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Region: Andere Ziele
Sommerpalast Yihe Yuan
Der riesige kaiserliche Garten mit seinen zahllosen Hallen, Wohnhöfen, Seen, Pavillons, Laubengängen und Pagoden entstand im Wesentlichen in den Jahren 1750/51 als Geschenk des Qianlong-Kaisers zum 60. Geburtstag seiner Mutter.
Nach zweimaliger Plünderung und teilweiser Zerstörung - 1860 durch Engländer und Franzosen, das zweite Mal 1900 durch die alliierten Armeen nach der Niederschlagung des Boxeraufstandes - wurde der „Garten der Harmoniepflege“ (Yihe Yuan) unter der Regie der Kaiserin Cixi wieder hergerichtet. Nach der Vertreibung des letzten Kaisers im Jahr 1924 erhielt erstmals die Öffentlichkeit Zutritt.
Die Bauten unterscheiden sich erheblich vom „Winterpalast“ Gugong. Stilistisch uneinheitlich, teilweise verspielt bis hin zum Kitsch, sind sie ein typisches Produkt der ausgehenden Qing-Zeit. Die Mandschu-Kaiser wollten sich hier nicht nur am sommerlichen Grün, sondern auch an der Tatsache delektieren, dass sie halb Asien beherrschten. So ließen sie südchinesische Gartenkunst ebenso imitieren wie die tibetische Klosterarchitektur. Auch ein Gebäude wie der „Pavillon des Buddhaweihrauchs“ wäre unter den konfuzianischen Ming-Kaisern als dominierendes Palastgebäude undenkbar gewesen: Die Mandschu waren eben auch gläubige Buddhisten. Das vorherrschende Motiv im Yihe Yuan ist jedoch der Wunsch nach langem Leben. Er findet sich im Gebäudeschmuck (Symbole: Hirsch, Kranich, Kiefer, Bambus), in der Bepflanzung (Kiefer, Bambus) und in Orts- und Hallennamen. Langes Leben ist neben Reichtum und männlichem Nachwuchs eines der drei altchinesischen Glücksideale. Dass dieses Motiv hier so dominiert, hängt vor allem mit der Kaiserinwitwe Cixi zusammen, die sich den Palast 1886-91 als Alterssitz herrichten ließ.
Gleich hinter dem Haupteingang liegen die Audienz- und Amtsgebäude. Sie sind ausnahmsweise nach Osten ausgerichtet. Von den Bronzetieren im Vorhof stehen Drachen und Phönixe für den Kaiser und die Kaiserin, während das große, beschuppte Fabeltier Qilin segensreiche Herrschaft verkörpert.
In der ersten Halle (Renshou Dian) wurden Beamte und ausländische Gesandte empfangen. Die Bronzekraniche und der Name des Gebäudes - „Halle des Altwerdens durch Güte“ - stimmen auf das Hauptthema des Palastes ein. Das graue Dach suggeriert Bescheidenheit.
Nördlich der Halle gelangt man zu einem der zwei Palasttheater. Die dreigeschossige Bühne war bei ihrer Eröffnung 1891 die größte des Landes. Heute sind in den angrenzenden Räumen Kuriositäten aus Cixis Besitz - meist Geburtstagsgeschenke - ausgestellt, darunter ein alter Benz. Südwestlich davon, in der Halle der Jadewogen (Yulan Tang), hielt Kaiserin Cixi ihren Neffen, den vorletzten Mandschu-Kaiser, zehn Jahre lang interniert. Ihre eigenen Wohnräume, die sie von Mai bis Oktober bewohnte, liegen gleich nebenan in der Halle der Freude und Langlebigkeit (Leshou Tang). Überall sind Symbole der Langlebigkeit zu sehen, zum Beispiel Hirsche und Kraniche auf den Bronzegefäßen im Hof sowie Kalebassen und Unsterblichkeitspfirsiche im Innern.
Hieran schließt das berühmteste Bauwerk des Sommerpalastes an: der 728m lange, mit 8000 Roman- und Landschaftsszenen bemalte Wandelgang, der sich am Nordufer des Kunming-Sees entlangzieht. Folgt man ihm, so gelangt man auf halber Strecke zu einer Folge von Treppen und Hallen, die zum Pavillon des Buddhaweihrauchs (Foxiang Ge) hinaufführen (schöner Blick auf den See). Der Wandelgang endet nahe dem steinernen Raddampfer, einem kuriosen Produkt spätqingzeitlichen Geschmacks. Hier gibt es einen Bootsverleih sowie Anlegestellen für Rundfahrts- und Fährboote.
Gehen Sie weiter um den Hügel des langen Lebens (Wanshou Shan) herum, so gelangen Sie zur Suzhou-Straße, hübschen Ladenzeilen aus sechzig Geschäften in historischem Gewand (mit Teehaus), beiderseits eines Kanals idyllisch gelegen. Die Anlage wurde 1990 nach einem 1860 von der französisch-britischen Armee zerstörten Vorbild rekonstruiert. Oberhalb davon, auf dem Nordhang, stehen die erwähnten tibetischen Klosterbauten.
