Reisetipps Piemont

Sehenswertes Piemont

Region: Ivrea

Burg

Wo einst schon Arduino, Vorkämpfer gegen die bischöflichen Feudalherren und erster König von Italien, seine Festung stehen hatte, erbaute drei Jahrhunderte später (1358-94) Amadeo IV. von Savoyen eine imposante Backsteinburg, die noch heute das Stadtbild beherrscht. Uneinnehmbar erscheint die Anlage mit ihren weit hochgezogenen Außenmauern und den hoch aufragenden Zinnentürmen. Mai-Okt. So 10-12 und 15.30-18.30 Uhr | 2 Euro | Piazza Castello

Dom Santa Maria Assunta

Schon seit zwei Jahrtausenden wird hier gebetet. Aus der romanischen Zeit sind die Glockentürme, die Krypta und der Vierungsturm erhalten; im Übrigen wurde die Kirche im Neubarock und Klassizismus (Fassade!) umgestaltet. Im äußeren Säulengang steht der Sarkophag eines römischen Quästors aus dem 1. Jh. Tgl. 8.30-12 und 14.30-18.30 Uhr | Piazza Castello

Edifici Olivetti

Firmengründer Camillo Olivetti (1868-1943) war ein Unternehmer, dem die sozialistischen Ideale gefielen und der versuchte, die drei Bereiche Industrie, Landschaft und Stadt sozial verträglich zu harmonisieren. Seine Erben taten es ihm gleich, und so sind heute im Südwesten Ivreas zahlreiche Olivetti-Bauten zu sehen, die im Stil guter, moderner Architektur der industriellen Fertigung eine menschliche Note geben. Darunter die Fabrik selbst (erweitert 1936 und 1957), der sternförmige Palazzo di Uffici (Sechzigerjahre, beide Corso Jervis) sowie die Wohnhäuser für Mitarbeiter (frühe Siebzigerjahre, Via Carandini). Die Anlagen sind im Rahmen des Open-Air-Architektur-Museums MAAM (rund um die Uhr geöffnet) zu besichtigen, das sich 2 km lang an der Via Jervis erstreckt. Infozentrum: April-Sept. Di-Sa 14 bis 18, Okt.-März Di-Fr 9-13 Uhr | Via Jervis 77 | Führungen: Cooperativa Alce Rosso Tel. 0125641816 | www.maam.ivrea.it

Ein baugeschichtliches Kuriosum: Mitten auf dem Firmengelände liegt auch die Klosterkirche San Bernardino (15. Jh.), in der es einen sehr schönen spätgotischen Freskenzyklus zu sehen gibt, der in 21 Bildern das Leben Jesu erzählt. Jeden 1. und 3. So des Monats 15-19 Uhr bzw. nach Anmeldung unter Tel. 0125521118

Region: Novara

Broletto

In den um einen charmanten Innenhof gebauten romanischen und gotischen Gebäuden tagten der „Große Rat“ und die Handwerkervereinigung. Heute sind im broletto zwei Museen untergebracht. Während das Museo Civico (zzt. wegen Renovierung nur nach Voranmeldung unter Tel. 03213702755 | Eintritt frei) archäologische Funde aus Novara und Umgebung zeigt, gibt es in der Galleria d'Arte Moderna Giannoni (zzt. wegen Renovierung geschl.) sehr sehenswerte lombardische Malerei des 19. Jhs. zu bewundern. Via Fratelli Rosselli 20

Dom

Das gewaltige klassizistische Bauwerk inszenierte Alessandro Antonelli 1863-69 als dreischiffige, säulenbeherrschte Tempelkirche. Im Inneren sind die aus der Vorgängerkirche geretteten schwarzweißen Fußbodenmosaiken und Tafelbilder von Gaudenzio Ferrari und Bernardino Lanino sehenswert. Gleich gegenüber vom Domportal steht das achteckige Baptisterium, vermutlich aus dem 5. Jh., mit vorromanischen Fresken. Tgl. 7.30-12 und 15-18.30 Uhr | Piazza Repubblica

San Gaudenzio

Als die Kuppel der großen, dem Stadtpatron geweihten Kirche aus der Spätrenaissance (ab 1577) um 1840 neu konstruiert werden musste, ließ sich Domarchitekt Antonelli die Gelegenheit nicht entgehen und trumpfte richtig auf: Heute dient San Gaudenzio in erster Linie als statische Basis einer Vierungskuppel, die sich in aufeinandergestellten Säulenzylindern bis auf 122 m hochzieht - deutlich höher als der Campanile. Auf der Spitze glänzt eine vergoldete Christusfigur. Antonelli arbeitete 44 Jahre an seinem Meisterwerk. Tgl. 7 bis 12 und 15-18.30 Uhr | Via San Gaudenzio

Region: Cuneo

Altstadt

Die Piazza Galimberti ist mit ihren 24000 m² einer der größten Plätze Piemonts und erinnert in ihrer arkadengeschmückten Weitläufigkeit an die Piazza San Carlo in Turin; sie trennt das moderne Cuneo von der Altstadt. Wer von hier aus durch die zentrale Via Roma und ihre Quer- und Parallelgassen bummelt, sieht die Geschichte der Stadt in ihren portici, den Bogengängen, festgeschrieben. Da gibt es niedrige Laubengänge, die an bedrückendes Mittelalter denken lassen, vor allem in der Via Mondovì, in der mit der alten Synagoge (15. Jh.) und der Kirche San Sebastiano (1320) die Aura der Vergangenheit besonders gut konserviert ist. Da gibt es die Arkaden unter den koketten Barockfassaden der Via Roma, in denen man einst Pferde unterstellte und Waren lagerte, und schließlich die prunkvollen Arkadengänge der Belle Époque in der Neustadt. Sehenswert ist der hoch aufragende Palazzo Municipale (Rathaus), ein ehemaliges Jesuitenkloster (1631), von Angelo Persico mit Fresken ausgemalt.

