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Fussball

München hat zwei Bundesligavereine, die sich nicht mögen. Da ist der Protzclub FC Bayern, bei dem zurzeit bestenfalls 2,4 Prozent Einheimische im Kader stehen. Und da ist der (ehemalige) Arbeiterverein TSV 1860 aus dem Glasscherbenviertel Giesing. Obwohl die Sechziger derzeit in der 2. Bundesliga kicken, teilen sich die beiden Vereine die ca. 130 Mio. Euro teure Allianz- und WM-2006-Arena in Fröttmaning. Bayern kämpft meistens um den Meistertitel, die Sechziger schwanken zwischen Uefa-Cup-Platz und 2. Liga. Jeder Münchner hat das Recht, einen der Vereine zu lieben und den anderen zu verdammen. Gäste müssen beide Vereine in den höchsten Tönen loben, je nach Umgebung den einen noch ein bisschen mehr. Alles andere würde zu Straffälligkeiten seitens der Einheimischen führen.

Grant

Dank der Jahrzehnte dauernden Aufklärungssendung „Komödienstadel“ weiß die Welt: Der Bayer ist stets lustig, ein bisschen hinterhältig, auch ein bisschen doof, aber gutherzig und trotz einer gewissen Bauernschläue am Ende der Komödie ein guter Mensch. Die Wahrheit ist nicht ganz so einfach. Der Bayer (hier unterscheiden wir ausnahmsweise nicht zwischen Städter und Landmann/-frau) ist von Haus aus grantig, wortkarg, mürrisch, einzelgängerisch. Er liebt die Ruhe (das dazu unpassende Fremdwort heißt „Gemütlichkeit“), das ungestörte, langsame Schlürfen einer Maß Bier, er hat immer Recht, und wenn nicht, wird er noch grantiger. Nichtbayern versuchen gerne, ihm die Welt zu erklären, zum Beispiel, wie man mit einem Zahnstocher den Salzstreuer zum Streuen bringt. Das mag der Bayer nicht gerne, denn er schraubt den Deckel lieber ab, um ans Salz zu kommen.

Münchner Bier

Weltweit berühmt, und das eigentlich zu Unrecht, zumindest aus heutiger Sicht. Auch wenn hier nach wie vor gemäß dem bayerischen Reinheitsgebot (Hopfen, Malz, Wasser) gebraut wird, hat das Münchner Bier zumindest seine Vielfalt verloren. Weil sich die ohnehin ziemlich großen Brauereien der Stadt zusammengeschlossen haben und sich noch dazu immer mehr restdeutsche Bierkonzerne hier einkaufen, ist es um die Einmaligkeit des Münchner Biers schlecht bestellt. Wer wirklich Bier genießen will, schaue bei der Wahl des Gasthauses auf die dort ausgeschenkte Marke. Denn es gibt rund um München feine, kleine Brauereien, die köstliches Bier herstellen. Als Beispiel seien nur die drei besten Weißbier-sorten erwähnt: Karg (süffig, wenig Kohlensäure), Unertl (fast ölig und sehr intensiv), Hopf (mit leichtem Anflug von Banane, sehr erfrischend). Das Münchner Bier ist prinzipiell etwas leichter als etwa das aus Nordrhein-Westfalen. Übrigens erkennt man dem Weltmarkt allzu angepasste Lokale daran, dass sie ihr Bier in der so genannten Preußenhalbe ausschenken, das sind Biergläser, die wie die einheimischen ausschauen, aber nur 0,4 Liter fassen (meist jedoch ebenso viel kosten wie sonst die normale Halbe). Trinken mehrere Menschen an einem Tisch, stößt man die Krüge mit normalem Hellen kräftig bäuchlings an und sagt „Prost“. Der Weißbierkenner stößt dagegen mit dem verstärkten Glasboden an. Es ist nicht verpönt, sich nach dem ersten Schluck den Schaum vom Mund zu wischen.

Oktoberfest

Größter Kollektivrausch der Welt. Es hat erstmals anno 1810 anlässlich der Hochzeit des späteren Königs Ludwig I. mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen stattgefunden, damals mit einem Pferderennen. Heute werden die Verzehrrekorde von Bier, Hendl und Ochsen nur noch in Millionen notiert. Freitag und Samstag herrscht auf der „Wiesn“ ein wahrer Massenansturm. Ab dem Nachmittag werden die Bierzelte wegen des Andrangs manchmal sogar geschlossen. Die Jugend der Welt, vor allem aus Australien und Neuseeland, trifft sich im Hofbräu-Zelt zum Kampftrinken, und es fliegen schon mal nicht mehr gebrauchte Büstenhalter durch die Gegend. Warum aber das Oktoberfest größtenteils im September stattfindet (nur das dritte und letzte Wochenende ist im Oktober), ist eines der großen Rätsel der Menschheit.

Trachten

Natürlich sind sie prächtig anzuschauen, die echten bayerischen Trachten: männlicherseits hirschlederne, kurze, doppelt geknöpfte Hosen mit bestickten Hosenträgern überm kragenlosen leinenen Hemd, Wadlstrümpfe, Haferlschuhe, dazu ein Filzhut mit Gamsbart. Oder weiblicherseits das Dirndl mit wohl formendem Mieder und einer Schürze, die viel aussagt über den Herkunftsort der Trägerin. München selbst hat keine Trachtentradition. Der Einheimische pflegt leicht bajuwarisiertes Gewand mit Walkjanker oder Lodenmantel.

Weisswurst

Des Münchners zweites Frühstück, dazu statt Kaffee Weißbier. Man bestellt sie stückweise und nicht als Paar. Die Weißwurst besteht größtenteils aus Kalbsbrät, Wasser und Geheimnissen, sie wird in Wasser sanft erhitzt (sonst platzt sie) und mit süßem Senf nebst Breze serviert. Über die korrekte Esstechnik gibt es wahre Religionskriege. Der Laie schneidet sie längs hälftig durch und portioniert so das Innere nach eigenem Gusto. Der eher kernige Bayer (meist ein Zuagroasta) übt sich im überkommenen Brauch, nimmt die Wurst in die Hand, taucht sie in den Senf und zuzelt sie aus. Der Kenner aber sticht an einem Ende ein, schneidet die Haut dreiviertel durch und pult elegant das Innere nach Außen (geht nur mit perfekt erhitzter Wurst). Früher hieß es übrigens, die Weißwurst dürfe „das Zwölfuhrläuten“ nicht hören, weil sonst zu alt sei. Das hat sich, dank der Konservierungskunst, erledigt. Aus aktuellen Anlässen gibt es, zum Beispiel auf dem Viktualienmarkt, heute auch Pferdeweißwurst.