Reisetipps München

Stadtspaziergänge München

München in einem Tag

Natürlich behaupten die Münchner, es sei unmöglich, ihre Stadt in einem Tag kennen zu lernen. Doch wer wirklich nicht mehr Zeit hat, sollte einen Spaziergang durch die Altstadt und Haidhausen, an der Isar entlang und durchs Gärtnerplatzviertel unternehmen. Und dabei sollte ihn eine Münchner Tugend begleiten: Gelassenheit.

Darum als Erstes: ein echtes Münchner Frühstück, vielleicht beim Spöckmeier in der Rosengasse 9 beim Marienplatz, das liegt zentral und bietet Qualität. Ein Weißbier, zwei Weißwürste, Brezn. Es darf auch ein Haferl Kaffee sein. Beim anschließenden Spaziergang über den Viktualienmarkt können Sie einen frisch gepressten Obstsaft schlürfen und in der Schrannenhalle einen Biojoghurt löffeln. Gut gestärkt, lässt es sich in den Kunstgewerbeläden der Heilig-Geist-Straße prima stöbern. Gehen Sie weiter Richtung Tal, biegen Sie dort links ab, und steigen Sie rauf auf den Alten Peter. Um 11 Uhr sollten Sie allerdings wieder unten auf dem Marienplatz stehen, denn das Glockenspiel ist Pflicht für jeden Neumünchner.

Nun geht es durch die Burgstraße Richtung Alter Hof, der frisch renoviert ist, vor zur Münze an der Maximilianstraße. Ein Blick auf die Oper, eventuell einen Kaffee im L'Opera unter den Arkaden der Residenzpost. Die Maximilianstraße muss sein, um bei Bulgari vorbeizuschauen oder in den Maximilianhöfen die neuesten Modehits zu bewundern. Wenn Sie die Münchner Kammerspiele passieren, kann es nicht schaden, nach einem Ticket für die Abendvorstellung zu fragen - was natürlich auch für das Residenztheater neben der Oper gilt.

Vorbei am Hotel Vier Jahreszeiten, in dem einst der legendäre Alfred Walterspiel kochte, überqueren Sie flugs den hässlichen Altstadtring, schauen kurz auf den Protzbau links (nördlich), zur Staatskanzlei (Franz-Josef-Strauß-Ring 1), wo Bayerns Ministerpräsident königgleich residiert, und wandern weiter rauf zu dessen zweiten Arbeitsplatz, zum Maximilianeum, wo der Bayerische Landtag tagt. Das klassische München lassen Sie hinter sich, sobald Sie am Ende der Max-Planck-Straße in die Innere Wiener Straße abbiegen. In Haidhausen wird dann das Kapitel „Lebensgefühl“ aufgeschlagen. Zum Beispiel auf dem Wiener Platz, einem wunderbaren kleinen Markt. Lassen Sie sich einfach durch die kleinen Straßen und Gassen östlich der Inneren Wiener Straße treiben. Beim Gasteig können Sie entweder einen kleinen Schlenker zum Biergarten der Muffathalle machen oder ums Eck im Café im Müllerschen Volksbad einkehren.

Für einen Besuch des Deutschen Museums wird die Zeit wohl kaum reichen. Wandern Sie stattdessen an der renaturierten Isar entlang Richtung Baldeplatz, und gönnen Sie sich im Zoozie'z einen Eiscafé. Danach geht es durch die Baldestraße und noch weiter nördlich über eine Brücke zum Südfriedhof. Hier liegen allerlei Prominente aus der jüngeren Stadtgeschichte, zum Beispiel Max von Pettenkofer, der berühmte Arzt und Hygieniker des 19. Jhs.

Danach ist ein Zug durch das Gärtnerplatzviertel obligat. Schlendern Sie erst durch die Holz- und Hans-Sachs-Straße, biegen Sie dann rechts in die Fraunhofer Straße und links in die Klenzestraße zum Platz ab, der dem Viertel den Namen gab. Rundherum gibt es jede Menge ansprechender Kneipen.

Über die Reichenbachstraße und den Viktualienmarkt finden Sie in wenigen Minuten wieder zum Marienplatz zurück.

