Reisetipps Paris

Stadtspaziergänge Paris

Im geistigen Zentrum von Paris

Anfang des 20. Jhs. entstand links der Seine, "rive gauche", in Saint-Germain-des-Prés - in Nachbarschaft der Universität Sorbonne - ein neues intellektuelles Zentrum. In den berühmten Cafés Le Flore und Les Deux Magots trafen sich Schriftsteller und Philosophen. Intellektuell entspannter geht es um den Hügel Saint-Geneviève herum zu. Rechnen Sie mit drei bis vier Stunden (Badesachen mitnehmen!).

Die Terrasse des Les Deux Magots ist eine Art Loge: Entspannt zurückgelehnt beobachten die Gäste die Flaneure. Gegenüber die Kirche Saint-Germain-des-Prés, eine der ältesten von Paris. Die Rue Bonaparte hinunter, aber auch in den anderen Straßen des Viertels finden sich viele Galerien, Antiquitätenhändler, edle Stoffgeschäfte, Cafés und Restaurants. Folgen Sie der Rue de l'Abbaye hinter der Kirche bis zum romantischen, baumbestandenen Place de Furstemberg, an dem sich das Atelier des Malers Eugène Delacroix befand. Dann rechts in die Rue Jacob, die in die lebendige Rue de Seine mündet. Dort können Sie auf der immer gut besuchten Terrasse des La Palette eine Pause einlegen. Weiter geht es durch die Rue Jaques Callot, dann rechts die Rue Mazarine (später Rue de l'Ancienne Comédie) hinauf, über den Boulevard Saint-Germain in die Rue de l'Odé-on. Am neoklassizistischen Théatre de l'Odéon vorbei gelangen Sie dann zum Jardin du Luxembourg, einem der beliebtesten Parks von Paris. Im Angesicht des dem florentinischen Palazzo Pitti nachempfundenen Palais du Luxembourg bietet sich eine Rast am Wasserbassin oder am schattigen Fontaine de Médicis an.

Gegenüber vom Haupteingang, am belebten Boulevard Saint-Michel mit seinen Straßencafés, führt die Rue Soufflot zum kuppelförmigen Panthéon hinauf, dem Ruhmestempel vieler großer Franzosen. Die engen Gassen, die sich die Montagne Saint-Geneviève hinaufschlängeln, gehören zur ältesten Besiedlungszone von Paris. Die Rue Malebranche, die im Graben einer Stadtmauer aus dem Mittelalter angelegte Rue des Fossés Saint-Jacques und der Place de l'Estrapade mit seinen Bäumen, Bänken und einem Brunnen strahlen die Beschaulichkeit einer Provinzstadt aus. Mit der nahe gelegenen Universität Sorbonne, dem Collège de France und vielen Eliteschulen des Landes liegt hier gleichwohl ein wichtiges Zentrum des geistigen Lebens der Stadt. Gehen Sie durch die Rue Laromiguière, die Rue Amyot und die Rue Tournefort hinunter in die Rue Lohmond und dort links in die enge Passage des Postes: Hier wird es nun deutlich belebter. Die immer lebendige und sehr alte Rue Mouffetard ist im unteren Teil ein farbenprächtiger Markt mit vielen schönen Lebensmittelläden. Weiter oben wird die "Mouff" zunehmend touristischer. Ganz am Ende ist der Place de la Contrescarpe mit seinen Cafés ein beliebter Treffpunkt. In der hübschen Rue du Cardinal Lemoine wohnte Anfang der 1920er-Jahre Ernest Hemingway (gleich zu Beginn, Nr. 74).

Von der Rue du Cardinal Lemoine zweigt die Rue Rollin mit ihren windschiefen alten Häusern ab. Eine Treppe hinunter und über die Rue Monge folgen links die Arènes de Lutèce, ein römisches Amphitheater, das erst im 19. Jh. freigelegt wurde und heute Jugendlichen als Spielplatz dient. Gehen Sie nun rechts in die Rue Linné (später Rue Geoffroy Saint-Hilaire), und zum Abschluss haben Sie mehrere Möglichkeiten: das sehr sehenswerte Muséum National de Histoire Naturelle mit seiner spektakulären Galerie, ein Besuch des Jardin des Plantes mit seinen Gartenanlagen und Gewächshäusern oder die Mosquée de Paris: Dort bieten der Hamam, das arabische Dampfbad, oder der Teesalon wunderbare Entspannung.

