Reisetipps London

Stadtspaziergänge London

Das East End

Die Ausläufer der City of London mit ihren glitzernden Bürotürmen gehen über ins alte East End: Spitalfields, Hoxton, Shoreditch, Whitechapel, wo zu viktorianischen Zeiten der Prostituiertenmörder Jack the Ripper sein Unwesen trieb; in den letzten Jahren haben sich hippe Bars und Clubs zwischen gammeligen Fassaden eingenistet. Heute sehen Sie eher ein neues Spray-Kunstwerk des ironischen Graffiti-Künstlers Banksy (oder einen Beauftragten der Stadtwerke, der es wieder übermalt) oder Brit-Art-Künstler wie Tracy Emin oder den Wahl-Londoner Fotografen und Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans auf dem Weg zum Pub.

Beginnen Sie am Liverpool Street-Bahnhof, einer lichtdurchfluteten Kathedrale der Zugfahrt mit viktorianischen gusseisernen Dachträgern und Palmensäulen. Nehmen Sie den Bishopsgate-Ausgang und wenden Sie sich nach links, entlang Bishopsgate, gesäumt von postmoderner Büroarchitektur. Biegen Sie rechts in die Folgate Street ein und dann wieder rechts in die belebte Commercial Street. Gegenüber den sympathischen Läden, Pubs und Cafés um Spitalfields Market erhebt sich zur Linken Christ Church (1729), das Meisterstück von Nicholas Hawksmoor. Der genialste Schüler von Christopher Wren war eine rätselhafte Persönlichkeit mit einer Vorliebe für heidnische Symbole, Pyramiden und Obelisken. Bilden seine Londoner Kirchen tatsächlich ein Pentagramm, wie manche glauben, verbunden durch unsichtbare psycho-geometrische Kräfte? (Mo-Fr 11-16, So 13 bis 16 Uhr, Führung Di 12 Uhr | www.christchurchspitalfields.org). Kurz vor der Kirche biegen Sie nach links in die Fournier Street, um darauf auf die berühmte Brick Lane zu stoßen. Im 18. Jh. lebten hier hugenottische Seidenweber, dann jüdische und später bengalische Textilarbeiter. Heute drängen sich in „Banglatown“ mit seinen Straßenschildern in Bengali Curryrestaurants, Sari-Läden und bengalische Süßigkeiten-Shops. Etwa 60000 Bangladeshis leben in dieser Gegend, oft noch in der Textilindustrie beschäftigt. Nr. 59, an der Ecke Fournier St/Brick Lane, ist eines der symbolträchtigsten Gebäude des East Ends: früher hugenottische Kirche, dann methodistische Kapelle, Synagoge und seit Mitte der Siebzigerjahre Moschee. Die Sonnenuhr unter dem Giebel trägt das lateinische Motto Umbra sumus („Wir sind Schatten“). Auffallend ist der hohe Anteil an Männern in der Straße; in der Bangladeshi-Community sind viele Frauen isoliert; ohne Sprachkenntnisse ist die Integration schwierig. Dass es auch anders geht, können Sie in dem von Frauen geleiteten Curryrestaurant Invitation sehen, in der nächsten Querstraße (49 Hanbury St | Tel. 72475656 | €). Hier werden auch Kochkurse angeboten. Je weiter nördlich Sie vorstoßen, desto hipper wird die Brick Lane, mit ihrem Epizentrum Old Truman Brewery, mit trendigen Läden und Bars. Stöbern Sie in den schrägen Designerboutiquen und dem riesigen Vintage-Klamottentempel Beyond Retro in der Cheshire Street (110-112 | www.beyondretro.com). Über Sclater Street und Bethnal Green Road erreichen Sie dann die Shoreditch High Street; überqueren Sie sie und gehen Sie ein Stück auf der Great Eastern Street entlang, bevor Sie rechts in die Curtain Road einbiegen. Hier finden sich oft ironische Graffiti von Banksy und Werke anderer Spraykünstler. Wenn Sie auf die Old Street stoßen, wenden Sie sich ein paar Meter nach rechts und legen vielleicht eine Pause in dem Deli-Café Shoreditch Food Hall ein. Schräg gegenüber führt ein kleines Sträßchen zur kleinen, aber berühmten Grünfläche des Hoxton Square. Die White Cube Gallerie (www.whitecube.com) ist eine Drehscheibe der aktuellen britischen und internationalen Kunst, umgeben von Bars, Restaurants und Lounges. Folgen Sie der breiten Old Street zum Endpunkt dieses Spaziergangs, der U-Bahnstation Old Street (Northern Line).