Der stimmungsvollste Teil des Yihe Yuan jedoch ist der Garten des inneren Einklangs und des äußeren Wohlgefallens (Xiequ Yuan) im Nordosten. Wer sich hier sommertags in den luftigen Teepavillon setzt und auf den herrlichen Lotosteich hinausträumt, erlebt klassische chinesische Lebensart der besten Sorte. | April-Okt. tgl. 7.30-17 Uhr, manche Bauten nur 9-16 Uhr | Eintritt 30 Yuan, „alles sehen“ 50 Yuan | Eintritt 20 bzw. 40 Yuan | Bus 332 ab Zoo bis Endstation
Region: Südstadt
Himmelsaltar Tiantan
Durch jährliche Opfer für stete Harmonie zwischen Mensch und Kosmos zu sorgen gehörte zu den rituellen Aufgaben des Kaisers. Zu diesem Zweck wurden in und um Peking im 15./16. Jh. sechs Altäre angelegt: der Erdaltar im Norden, der Himmelsaltar im Süden östlich der Mitte, der Ackerbaualtar ebenfalls im Süden, doch westlich der Mitte, der Sonnenaltar im Osten und der Mondaltar im Westen. Diese fünf Altäre lagen im Freien außerhalb der Stadt. Hinzu kam der Erntealtar südlich des Palastes. Am Mond- und Sonnenaltar ist nicht mehr viel zu sehen, und vom Ackerbaualtar sind nur noch Teile zugänglich.
Der bedeutendste aller kaiserlichen Altäre - meist wenig korrekt Himmelstempel genannt - zeigt klassische chinesische Baukunst in höchster Vollendung. Er war wie die anderen kaiserlichen Altäre bis 1913 nur den Mitwirkenden der Zeremonien zugänglich.
Die Hauptgebäude auf ihren weißen Marmorterrassen stehen inmitten eines weitläufigen, bewaldeten Geländes entlang einer Nord-Süd-Achse. Im Süden beginnt die Folge mit der kreisförmigen, dreistufigen Altarterrasse. Der Kreis symbolisiert das Himmelsrund, die Dreizahl das yang und damit ebenfalls den Himmel. Entsprechend ist auch der zentrale Stein der obersten Plattform von drei mal drei Steinplatten umgeben, und so geht es weiter über den neunten Kreis, der von neun mal neun, also 81 Platten gebildet wird, bis zum äußersten Kreis der untersten Ebene mit seinen 3 mal 3 mal 3 mal 3 mal 3 = 243 Platten. Auf der Terrasse brachte der Kaiser, selbst „Himmelssohn“, dem Himmel ein Tieropfer dar in Stellvertretung für das ganze Reich. Dies geschah nachts zur Wintersonnenwende, zu dem Zeitpunkt also, da das „größte Yang“, die Sonne, am schwächsten ist und gewissermaßen der Förderung durch ein Opfer am ehesten bedarf. Der Ritus schloss außer dem Himmel selbst auch die Sterne, das Wetter und die Amtsvorgänger ein. Die zugehörigen „Geistertafeln“ sind im nördlich anschließenden Kaiserlichen Himmelsgewölbe und seinen zwei Nebenhallen zu sehen. Dieser runde Bau mit blauem Dach steht inmitten der so genannten Echomauer. Ein gegen die Mauer gesprochenes Wort ist auf der gegenüberliegenden Seite deutlich zu hören. Die drei Echosteine in der Mitte bieten eine weitere akustische Spielerei: Wer auf dem südlichen Stein in die Hände klatscht, hört ein einfaches, auf dem mittleren Stein ein doppeltes und auf dem nördlichen ein dreifaches Echo. Beim üblichen Besuchergedränge gehen diese akustischen Phänomene allerdings unter.
Ein dammartig erhöhter Marmorweg verbindet den südlichen Komplex mit der Halle des Erntegebets (Qiniandian) im Norden. Auf dreifach gestufter kreisrunder Terrasse erbaut, stellt sie mit ihrem dreifachen blauen Kegeldach einen Höhepunkt chinesischer Baukunst dar. Die Halle verkörpert den Kreislauf der Zeit: Das Dach ruht auf 28 Säulen. Die vier innersten stehen für die vier Jahreszeiten. Der innere Kranz aus zwölf Säulen symbolisiert die zwölf Monate, der äußere die zwölf Doppelstunden des Tages. Der Kaiser bat hier den Himmel zum Frühlingsbeginn (Anfang Februar) um eine gute Ernte und zum Sommerbeginn (Anfang Mai) um Regen. Eine Ausstellung in den Nebenhallen veranschaulicht die Zeremonien. Auf dem Vorplatz stehen Präsentationsgefäße für die Opfergaben.
Zu den Nebengebäuden gehören eine Opfertierschlachterei sowie eine Fastenhalle, die der Kaiser einen Tag vor dem Opferritus bezog, um sich fastend auf die Begegnung mit den himmlischen Mächten vorzubereiten. Diese mit einem Graben umgebene Anlage, ein großer, ungewöhnlicher Komplex aus zwei ineinanderliegenden Höfen, ist südlich der von Westen kommenden alten Hauptzufahrt des Tempels noch zu sehen und ebenfalls zu besichtigen. Die vollkommene Harmonie und erhabene Ruhe der Altaranlage ist heute leider kaum noch zu spüren. Hochhäuser ragen ins Blickfeld, und zusätzliche Tore und Zufahrtswege aus allen Himmelsrichtungen samt Busparkplätzen rauben dem heiligen Bezirk seine Ruhe und Geschlossenheit. Kommen Sie möglichst frühmorgens, ehe es voll wird. | Tgl. 8.30 bis 17.30 Uhr | Eintritt 35 Yuan
Region: Osten
Wangfujing
„Große Straße am Brunnen der Königsresidenz“ bedeutet der volle Name von Pekings Hauptgeschäftsstraße - Wangfujing Dajie -, doch alle Welt sagt nur einfach Wangfujing. Dank neuer Konsumtempel und der Umwandlung zur Fußgängerzone ist die südliche Hälfte heute eine fast mondän anmutende Flaniermeile mit Straßencafés und abendlichen Musikfontänen vorm alten Kaufhaus Baihuo Dalou.
