Reisetipps Masurische Seen

Stichworte Masurische Seen

Architektur

Deutlich sichtbare Zeichen für die über 600-jährige gemeinsame Geschichte von Deutschen, Litauern und Polen sind die Architekturdenkmäler rund um die Masurischen Seen. Friedhöfe aus ostpreußischer Zeit zeugen ebenso von historischen Kulturen wie mittelalterliche Wehrburgen. Ganz aus rotem Backstein gebaut sind die Burgen des Deutschen Ritterordens in Ryn (Rhein), Węgorzewo (Angerburg) und Giżycko (Lötzen).

Charakteristisch für die masurische Architektur sind kleine Dorfkirchen aus dem 16. und 17. Jh. Die älteste kann man in Miłki (Milken) bewundern. Sehenswert sind auch die Kirchen aus Natur- und Backstein in Mikołajki (Nikolaiken) und die 1827 erbaute evangelische Kirche in Giżycko. Zwischen Dargainen- und Mauersee liegt romantisch-herrschaftlich Schloss Sztynort (Steinort), ehemaliger Sitz der Grafen Lehndorff aus dem 17. Jh. Leider verfällt es seit Jahren.

Zu den interessanten Architekturdenkmälern der Masurischen Seenplatte gehören die Wolfsschanze, das ehemalige „Führerhauptquartier“ in Gierłoż (Görlitz) und - nur wenige Kilometer weiter in Giżycko - die preußische Festung Boyen von 1847. Ein bemerkenswertes technisches Bauwerk ist der nie ganz vollendete Masurische Kanal, der vom Jezioro Mamry (Mauersee) bis zur ŀyna (Alle) im Bezirk Kaliningrad (Königsberg) führt.

Armut

Das Wort bieda (Armut) hat in Masuren einen vertrauten Klang. Die Menschen hier leben seit Jahrhunderten von den eher kargen Erträgen der Landwirtschaft. Nur die Großgrundbesitzer kamen zu Wohlstand und Ansehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelten Polens Kommunisten die Ländereien des deutschen Adels in Staatsgüter um und übergaben Land an die polnischen Vertriebenen aus dem Osten, die hier eine neue Heimat fanden. 1990 wurden die meist hoch verschuldeten Kolchosen aufgelöst. Zurück blieben zahlreiche Landarbeiter, die ohne jede Qualifikation keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Arbeitslosigkeit im Nordosten Polens ist die höchste im ganzen Land. Nur an den Masurischen Seen blüht mit dem Tourismus ein neuer Wirtschaftszweig auf.

Bauern

Rund ein Viertel der Polen lebt von der Landwirtschaft. Sie ist moderner geworden in den letzten Jahren, auch wenn sie noch nicht so durchmechanisiert ackert wie in den alten EU-Ländern. Mancherorts in den Dörfern prallen nun Welten aufeinander: Hier der Agrarunternehmer mit seinen modernen Traktoren, nebenan auf einem handtuchschmalen Acker geht der Bauer hinter dem Pferdepflug her, und beim Lesen der Kartoffeln im Herbst hilft die ganze Familie mit.

Die durchschnittliche Größe eines Bauernhofs in Polen liegt bei 7 ha. Das ist zu wenig, um damit etwas anderes als bloße Subsistenzwirtschaft zu betreiben: So leben die meisten Bauern von dem, was sie anbauen, und bringen die Überschüsse auf den nächsten Wochenmarkt oder zu den staatlichen Abnahmestellen.

Rund um die Masurischen Seen versuchen immer mehr Bauern in der sogenannten agroturystyka ein Zubrot zu verdienen, modernisieren ihre Bauernhäuser grundlegend oder bauen Häuschen am See, kaufen Boote und Räder für ihre Gäste.

Bernstein

Der im Straßenhandel und in exklusiven Galerien angebotene Bernsteinschmuck lässt kaum vermuten, dass Polen rund 250 t Rohbernstein jährlich verarbeitet, etwa 85 Prozent des Schmucks ins Ausland exportiert und damit über 300 Mio. US-Dollar im Jahr verdient. Der polnische Bernsteinexport macht fast 60 Prozent des weltweiten Handels mit dem „Gold der Ostsee“ aus. Allerdings werden in Polen selbst jährlich nur rund 3-7 t Bernstein gesammelt. Der größte Teil des Rohbernsteins stammt aus der benachbarten russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg), wo das fossile Baumharz in so großen Vorkommen lagert, dass es sogar im Tagebau gefördert wird. Die Russen haben den Rohstoff, doch die Polen sind Meister in der Verarbeitung von bursztyn, wie der Bernstein auf Polnisch heißt.

Kirche

Masuren war lange Zeit eine Hochburg der evangelischen Kirche. Als der Staat der Ordensritter 1525 weltlich wurde, übernahmen auch die polnischen Untertanen des Herzogtums Preußen den Protestantismus und bildeten eine spezifische Frömmigkeit aus, zu der auch abergläubische und slawische Bräuche zählten. Die katholische Kirche besetzte nach 1945 einen Großteil der evangelischen Kirchen in Masuren, da diese aus Mangel an Gläubigen leer standen, die letzten fünf noch 1981. Die Protestanten mussten in Friedhofskapellen ausweichen und hielten ihre Andachten immer öfter auch in Privathäusern ab, da die neuen evangelischen Pastoren die Gottesdienste nur auf Polnisch abhielten. Heute ist wie überall in Polen die katholische Kirche in Masuren vorherrschend. Der sonntägliche Kirchgang ist fester Brauch, auch Pilgerzüge sieht man durch Wiesen und Felder ziehen. Allerdings hat die Kirche in den letzten Jahren viel an Einfluss verloren.

