Reisetipps München

Ausflüge & Touren München

Mit dem Radl um den Starnberger See

Zwischen Starnberger See und Ammersee liegt eine Landschaft, die man am besten erwandert. Doch auch mit dem Rad kommen Sie den Geschichten dieser Gegend näher, die voll sind von Kobolden, Feen und Gespenstern. Rechnen Sie mit rund fünf Stunden reiner Fahrzeit für die 75 km lange Tour - und vergessen Sie das Badezeug nicht!

Die fleißigeren Radler fahren mit der S 6 nur bis Gauting und strampeln die wenigen Kilometer bis zum Mühltal (Abzweigung rechts im Wald). Dort liegt einer der schönsten Biergärten des Münchner Südens, am Wochenende auch mit Dixieland (Wirtshaus Obermühltal | Mo geschl. | Tel. 08151/8585 | €). Dann geht es rauf aufs Stahlross, runter ins Würmtal und rechts Richtung Starnberg. Starnberg selbst ist zwar keine architektonische Perle. Aber hier an der Uferpromenade zu sitzen und vor der Alpenkulisse den Segelbooten zuzuschauen, ist schon ein bisschen Paradies. Dann aber weiter Richtung Weilheim. An der Ampel am Berg rechts nach Söcking. Links von der Straße führt nun bald ein gepflegter Radweg hügelige 14 km in Richtung Andechs, ein Name, bei dem Bierkenner und Klosterspezialisten aufmerken: Andechs ist ein Benediktinerkloster, das sich, anders als die meisten dieses Ordens, nicht der Pädagogik widmet, sondern der Kunst des Bierbrauens. Weitere Spezialitäten: Andechser Käse und Obatzda (Klostergasthof | tgl. | Bergstr. 9 | Tel. 08152/93090 | €).

Es ist der Fluch dieses heiligen Berges, dass man besser rauf als runter kommt. Südlich des Klosters verzweigt sich die Straße, rechts geht's zum Ammersee nach Herrsching oder Dießen, Sie aber halten sich links und fahren Richtung Machtlfing zum Starnberger See. Wer Andechs als „Tankstation“ ausgelassen hat, kann sich in Machtlfing beim Höfler-Wirt (Mo und Di geschl. | Tel. 08157/1727 | €) mit dem besten Leberkäse der Gegend belohnen. Eine kurvige, enge, wunderschöne und wenig befahrene Straße führt zur B 2, die Sie, nach Süden eingebogen, schon nach 100 m wieder verlassen. Über das grüne Weideland geht's dann bald abwärts nach Garatshausen und Tutzing. Badepause!

In der Tutzinger Bucht ist das Wasser vor allem bei den vorherrschenden Westwinden ruhig und sauber. Hier gibt es jede Menge Segelbootverleiher. Offiziell herrscht in Bayern keine Segelscheinpflicht. Daher könnte jeder, der weiß, wo Luv und Lee ist, auch ein Boot mieten. Der Haken an der Sache: Die Bootsverleiher verlangen trotzdem fast immer einen Segelschein (ab 14 Euro in der Stunde, je nach Typ und Größe).

Doch das Radl ruft! Lassen Sie sich nach Süden treiben, auf dem wunderschönen Radweg abseits der Straße, in Richtung Bernried, vorbei am Reha-Krankenhaus Höhenrain. Wenige Kilometer hinter dem Bernrieder Hafen steht das Buchheim Museum, eine Pretiose für Kunstkenner. Mit seinen Sammlungen vor allem expressionistischer Kunst ist das Haus ein wahrer Publikumsmagnet (Sammlung Buchheim - Museum der Phantasie | Di-So 10-17, im Sommer bis 18 Uhr | Eintritt 8,50 Euro | Am Hirschgarten 1).

Nun aber weiter, nach Seeseiten. Das Wirtshaus des Fischermeisters Dommaschk liegt so zauberhaft, dass man ruhig ein bisschen verschnaufen kann, bis die Bedienung Zeit für einen hat. Hier einen hausgemachten Kuchen oder fangfrischen Fisch probieren, dann wissen Sie, was es heißt, in Bayern zu sein: Café Seeseiten | Mo geschl. | Tel. 08801/742 | €).

Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum südlichen Ende des Starnberger Sees, nach Seeshaupt . Hier finden Sie am Lido einen schönen Badeplatz, einen Biergarten und ein gepflegtes Restaurant (Lido | tgl. | Sankt-Heinrich-Str. 113 | Tel. 08801/533 | €€). Von hier aus geht es ans Ostufer. Sie fahren am besten den See entlang bis nach Münsing. Wer will, kann entspannt weiter bis Starnberg radeln, doch wer noch Kraft und Lust hat, sollte einen etwas verzwickten Umweg wagen: in Münsing rechts Richtung Wolfratshausen, dann kurz nach dem Ort links rein Richtung Dorfen, ein Sträßlein entlang, durch Wald und Auen, nach der Autobahnunterführung vorbei an einem Bauernhof mit phantastischem Blick ins Isartal. In Dorfen erst rechts, dann gleich wieder links auf die B 11 bis Ebenhausen, dort rechts abbiegen und in verwegener Abfahrt runter nach Kloster Schäftlarn.

Sie befinden sich jetzt auf der Olympiastrecke von 1972 und schwitzen beim Aufstieg am östlichen Isarufer wie die Heroen von damals. Doch in Straßlach wartet ein wunderbares Wirtshaus: Gasthof zum Wildpark (tgl., Tölzer Str. 2 | Tel. 08170/99620 | €€); übrigens auch ein Tipp für einen abendlichen Gasthausausflug.

Von hier aus ist es ein Katzensprung bis zurück nach München, und kein Berg quält mehr. Wer dennoch nicht mehr kann, nehme ab Grünwald die Straßenbahn.

Ins Land des Märchenkönigs Ludwig II.

Für die Tour durch die Märchen-schlösser am Alpenrand sollten Sie früh aufbrechen, da die Fahrt zum Schloss Neuschwanstein (122 km) knapp zwei Stunden dauert. Einmal in Hohenschwangau angekommen, auf keinen Fall sofort den steilen Fußweg zum Schloss in Angriff nehmen. Eintrittskarten gibt es nämlich nur im Ort.

Unbedingt die Zeitangabe auf dem Ticket beachten - wer nicht rechtzeitig vor dem Eingang steht, muss draußen bleiben, denn Neuschwanstein ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen (tgl. April-Sept. 9-18 Uhr, Okt.-März 10-16 Uhr, Eintritt 9 Euro | www.neuschwanstein.com)

Etwa 30 Minuten dauert der Fußmarsch vom Ort aus. Wer klug ist, bestellt Tickets vor - bei mehr als einer Million Besuchern jährlich kommt es leicht zu Wartezeiten. Sobald man eintritt, ist man umgeben von der Traumwelt des Märchenkönigs. Prächtig ist der Thronsaal mit seinen riesigen Kronleuchtern und farbenfrohen Wandgemälden. Ausdauernd waren die 14 Schnitzer, die vier Jahre lang an den detaillierten Holztäfelungen des Schlafzimmers gearbeitet haben. Romantisch ist die Tropfsteinhöhle mit Wasserfall und farbiger Beleuchtung. Von hier lauschte der König der Musik aus dem darüber liegenden Sängersaal - eine Öffnung in der Decke sorgt für perfekte Akustik.

Modern für die damalige Zeit erscheint die Ausstattung des Schlosses mit fließend Wasser, Zentralheizung und automatischen Toilettenspülungen. Nach dem Tod Ludwigs II. wurde das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. Anfangs konnten sich Besucher frei bewegen. Leider nutzte sich das Mobiliar stark ab, da jeder auf den Stühlen des Königs Platz nehmen wollte. Das erklärt den Zustand der Einrichtung, obwohl der König nicht einmal ein Jahr hier gewohnt hat.

Nach 35 Minuten und insgesamt 346 Stufen ist die Schlossführung beendet. Jetzt ist es Zeit, sich die Außenanlagen genauer anzusehen. Der ideale Platz, um Neuschwanstein zu fotografieren ist die Marienbrücke direkt hinter dem Schloss: ein Blick, den man lange nicht vergisst (der kurze Wanderweg vom Schloss zur Brücke ist ausgeschildert). Aber auch die Marienbrücke selbst ist die kleine Wanderung wert. Kaum jemand bleibt beim Blick von der gewagten Stahlkonstruktion über dem Abgrund der Pöllatschlucht ungerührt. Es scheint schwer vorstellbar, dass die filigrane Brücke in 90 Meter Höhe schon im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Leider sind heute nur noch die Brückengeländer original.

