und da ein Kreuz, um deutlich zu machen, wer hier das Sagen und das Geld hat. Der Bauherr, der erste Marquis von Tarifa, der diesen Palast im 16. Jh. von mudéjar-Baumeistern errichten ließ, wollte nicht nur einen eigenen maurischen Palast, als gläubiger Katholik stiftete er gleichzeitig einen Passionsweg für die Semana Santa, der an der Hauptfassade unter dem Bild „Jesus vor Pilatus“ beginnt - daher der Name des Palasts. Nach wie vor startet hier am Karfreitag eine große Prozession.

Im Erdgeschoss steht eine beeindruckende Sammlung römischer Statuen so herum wie bei anderen Leuten Reisesouvenirs. Im Obergeschoss (kostet extra, nur Führungen), in das eine über und über gekachelte, bemalte Freitreppe führt, hängt eine ebenso unbescheidene Gemäldesammlung italienischer und flämischer Meister. Zum Ausruhen und Träumen gibt es zwei zauberhafte Gärten. Das Haus ist bis heute im Privatbesitz des Herzogs von Medinaceli. Tgl. 9-19 (Okt.-März bis 18) Uhr | 5 Euro, mit Führung Obergeschoss 8 Euro, Di 13-17 Uhr frei für EU-Bürger | Plaza de Pilatos 1-3 | Bus C3, C4: San Esteban | www.sevilla5.com/monuments/pilatos.html

Museo del Baile Flamenco

Cristina Hoyos, eine der wichtigsten und bekanntesten Flamencotänzerinnen der Gegenwart, hat das private Flamencomuseum 2006 ins Leben gerufen. Geschichte und Gegenwart des Flamencos, Malerei, Fotos, interaktive Videoshows, Vorträge und Vorführungen: Alle Mittel werden genutzt, um diese Kultur umfassend zu zeigen. Viel Zeit mitbringen! Der Eintritt ist zwar teuer, aber jeden Cent wert. Das Museum bietet auch Tanz- und Gitarrenkurse vom Feinsten. Tgl. 9-19 (Okt.-März bis 18) Uhr | 10 Euro | Manuel Rojas Marcos 3 | Tranvía: Plaza Nueva | www.museoflamenco.com

Region: Expo 1929 & San Telmo

Plaza de España

Ein unglaubliches Stück Architektur: 200 m Durchmesser, 14000 m² Fläche, ein Wasserkanal, Brücken, das Ganze auf einem halbrunden Platz, eingerahmt von Türmen, die die Form der Giralda zitieren und aussehen wie mehrschichtige Torten, und Loggien aus braunem Backstein mit blauem Kacheldekor. Angeblich hat sich Aníbal González für dieses Monumentalwerk vom Petersplatz in Rom inspirieren lassen. Heute ist die Plaza de España vor allem ein Ort zum Träumen, Faulenzen und Toben. Ins Halbrund sind 48 gekachelte Nischen eingebaut, die die Provinzen Spaniens darstellen - zur Siestazeit heiß begehrt. Auch die Brücken über den Kanal sind reich mit Kacheln verziert. Parque de María Luisa | Tranvía: Prado San Sebastián

Region: Santa Cruz & El Arenal

Barrio Santa Cruz

In den Gassen östlich der Kathedrale lebte bis 1391 die jüdische Bevölkerung der Stadt in Frieden mit ihren islamischen und christlichen Nachbarn: Händler, Geldwechsler, Handwerker. Nach der Eroberung durch die Christen 1248 wuchs der Hass auf die Juden und gipfelte 1391 in einem Pogrom: Das jüdische Viertel, die Judería, wurde abgefackelt, die Bewohner ermordet. Bis Ende des 19. Jhs. war dieses Viertel ein Slum, dann wurde es wieder aufgebaut. Immerhin war es weltberühmt als Schauplatz romantischer Opern, etwa „Der Barbier von Sevilla“, „Figaros Hochzeit“ oder „Carmen“.