Casa Museo Galimberti

Eine Bibliothek, Schriftstücke und viele Erinnerungen halten in seinem Geburtshaus das Bild des Resistenza-Kämpfers und Nationalhelden Duccio Galimberti lebendig. Sa/So 15.30 und 17 Uhr Führung, sonst auf Anfrage | Eintrit frei | Tel. 0171631757 | Piazza Galimberti 6

Museo Civico

Selbst wer sich weder für Stadtgeschichte noch für Kunsthandwerk, prähistorische Funde oder die kostbare Gemälde- und die Trachtensammlung interessiert, könnte Gefallen am Städtischen Museum finden, denn es ist sehr ansprechend im ehemaligen Kloster San Francesco eingerichtet. Die zugehörige Kirche, im 13. Jh. im gotischen Stil errichtet, ist das wichtigste mittelalterliche Bauwerk der Stadt. Schön das dekorative Marmorportal und der Campanile von 1399. Die Kirche wurde jedoch schon 1793 entweiht und als Kaserne und Markthalle genutzt. Di-Sa 8.30 bis 13 und 14.30-17, So 15-19 Uhr | 2,60 Euro | Via Santa Maria 10 a

Santa Croce

Die schönste der drei Barockkirchen Cuneos ist kaum zu übersehen: Ihre mit Fresken und blauem Marmor geschmückte, nach innen gewölbte Fassade signalisiert bereits nach außen: Achtung, Schmuckstück! Erbaut wurde Santa Croce 1709-1715 von Francesco Gallo, einem piemontesischen Architekten, der in der Ebene südlich von Turin viele fast rokokohaft verspielte Kirchen gebaut hat. Auch Santa Croce, deren Grundriss zwei gekreuzte Ellipsen bilden, ist üppig ausgemalt und dekoriert. In der Apsis steht ein kleines gotisches Holzpult, von dem der Legende nach der hl. Bernardino von Siena den Armen gepredigt hat. Wegen Renovierung zzt. geschl. | Via Santa Croce

Region: Acqui Terme

Basilika San Pietro

Der sehr schön gegliederte und von einem achteckigen Glockenturm gekrönte Bau aus der Frühromanik wurde 1960 originalgetreu restauriert. San Pietro war die erste Kirche Acquis. Piazza Addolorata

Brunnenhäuschen

Das Brunnenhäuschen in der Via Saracco, in dem dampfend und unter Schwefelgestank die 75 Grad heiße Quelle La Bollente entspringt, ist klassizistisch, sieht aber gerade deshalb so aus, als stamme es noch aus römischer Zeit. Darunter liegen - bislang unzugänglich - die Mosaikfußböden der alten römischen Thermen verborgen.

Dom Santa Maria Assunta

Der massige romanische Dom wurde im 11. Jh. erbaut und im Lauf der Zeit zahlreichen „Modernisierungen“ unterzogen. Aus der Romanik sind drei halbrunde Apsiden, das Querschiff, der Glockenturm und die sechsschiffige, säulengestützte Krypta erhalten. Dort ruhen die Gebeine des hl. Guido. Tgl. 7-12 und 15.30-18, Krypta nur 16-18 Uhr | Piazza del Duomo

Museo Archeologico Ferrari

Im mächtigen, die Stadt überragenden Castello dei Paleologhi (11. Jh.) breitet das archäologische Museum der Stadt seine Funde aus römischer Zeit aus, darunter sehr gut erhaltene Stelen und Bronzestriegel, mit denen sich Gladiatoren den Schweiß abzuwischen pflegten. Mi-Sa 9.30-12.30 und 15.30-18.30, So 15.30-18.30 Uhr | 6 Euro | Via Domenico Barone

Region: Casale Monferrato

Altstadt

Am westlichen Rand der Altstadt duckt sich die cittadella, eine Befestigung, die Casale im 15. Jh. vor dem Zugriff der Savoyer bewahren sollte (vergeblich, wie sich zwei Jahrhunderte später herausstellte). Von hier aus ist man mit ein paar Schritten in der Altstadt mit ihren eleganten Barockpalästen und Kirchen, die fast alle im 18. Jh. entstanden, als sich savoyische Adlige um die Stadtverschönerung verdient machten. Eine Vorstellung von diesen Zeiten vermittelt die Via Mameli, in der die üppig stuckverzierten Palazzi aufgereiht sind wie Perlen an einer Schnur. Viele der Paläste haben reizvolle Arkadenhöfe.

Dom Sant'Evasio

Von ihren Ausmaßen her könnte schon die Vorhalle dieser bedeutenden romanisch-gotischen Basilika aus dem 11./12. Jh. als Gotteshaus durchgehen: Sie zieht sich über die gesamte Breite des Doms und ist von einem gewaltigen Kreuzgewölbe überdacht. Im Kircheninneren herrscht schwere Dämmerstimmung, unterbrochen allein von einem wunderschönen, silberbeschlagenen Kruzifix aus der Frühromanik. Mo-Sa 8 bis 12 und 15-18, So 9-13 und 14.30 bis 18.30 Uhr | Via Duomo