Linderhof, die königliche Villa Ludwig II., liegt etwa 60 Autominuten (50 km) entfernt nahe dem Ort Ettal (tgl. April-Sept. 9-18 Uhr, Okt.-März 10-16 Uhr. | Eintritt im Sommer 7 Euro, im Winter 6 Euro, weil der Park nicht geöffnet ist | www.linderhof.de). Die ehemalige Jagdhütte seines Vaters ließ Ludwig II. zu einem Prunkschloss mit riesiger Parkanlage nach dem Vorbild Versailles' ausbauen. Besonders sehenswert ist der Speisesaal, in dem der König ungestört bleiben wollte und sein Essen daher mittels eines kleinen Aufzugs servieren ließ, dem so genannten Tischlein-deck-dich.

Im Park fasziniert die Venusgrotte: eine künstliche Tropfsteinhöhle, über deren See der König gerne in einem goldenen Muschelboot ruderte. Es gab sogar eine Wellenmaschine, um die Fahrt auf dem Gewässer dramatischer zu gestalten und eine Heizung, damit der König beim Rudern nicht frieren musste.

Einziger Wermutstropfen: Man wird bei den Führungen sehr schnell durch die Schlösser geschleust und kann oft nur einen kurzen Eindruck mitnehmen. Ständig zieht die Gruppe unter Anweisung ihres Museumsführes weiter ins nächste Zimmer. Der Grund ist wohl, dass sich an einem Sommertag bis zu 6000 Besucher in Schloss Neuschwanstein drängeln können - eine Pause gefährdet da schon den geregelten Ablauf. Schade, denn viele der märchenhaften Zimmer würde man gerne länger auf sich wirken lassen.

Eine Schifffahrt auf dem Chiemsee

Für diesen Ausflug sollten Sie den Wetterbericht zu Rate ziehen. Sollte Föhn angesagt sein, ist die Aussicht wahrhaft gigantisch: Es scheint, als ob die Kampenwand mitten im Chiemsee stünde. Dann nichts wie los - und Badesachen einpacken. Weil die Salzburger Autobahn (80 km bis zur Ausfahrt Prien) im Sommer staugefährdet ist, empfiehlt sich die Anfahrt mit der Bahn (eine Stunde). Planen Sie einen ganzen Tag für die Tour ein.

Am Bahnhof Prien empfängt sie gleich ein Schmankerl: Deutschlands letzte Dampfstraßenbahn wartet darauf, Sie die 1,8 Kilometer zum Hafen zu schaukeln.

Die Flotte der Chiemsee-Schifffahrt besteht aus elf Schiffen. Das Flaggschiff Ludwig Fessler ist ein 1926 auf Kiel gelegter ehemaliger Salonraddampfer mit einer stolzen Länge von 53 Metern. Jetzt heißt es, sich zu entscheiden: entweder für die kleine Seerundfahrt (Dauer 1 Stunde, 7,30 Euro | Tel. 08051/6090 | www.chiemsee-schifffahrt.de) oder für die große (Dauer 2,5 Stunden, 10,20 Euro). Beide Touren können Sie beliebig oft unterbrechen. Eine erste Gelegenheit dazu bietet die Herreninsel. Hier wählen Sie den 20-minütigen Fußweg oder die Kutschenfahrt zum Neuen Schloss Herrenchiemsee. Die 30 Minuten Besichtigung für das unvollendete Bauwerk Ludwigs II. sollte man sich auf jeden Fall gönnen (April-Okt. tgl. 9-18 Uhr, 4. Okt.-31. März 9.40-16.15 Uhr | Eintritt 7 Euro | www.herren-chiemsee.de).

Weiter geht es auf die Fraueninsel, die von einem Benediktinerinnenkloster mit einer romanischen Kirche dominiert wird. Der Spaziergang um die ganze Insel dauert knapp eine halbe Stunde, doch locken Biergärten und Klosterwirtschaft. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollten Sie bei einem der Kunsthandwerker am Nordufer vorbeischauen und über die „Insulaner“ plaudern, wie sich die Bewohner von Frauenchiemsee gerne selber nennen. Und dabei beiläufig erzählen, Sie hätten gehört, dass einer dieser Insulaner anno 2001 bei der Kieler Woche mit einem echten Chiemseepiraten die Oldtimerregatta gewonnen hat.

Nächste Station ist das Städtchen Gstadt, bevor es via Herreninsel wieder zurück nach Prien geht. Doch auch von den Uferorten Bernau, Übersee, Chieming und Seebruck, die alle bei der großen Rundfahrt über den See angesteuert werden, können Sie auf die Inseln übersetzen.