Weiter nördlich überrascht die Östliche Kathedrale von 1904 (Hausnr. 78) mit schönem Vorplatz. | U-Bahn 1: Wangfujing
Region: Mitte
Kaiserpalast Gugong
Die „Verbotene Stadt“, das bedeutendste erhaltene Ensemble klassischer chinesischer Architektur, ist eine Stadt für sich. Unter den kaisergelb glasierten Dächern lebte der Himmelssohn als im Prinzip einziger zeugungsfähiger Mann mit Tausenden von Eunuchen und Frauen - der Kaiserin, Konkubinen, Hofdamen und Zofen. Regelmäßigen Zugang zur „Purpurnen Verbotenen Stadt“ - so ihr eigentlicher Name - erhielten ansonsten nur die hohen Beamten und enge kaiserliche Verwandte. Doch selbst die Bewohner konnten sich mit Ausnahme der höchsten Eunuchen im Palast nicht frei bewegen. Hohe Mauern grenzen die einzelnen Bezirke gegeneinander ab. Nach außen hin schützen eine mächtige Mauer und ein breiter Graben das 960m lange und 750m breite Areal. Es gibt nur vier Tore, eines in jeder Himmelsrichtung. Ein Teil der Gebäude dient heute als Museum.
Vom ältesten Palast an dieser Stelle, dem der Mongolenkaiser, ist nichts erhalten. Die heutige Anlage wurde im Wesentlichen in den Jahren 1406-20 geschaffen. Auch wenn viele Gebäude später erneuert wurden, wahrt die Verbotene Stadt ganz den würdigen Stil der Ming-Zeit. Von den Mandschu-Kaisern als letzten Hausherren zeugen jedoch die zweisprachigen Schrifttafeln, die an den Dachtraufen auf blauem Grund vom programmatischen Sinn der Baulichkeiten künden.
Die größten und wichtigsten Hallen reihen sich entlang einer Achse, die sich nach Süden und Norden hin durch die Stadt fortsetzt. Zu beiden Seiten der Achse befanden sich in der Südhälfte des Palastareals vor allem Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen (z.B. Küche, Druckerei und Bibliothek). In der Nordhälfte dagegen liegen die Wohnviertel. Die gesamte Südhälfte des Palastes war für Frauen tabu, umgekehrt erhielten palastfremde Männer nur selten Zutritt zum nördlichen - „inneren“ - Palastteil der Frauen. Nachdem im Februar 1912 die Abdankung des Kindkaisers Puyi erzwungen worden war, wurden 1914 zunächst nur die nicht mehr benötigten Thronhallen zur Besichtigung freigegeben. Erst 1925, nach der endgültigen Vertreibung von Exkaiser und Hofstaat, erhielt die Öffentlichkeit erstmals auch zu den Wohnpalästen Zutritt, und die ganze Anlage wurde zum Museum erklärt.
Der kaiserliche Zeremonialweg führt vom Tian'anmen-Platz, also von Süden her, durch die Tore Tian'an Men und Duan Men geradewegs auf den mächtigen dreiflügligen Bau des Mittagstores (Wumen) zu. Es ist das Haupttor des Palastes und das imposanteste der Stadt. Wie auch bei den anderen Toren der Nord-Süd-Achse war der mittlere Durchgang dem Kaiser vorbehalten. (Am rechten Flügel Eintrittskartenverkauf für Ausländer)
Der Goldwasserbach, ein geschwungener Wassergraben, der den folgenden Hof durchquert, korrespondiert im Sinne einer kosmischen Harmonie gemäß den Regeln des Fengshui mit dem Aussichtshügel (Kohlehügel) nördlich des Palastes. Durch das folgende Tor der höchsten Harmonie gelangt man auf den größten Hof und ins bauliche Zentrum der Anlage. Auf einer mächtigen dreistufigen Terrasse erheben sich hier die drei Thronhallen, die nur zu den höchsten Anlässen genutzt wurden. Es sind - von Süden - die Halle der höchsten Harmonie (Taihe Dian), die quadratische Halle der Harmonie der Mitte (Zhonghe Dian) und die Halle der Bewahrung der Harmonie (Baohe Dian). Ihre Namen beschwören den Gleichklang von Herrscher und Untertan, von Mensch und Kosmos. Das Innere der drei Gebäude ist überreich mit Drachen, dem Symboltier des Kaisers, ausgeschmückt.
Auch außerhalb der Hallen ist Symbolik allgegenwärtig: Die achtzehn Weihrauchgefäße an der von Süden heraufführenden Treppe verkörpern die Provinzen des Landes; die Sonnenuhr im Südosten und das Hohlmaß für Korn im Südwesten der Terrasse stehen für die „Maß gebende“ Gewalt des Kaisers; Kranich und Schildkröte, die als Weihrauchgefäße dienten, bedeuten langes Leben. Von praktischer Funktion waren dagegen die großen runden Kessel, die sich auch an vielen anderen Stellen im Palast finden: Sie dienten als Löschwasserbehälter. Winters wurde ihr Steinsockel befeuert, um das Wasser am Gefrieren zu hindern.