Museo Ebraico

Casale besaß einst eine große jüdische Gemeinde. Das jüdische Museum in der ehemaligen Synagoge zeigt u.a. goldene Thorakronen und Gesetzestafeln, aber auch die Toleranzedikte der Gonzaga gegenüber der jüdischen Gemeinde von Casale. So 10-12 und 15-17 Uhr | sonst nach Anmeldung unter Tel. 014271807 | Eintritt frei | Vicolo Salomone Olper 44

San Domenico

Trotz des Renaissanceportals und des im 18. Jh. barockisierten Chors weiß der Kenner spätestens beim Anblick des blau ausgemalten Rippengewölbes: Spätgotik! Mit dem Bau wurde 1472 begonnen; im Lauf der Jahrhunderte kamen zahlreiche Gemälde hinzu. Piazza San Domenico

Region: Alba

Altstadt

Mittelpunkt Albas damals wie heute ist die pittoreske Piazza Risorgimento mit Dom und Rathaus, an der sich die beiden Hauptstraßen der Altstadt treffen, Via Cavour und Via Vittorio Emanuele II. In der Via Cavour stehen, eng zusammengedrängt, noch viele mittelalterliche Häuser und Paläste, einige turmbewehrt, mit typischen Bogengängen. Sehenswert sind die Loggia dei Mercanti (Nr. 5) mit ihrem prächtigen Terrakottafries sowie, an der nahen Piazza Pertinace, die Casa Diretti (Nr. 2), ein gotischer Palazzo aus dem 14. Jh. mit Bogenfenstergalerien. Auch durch die Via Vittorio Emanuele II weht sichtbar der Geist der Geschichte (beachten Sie den Renaissancefries an der Casa Fontana, Nr. 11, oder den Palazzo Conti Belli, Nr. 18), doch eigentlich steht hier anderes im Blickpunkt: die verführerischen Schaufenster der zahlreichen Delikatessenläden! Selbst der Hof der arg überladenen Barockkirche Santa Maria Maddalena (Nr. 21) dient der Feinschmeckerei - hier findet im Herbst der Trüffelmarkt statt.

Dom San Lorenzo

Die bei einem Umbau vorgeblendete Backsteinfassade ist gerade mal 100 Jahre alt und böte wenig Spektakuläres, wenn nicht die drei aus der Entstehungszeit der Kirche (12. Jh.) übernommenen romanischen Portale mit ihren figurativen Kapitellen wären. Dreimal ist der Dom völlig umgebaut worden, was sein etwas zusammengeflicktes Erscheinungsbild erklärt: zum gotisch-lombardischen „Schnitt“ ein Marmoraltar aus der Frührenaissance, das rechte Querschiff ganz barock und ein Glockenturm mit spätromanischen Doppelfenstern. Wirklich schön sind die 35 holzgeschnitzten Chorstühle mit Szenen aus dem weltlichen und religiösen Leben, geschaffen im 16. Jh. von Bernardino Fossati. Zzt. wegen Renovierung geschl. | Piazza Duomo

Museo Civico Federico Eusebio

Die in einem ehemaligen Kloster untergebrachten Sammlungen lohnen sich vor allem der Funde aus der Römerzeit wegen. Amphoren belegen: Schon den alten Römern, die Alba gründeten, schmeckte der hiesige Wein! Di-Fr 15-18, Sa/So 9.30 bis 12.30 und 15-18 Uhr | 4 Euro | Via Paruzza 1 a

San Domenico

Ein gotischer Backsteinbau von schlichter Eleganz, dessen eindrucksvoller dreischiffiger Innenraum noch Reste von Fresken aus dem 16. Jh. aufweist. Der lichtdurchflutete Raum mit seinen Rundpfeilern hat Napoleons Soldaten auf ganz besondere Weise inspiriert - sie stellten hier ihre Pferde unter. Gottesdienste finden in der Kirche nicht mehr statt, dafür profitieren Theateraufführungen und Konzerte vom einmaligen Ambiente. Tgl. 7-12 und 15-18.30 Uhr | Via Calissano

Region: Turin

Museen

Nie mehr Schlange stehen! Für viele Museen können Sie Karten vorbestellen: Tel. 800329329

Dom San Giovanni Battista

Hinter dem Palazzo Reale versteckt, von bescheidener Höhe, schmucklosem Äußerem und nüchterner Innenausstattung, entspricht der Turiner Renaissancedom (15. Jh.) nicht dem Idealbild eines Doms. Dennoch strömen die Besucher. Denn hier wird im sicheren Schrein die Sacra Sindone aufbewahrt, das mutmaßliche Grabtuch Christi, eine der wertvollsten Reliquien der katholischen Kirche. Sie zeigt den Abdruck eines bärtigen Mannes und gelangte im 15. Jh. in den Besitz der Savoyer, die sie 1578 in ihre neue Hauptstadt Turin holten. Dort scheiterten zunächst mehrere Baumeister am Versuch, der Reliquie eine würdige Heimstatt zu schaffen. Erst Guarino Guarini errichtete 1668 bis 1694 mit der Cappella della Sacra Sindone (zzt. geschl.) eine Kapelle, deren kühne Kuppelarchitektur alles bisher Dagewesene übertraf. Die ganz mit schwarzem Marmor ausgekleidete Kapelle bildet zudem eine direkte Verbindung zwischen Dom und Königlichem Palast und dokumentierte damit unübersehbar das Gottesgnadentum der savoyischen Herrschaft. Zu besichtigen ist eine Fotografie der Reliquie in natürlicher Größe. Das heilige Tuch selbst - Wissenschaftlern zufolge ist es möglicherweise erst im Mittelalter entstanden - wird in unregelmäßigen Abständen (das nächste Mal wohl nicht vor 2011) feierlich entfaltet. Mo-Sa 8.30-12 und 15.30-19 Uhr | Piazza San Giovanni