Auf den Spuren der Künstler des Montmartre

Der von der weiß leuchtenden Kirche Sacré-Cœur gekrönte Hügel von Montmartre zieht die Blicke von vielen Stellen der Stadt auf sich. Einst lebten und arbeiteten hier viele Künstler. Heute können sich mittellose Maler die teuren Mieten dieses Viertels nicht mehr leisten. Dass sich Montmartre dennoch vielfach einen beinahe dörflichen Charakter bewahrt hat, zeigt dieser zwei- bis dreistündige Rundweg.

Um die Métrostation Blanche herum blüht das Sexgewerbe: Mittendrin das Moulin Rouge, das mit seinen Tanzaufführungen zu einem der beliebtesten Touristentreffpunkte zählt. Die sich den Berg hinaufziehende Rue Lépic mit ihren traditionellen Lebensmittelgeschäften hat sich dagegen ihren volkstümlichen Charakter bewahrt; in dieser Straße entstand der Film "Die fabelhafte Welt der Amélie". In der Rue des Abbesses mit ihren Geschäften und Cafés ist Tag und Nacht viel los; im Szenelokal Sancerre (Nr. 35) mischen sich junge Touristen unter die Einheimischen. Wer es ruhiger mag, kann in die kleine Rue Burq ausweichen.

Nun biegen Sie links in die Rue Durantin ab und können in der den Berg hinaufführenden Rue Thalazé noch dörfliche Atmosphäre schnuppern. An ihrem oberen Ende stehen zwei alte Mühlen. In der einen, die im 19. Jh. in einen Tanzsaal umgewandelt wurde, malte unter anderem Auguste Renoir. Links um die Ecke, in der schattigen Rue Junot, stehen viele hübsche kleine Häuser; in der Nummer 15 lebte der Schriftsteller Tristan Tzara. Durch die Rue Dereure und über eine kleine Treppe am Place Casadesus geht es an Gärten und dem Château des Brouillards vorbei zum Place Dalida mit einer Statue der ägyptisch-italienischen Sängerin, die in dieser Gegend wohnte. Die Rue de l'Abreuvoir schlängelt sich malerisch den Berg hinunter, mit kleinen, windschiefen Häusern. Mittendrin ein kleiner Weinberg: Die Weinlese ist alljährlich im Oktober Anlass für ein Fest. Im Maison Rose an der Ecke (Nr. 2) wohnte der Maler Maurice Utrillo. Ein paar Meter weiter unten das berühmte Kabarett Au Lapin Agile, das dem Chansonsänger Aristide Bruant gehörte und dessen Wirt viele damals noch arme und unbekannte Künstler unterstützte. Weiter oben - in einem Haus aus dem 17. Jh. - wird im Musée du Montmartre (12, rue Cortot) die Geschichte der Künstler des Montmartre erzählt.

Durch die Rue Saint-Vincent nähern Sie sich dann von hinten der blendend weißen, in einem Zuckerbäckerstil gebauten Basilika Sacré-Cœur. Genießen Sie von der Treppe auf der Vorderseite den Blick auf Paris. Die engen Gassen um die Kirche herum mit ihren Souvenirläden sowie vor allem der Place du Tertre sind immer voller Touristen. Und mancher aufdringliche Maler wird von Ihnen ein Porträt anfertigen wollen.

Durch die Rue Norvin geht es dann hinunter in die Rue Gabrielle (in Nr. 49 hatte Pablo Picasso sein erstes Atelier). Durch die Rue Ravignan erreichen Sie den baumbestandenen Place Emile Goudeau: In einem damals heruntergekommenen Atelier des Bateau-Lavoir genannten Hauses entstand Picassos berühmtes kubistisches Bild "Les Demoiselles d'Avignon". Unterhalb laden mehrere hübsche Lokale, vor allem Le Soleil Gourmand, zum Essen ein. Von der Rue des Trois Frères zweigt die enge Passage des Abbesses ab, nach der sich der Place des Abbesses mit seinem schönen Jugendstil-Métroeingang und netten Cafés öffnet.