Die Halle der höchsten Harmonie ist das größte Gebäude im Palast und gilt als größter klassischer Hallenbau des ganzen Landes. Sie wurde zu besonderen Anlässen genutzt: so zum Geburtstag des Kaisers, bei Thronbesteigungen und um die glücklichen Namen derer zu verkünden, die die höchste Beamtenprüfung erfolgreich absolviert und damit alles erreicht hatten, wovon ein konfuzianischer Gelehrter nur träumen konnte. Zu solch ruhmreichen Gelegenheiten versammelten sich im Hof die Würdenträger, und eine zweihundertköpfige Ehrengarde stand mit Prunkfächern und anderem festlichen Gerät Spalier.
Die zweite Halle mit ihrer umlaufenden Galerie und dem goldenen Knauf auf ihrem Zeltdach war von untergeordneter Funktion. Vor den großen Zeremonien nahm der Kaiser hier beispielsweise die Ehrenbezeugungen hoher Beamter entgegen. Bei der dritten Thronhalle standen praktische Funktionen im Vordergrund. Hier wurden etwa Tributgesandtschaften bewirtet und wurde die Palastprüfung als höchste Beamtenprüfung abgenommen. Die Rampe auf der Rückseite dieser Halle besteht im untersten Abschnitt aus dem größten Drachenreliefstein des Palastes. Der Kaiser schwebte hierüber in seiner Sänfte hinweg.
Durch das nördlich anschließende Tor betritt man den inneren Teil des Palastes, der zum Wohn- und Frauenbereich gehört. In seinem Zentrum wiederholt sich das Schema der drei Haupthallen in kleinerem Maßstab. Der erste Saal diente den Ming-Kaisern als Wohn-, Schlaf- und persönlicher Empfangsraum. Die Qing-Kaiser nutzten ihn als Audienzraum. Die kleine, mittlere der drei Hallen (Jiaotai Dian), deren Name die fruchtbringende Begegnung zwischen dem Männlich-Himmlischen und dem Weiblich-Irdischen beschwört, war die Thronhalle der Kaiserin. Ihr Schlafgemach befand sich zur Ming-Zeit in der dritten und nördlichsten der drei inneren Hallen. Die Mandschu-Kaiser, die ihr eigenes, nicht chinesisches Brauchtum mitbrachten, opferten dort zweimal am Tag dem Herdgott zwei Schweine. Östlich grenzt daran das mit reichlich roter Farbe geschmückte Hochzeitszimmer an.
Durch das Tor des weiblichen Friedens (Kunning Men) gelangt man anschließend in den Palastgarten mit Pavillons, kuriosen Bäumen, einem künstlichen Felsgebirge, einem Tempel und Wegen aus hübschen Mosaiken. An der Südseite des Gartens ist Gelegenheit, zu rasten und sich zu stärken.
Die Wohngebäude westlich der Achse sind samt Ausstattung erhalten bzw. derart wieder hergerichtet, dass man einen Eindruck vom täglichen Leben im Palast bekommt. In der Halle zur Geistespflege (Yangxin Dian) im Süden dieses Bezirks hielt die berühmt-berüchtigte Kaiserin Cixi Hof, die bis zu ihrem Tod 1908 über vier Jahrzehnte lang den Thron praktisch usurpierte und sich rechts in der Halle züchtig hinter einem Vorhang verborgen hielt, wenn die Beamten zum Rapport erschienen. Hinter der Halle liegen die Sechs westlichen Paläste (Xi Liu Gong). Es sind kleine Höfe mit den eigentlichen Wohnräumen. Sie wurden von außen beheizt. Bäder und Toiletten gab es nicht.
Ganz im Osten gelangt man zu der prächtigen Neundrachenmauer (Jiulongbi) aus farbig glasierten Reliefziegeln. Die Drachen, durch fünf Zehen pro Tatze als kaiserlich ausgewiesen - ansonsten mussten sie mit vier Zehen dargestellt werden -, symbolisieren nicht nur den Himmelssohn, sondern sind generell als ebenso Ehrfurcht gebietende wie Heil bringende Wesen zu verstehen. Ihre Anzahl - drei mal drei - bildet die Potenz des ebenfalls Heil bringenden männlichen yang-Prinzips. Nördlich der Mauer liegt der vielleicht schönste Teil der Verbotenen Stadt: der Palast des Altwerdens in Frieden (Ningshou Gong). Der Qianlong-Kaiser ließ die Anlage 1772-76 errichten und nutzte sie zeitweise, nachdem er sich 84-jährig nach sechzig Jahren Herrschertätigkeit zur Ruhe gesetzt hatte. Sie birgt heute unter anderem die Schatzkammern. Nach Norden hin (westlich der Halle Yangxing Dian) gelangt man in seinen Garten, eine Oase der Ruhe.
Nach der Besichtigung kann man die Verbotene Stadt durch das Nordtor verlassen. Dabei passiert man im nördlichsten Hof dieses östlichsten Palastteiles noch einen typisch chinesischen Brunnen. Mit ihm verbindet sich eine Geschichte: Als der Hof beim Boxeraufstand im Jahr 1900 vor den anrückenden Alliierten fliehen musste, soll die De-facto-Kaiserin Cixi den Eunuchen befohlen haben, die Lieblingskonkubine ihres Neffen, des Kaisers, zu beseitigen. Daraufhin soll das unglückliche Ding in dieses Brunnenloch gestoßen worden sein - offenbar ein Persönchen von feengleicher Zartheit, passt durch das schmale Loch doch gerade ein kleiner Wassereimer.