Galleria Civica D'Arte Moderna (GAM)

Der moderne Museumsbau beherbergt 5000 Gemälde und 4000 Skulpturen vom 18. Jh. bis heute. Neben viel piemontesischer Malerei des 18./19. Jhs. ist eine interessante Sammlung des 20. Jhs. zu sehen: von den metaphysischen Turinbildern De Chiricos über Modigliani, Dix, Klee und Ernst bis zu Warhol. Di-So 10 bis 18 (Do bis 22) Uhr | 7,50 Euro | Via Magenta 31

Lingotto

Eine Industrieruine hat den Sprung in die Neuzeit geschafft. Der Lingotto (Barren), das von Fiat-Gründer Giovanni Agnelli 1917 in Auftrag gegebene, riesige Autoproduktionswerk, einen halben Kilometer lang und fünf Stockwerke hoch, galt stets als Inbegriff der Fabrik, als Ikone des Industriezeitalters. Trotzdem zog Fiat Ende der Siebzigerjahre aus und ließ den Koloss samt weltberühmter Autoteststrecke auf dem Dach einsam zurück. Doch lange stand der Lingotto nicht leer. Unter der Ägide des Genueser Architekten Renzo Piano wurde der Komplex zu einem gigantischen Kultur- und Handelszentrum umgebaut. Hier finden heute die großen Auto- und Buchmessen statt, werden Kongresse veranstaltet und - im neuen Auditorium - Konzerte von Rang gegeben; hier trifft sich Turin zu Kunstausstellungen und zum Shoppen. Auf dem Dach residiert die Pinacoteca Agnelli (Di-So 10-19 Uhr | 7 Euro), eine kleine, private Sammlung der Turiner Fiat-Dynastie. Via Nizza 262

Mole Antonelliana

Das mit 167 m höchste Gebäude Turins ist das Wahrzeichen der Stadt, ein Wahrzeichen, von dem viele Turiner behaupten, es sei in erster Linie hässlich. Von der Aussichtsplattform hat man einen herrlichen Blick. Erbaut wurde die Mole in 30 Jahren (Baubeginn 1863) nach wechselnden Plänen des Architekten Alessandro Antonelli. Ursprünglich war sie als Synagoge und jüdisches Gemeindezentrum gedacht, erfüllte diese Funktion jedoch nie. Irgendwann übernahm die Stadt den Turm. Heute ist er Sitz des Museo Nazionale del Cinema (www.museonazionaledelcinema.org). Mit zwölf Produktionsstudios und 73 Kinos galt Turin um die Wende vom 19. zum 20. Jh. als die Geburtsstadt des italienischen Kinos. 1904 wurde auf der Piazza Vittorio Veneto der erste Film öffentlich aufgeführt, 1914 drehte man in Turin mit „Cabiria“ den ersten Kolossalschinken der Filmgeschichte. Heute erinnert das originell und liebevoll gemachte Kinomuseum auf fünf Etagen an die Pionierzeiten des Kinos - mit laterne magiche, uralten Filmkameras und Kulissen und bequemen Liegen, auf denen man alte Stummfilmausschnitte anschauen kann. Di bis So 10-20 (Sa bis 23) Uhr | Museum 6,50 Euro, Panoramaaufzug 4,50 Euro, Kombiticket 8 Euro | Via Montebello 20

Museo dell'Automobile

Auf 10000 m² dokumentieren über 400 Fahrzeuge die Geschichte der motorisierten Fortbewegung. Zu den Stars der Ausstellung zählt das erste in Italien gebaute Automobil, der dampfbetriebene Bernardi von 1896. Zzt. wegen Renovierung geschl. | Corso Unità d'Italia 40

Museo Egizio

Mit seinen rund 30000 Ausstellungsstücken aus dem alten Ägypten gilt das Museo Egizio als zweitwichtigstes ägyptisches Museum der Welt. Im Erdgeschoss stehen Plastiken verschiedener Herrscher und Götter sowie Sarkophage; im ersten Stock geben u.a. Tücher, Spinngeräte und medizinisches Zubehör einen interessanten Einblick in den ägyptischen Alltag vor über 3000 Jahren. Di-So 8.30-19.30 Uhr | 6,50 Euro | Via Accademia delle Scienze 6

Palazzo Carignano

Der ab 1679 erbaute Palast mit seiner wellenförmig geschwungenen Backsteinfassade ist einer der prachtvollsten (und originellsten) Barockbauten Italiens. Im Festsaal trat 1861 erstmals das Parlament des Vereinigten Italiens zusammen. Heute beherbergt der Palast das Museo del Risorgimento (zzt. geschl.). Piazza Carignano

Palazzo Madama

Auf der Piazza Castello steht ein irritierendes Bauwerk. Von drei Seiten wirkt es wie eine mittelalterliche Burg, doch von Westen hat man eine barock-klassizistische Prachtfassade vor sich. Das Ganze basiert auf einem alten römischen Tor. Des Rätsels Lösung: Das Tor wurde im Mittelalter zu einem Kastell umgebaut, in dem im 17. Jh. die Regentin Madama Maria Cristina residierte. Im 18. Jh. sollte Filippo Juvarra die Burg zu einer ordentlichen Barockresidenz umbauen, schaffte aus Geldmangel aber nur die Fassade und das dahinter liegende Treppenhaus. Heute beherbergt der nach 18-jähriger Schließung perfekt restaurierte Palazzo wieder das Museo d'Arte Antica (Di-Fr und So 10-18, Sa 10-20 Uhr | 7,50 Euro). 70000 Stücke umfasst die einzigartige Sammlung: kostbares Glas und Porzellan, Keramik und Silber, Stoffe und Spitzen. Sehenswert sind auch die Vitrinen selbst: Giò Ponti hat sie entworfen. Piazza Castello | www.palazzomadamatorino.it