Die Seine-Insel und das Marais

Dass Frankreichs Metropole keine sterile Museumsstadt ist, wird bei diesem drei- bis vierstündigen Spaziergang in den belebten Straßen und Gassen des Quartier Latin und des Marais deutlich. Nirgendwo befinden sich so viele Bars, Cafés und Restaurants wie im Marais, das bis in die 1960er-Jahre dem Verfall preisgegeben war und dessen beeindruckende Adelspaläste heute zumeist Museen beherbergen.

In der kleinen Parkanlage im Schatten der römischen Thermen um das Musée de Cluny lässt es sich an sonnigen Tagen ganz trefflich ausspannen. Auf der anderen Seite des verkehrsreichen Boulevard Saint-Germain beginnt ein mittelalterliches Straßengewirr um die im gotischen Flamboyant-Stil gebaute Kirche Saint-Séverin: Hübsche kleine Cafés laden zum Verweilen ein, aber es gibt auch viele Restaurants, die um die Touristen werben. Durch die Rue Saint-Séverin sind es nur wenige Schritte zur kleinen, gedrungenen Saint-Julien-le-Pauvre, der ältesten Kirche der Stadt aus der Mitte des 12. Jhs. Vom angrenzenden Park, dem Square Viviani, genießen Sie in aller Ruhe einen herrlichen Blick auf die Kathedrale Notre-Dame.

Richtung Notre-Dame beginnt der Touristenrummel. Trotzdem: Der Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe auf der Seine, die an den Kais sich räkelnden Sonnenhungrigen und die Bouquinisten mit ihren alten Büchern ist ein Vergnügen. Ein schöner Weg führt an Notre-Dame entlang durch eine Grünanlage. Auf der anderen Seite der Kathedrale ist noch ein kleiner Teil des Gassengewirrs erhalten, das im 19. Jh. größtenteils dem Stadtplaner Baron Haussmann zum Opfer fiel. Die Ile de la Cité ist der älteste Teil der Stadt. Auf der Brücke zur Ile Saint-Louis hinüber jammen am Wochenende Musiker, Akrobaten zeigen Kunststücke. Die erst im 17. Jh. bebaute Insel ist heute eine der teuersten Adressen der Stadt. Die Rue Saint-Louis-en-Ile mit ihren schönen kleinen Geschäften lädt zum Bummeln ein: Bei Berthillon gibt es das beste Eis der Stadt.

Die Brücke Pont Marie führt direkt ins Marais. Gleich rechts, am Beginn der Rue des Nonnains d'Hy-ères, fällt das festungsartige, spätgotische Hôtel de Sens auf. Einige der kleinen Straßen haben den Charakter jener Zeit bewahrt, so zum Beispiel die Rue François Miron mit zwei Fachwerkhäusern und dem Hôtel du Beauvais (Nr. 68), in dem einst Wolfgang Amadeus Mozart residierte. Sie gehen nun durch die Rue Charlemagne, vorbei an den Resten eines Turms und Teilen der Stadtmauer aus dem 13. Jh. Im Innenhoflabyrinth des Village Saint-Paul mit seinen 60 Antiquitätenhändlern können Sie zwischen alten Möbeln, Gemälden, Fotos, Geschirr und Lampen stöbern.

Weiter geht es links die Rue Saint-Paul hinauf bis zur Passage Saint-Paul, die durch einen Seiteneingang in die dreigeschossige Barockkirche Saint-Paul mit ihrer großen Kuppel führt. Am Haupteingang flutet der Verkehr der Rue Saint-Antoine vorbei. Ein Stück weiter Richtung Bastille biegen Sie links in die Rue Caron und kommen so zum romantischen Place du Marché Sainte-Cathérine mit seinen Platanen und Cafés. Durch die Rue Turenne und dann rechts die immer belebte Rue des Francs-Bourgeois, in der es neben schönen Adelspalästen schicke Boutiquen gibt, gelangen Sie zum noblen Place des Vosges, einem der schönsten Plätze der Stadt.

In diesem Viertel leben viele Juden. Die Orthodoxen unter ihnen gehen am Freitagabend in ihrer traditionellen Kleidung zur nahen Synagoge. Am Ende der hübschen Rue Payenne der Park Square Léopold Achille. Links, in der Rue Thorigny, das Musée Picasso, dessen Besuch ein Muss ist. Entspannen Sie danach direkt daneben in den gemütlichen Ledersesseln des Cafés L'Apparemment in der Rue des Coutures Saint-Gervais.