Die Kaiser waren Chinas größte Kunstsammler. Das meiste wurde von den besten Handwerkern im Lande eigens für den Hof hergestellt, andere Schätze kamen als Tributgeschenke hinzu, manches wurde auch regulär gekauft. Was auf diese Weise im Laufe der Jahrhunderte an Möbeln, Jade, Goldschmuck, Porzellan, Gemälden, Plastiken und Kuriositäten zusammenkam, ist an Größe und Wert schlichtweg unvergleichlich. Die Mehrzahl der Schätze wurde in den Dreißigerjahren des 20. Jhs. in 13427 Kisten verstaut vor den anrückenden Japanern nach Süden abtransportiert. Damit begann eine wahre Odyssee, an deren Ende der kostbarste Teil der kaiserlichen Sammlung in Taipei auf Taiwan landete, wo sie nun im dortigen Palastmuseum zu sehen ist. Der in Peking verbliebene Rest braucht sich jedoch nicht zu verstecken - weder was die Zahl der Schätze noch was ihren Wert angeht.
Die Exponate befinden sich jedoch nicht in einem zweckgerecht errichteten Museum, sondern verteilen sich auf zahllose Einzelgebäude des Kaiserpalastes, wo sie jahrzehntelang eher lieblos präsentiert wurden - ein Zustand, der teilweise noch anhält. Da heute ein großes Renovierungs- und Restaurierungsprogramm läuft, müssen Teile der Sammlungen immer mal wieder umziehen oder verschwinden auf unbestimmte Zeit im Magazin. Im Zuge dieser Umstrukturierung werden aber auch moderne Ausstellungstechniken eingeführt, vor allem eine gute Beleuchtung und englische Beschriftung.
Malerei aus Ming- und Qing-Zeit: Ein kleiner Teil der Bestände wird im frisch renovierten Wuying-Dian-Komplex gezeigt. Da die Tuschbilder lichtempfindlich sind, wird häufiger gewechselt. Zugang durch das Seitentor links im ersten Palasthof, weiter geradeaus, dann rechts. Eine zweite Gemälde- und Kalligrafieausstellung birgt die östliche Nebenhalle des Yanxi Gong. Südöstlicher der Sechs östlichen Paläste (Dong Liu Gong)
Buch- und Druckkunst: Zimelien der Palastdruckerei sind in den Seitenhallen des Wuying-Dian-Komplexes zu sehen.
Seidenmalerei und -kalligrafie, Stickarbeiten: Neu konzipierte Ausstellung in der großen mittleren Torhalle auf dem südlichen Palasttor Wumen. Zugang über die westliche Treppe vom ersten Hof aus
Zeremonialgerät und Kostüme: Hier sieht man die Ausstattung der großen Zeremonien, wie sie in und vor den großen Thronhallen und an den kaiserlichen Altären stattfanden. In den westlichen Seitenhallen des ersten Hofs
„Treasures of the Qing Palace“: Unter diesem Titel steht eine thematisch weit gespannte Ausstellung in den westlichen Seitenhallen der großen Thronhallen. Zu sehen sind Waffen, Musikinstrumente, Gebrauchsgegenstände, wissenschaftliches Gerät (zur Himmelsbeobachtung und Kalenderberechnung), Tributgaben und Geschenke an den Palast, Produkte der Palastwerkstätten und anderes mehr.
Uhren und Automaten: Eine sehr schöne und in den an sich schon eindrucksvollen Bauten des Fengxian-Dian-Komplexes auch schön präsentierte Schau. Das meiste sind Prunkuhren europäischer Provenienz, die als Tributgeschenke hoch willkommen waren. Die riesige chinesische Wasseruhr gleich vornan rechts ist als Pavillon gestaltet. In der Mitte der hinteren Halle werden einige Spieluhren mehrmals täglich vorgeführt. | Sondereintritt 10 Yuan
Schatzkammern: Prunkgewänder, Goldgefäße für Hofzeremonien, schmucküberladene Reliquienpagoden - nicht immer das Geschmackvollste, aber durchweg beeindruckend. Ein typisch chinesisches Material beim Kopfschmuck sind leuchtend blaue Eisvogelfedern, die zurechtgeschnitten und aufgeklebt werden. In der hinteren Schatzhalle folgen Jadeschmuck, Tischaufsätze, Glückszepter und Kuriositäten. | Sondereintritt 10 Yuan | im Ningshou Gong
Theatersammlung: Sinnreich untergebracht in der Zuschauergalerie des Palasttheaters von 1776 mit seiner doppelstöckigen Bühne. Zu sehen sind Kostüme und Illustrationen. Östlich des Hofes hinter dem Tor Yangxing Men
Interieur: Kleiner Teil der einst gezeigten Möbelsammlung. Sehenswert sind die Halle Yangxing Dian und das Schlafzimmer der Kaiserinwitwe Cixi in der Halle Leshou Tang. An deren Nordausgang trifft eine ungeheuer kostbare, im künstlerischen Wert freilich eher zweifelhafte monumentale Jadeplastik den Zeitgeschmack ab dem späten 18. Jh. Sie stellt den Urkaiser Yu inmitten einer phantastischen Berg-Wasser-Szenerie als Bezwinger der Fluten dar. Allein der Transport des Steins aus der Provinz Xinjiang in Zentralasien nach Peking soll drei Jahre gedauert haben. | Nördlich des Tores Yangxing Men
Siegel: Kaiserliche Siegelstempel - persönliche wie amtliche - finden sich hier verteilt auf zwei Hallen. | Jingren Gong (südwestlicher der Sechs östlichen Paläste)
Porzellan: Derzeit ist nur eine stark reduzierte Schau zu sehen; instruktive Scherbensammlung. | Westliche Nebenhalle des Yanxi Gong (südöstlicher der Sechs östlichen Paläste)
Altchinesische Bronze: Die kostbaren Ritualgefäße aus den Dynastien Shang und Zhou (ca. 16.-3. Jh. v. Chr.) beeindrucken auch heute noch. | Chengqian Gong (mittlerer westlicher der Sechs östlichen Paläste)
Jade: Erstklassige Sammlung, leider noch immer lieblos präsentiert. Wer in den beiden Hallen jeweils links beginnt, kann sehr gut die Stilentwicklung über mehr als drei Jahrtausende verfolgen. | In den nördlichen der Sechs östlichen Paläste (Dong Liu Gong)
Cloisonné: Diese aus Vorderasien stammende Emailkunst entwickelte sich in China seit dem 15. Jh. zu höchster Blüte. | In den östlichen Nachbarhöfen der Jadesammlung
Bei der Palastbesichtigung sind die Heerscharen von Besuchern eine zusätzliche Attraktion. Ob flotte Jungunternehmer oder schüchterne Bauern, ob hochnäsige Funktionäre auf Dienstreise oder Uighuren aus Zentralasien - den Kaiserpalast lässt sich niemand entgehen, der in die Hauptstadt kommt.