Palazzo Reale

Die Residenz der Savoyer wurde 1645 von der Regentin Cristina in Auftrag gegeben und an der Stelle des alten Bischofspalasts errichtet. Verschiedene Hofarchitekten trugen in 200 Jahren zu ihrer Gestaltung bei; formgebend ist vor allem Amedeo di Castellamonte gewesen. Sehenswert sind das von Filippo Juvarra geschaffene „Scheren“-Treppenhaus (scalone delle forbici) und die königlichen Prunkräume, bei deren Ausstattung man viel mehr in üppigen Dekorationen schwelgte als bei der Gestaltung der überaus bescheidenen Schlossfassade. Di-So 8.30-19 Uhr | 6,50 Euro | Piazza Reale

Parco del Valentino

Welches Vergnügen, der stickigen Stadtluft zu entrinnen und sich in einem der schönsten Stadtparks Italiens zu verlustieren! Der Parco del Valentino zieht sich zwischen Corso Vittorio Emanuele II und Corso Dante am Poufer entlang und fällt sanft zum Fluss hin ab. Wiesen wechseln sich mit Blumenrabatten, Alleen mit kleinen Wäldchen ab; ein botanischer Garten gehört ebenso dazu wie der große Springbrunnen Fontana delle Stagioni und das Castello del Valentino, eine Art französisches Lustschloss aus dem 17. Jh. Hier sitzt heute die renommierte Architekturfakultät des Turiner Polytechnikums. Im Park amüsieren sich Inlineskater, Großmütter mit Kinderwagen und allerlei Hunde; man kann das Training der Ruderer auf dem Po verfolgen oder am Freitagabend eines der Tanzlokale für die reifere Generation aufsuchen. Und in lauen Sommernächten gibt es nichts Schöneres, als über die Parkwege zu flanieren und sich dann im Fluido (Mi-So ab 19 Uhr | Viale Cagni 7) zu einem Drink und Livemusik niederzulassen.

Piazza San Carlo

Caval d' Brons, Bronzepferd, nennen die tierlieben Turiner die Statue des berittenen Emanuele Filiberto I, die sich in der Mitte des schönsten Platzes von Turin erhebt. Seine Schönheit beruht auf der harmonischen Symmetrie der Barockfassaden, unter denen sich breite Arkadengänge durchziehen. Der Symmetrie folgen auch die beiden Zwillingskirchen an der Südseite des Platzes, Santa Cristina und San Carlo. Die Barockfassade von Santa Cristina (links) stammt von Filippo Juvarra (1715), während die von San Carlo erst im 19. Jh. vollendet wurde.

San Lorenzo

Dieser Bau (1634-1680) von Guarino Guarini mit seiner steilen, achteckigen Kuppel versteckt sich zwischen den Hausfassaden im Westen der Piazza Castello - doch es lohnt sich hineinzuschauen. Der sehr bewegte, geschwungene Zentralbau verwirrt das Auge; erst nach längerem Studium erhellt sich die letztlich mathematisch-klare Struktur der Kirche. Ein Blick in die lichte Kuppel steigert noch das Schwindelgefühl, und es wird verständlich, wieso Guarini zu Lebzeiten den Ruf eines genialen, aber ziemlich ausgeflippten Architekten besaß.

Region: Westliche Alpentäler

Parco Nazionale del Gran Paradiso

Die Regionen Aostatal und Piemont teilen sich diesen 1922 gegründeten, 450 km² großen Nationalpark. In seiner Mitte ragt der Gran Paradiso empor, 4061 m hoch und der am leichtesten zu besteigende Viertausender der Alpen. Der Park gilt als Dorado für die raren Steinböcke; diese wurden bereits 1821 durch ein Dekret des savoyardischen Königshauses, das hier zu jagen pflegte, unter Schutz gestellt. Aber auch andere seltene Tierarten wie Gämsen, Murmeltiere, Hermeline und Steinadler sind hier heimisch. Die Landschaft ist überaus reizvoll; einige eiskalte Bergseen laden zur Erfrischung, und selbst Gletscher hat der Park zu bieten - ein Neuntel seiner Oberfläche ist vom ewigen Eis bedeckt.

Dank dem noch aus Savoyerzeiten erhaltenen Netz an Jagdwegen und Hütten kommt man recht problemlos auch in höhere Regionen. Zugang zum Park finden Sie in den Ortschaften Ronco, Ceresole Reale und Noasca, Auskunft erteilt die Ente Parco Nazionale del Gran Paradiso (Tel. 0118606233 | www.pngp.it), die im Sommer auch geführte Wanderungen anbietet.

Val del Chisone

Der Name dieses Tals ist bislang kaum ins Ausland gedrungen, doch eine hier in luftiger Höhe angesiedelte Ortschaft genießt mittlerweile Weltruhm: Sestriere (870 Ew.), die von Fiat-Gründer Giovanni Agnelli in den Dreißigerjahren des 20. Jhs. in gut 2000 m Höhe aus dem Boden gestampfte Skistation, in der viele Turiner eine Ferienwohnung besitzen. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 wurden hier die alpinen Skiwettbewerbe ausgetragen.