Auf Rollen durch die moderne Architektur

München ist mehr als Frauenkirche und Maximilianeum. Hier fand in den letzten 30 Jahren bahnbrechende Architektur statt, und zwar über die ganze Stadt verstreut, weswegen sich dieser Ausflug vor allem auf Rädern, egal welcher Art, lohnt. Dauer: je nach Kondition, mindestens aber vier Stunden.

München - Hauptstadt der modernen Architektur, so kann man diesen Spaziergang nennen. Und damit die einzelnen Objekte der Begierde auch in entsprechend zeitgemäßer Art erreicht werden, haben wir die Route so gelegt, dass Sie sie auch auf Inlineskates fahren können. Wer auf den Rollen nicht so fit ist, kann diese Tour auch mit dem Fahrrad absolvieren. Zu leihen gibt es die Drahtesel für etwa 15 Euro pro Tag, zum Beispiel bei Radius Touristik am Hauptbahnhof (gegenüber Gleis 32).

Mit der U-Bahn fahren Sie erst einmal zum Olympiagelände und rollen sich ein bisschen ein in diesem wunderbaren Ambiente. Gebaut wurde das 70000-Plätze-Stadion für die „heiteren Spiele“ 1972 (die dann leider wenig heiter endeten nach dem Terroranschlag der PLO) von Deutschlands prominentestem Architekten, Günter Behnisch aus Stuttgart. Weltweit gibt es keine ähnlich kühne Dachkonstruktion. Das Stadion wurde, was Stadien sonst eher nur selten werden: zu einem Wahrzeichen der Stadt.

Sie verlassen das Olympiagelände auf der Ostseite beim Eissportstadion und rollen auf der Brücke über den Mittleren Ring, wo Sie das größte vierblättrige Kleeblatt der Welt erwartet: das BMW-Hochhaus. Angeordnet wie vier Motorzylinder, steht es da als Wahrzeichen technoider Architektur, ebenfalls 1972 erbaut, gezeichnet von Karl Schwanzer.

So, und nun tief durchgeatmet, jetzt kommt ein längerer Weg, aber ein sehr hübscher. Über die Milbertshofenerstraße fahren Sie zum Nordfriedhof. Dort beginnt der Englische Garten, an dem Sie auf der Osterwaldstraße entlangrollen. Wieder überqueren Sie den Ring (nicht so sichere Skater können sich am Brückengeländer entlanghangeln) und machen dann am Osterwaldgarten verdiente Rast, bevor Sie über die Kiefer- und Mandlstraße im schönsten Schwabing zur Tivolistraße rollen und auf ihr den Englischen Garten zum Tucherpark queren. Dort wartet ein in den 1970er-Jahren als sensationell eingestufter Bau: die Bayerische Rückversicherung. Die zylindrischen Bürotrakte sind vom zentralen Versorgungskern abgehängt, als habe man von oben nach unten gebaut. Uwe Kiessler hat damit den Grundstein gelegt für seinen weltweiten Ruf als wahrhaft kühner Architekt.

Hier nun trennen sich Radler und Skater, der Steigung wegen. Während die Rollerblader sich am Chinesischen Turm eine Maß kaufen, strampeln die Radler rauf über die Montgelasstraße zum Effnerplatz, um dem Hypohochhaus die Reverenz zu erweisen. Das Ende der 1980er-Jahre von Walter und Bea Betz als Ausrufezeichen des Kapitalismus entworfene Gebäude wird auch als „Münchens einziger Wolkenkratzer“ bezeichnet - was bei einer Höhe von 114 m etwas kühn ist. Die Skater fahren langsam auf dem Bürgersteig der Emil-Riedl-Straße zur Prinzregentenstraße vor und dort zur Ecke Bruderstraße. Hier steht Otto Seidlers neuester Bau, ein gigantischer Wohn- und Bürokomplex, eine Farborgie von Krachblau bis Racinggreen. Zum Schluss treffen sich alle wieder in der Türkenstraße 30 (die Skater nützen dafür am besten die Von-der-Tann- und Theresienstraße). Dort ist Münchens Architekturgalerie zu Hause mit modernsten Ausstellungen des Genres (Mo, Di, Mi 9.30-19, Do, Fr 9.30-19.30, Sa 9.30-18 Uhr | www.architekturgalerie-muenchen.de). Dafür müssen Sie die Rollschuhe ausziehen.

