Reisetipps Kopenhagen

Auftakt Kopenhagen Was für eine Stadt!

Kopenhagen ist die Kleine unter Europas Hauptstädten. Mit ihren beiden Wahrzeichen, der verträumten Kleinen Meerjungfrau und der gigantischen neuen Oper, ist sie märchenhaft und modern zugleich. Schlendern Sie durch Gassen, gesäumt von bunten Fachwerkhäusern. In den Vierteln links und rechts der Strøget, Kopenhagens Shoppingmeile, zeigt die Stadt ihr internationales wie majestätisches Gesicht. Hier können Sie spüren, warum sich die Dänen für ein glückliches Volk halten. Entdecken Sie die vergnügte Gelassenheit der Kopenhagener und die Geborgenheit, die ihre kleine Hauptstadt ausstrahlt.

Kopenhagen, eine Metropole? Nun, sie ist die Hauptstadt eines Königreichs - des ältesten der Welt. Kopenhagen war 1996 Kulturhauptstadt, ist Ort internationaler Konferenzen - und seit 2001 fahren die Kopenhagener Metro. Ihre U-Bahn zählt zu den modernsten der Welt.

Egal, was Sie in Kopenhagen entdecken, irgendwann und immer wieder werden Sie vom Strom der Strøget mitgerissen. Ob Sie Freund und Familie vor der Kleinen Meerjungfrau fotografieren, an den Kais des mittelalterlichen Hafens Nyhavn entlangschlendern, dem Marsch der königlichen Leibwache mit ihren Bärenfellmützen durch die Stadt folgen oder im Tivoli Karussell fahren - an Europas erster autofreier Fußgängerzone, der Strøget, kommen Sie nicht vorbei.

In dieser Flaniermeile hat Kopenhagen den Flair einer Metropole: Menschen aus allen Kontinenten und Ländern schlendern an Souvenirläden und Kaufhäusern vorbei, amüsieren sich über Straßenkünstler, skurrile Geschäfte, gehen in Cafés, Fastfoodläden und feine Boutiquen. Auf deren Tüten und Taschen wird Kopenhagen gern eingereiht zwischen Rom, Paris, London, Berlin, New York, Rio und Tokio.

Doch Kopenhagen ist anders. Einem Vergleich mit diesen Millionenstädten kann die Hauptstadt des kleinen Königreichs nicht standhalten. Mit einer Gesamtausdehnung von 90 km² passt Kopenhagen zehnmal auf die Grundfläche Berlins. Im eigentlichen Kopenhagen leben nur 50000 Menschen, in Großkopenhagen mit all seinen Vororten sind es 1,7 Millionen, ein Viertel der Bewohner von London.

Nein, Kopenhagen ist nicht Mega, lockt nicht mit Größe. Im Gegenteil: Kopenhagen ist die Kleine unter den Großen. In keiner anderen Hauptstadt wird sich ein Fremder so leicht zurechtfinden. Sie werden sich nicht verlaufen oder gar verlieren. Ein Blick auf den Stadtplan zeigt: Das Straßennetz zeugt noch immer von der Form einer Festung. In den vergangenen Jahrhunderten haben Schanzwälle die Stadt im Westen begrenzt und die Kopenhagener vor Feinden geschützt. Heute sind es mehrspurige Boulevards, die sich wie ein Ring um das Herz der Stadt legen. Deshalb ist es in der Innenstadt so eng wie einst, und deshalb ist das Zentrum nahezu autofrei.

Hier, wo heute das Folketing, das dänische Parlament, seinen Sitz im Schloss Christiansborg hat, baute im Jahr 1167 Bischof Absalon von Roskilde eine Burg, die den Havn (Hafen) der Insel Strandholmen - heute Slotsholmen - vor Piraten schützen sollte. Die Ruine der Absalonburg kann übrigens heute noch unter Schloss Christiansborg besichtigt werden. Havn war bis dahin ein kleiner, unbedeutender Fischerei- und Fährhafen an der Ostküste der Insel Seeland. Das sollte sich schnell ändern, denn die Siedlung am Øresund galt als Knotenpunkt wichtiger Seehandelswege und entwickelte sich zu einem blühenden Handelsplatz. Dem Namen Havn stellten die Bewohner ein Køpmandens (Kaufmann) voran. Zur Zeit der Hanse, im 14. und 15. Jh., bekam die Stadt der Kaufmänner dann ihren endgültigen Namen: København.