Es ist unmöglich, alle Teile des zum Unesco-Welterbe zählenden Palastes einschließlich der Ausstellungen an einem einzigen Tag kennenzulernen. Am besten setzt man zwei halbe Tage an, um einen Überblick zu erhalten. Dringender Rat: bei Toröffnung da sein. Etwa ab 9.30 Uhr wird es richtig voll. Leider gibt es auf dem ganzen Gelände kein vernünftiges Restaurant und nur bescheidene Imbissangebote. | März-Okt. tgl. 8.30 bis 17 Uhr, sonst tgl. bis 16.30 Uhr, Einlass bis 16 bzw. 15.30 Uhr | Eintritt 60 Yuan, Schatzkammern (mit Theater) und Uhrensammlung zusätzlich je 10 Yuan, Audioführung mit gut formulierten Erklärungen 40 Yuan
Tian'anmen-Platz
Pekings zentraler „Platz am Tor des Himmelsfriedens“ gilt als größter innerstädtischer Platz der Welt. Er ist symbolbehaftet wie wenige andere Orte.
Der Platz wurde 1958/59 für die Massenaufmärsche zum zehnjährigen Staatsjubiläum angelegt. Seine 30 ha Fläche sind groß genug für eine halbe Million Menschen. Als neue, monumentale Randbebauung entstanden gleichzeitig die Volkskongresshalle (Chinas Parlamentssitz) im Westen und das Nationalmuseum auf der Ostseite. In der Mitte - genau auf Pekings großer Nord-Süd-Achse - erhebt sich auf einer gestuften Terrasse die Gedenkstele der Volkshelden mit Reliefszenen aus der Geschichte vom Opiumkrieg bis 1949. Seit die Mongolen Peking zur Hauptstadt gemacht hatten, blickten die Kaiser von ihren Thronen 700 Jahre lang nach Süden durch einstmals sieben Tore hindurch sinnbildlich gesehen geradewegs in ihr Reich hinein. Nunmehr aber müssen die verstorbenen Majestäten auf der Nordseite der 38 m hohen Stele in Maos Handschrift die Worte lesen: „Die Volkshelden sind unsterblich.“ Im Süden erhielt der Platz einen städtebaulich wenig überzeugenden Abschluss erst 1976/77 durch das Mao-Mausoleum.
Mit dem gegenüberliegenden Tor Tian'an Men versammeln sich hier also lauter Bauten, die in Erinnerung an die leidvolle jüngere Geschichte Chinas und den großen Sieg der Kommunistischen Partei die nationale Identität des Landes prägen. So ist es nur natürlich, dass die Sorge um die Geschicke Chinas auch die oppositionellen Kräfte immer wieder auf diesen Platz treibt. Die blutige Niederschlagung der Studentenbewegung am 4. Juni 1989 hat die Symbolkraft des Ortes noch verstärkt. Seit 1999 sind die Sicherheitskräfte hier unzählige Male gegen die missliebige Falungong-Sekte vorgegangen.
Es ist typisch für die Widersprüche der KP-Herrschaft, dass hier anderer studentischer Demonstranten ganz offiziell gedacht wird. Schon zu Kaisers Zeiten existierte vor dem Tian'an Men eine größere Freifläche, die aber ummauert und gewöhnlich abgesperrt war. Als nach dem Ende des Mandschu-Reichs 1912 die Allgemeinheit Zutritt erhielt, war sie der einzige für größere Menschenansammlungen geeignete Platz in der Hauptstadt. Am 4. Mai 1919 protestierten Studenten hier gegen den Ausverkauf nationaler Interessen durch ihre eigene Regierung auf der Friedenskonferenz von Versailles. Weit mehr als die Revolution und das Ende der Monarchie markiert jene Bewegung des Vierten Mai die antikonfuzianische Hinwendung einer modernen Generation von Chinesen zu den Idealen von Demokratie und Wissenschaftlichkeit, kurz: Chinas Aufbruch ins 20. Jh.