München klassisch Bayerisch

Auch ein Spaziergang durch das Bilderbuch-München birgt Überraschungen, wenn man sich nur auf die Freiheiten bajuwarischer Lebensart einlässt. Er dauert je nach Gaststättenverweildauer etwa drei Stunden.

Natürlich muss das sein! München klassisch, wie es klingt und kracht mit Kirchenglocken und Lederhosen. Eine Wanderung, für die man sich zwar nicht unbedingt einen Gamsbarthut kaufen muss. Aber schaden kann es auch nicht. Sie sollten nur dran denken, ihn beim Start des Spaziergangs gleich abzunehmen, denn begonnen wird bei der Frauenkirche.

Geschafft von der Strenge der späten Gotik und von der Fahrt auf den südlichen Turm hinauf (99 m), wandern Sie ostwärts zum Marienplatz und haben die erste Rast verdient. Empfehlung dazu: das Weisse Brauhaus. Doch Vorsicht, das Bier ist stark, der Tag noch lang, die nächste Verlockung nah. Im Valentin-Karlstadt-Musäum am Ende vom Tal im Isartor kann man nämlich ganz oben auch Weißwürste genießen, inklusive Weißbier.

Jeden anständigen Bayern zieht es in die Nähe des Maximilianeums, Sitz des Landtages. Sie nutzen dazu die Thierschstraße, die von der Zweibrücken- zur Maximilianstraße führt, und lassen sich zu ein paar Abbiegeabenteuern, etwa durch die Adelgundenstraße, treiben. Das ist Münchner Bürgerarchitektur, wie sie leider in vielen Stadtteilen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Heute reicht ein Blick auf den Landtag, danach biegen Sie in der Maximilianstraße nach links ab, vorbei an der Regierung von Oberbayern, und wandern nach Westen runter zum Max-Joseph-Platz. Hier schütteln Sie wie alle Gamsbarthutträger den Kopf über die frechen Kids, die vor dem ehrwürdigen Nationaltheater mit Inlineskates rumdüsen, und spülen den Ärger über die verdorbene Jugend bei einem Glas Nummer 4a in den Pfälzer Weinprobierstuben in der Residenzstr. 1 runter. Dann liegt der strenge Boulevard der Ludwigstraße vor Ihnen. Vorbei am Geschwister-Scholl-Institut, an der Staatsbibliothek und der Ludwig-Maximilians-Universität, biegen Sie beim Siegestor rechts ab in die schmale Ohmstraße. Werfen Sie vorher noch einen Blick auf den riesigen „Walking Man“ in der Leopoldstraße. Dann über die Königinstraße Richtung Innenstadt schlendern oder parallel dazu im Englischen Garten, um sich dem Haus der Kunst mit seiner unrühmlichen Vergangenheit und wunderbaren, hochkarätigen Wanderausstellungen von hinten zu nähern.

Wem das zu anstrengend ist, der wandere durchs Lehel (Liebigstraße) rauf zur Widenmayerstraße und rüber zur Praterinsel. Hier kann man im Gebäude des Deutschen Alpenvereins studieren, wo die Gamsbärte herkommen, oder an der Muffathalle vorbei zum Müllerschen Volksbad (S 56) wandern. Ein Dampfbad geht immer, denn Sie können alle Utensilien ausleihen.

Jetzt geht es ins Hofbräuhaus. „Kellnerin, a Maß!“, heißt es da, und das bedeutet, dass man freundlich darum ersucht, einen Liter Bier zu bekommen. Im Dürnbräu in der gleichnamigen Gasse ist es noch ein bisschen originaler und münchnerischer. Hier findet man noch echte Bayern, die teils sogar in Tracht am Stammtisch sitzen und Reden schwingen. Sie mischen sich kosmopolitisch mit den Übersee-Touristen aus dem fernen Osten oder dem wilden Westen.