Wahrzeichen des Orts sind die runden Hoteltürme, darunter die beiden des Club Med; doch die restliche Bebauung, brutal in die Landschaft geklotzte Hotelkästen, ist nichts für Ästheten. Auskunft: Via Louset | Tel. 0122755444 | Fax 0122755171 | www.montagnedoc.it

Skifahrern mit romantischem Naturell sei dagegen das alte, gewachsene Cesana mit seiner romanischen Kirche San Giovanni Battista empfohlen (man beachte das Delphinfries über dem Portal!). In Cesana gibt es per Lift einen bequemen Seiteneinstieg in Sestrieres Skigebiet Via Lattea. Zimmer finden Sie im gemütlichen Agriturismo La Gerla (4 Zi. | Fenils 86 | Tel. 3479812022 | Fax 012289400 | €), wo man auf Vorbestellung auch essen kann. Eleganter geht es in der Locanda di Colomb (Mo geschl. | Champlas Seguin | Tel. 0122832944 | €€) zu, wo man die Wahl zwischen Eisbein (!) und Wildschwein mit Preiselbeeren hat.

Zu den Höhepunkten einer Fahrt durch die Val del Chisone gehört die Festung von Fenestrelle, deren gigantische Ausmaße unvorbereitete Reisende geradezu erschrecken können. Erbaut im 18. Jh. von den damals das Tal besetzt haltenden Franzosen, zieht sich das Wehr (nach der chinesischen Mauer das zweitgrößte Mauerwerk der Welt!) 3 km lang und 635 Höhenmeter den Berg hinauf. Die Anlage besteht aus verschiedenen Forts, verbunden durch den berühmten „Treppentunnel“ mit 3850 Stufen (verschiedene Rundgänge | nur auf Vorbestellung unter www.fortedifenestrelle.it | ab 5 Euro). Mit dem Bau von Fenestrelle haben die Franzosen zweifellos übertrieben, aber man muss sich auch vor Augen halten, dass immer wieder Kriegsheere über die Westalpen zogen und die Passtäler deshalb zu schützen waren. Über den Montgenèvrepass und die Val del Chisone waren vermutlich schon Hannibal und seine Elefanten nach Italien gelangt.

Friedlicher präsentiert sich der kleine Bergsee Lago Laux, romantisch am Rand des Naturparks Orsiera-Rocciavrè gelegen. Im Hotelrestaurant Albergo Lago Laux (7 Zi. | Mi, im Winter auch Di geschl. | Via al Lago 7 | Usseaux | Tel./Fax 012183944 | www.hotellaux.it | €€) direkt am See isst man köstliche Polenta und Forellen und schläft in gemütlichen Zimmern.

Val Pellice

Die Bekanntheit der Val Pellice hat religiöse Gründe: Hier lebt die größte Gemeinde der Waldenserkirche, einer protestantischen Glaubensgruppe, deren Wurzeln auf das Jahr 1170 zurückgehen. Damals gründete Petrus Waldus aus Lyon seine Laienpredigergruppe. Diese vertrat ein auf freiwilliger Armut basierendes Lebenskonzept, lehnte die kirchlichen Sakramente, den Ablass und die Heiligenverehrung ab und wurde, nicht weiter überraschend, von Rom hart verfolgt. Auf der Flucht vor der Inquisition siedelten sie sich ab dem 14. Jh. in der Val Pellice an, wo bis heute rund 30000 Gläubige leben. Die Spuren waldensischer Kultur im Tal sind nicht zu übersehen. Die Dörfer strahlen eine solide, nüchterne Ordnung aus, und aus den Kirchenbauten spricht große Bescheidenheit.

Im Hauptort Torre Pellice (4600 Ew.) bietet das Museo Storico Valdese (Do, Sa und So 15-18 Uhr) einen guten Einblick in Geschichte und Kultur der Waldenser. Auch die Waldenserkirche von 1852 lohnt einen Blick: Der klare, sparsam geschmückte Innenraum hat etwas spürbar Befreiendes.

Von Torre Pellice führt nördlich ein kleines Seitental nach Angrogna mit der ältesten Waldenserkirche. Sie wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Von der protestantischen Genügsamkeit der Waldenser darf man übrigens keineswegs auf langweilige Speisen schließen: Das Restaurant Flipot (Mo/Di geschl. | Corso Gramsci 17 | Tel. 0121953465 | Fax 012191236 | www.flipot.com | €€€) in Torre Pellice, in dem u.a. phantasievoll abgeänderte waldensische Gerichte wie die supa barbetta, eine nahrhafte Fleisch-Brot-Käse-Suppe, zubereitet werden, hat zwei Michelinsterne! Es gibt auch acht Gästezimmer im Haus.

Val di Susa

Der tiefe Einschnitt zwischen zwei Bergrücken, der bei Avigliana den Eingang in die Val di Susa markiert, ist bei klarem Wetter von Turin aus deutlich zu erkennen. Das Susatal ist seit jeher als Durchgangstal nach Frankreich bedeutungsvoll; seit 1871 gelangt man bequem durch den Fréjustunnel hinüber. Avigliana am Taleingang ist ein hübsches Städtchen mit gut erhaltenem mittelalterlichem Zentrum (sehenswert Via Umberto und Piazza Conte Rosso mit ihren gotischen Bürgerhäusern sowie die romanisch-gotische Kirche San Pietro).

Von hier aus führt eine Straße zwischen zwei kleinen (leider ziemlich verschmutzten) Seen auf den Gipfel des 962 m hohen Monte Pirchiriano und zu einem der größten sakralen Bauwunder Norditaliens, der Sacra di San Michele. Eine 1000-jährige Abtei, die rund 700 m über dem Talgrund auf einem Felsgrat steil in den Himmel ragt. „Mont St-Michel von Italien“ wird die Abtei gern genannt. Wie ein Wehr gegen alle aus dem Tal, aus dem Westen kommenden Gefahren wirkt sie auf den Besucher. Im 12. Jh. entstand hier ein Benediktinerkloster (mit ausgesprochen kampfeslustigen Mönchen) mit zugehöriger Kirche, die in einer architektonischen Meisterleistung den gesamten Berggipfel umschließt (Di bis So 9-12 und 15-18 Uhr | 4 Euro | www.sacradisanmichele.com).