Jahrelang ließen die Pekinger hier ihre Drachen steigen, aber das ist nun verboten. Dafür kommen Chinesen auf Hauptstadtbesuch zum Sonnenaufgang her, um das Fahnenhissen zu erleben: pünktlich auf die Sekunde! | U-Bahn 2: Qianmen
Region: Peking
Beijing Da Dong Roast Duck Restaurant
Das Lokal rühmt sich, als einziges in Peking die Vögel nicht schon prophylaktisch in den Rauchfang zu hängen, sondern erst nach Eingang der Bestellung - und zwar über Holzfeuer. (Die Wartezeit lässt sich mit den Vorspeisen verkürzen.) Nicht nur die übliche Lauch-Soßen-Kombination wird zur Garnierung der Ente angeboten, sondern auch Zucker. Die übrigen Gerichte bieten ebenfalls exquisite kulinarische Freuden. Zeitig reservieren! | Tgl. | Dongsi 10 Tiao A-22, Nanxincang Business World (Hochhaus) | Tel. 51690329 | €€
Fangshan
Chinas berühmtestes Restaurant mit authentischer Palastküche. Man bestellt nicht einzelne Gerichte, sondern ganze Menüs. Ab 100 Yuan pro Person sind Sie dabei, üblicherweise gibt man allerdings mehr aus - ab 200 bis 500 Yuan pro Person. Tischwäsche, Geschirr und Dekor sind in edlem Kaisergelb gehalten. Mittags bis 13.30, abends bis 20 Uhr geöffnet. | Tgl. | Nordseite der „Jadeinsel“ Qiongdao | Tel. 64011889, Tel. 64011879 | €€€
Antik- und Flohmärkte
Die Beijing Curio City, ein kaufhausartiger Komplex mit riesigem Lichthof, ist zwar ungünstig gelegen, doch für Interessenten, die auf echt Antikes Wert legen und dies auch beurteilen können, die erste Adresse in der Stadt.
Lassen Sie sich nicht vom Erdgeschoss abschrecken, in dem Schmuck und neues Kunsthandwerk verkauft werden: Auf den drei Obergeschossen finden sich über hundert private Antiquitätenlädchen, seriös und keineswegs billig. Fast überall können Sie mit dem Inhaber persönlich verhandeln. Abgesehen von ein paar Spezialisten für Teppiche oder Steine verkaufen alle alles. Dongsanhuan Nanlu | 400 m südlich der Panjiayuan-Lu-Kreuzung
Der Panjiayuan-Markt ist ein Dorado für Flohmarktfans. Es gibt rund 3000 Stände (inklusive Läden in festen Bauten), die neben echt Antikem und Antiquarischem jede Menge Fälschungen und Repliken führen, dazu neues Porzellan und typischen Flohmarkttrödel. Bringen Sie genügend Stehvermögen mit, so besuchen Sie auch die Beijing Curio City und den Zhaojia-Möbelmarkt, die ganz in der Nähe liegen. Panjiayuan Lu, Ecke Dongsanhuan Nanlu
Liulichang
Die Kunst- und Antiquitätengasse schlechthin, und das seit Kaisers Zeiten. In den im alten Stil errichteten Bauten finden sich vor allem renommierte, teure Läden für Gemälde, Kalligrafie, Jade, Porzellan, Cloisonné, Schnitzereien und anderes. Hinzu kommen Lädchen und Stände von Privathändlern.
Jigu Ge führt die größte Auswahl an Repliken von Kunst früherer chinesischer Dynastien. | Liulichang-Ost 136 (an der Hauptstraße)
Rongbao Zhai, eine alte Kunsthandlung, zeigt Tuschbilder im klassischen Stil, aber auch Ölgemälde. Eine Spezialität sind Farbholzschnitte, die das Geschäft in einem aufwendigen Verfahren selbst herstellt. Teuer. | Liulichang-West 19-49 | U-Bahn 2: Hepingmen
Pekinger Bar- und Kneipenszene
Wer abends noch Energie fürs Tanzparkett übrig hat oder den Tag bei einem Bier oder Cocktail ausklingen lassen möchte, findet im eigenen Hotel gewöhnlich ein entsprechendes Angebot. Aber vielleicht möchte man ja nicht unbedingt andere Hotelgäste treffen, denen China genauso fremd ist wie einem selber?
Die Szene in Sanlitun, seit den 1990er-Jahren Inbegriff des Pekinger Nachtlebens, fiel 2005 großenteils einer Totalsanierung zum Opfer. Spätestens bis Olympia 2008 wird ein neues Sanlitun entstanden sein, glamourös und teuer. Ein Teil der Szene hat sich Richtung Arbeiterstadion verlagert. Dort, an der Arbeiterstadion-Weststraße (Gongrentiyuchang Xilu) gibt es ein ganzes großes Gebäude voller Bars, Clubs und Restaurants für eifrige Nachtschwärmer. Es ist dank üppiger Neondekoration abends nicht zu verfehlen .
Das neue In-Viertel aber, das sich ab 2003 fast rauschhaft entwickelt hat (und viel schöner ist als Sanlitun je war) ist die Houhai-Gegend rund ums Marmorbrückchen Yinding Qiao, das die Seen Houhai und Qianhai trennt; die Szene erstreckt sich in den alten Gassen und an den Uferpromenaden bis zum Trommelturm und zum Nordende des Houhai. Am Wochenende drängt sich hier tout Pékin, dann tobt der sprichwörtliche Bär. Dank niedriger Mieten sind Speis und Trank meist erschwinglich und mit dem Blick aufs Wasser oder von Dachterrassen über alte Dächer auch erquicklich zu genießen. Hip und teuer ist die „Lotus Lane“ am Qianhai-Westufer. Rund um das Brückchen ist die Gegend ziemlich laut, zumal etliche Bars ihre Boxen draußen aufstellen. Wer es ruhiger liebt, findet in der Mitte des Houhai-Südufers einen Abschnitt, wo man sein Tsingtao Beer unbeschallt am Wasser trinken kann. Am schönsten ist es hier in der Abenddämmerung.