Bummeln Sie entlang farbiger Hausfassaden durch die altertümlichen Gassen, wagen Sie womöglich einen Blick durch die Sprossenfenster ins Innere der Häuser, oder gönnen Sie sich auf einem Platz eine Pause. Dann werden Sie sie spüren: die Gelassenheit der Kopenhagener und die Geborgenheit, die die Kleine unter den Großen ausstrahlt.

Wenn Metropolen pulsieren, dann ist Kopenhagen die mit einem spürbaren Ruhepuls. Grund dafür mag die Enge der Stadt sein. Waren doch die Kopenhagener seit jeher gezwungen, zusammenzurücken. Zur Zeit des Dichters Hans Christian Andersen - er kam 1819 nach Kopenhagen - war die Stadt innerhalb der Wälle hoffnungslos überbevölkert. Auf einer Fläche von 2 km² lebten damals 120000 Menschen, heute sind es nur noch 30000. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, die Sterblichkeitsrate war hoch. Wurde die dänische Landbevölkerung durchschnittlich 50 Jahre alt, erreichte ein Kopenhagener gerade mal 35 Jahre Lebenszeit. Mit der Industrialisierung im 19. Jh. zog es dann die Landbevölkerung in die Hauptstadt. Von 1850 bis 1900 verdreifachte sich die Einwohnerzahl von 140000 auf 400000. Um Platz zu schaffen, wurden die Stadttore eingerissen und die Befestigungsanlagen geschleift. Vor der Stadt entstanden die Arbeiterquartiere Nørrebro und Vesterbro.

Wollen Sie hinter die Kulissen Kopenhagens gucken, müssen Sie raus aus dem heute romantisch anmutenden Zentrum. Jenseits der Wallstraßen Vester Voldgade, Nørre Voldgade und Øster Voldgade hat Kopenhagen keine Postkartenmotive. Hier findet das alltägliche Leben der Kopenhagener statt - und genau das macht seinen Reiz aus. Zwar ist die Stadt dort auch mal grau und trist, hier haben sich aber auch die Wohnviertel Nørrebro und Vesterbro mit ihren vielen Restaurants und Läden zu Szenevierteln entwickelt.

In jedem Viertel Kopenhagens werden Sie einen Platz mit mindestens zwei Cafés oder Bars finden. Klart der Himmel auf, stehen sofort Tische und Stühle auf der Straße, Wolldecken liegen bereit. Egal wie kalt es auch sein mag, sobald die ersten Sonnenstrahlen im Jahr ein wenig Wärme versprechen, zieht es die Kopenhagener nach draußen. Dann fällt eins besonders auf: Kinder gehören in Kopenhagen dazu. Überall wird für die Kleinen gesorgt. Im Restaurant steht der Hochstuhl bereit, bei Bank und Post gibt es eine Legoecke, und in kaum einer öffentlichen Toilette fehlt der Wickeltisch. Mit Kind? Diese Frage stellt sich für die Kopenhagener nicht. Kinder werden selbstverständlich mitgenommen. Wo kein Platz ist, wird Platz geschaffen, wird der Buggy zwischen Bistrotische geschoben.

Wie viel Euro sind …? Ob im Hotel, Restaurant oder im Bus, Kopenhagenbesucher müssen ständig umrechnen. Denn die Dänen votierten im Jahr 2000 gegen die Einführung der gesamteuropäischen Währung. Sie sorgten sich um ihre Unabhängigkeit und befürchteten wirtschaftliche Nachteile. So bleibt es vorerst dabei: Es wird mit der Krone bezahlt. Und die hat es in sich! Dem Kopfrechnen vor Schaufenstern und Speisekarten folgt immer der Schreck: Ist das teuer! Geht es ums Preisniveau, muss die Kleine den Vergleich nicht scheuen. Kopenhagen gehört zu den teuersten Städten Europas, vielleicht ist sie sogar auf Platz eins.

Kopenhagen, eine Metropole? Mit dem Bau der Øresundbrücke, der festen Anbindung Schwedens an Europa, ist die dänische Hauptstadt zur Drehscheibe Nordeuropas geworden. Auch wenn die Stadt boomt, halten es die Kopenhagener lieber mit dem Understatement. Sie geben nicht an, sondern sind eher bescheiden, sie sind lieber leise statt laut und beschaulich statt hektisch. Sie stellen sich nicht zur Schau. In den Straßen leuchten verchromte Halogenlampen neben schmiedeeisernen Kandelabern, Glasfassaden grenzen an farbenfrohe Fachwerkhäuser, ein Pferdegespann der Leibwache ihrer Majestät trabt vorbei an futuristischen Metrostationen, und das Volk jubelt, wenn die königliche Familie von ihrem Balkon winkt. Entdecken Sie diese Atmosphäre aus Märchen und Moderne!