Weiter auf dem Weg gen Westen kommt man in Exilles an einer alten, im 17. Jh. stark ausgebauten Festung vorbei, die bis 1943 „in Betrieb“ war. Am meisten touristischer Rummel herrscht in Sauze d'Oulx (1509 m) und in Bardonecchia (1312 m). Während Bardonecchia mit seinen zahlreichen neuen Apartmenthäusern beinahe städtisch wirkt, hat sich Sauze seinen dörflichen alten Ortskern bewahrt. Beliebt ist es bei Wanderern und Skifahrern - die Pisten gehören zum großen Skigebiet Via Lattea. Das schönste Hotel in Sauze ist das Grand Hotel Besson (44 Zi. | Via del Rio 15 | Tel. 0122859785 | Fax 0122859515 | www.grandhotelbesson.it | €€€), eine sehr schick und modern umgebaute Exferienkolonie. Das Spa mit Meerwasserpool und Iglu sucht seinesgleichen.

Region: Orta San Giulio

Isola di San Giulio

Die Legende besagt, dass der hl. Giulio im Jahr 390 auf seinem Mantel zur Insel übersetzte, die dort ansässigen Feuer speienden Drachen vertrieb und ein erstes Gotteshaus errichtete. Von diesem ist heute nichts mehr zu sehen, doch die im 12. Jh. an seiner Stelle errichtete Basilica di San Giulio (Di-So 9.30-18.45, Mo 12-18.45 Uhr) gehört zu den wichtigsten romanischen Bauwerken der Region. Der Innenraum ist großteils barockisiert, doch die dominierende Kanzel aus schwarzem Marmor mit phantastischen Tier- und Heiligenplastiken ist ein Meisterstück der Romanik. Im gemieteten Ruderboot ist man in einer Viertelstunde auf der Insel; es verkehrt aber auch ein Shuttleservice (Rückfahrkarte 2,50 Euro).

Sacro Monte di Orta

Das Bergheiligtum von Orta erhebt sich auf einem bewaldeten Hügel oberhalb von Orta San Giulio und stellt in 20 Kapellen mittels Fresken und Figurengruppen das Leben des hl. Franz von Assisi dar. Die Kapellen folgen unterschiedlichen Stilformen von Renaissance bis Rokoko. Der prächtige mediterrane Mischwald steht unter Naturschutz, und vom Gipfel des Sacro Monte hat man einen schönen Blick über den See auf die Berge.

Region: Biella

Oberstadt

Große Ruhe liegt über der Piazza Cisterna und der von gotischen Adelspalästen gesäumten Via Avogadro - ganz so, als sei die Zeit stehen geblieben. Umso besser, denn so genießt man ungestört von der Hektik modernen Daseins die altertümliche Atmosphäre hier oben, das Kopfsteinpflaster, die gotische Kirche San Giacomo (13. Jh.) mit Campanile und Triptychon von Daniele de Bosis (1497) sowie den Palazzo Gromo di Ternengo mit seinem loggienumstandenen, zweistöckigen Renaissancehof. Vom Garten des frühklassizistischen Palazzo Ferrero hat man einen guten Blick auf die Unterstadt und in die Poebene hinein.

Cittadellarte

In einer ehemaligen Wollfabrik hat der Künstler Michelangelo Pistoletto ein modernes Kunst- und Kulturzentrum eingerichtet, um mithilfe der Kunst ein „drittes Paradies“ ohne ökologische Probleme zu schaffen. Wechselnde Ausstellungen, Bookshop und eine feine Cafeteria mit wöchentlich wechselnder „Glocal“-Küche. Di-Fr 9-17, Sa/So 11 bis 13 und 13.30-18.30 Uhr | Via Serralunga 27 | www.cittadellarte.it

Unterstadt

Obwohl in den Straßen von Biella Piano das moderne Geschäftsleben pulsiert, gibt es viele gemütliche Ecken und auch ein paar Relikte der Vergangenheit zu entdecken. Der plump wirkende Backsteinbau gleich links des Doms ist ein uraltes Baptisterium aus frühromanischer Zeit (9./10. Jh.), dessen Baumaterial zum Teil noch älter ist - es wurden u.a. römische Marmorreliefs verwertet. Als künstlerischer Höhepunkt Biellas gilt die Renaissancekirche San Sebastiano (Ende 14. Jh.) mit einer gelungenen Fassade der Neorenaissance (1882) sowie wertvollem Chorgestühl, Fresken und Altarbildern des 16. Jhs.