Hu-Guang-Gildenhaus
1995 wurde Pekings schönste alte Opernbühne (1830 erbaut) wieder in Betrieb genommen. In nostalgischem Teehausambiente erlebt man ein Programm mit einzelnen Szenen. | Beginn 19.30 Uhr | Hufangqiao 3 | Tel. 63518284 (Reservierung erforderlich)
Region: Nordosten
Yonghe Gong
Der Lamatempel Yonghe Gong ist Pekings größtes und prächtigstes Tempelkloster - er zählt zu den allerersten Attraktionen der Stadt, auch wenn er erst 1744/45 gegründet wurde. Dem Kaiserpalast oder dem Himmelsaltar hat der „Palast der Harmonie“ sogar eines voraus: Er ist kein Museum, sondern wird noch von Mönchen bewohnt. Er war ein Projekt der Mandschu-Kaiser - die gelb glasierten Dachziegel zeugen davon -, und um zu dokumentieren, dass das zuvor einverleibte Tibet und die ebenfalls lamaistischen Mongolen im Reich gut aufgehoben seien, mochte der Hof nicht knausern. Die Verbindung von tibetisch-mongolischem Lamaismus und chinesischer Kultur nimmt hier vielfache Gestalt an. Die Inschriftentafeln an den Hallendächern sind viersprachig: chinesisch, mongolisch, tibetisch, mandschurisch.
Schon der Auftakt ist prunkvoll: Drei große Schmucktore umstehen den Vorplatz. Eine 160 m lange Zuwegung schafft Abstand zum Staub der Straße. Jenseits eines weiteren Tors überquert man einen Hof, auf dem Glocken- und Trommelturm sowie zwei Stelenpavillons stehen. In der ersten Halle, ganz chinesisch, zürnen die großartigen Wächtergottheiten der vier Himmelskönige dem Bösen. Dämonen winden sich unter ihren Füßen. In der Mitte lacht der Dickbauchbuddha die Eintretenden verheißungsvoll an, und rückwärtig wacht Weituo als Schützer der Lehre über das Tempelinnere. Den nächsten Hof schmücken ein gewaltiges Weihrauchgefäß, ein Stelenpavillon mit viersprachiger Inschrift „Der Lamaismus“ von 1792 sowie eine Bronzeplastik des Weltenberges Meru, auf dem die Götter, die Bodhisattvas und die Buddhas wohnen.
Deren Heiligkeit schauen Sie in den zwei nächsten Hallen. In der ersten thronen die Buddhas der Drei Zeitalter auf ihren Lotosblüten, flankiert von den 18 Luohan. In der folgenden Halle sitzen als weitere goldene Trias der Buddha des langen Lebens, der Medizinbuddha und der Buddha des Löwengebrülls, dessen Erweckungsruf weltweit vernehmbar ist. Einen Hof weiter dringt äolisches Klingen ans Ohr: Oben an der Lehr- und Versammlungshalle hängen vom Wind bewegte Glöckchen. Das Innere wird von einem 6 m großen Bronzebildnis Tsongkhapas beherrscht. Dieser stiftete um 1400 die Schulrichtung der Gelbmützen (Gelugpa), die seither im Lamaismus dominiert. Unter riesigen Wandbildern sieht man Kästen mit heiligen Schriften. Für den Dalai Lama und den Panchen Lama stehen zwei goldgelb bezogene Thronsessel bereit. In den beiden seitlichen Hallen sind kostbare Geschenke ausgestellt, die das Kloster im Laufe der Zeit empfing.
Betreten Sie die letzte Halle, so finden Sie sich wieder als kleiner Erdenwurm zu Füßen eines riesigen, durch alle drei Geschosse aufragenden Maitreya-Bodhisattva in tibetischem Stil. Der Sandelbaumstamm, aus dem er in einem Stück gefertigt worden sein soll, war eine Dankspende des siebten Dalai Lama an den Qianlong-Kaiser, der in Tibet eine Revolte hatte niederschlagen lassen. Die Schnitzarbeit wurde an Ort und Stelle erledigt und die Halle um die Figur herum errichtet.
Die Seitengebäude bergen weitere Schätze. Das vielleicht schönste Bildwerk des Tempels sieht man in der östlichen Seitenhalle im letzten Hof: Es ist ein aus Sandelholz geschnitzter predigender Buddha mit seinen Jüngern Ananda und Kashyapa. Das Schreingehäuse wurde aus kostbarem Nanmuholz geschnitzt. Auf der Südseite des Hofes zeigen Ausstellungen Geschenke an das Kloster. In den Seitenhallen der südlicheren - dem Eingang näheren - Höfe sind auch die berühmten, zum Teil mit Tüchern verhängten Darstellungen der esoterisch-tantrischen Tradition ausgestellt. Sie zeigen männliche und weibliche Gottheiten in rituell-ekstatischer Vereinigung.
Einen halben Tag sollte man für den Yonghe Gong schon Zeit haben. Kommen Sie früh, denn ab 10 Uhr wird's voll. | Tgl. 9-16.30 Uhr | Eintritt 25 Yuan, Audioführung 20 Yuan | U-Bahn 2: Yonghe Gong