Minderheiten

In kaum einer Gegend Polens leben so viele Minderheiten zusammen wie in Masuren: Deutsche, Litauer, Weißrussen, Ukrainer und Russen. Von den Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem in den größeren Städten wohnten, hat kaum jemand überlebt. In manchen Städten, wie in Szczytno (Ortelsburg), wird seit einigen Jahren der jüdische Friedhof wieder instand gesetzt und gepflegt. Doch das Bewusstsein, dass es auch dieses Kulturerbe zu erhalten gilt, wächst erst langsam. Immerhin trauen sich die nationalen Minderheiten aber inzwischen, sich auch öffentlich zu ihrer Kultur zu bekennen und sie wieder zu pflegen.

Philipponen

Mit den Reformen des russischen Patriarchen Niko begannen im 17. Jh. Veränderungen, die die orthodoxe Kirche in erbittertem Streit spalteten. Die Raskolniki (Altgläubigen), auch Philipponen genannt, waren scharfe Gegner jeglicher Neuerungen. Von der reformierten Staatskirche verfolgt, flohen sie in entlegene Gebiete, etwa nach Sibirien, und Anfang des 19. Jhs. auch nach Polen. Die ersten Siedlungen der Philipponen in Polen entstanden im damals zu Polen gehörenden Wilna und dem heutigen Masuren. Sie lebten weitab der Städte in den Wäldern. König Friedrich Wilhelm III. überließ ihnen ein großes Stück der Johannisburger Heide zur Ansiedlung.

Seen

Wie viele Seen Masuren wirklich besitzt, weiß wohl niemand genau. Zwar zählte schon 1880 ein Königsberger Schulmeister namens Benecke nach und kam auf 3000. Es sollen aber viel mehr sein, wobei das Problem in Masuren schon mit einer simplen Frage beginnt: Was ist noch Teich und was schon See?

Geologisch ist die masurische Seenlandschaft wie auch die Seenplatte Mecklenburg-Vorpommerns ein Kind der Eiszeit. Gigantische Gletscher schoben sich in mehreren Kälteperioden aus Nordeuropa heran und schoben dabei so gewaltige Geröll- und Schuttmassen vor sich her, dass nach dem Abtauen des Eises, zuletzt vor 12000 Jahren, bis zu 300 m aufragende Hügelketten zurückblieben. Zwischen diesen Moränen bildete das Schmelzwasser zahllose Seen - manche weit und flach wie Schüsseln, andere als schmale, tiefe Rinnen. Ein solcher Rinnensee ist der Jezioro Hancza bei Suwałki, mit 108 m einer der tiefsten Seen Europas. Die größte Ausdehnung hat mit 114 km² der Jezioro Śniardwy, der Spirdingsee.

Störche

Masuren ist ein Storchenland. Kaum ein Dorf, in dem nicht mindestens ein Hausdach ein Nest trägt, doch auch auf Schornsteinen, Telegrafenmasten und Bäumen nisten die Störche gern, ihr Schnabelklappern gehört zur masurischen Landschaft wie der blau-weiße Sommerhimmel. Alljährlich Ende März wird die Ankunft von „Wojtek“, wie Adebar hier heißt, freudig erwartet. Nirgends in Europa nisten so viele Weißstörche wie im einstigen Ostpreußen. Man schätzt die Zahl auf 4500-5000 Paare, davon die Hälfte in Masuren, wo es vor allem nahe der russischen Grenze nordöstlich von Bartoszyce richtige „Storchendörfer“ gibt, allen voran Zywkowo (Schewecken): Das Dörfchen hat nur ein Dutzend Häuser, aber 42 Storchennester. Im Hochsommer kann man auf den Feldern Versammlungen von oft über hundert Adebars beobachten. Dann aber ist der masurische Storchensommer auch schon bald wieder vorbei: Ende August ziehen die Vögel in Richtung Afrika ab.

Trakehner

Nur wenige Pferderassen sind so legendenumwoben wie die Trakehner Ostpreußens, ausdauernde Warmblüter mit eingekreuztem arabischem und englischem Vollblut. In Rastenburg (Kętrzyn) bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine der bedeutendsten Trakehner-Hengststationen. Diese Pferde eigneten sich nicht nur für die Kavallerie - Preußens „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. hatte speziell zur Zucht von Militärpferden das Trakehner-Hauptgestüt östlich von Königsberg gegründet -, sondern auch für die Landarbeit und den Reitsport. Ihr Brandzeichen war die siebenzackige Elchschaufel. Nach dem Krieg begann Jacek Paczyński im ermländischen Liski-Judyty (Juditten) mit einigen Trakehnerstuten eine neue Trakehnerzucht. Heute befindet sich hier Polens bedeutendste Pferdezucht mit zurzeit knapp 300 Pferden.

Umwelt

Dass Masuren auch heute noch wie zu Ostpreußens Zeiten das „Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen“ genannt werden kann, verdankt es der fehlenden Schwerindustrie. Es gibt mehrere Naturschutzparks, Reservate und Vogelschutzgebiete, wo sich Höckerschwäne, Kormorane, Kraniche und Seeadler zu Hause fühlen. In der Puszcza Piska (Johannisburger Heide) und der Puszcza Borecka (Borkener Forst), der auch Borker Urwald genannt wird und Polens zweitgrößtes Waldgebiet darstellt, kann man nicht nur herrlich spazieren gehen, sondern auch viele Tiere (Wisente, Hirsche, Wölfe) in freier Wildbahn sehen. Seit der politischen Wende von 1990 ist auch viel für die Wasserqualität der Flüsse und Seen getan worden. Im ganzen Land - nicht nur in Masuren - wurden Kläranlagen gebaut, sodass das Wasser inzwischen überall klar und sauber ist.