Was heute als altes Judenviertel daherkommt, ist also eine Kulisse nach den Vorstellungen des späten 19. und frühen 20. Jhs.: zweistöckige Häuser im andalusischen Dorfstil, lauschige Plätze mit Brunnen und Orangenbäumen, Balkons mit Geranien und Bougainvilleen, gekachelte Innenhöfe und schattige Gassen, Keramikläden, Bars. Besonders beliebt sind die Gassen Agua und Vida, Wasser und Leben, Symbole für die maurische Kultur. Phantastische Innenhöfe haben die Häuser 3 und 4 der Gasse Guzmán el Bueno sowie viele in den Straßen Mateos Gagos, Cruces und Ángeles. Wenn die Flügeltüren zur Straße offen stehen, ist es okay, in die Patios, die Innenhöfe, zu spicken: In so manchem Privathaus stehen römische Statuen oder aufwendig gestaltete Brunnen. Das autofreie Viertel erstreckt sich zwischen Plaza Doña Elvira, Callejón del Agua, Reales Alcázares, Santa María la Blanca und Mateos Gago.

Catedral und Giralda

„Lasst uns eine Kathedrale bauen, so ungeheuer groß, dass jeder, der sie sieht, uns für verrückt hält.“ Das sollen die Kirchenväter der Stadt 1401 als Motto ausgegeben haben. Gesagt, getan: Die Moschee wurde bis auf zwei Elemente abgerissen, und auf ihrem rechteckigen Grundriss entstand die (nach dem Petersdom in Rom und St. Paul's in London) drittgrößte Kirche der Christenheit, die seit 1987 zum Unesco-Welterbe zählt. Von der Moschee geblieben sind der Patio de los Naranjos, der Orangenhof, an der Nordseite des Doms, und die Giralda, der 93 m hohe Kirchturm - das Wahrzeichen Sevillas. Die Spitze schmückt eine Giraldillo genannte Engelsfigur, eine Kopie davon steht am Haupteingang. Im Orangenhof wuschen sich die Moslems vor dem Gebet. Die Giralda, früher das Minarett der Moschee, ist nach dem Vorbild des Minaretts der Koutoubia-Moschee in Marrakesch erbaut. Eine breite Rampe führt innen über 35 Windungen hinauf - die maurischen Herrscher wollten notfalls auch auf dem Pferd hinaufreiten können.

Die Stufen rund um die Kathedrale dienten im 16. und 17. Jh. als Sklavenmarkt: Sevilla war neben Lissabon der wichtigste Umschlagplatz für Berber aus Nordafrika, Ureinwohner der Kanarischen Inseln, Indios aus Mittelamerika und Schwarze aus Zentralafrika. Auch in Sevilla selbst wurden Sklaven gehalten: 1565 waren 6300 der rund 89000 Ew. Sklaven. Eine der ältesten Karwochen-Bruderschaften wurde um 1544 von schwarzen Sklaven gegründet; bis heute ist sie als Los Negritos („Die Negerlein“) bekannt.

Der Innenraum der fünfschiffigen Kathedrale hat 70 Bogengewölbe, wird von 40 Säulen getragen, das Hauptschiff ist mit einem riesigen Chor zugenagelt, ein beeindruckendes Zeugnis der Schnitzkunst des 16. Jhs. mit über 1000 Figuren. Darüber thront ein Hochaltar mit der stolzen Fläche von 220 m²: ein wahrer Ameisenhaufen von Heiligenfiguren. Entworfen hat ihn 1482 der Franzose Pierre Dankart, fertig war er 1564.

Gegenüber in der Capilla Real, der königlichen Kapelle, befindet sich der Hauptaltar des Doms, den die Stadtpatronin Virgen de los Reyes (Madonna der Könige) krönt. Der Hochaltar mit Szenen aus dem Leben Mariens stammt aus dem 17. Jh. In einem silbernen Sarkophag unter dem Altar ruhen die angeblich unversehrten Reste des christlichen Eroberers Sevillas, Fernando III El Santo. In den Seitennischen sind weitere Könige und Prinzen beigesetzt. Vor diesem Altar singen und tanzen zu drei Festen im Jahr die seises, eine Gruppe von ursprünglich sechs, heute zehn Knaben, nach einem seit 1439 festgelegten Ritual in historischer Tracht: jeweils um 17.30 Uhr an den drei Tagen vor Aschermittwoch, in der Fronleichnamswoche und vom 8. bis 15. Dezember.

An der Südseite der Kathedrale finden Sie das Kolumbus-Grab: Vier Träger - sie symbolisieren Kastilien, Aragón, León und Navarra - von übermenschlicher Dimension tragen einen riesigen Sarg. Nach wiederholten Umbettungen ist allerdings nicht klar, ob der Sarg wirklich die Überreste Kolumbus' enthält.