Kultur, Kathedralen und Kulinarisches entlang der Themse

Einer der schönsten Spaziergänge Londons führt von West nach Ost die Themse entlang und erschließt Ihnen in 2-2½ Stunden das Uferpanorama - tagsüber so schön wie abends. London nahm seinen Anfang am Nordufer der Themse; das Südufer blieb über Jahrhunderte der schäbigere Verwandte. Dann gab der Umbau eines ehemaligen Kraftwerks in den Tate-Modern-Kunsttempel der Regenerierung Süd-Londons neue Impulse.

Beginnen Sie bei der U-Bahn-Station Westminster. Das ungewöhnliche Gebäude mit der vertikalen schwarzen Bänderung zu Ihrer Linken neben Westminster Bridge steht in seltsamem Kontrast zum Ensemble der Houses of Parliament. In Portcullis House (1999) haben Parlamentsabgeordnete ihre Büros: ökologisch wertvoll wegen energiesparender Bauweise, ästhetisch eher fragwürdig. Von Westminster Bridge aus haben Sie einen weiten Blick auf die Themse. William Wordsworth verfasste Anafang des 19. Jhs. ein berühmtes Gedicht zum Thema. Das backsteinrot und weiß gebänderte Gebäude mit Türmchen und Erkern am Nordufer war bis 1967 das Hauptquartier von New Scotland Yard, der Polizeiabteilung für die härtesten Fälle. Am Ende der Brücke wenden Sie sich nach links hinunter zum Ufer. Die Löwenfigur ist aus Coade Stone; die komplizierte Rezeptur für diesen beliebten künstlichen Stein ging im 19. Jh. verloren. Der massive edwardianische Komplex am Ufer beherbergte früher die Londoner Stadtregierung, heute das London Aquarium und Dalí-Universe mit Exponaten des spanischen Surrealisten. Von hier, unter den riesigen Vertäuungen des London Eye, sieht man die Passagiere in den Kapseln des Riesenrads vorüberziehen. Weiter am Ufer entlang kreuzen die Kulturtouristen auf der rundum erneuerten Hungerford Bridge die Themse für das Kulturzentrum South Bank Centre, eine Betonburg aus den 1950er-Jahren, mit Royal Festival Hall, Nationaltheater und Filmtheater und der Hayward Gallery. Im Sommer finden Sie draußen oft Unterhaltungskünstler und Gratisevents. Wenn Sie einen Blick hinüberwerfen zum Nordufer, sehen Sie Londons ältestes Baudenkmal, Cleopatra's Needle (ca. 1450 v. Chr.). 1878 wurde dieser Granitobelisk - der mit Kleopatra außer seiner ägyptischen Herkunft nichts zu tun hat - nach einem ereignisreichen Seetransport am Themseufer aufgestellt. Rechter Hand leuchtet der OXO-Schriftzug des OXO Tower abends neonrot. Mit dem Trick, ihr Logo in den Backsteinturm zu stanzen, umging die Suppenwürfelfirma ein Werbeverbot. Die Aussichtsplattform im 8. Stock ist frei zugänglich, und Oxo Tower Wharf hat viele interessante Läden und die neue Brasserie | tamesa@oxo (Tel. 76330088 | €€). Am Ufer entlang bewegt sich ein stetiger Menschenstrom auf den mächtigen Backsteinturm der Tate Modern und die Millennium Bridge zu. Ein paar Schritte weiter wurde das Fachwerkachteck von Shakespeare's Globe Theatre nur 180 m von seinem ursprünglichen Standort detailgetreu wiederaufgebaut. Shakespeare kannte die Gegend gut; hier standen die Theater, die Bärenkampf-Ringe, die Bordelle. Heute ist das Viertel im Aufschwung. Folgen Sie Clink Street und Cathedral Street zur bezaubernden Southwark Cathedral. In dieser ältesten gotischen Kirche Londons trafen sich die Passagiere und die Besatzung der „Mayflower“ vor ihrer historischen Überfahrt nach Amerika. Ein Alabastermonument (1912) gedenkt William Shakespeares, vor einem Buntglasfenster mit Figuren aus seinen Werken. Folgen Sie weiter Cathedral Street und probieren Sie sich auf dem Borough Market durch die Gourmet-Foodstände. Vielleicht begegnen Sie ja Jamie Oliver! Bei schlechtem Wetter biegen Sie rechts in die Borough High Street ein und beenden Ihren Gang im historischen George Inn-Pub, einer ehemaligen Postkutschenstation des 17. Jhs.