Region: Saluzzo

Museo Civico Casa Cavassa

Die Casa Cavassa ist der wohl schönste und besterhaltene Renaissancepalast ganz Piemonts. 1883 kaufte der Marchese d'Azeglio das Anwesen und trug dort eine Sammlung von Möbeln und Kunstwerken aus dem 15. und 16. Jh. zusammen. Diese ergänzen sich mit der Bausubstanz, den prachtvollen Ausmalungen und den Balkendecken des Palasts aufs Feinste. Kaum ein anderes Museum im Piemont entlässt einen so beglückt in die Gegenwart. Ein Traum! Do-So 10-13 und 14-18 (im Winter bis 17) Uhr | 4,50 Euro | Via San Giovanni 5 | www.casacavassa.it

San Giovanni

San Giovanni entstand 1281 als kleine Privatkapelle und wurde 1325 den Dominikanermönchen vermacht, die sie 1370 durch eine dreischiffige Basilika ersetzten und ein Kloster anbauten. 50 Jahre später war auch die Basilika zu klein geworden und wurde deutlich verlängert. Der Chor wurde erst 1504 fertiggestellt und sollte den Markgrafen als Grabkapelle dienen. Grüngrauer Kalkstein aus dem nahen Sampèyre bildet die Basis, feines Flamboyantmaßwerk gliedert und schmückt den rechten Rahmen für den Sarkophag von Ludovico II, dem einzigen Markgrafen, der hier seine letzte Ruhe fand. Tgl. 8-12 und 14.30-19 Uhr | Via San Giovanni

Spaziergang zum Schloss

Nach einem kleinen Bummel unter den Bogengängen des Corso Italia geht es durch die Porta Santa Maria direkt hinein ins Mittelalter. Gesäumt von niedrigen, finsteren Bogengängen - Via Porti Scür sagen die Einheimischen denn auch folgerichtig, Straße der dunklen Tore - führt die Gasse zur Piazza dei Mondagli, wo das Geburtshaus Silvio Pellicos steht, des Dichters und Vorkämpfers des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung im 19. Jh. Jetzt geht es im steilen Zickzack bergauf zur Salita di Castello, der im 15. Jh. mit gotischen Adelspalästen zur Prachtstraße ausgebauten Zufahrt zum Schloss. Rechter Hand steht der 1462 erbaute Palazzo del Comune mit der Torre Civica, Symbol der markgräflichen Unabhängigkeit. Man kann hinaufsteigen (Do-So 9-12 und 15 bis 19.30, Winter nur Sa/So 14.30 bis 18.30 Uhr | 1,50 Euro). Direkt vor den Schloss- bzw. Gefängnismauern sprudelt ein uralter Springbrunnen: Die Fontana della Drancia stammt von 1481.

Region: Asti

Corso Alfieri

Berühmtester Sohn Astis ist (noch, sollte man sagen, denn der große Sänger und Musiker Paolo Conte macht ihm schwer Konkurrenz) der Tragödiendichter Vittorio Alfieri (1749-1803). Zu Lebzeiten fanden seine vom Tyrannenhass geprägten Dramen wenig Anerkennung; erst im Risorgimento, der italienischen Einigungs- und Freiheitsbewegung des 19. Jhs., wurde der Dichter zum Helden. Nach ihm ist die durch die Altstadt führende Hauptstraße Corso Alfieri benannt. Gleich in Nr. 2 (am Ostanfang) steht das achteckige Battisterio di San Pietro (Di-Sa 10-13 und 15-17, So 10-13 Uhr), im 12. Jh. erbaut nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem. Jenseits der großen, leider wenig charmanten Piazza Alfieri beginnt das Recinto dei Nobili, das ehrwürdige alte Patrizierviertel (auch Blicke in die Seitengassen lohnen sich). Linker Hand an der Piazza Roma steht mit der Torre dei Comentini (13. Jh.) einer der mittelalterlichen Geschlechtertürme, von denen die Stadt einst 125 besaß. Heute sind es nur noch 20. Jenseits der Via San Martino erreicht man den Palazzo Ottolenghi, 1754 erbaut, im Empirestil eingerichtet und üppig ausgemalt (Besuch nach Anmeldung Tel. 0141399417). Im Haus Nummer 375 wurde Vittorio Alfieri geboren. Der Palazzo Alfieri (1738 geschaffen vom Dichtervater, Benedetto Alfieri, einem großen Architekten) ist heute Sitz des Centro Nazionale di Studi Alfieriani sowie des Museo Alfieriano (wegen Renovierung zzt. geschl.). Krönender Abschluss eines Bummels über den Corso Alfieri ist die am Westende gelegene Torre Rossa, das älteste Bauwerk der Stadt - der untere Teil stammt aus der Zeit um Christi Geburt und war Teil des ehemaligen westlichen Stadttors.

Kathedrale Santi Maria Assunta e Gottardo

Stilisiertes Weinlaub umrankt die hohen Pfeiler, auf denen die dreischiffige gotische Stufenhalle ruht. Im Volksmund wurde der im 14. Jh. errichtete Dom, eines der wichtigsten gotischen Bauwerke des Piemont, deshalb zu „La Vigna“, dem Weinberg. Im Inneren des Doms sind ein frühromanisches und ein gotisches Weihwasserbecken zu bestaunen (Ersteres sitzt auf römischen Kapitellen). Die schlichte Westfassade mit je drei Stufenportalen und Fensterrosen wird übertroffen von der Südfront mit rotweiß gewürfelten Fensterrahmungen und einem üppig dekorierten Portal im Stil der französischen Gotik. Fr-Mi 8.30-12 und tgl. 15-19 Uhr | Piazza Cattedrale

San Secondo

Auf der schönen Piazza San Secondo, dem ehemaligen Marktplatz, steht das älteste Gotteshaus der Stadt, im 8. Jh. erbaut, 500 Jahre später allerdings durch die jetzige gotische Stufenkirche komplett ersetzt. Die dreiportalige Fassade ähnelt verblüffend derjenigen der Kathedrale, doch im Inneren hat San Secondo mit barockisierten Seitenkapellen und der sehenswerten frühromanischen Hallenkrypta seinen eigenen Charakter bewahrt. Mo-Sa 8-12 und 15-19 Uhr | Piazza San Secondo