Im ehemaligen Kapitelsaal (Sala Capitular) sind der Domschatz sowie u.a. zwei Gemälde von Murillo zu sehen, in der Sacristía de los Cálices hängt Goyas „Santas Justa y Rufina“, die benachbarte Sacristía Mayor schmücken u.a. zwei Gemälde von Zurbarán.

Okt.-März Mo-Sa 11-17, So 14.30 bis 18, April-Sept. Mo-Sa 9.30-16, So 14.30-18 Uhr | 7,50 Euro | Avenida de la Constitución | Eingang Puerta de San Cristóbal | Tranvía: Archivo de Indias | www.catedraldesevilla.es

Reales Alcázares

Peter der Grausame regierte Sevilla ab 1350, da war die Stadt schon 100 Jahre von den Mauren zurückerobert. König Peter aber fand den maurischen Baustil so schick, dass er sich diesen Palast errichten ließ. Die Handwerker und Baumeister kamen aus Granada und waren Mauren mit Bleiberecht. Dieser „echte“ Stil heißt mudéjar, im Gegensatz zu mozárabe: Das sind maurische Elemente, die von christlichen Baumeistern verwendet wurden.

Der Königspalast ist also quasi eine Imitation, aber was für eine! Von außen ist wegen der trutzigen Mauern nichts davon zu ahnen. Gleich links hinter dem Haupteingang sind noch Reste des alten Palasts von Alfons XI. mit original maurischen Rundbögen und Stuckwerk erhalten. Im Zentrum der Anlage erstrecken sich die ineinandergeschachtelten Höfe des neuen Palasts voller maurischer Kuppeln, Stuck, Kacheln, Bogenfenster und atemraubender Decken aus Holz und teils mit Gold überzogen. Die Pracht gipfelt in der Sala de los Embajadores, dem Botschaftersaal: Stuckwerk, Arabesken, Kacheln und Schnitzereien, vielfarbig bemalt und teilweise vergoldet. Nicht umsonst wird der Alcázar auch „kleine Alhambra“ genannt und gehört zum Welterbe der Unesco. Wer genau hinsieht, entdeckt aber zwischen all den arabischen Kalligrafien und Mäandern auch christliche Symbole.

Hinter dem Hauptpalast erstrecken sich riesige Gärten im maurischen Stil voller Orangen- und Zitronenbäume, Palmen, Vogelgezwitscher, Brunnen und Wassergräben. Hier finden Sie auch eine kleine Cafeteria - perfekt für eine ausgedehnte Pause im Paradies! Okt.-März Di-Sa 9.30 bis 17, So 9.30-13.30, April-Sept. Di-Sa 9.30-19, So 9.30-17 Uhr | 7 Euro | Patio de Banderas | Tranvía: Archivo de Indias | www.patronato-alcazarsevilla.es

Real Maestranza de Caballería

Andernorts heißt eine Stierkampfarena Plaza de Toros, in Sevilla ist sie eine „Königliche Meisterschule für Reitkunst“. 1761 als eine der ersten Spaniens gebaut, leuchtet sie weiß und goldgelb gegen den blauen Himmel an. Das 40-m-Rund fasst nur 14000 Zuschauer (Madrids Arena Las Ventas 35000), aber die sind gefürchtet: Das „Schweigen von Sevilla“ ist Legende. Nur drei Toreros sind hier, in der Kathedrale des Stierkampfs, je ums Leben gekommen, darauf ist Sevilla stolz. Das Museum ist, anders als andere, nicht voller blutgetränkter Kampfanzüge und toter Stiere, sondern zeigt berühmte Gemälde von Toreros, alte Stiche von der Stadt und Kleinkram aus der Welt der toros bravos. Im Laden kann man für wenig Geld die Stierkampfplakate der Maestranza kaufen, darunter die des kolumbianischen Malers Fernando Botero: Seine Figuren sind richtige Wonneproppen. Stierkämpfe finden während der Feria de Abril täglich statt, danach bis Oktober immer sonntagnachmittags, Karten gibt es ab 20 Euro. Tgl. 9.30 bis 14 und 15-19 Uhr | 5 Euro | Paseo de Cristóbal Colón 12 | Bus B2, C4: Teatro Maestranza | www.realmaestranza.com