Ein Spaziergang nicht nur für Sonntags

Londons Parks sind beliebt für Picknicks, Inlineskating, Jogging und Sonnenbaden. Vier davon durchmisst dieser ca. dreistündige Spaziergang.

Wenden Sie sich von der U-Bahnstation Westminster nach rechts und folgen Sie Bridge Street von der Themse weg. Biegen Sie rechts in Whitehall ein und links in King Charles Street, flankiert von Verwaltungsgebäuden. Wenn Sie die Horse Guards Road überqueren, betreten Sie St James's Park. Rechter Hand grüßt über die Baumwipfel die Bronzestatue von der Granitsäule der Duke of York Column. Ihre luftige Höhe führte zu Scherzen, der Herzog (1763 bis 1827) versuche den Gläubigern zu entkommen - bei seinem Tod war er mit £2 Mio. verschuldet. Im Norden wird der Park begrenzt von St James's, dem Viertel der gentlemen's clubs. Im Teich leben viele Wasservögel. Von der Brücke haben Sie einen tollen Blick auf Buckingham Palace.

Wenden Sie sich nach links und folgen Sie dem Teich, bis vor dem Victoria Memorial ein Fußweg rechts abgeht. Wenn Sie The Mall überqueren, sind Sie im Green Park, einer weiten Rasenfläche mit weniger Baumbestand und einer Geschichte als Leprafriedhof, Jagdgrund und Gemüse- garten im Zweiten Weltkrieg. Folgen Sie einem der parallel zu Constitution Hill verlaufenden Pfade bis Hyde Park Corner; durch die Unterführung erreichen Sie Wellington Arch. Dieser Triumphbogen beherbergte früher die kleinste Polizeistation Londons; heute können Sie von oben die Aussicht genießen, u.a. auf das um 1775 entworfene Apsley House mit der wunderbaren Adresse „London No 1“ - für das erste Haus hinter der Londoner Zollschranke. Hier lebte der Duke of Wellington von 1817 bis zu seinem Tod 1852. Der Name des „eisernen Herzogs“ und einstweiligen Premierministers lebt fort in Beef Wellington (im Blätterteigmantel) und wellingtons (oder wellies, Gummistiefel). Durch das silberfiligrane Queen Elizabeth Gate hinter Apsley House betreten Sie Hyde Park: 145ha sanft gewellter Rasenflächen mit alten Baumgruppen, Blumenrabatten und Skulpturen. Folgen Sie Lovers' Walk an der Achilles-Statue vorbei Richtung Speakers' Corner. Halten Sie sich links, und überqueren Sie Hyde Park Richtung Serpentine-See. Von hier geht's am Wasser entlang, vorbei an der Serpentine Bridge. Das wassergefüllte Granitoval über der Brücke ist die Diana, Princess of Wales Memorial Fountain. Seit über 100 Jahren findet im Serpentine-See am ersten Weihnachtstag ein Wettschwimmen um den Peter-Pan-Cup statt, einst präsentiert von J. M. Barrie (1860 bis 1937), dem Autor der berühmten Geschichte des kleinen Jungen, der nicht erwachsen wurde. Sie erreichen die zierliche Statue von Peter Pan, wenn Sie den Serpentine-See umrunden; hier geht Hyde Park in Kensington Gardens über. Folgen Sie dem Fußweg Richtung Serpentine Gallery; wenn Sie rechts in Flower Walk einbiegen, sehen Sie das Albert Memorial zu Ihrer Linken. Biegen Sie rechts in Dial Walk ein - Kensington Palace liegt zu Ihrer Linken -, und gönnen Sie sich einen Afternoon Tea im Orangery-Parkcafé. Neu: in Cornwall angebauter englischer Tee!