Reisetipps Karibik - Kleine Antillen

Stichworte Karibik - Kleine Antillen

Architektur

Die Kolonialherren haben ihre Siedlungen mit Kathedralen, Palästen und prächtigen Bürgerhäusern so geschmückt, wie sie es von den Städten zu Hause gewohnt waren. Vieles von dem, was sie errichteten, fiel jedoch den Tücken des Klimas, Feuersbrünsten, Kriegen und Stürmen zum Opfer. Stein war ein seltener Baustoff, der oft durch Holz ersetzt wurde, das schneller verrottet. Daher gibt es nicht so viele Baudenkmäler auf den Kleinen Antillen wie in den europäischen Mutterländern. Dennoch kann man manches Kleinod finden. Besonders interessant sind die alten Herrenhäuser der Plantagen, die so genannten Great Houses, die noch den Wohlstand ihrer ehemaligen Besitzer erkennen lassen. An ihnen lässt sich ebenso wie an den farbenfrohen kleinen Häuschen der weniger Betuchten erkennen, wie die Architektur an die Gegebenheiten des Klimas angepasst wurde. Umlaufende, überdachte Veranden schützen die im Inneren gelegenen Räume vor Sonneneinstrahlung, lassen aber durch die zahlreichen, meist mit Jalousien statt mit Glasscheiben versehenen Fenster jeder kleinen Brise die Möglichkeit, kühlend durchs Haus zu streichen. Ob der Architekt eines modernen Hotels gut war, lässt sich oft daran erkennen, inwieweit er diesen bewährten Baumustern gefolgt ist.

Cristobal Colón

Christoph Kolumbus war der erste europäische Tourist in der Karibik. Heute weiß jeder Lokalpatriot auf den Antillen zu berichten, wann und auf welcher seiner Reisen Colón (so die spanische Version seines Namens) die Inseln gesichtet oder gar entdeckt hat. Historisch gesichert sind die vermeintlichen Fakten keineswegs, denn das Bordbuch, die Augenzeugenberichte und die Karten des Entdeckerzeitalters stellen keine zuverlässigen Quellen dar. Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht so wichtig...

Flora und Fauna

Viele Inseln der Antillen sind Paradiese für Naturkundler. Ob Sie nun an Vögeln oder Reptilien, an Orchideen oder Kakteen interessiert sind, hier finden Sie fast immer seltene endemische, also nur in begrenzten Gebieten auftretende Arten. Oft sind sie leider - wie die schönen Papageien von St. Vincent, St. Lucia oder Dominica - akut vom Aussterben bedroht, da Wilderer seit Jahrzehnten die Bestände verringern, um die Nachfrage europäischer und nordamerikanischer „Liebhaber“ zu befriedigen. Mit einem ortskundigen Führer können Sie jedoch hoffen, im frühen Morgengrauen eines dieser Urwaldjuwelen zu erblicken.

Die Vielfalt der Arten im Pflanzen- wie im Tierreich ist bemerkenswert. Eine Ausnahme bilden nur die Säugetiere. Es gibt nur sehr wenige, kleine Arten auf den Inseln, Mungos z.B. oder das Nagetier Aguti. Auf Barbados und St. Kitts leben auch Affen. Die Welt der Reptilien hat ein paar besonders schöne Exemplare zu bieten, sehr große Leguane und Schlangen wie z.B. die Boa constrictor - Giftschlangen sind jedoch selten. Auf Wanderungen im Regenwald kann man mit etwas Glück auch bunte Schmetterlinge oder nicht minder farbenfrohe Käfer beobachten. Während einer Regenwaldwanderung wird der Pflanzenfreund vor Neid erblassen: All das, was in gemäßigtem Klima mit sorgfältiger Pflege im Blumenfenster oder im Gewächshaus mühsam am Leben erhalten wird, wächst hier in kraftstrotzender, wuchernder und farbiger Fülle: Philodendren, Palmen, Baumfarne und Bromelien, Orchideen und Farne, Bananen, Drachenbäume, Bambus und viele Pflanzen mehr.

Vor den Küsten der Inseln erstreckt sich ein weitläufiges Unterwasserreich, das lohnt, vorsichtig erforscht zu werden. Eine Taucherausrüstung ist nicht unbedingt erforderlich, denn Fische und Korallen lassen sich mit Schnorchel und Brille, mitunter schon mit bloßem Auge vom Boot aus beobachten.

Einige Inseln sind für Naturbegeisterte besonders zu empfehlen. Am schönsten ist Dominica mit seinen ausgedehnten Regenwäldern, seinen malerischen Wasserfällen und Tauchrevieren vor der Küste. Auf Guadeloupe befindet sich der Vulkan La Soufrière in einem großen Nationalpark. St. Lucia hat neben schönen Regenwäldern und den Piton-Bergen ebenfalls einen Vulkan zu bieten, in dessen Krater Sie (nicht ganz) mit dem Auto fahren können - ein so genannter „Drive-In-Vulcano“.

Auf anderen Inseln ist das Angebot nicht ganz so reichhaltig, aber fast immer findet sich eine kleine Schlucht mit epiphytenbewachsenen Bäumen, ein kleiner Nationalpark oder wenigstens ein botanischer Garten.

Hurrikan

Nicht jede hurricane-season beschert den Kleinen Antillen einen Tropensturm. Nicht jeder Hurrikan, der eine der Inseln berührt, richtet größere Schäden an. Stürme, die mehrere Inseln in Mitleidenschaft ziehen, sind sogar die Ausnahme. Dazu gehörten indes die Hurrikane Louis und Marylin, die 1995 im Abstand von nur zehn Tagen über die nördliche Karibik fegten und vor allem auf Sint Maarten und St. Thomas erhebliche Schäden hinterließen. Der letzte große Sturm, Ivan, wütete 2004 besonders auf Grenada. Seine Spuren sind aber größtenteils beseitigt.

Indianer

Die Ureinwohner der Kleinen und Großen Antillen waren Indianer. Zuerst kamen die Arawaken aus dem Orinoko-Gebiet (Südamerika) und besiedelten in der Zeit von Christi Geburt bis zur Ankunft der Europäer die Karibik von Süden nach Norden. Sie waren friedliebende Bauern und Fischer, die auf vielen Inseln von den später nachströmenden, kriegerischen Kariben verdrängt wurden. Weder die Arawak-Stämme noch die Kariben konnten sich gegen die Spanier zur Wehr setzen. Sie fielen der Zwangsarbeit in den Minen, den eingeschleppten Krankheiten und dem systematischen Völkermord der Kolonialherren zum Opfer. Heute gibt es nur noch auf wenigen Inseln nennenswerte Bevölkerungsgruppen, in deren Adern indianisches Blut fließt.

Kannibalen

Es ist leicht zu erkennen, dass der Name „Karibik“ für die gesamte Region auf seine ursprünglichen Bewohner zurückgeht, die Kariben (dass sie keineswegs die ersten Siedler dieser Gegend waren, wird mit der Namensgebung schlicht unterschlagen). Weniger leicht erkennbar ist jedoch, dass sich auch der europäische Begriff für Menschenfresserei vom Namen der Kariben ableitet: Die Kariben waren Kannibalen. So behaupteten es wenigstens die ersten spanischen Siedler und Eroberer der Inseln, die damit einen guten Grund zu haben glaubten, sich der lästigen Ureinwohner zu entledigen. In der Wissenschaft sind diese Berichte der Spanier indes umstritten.

Nelson

Horatio Nelson (1758-1805), der Sieger der Schlacht von Trafalgar, lernte sein Handwerk als Seemann in der Karibik. Doch der junge Offizier zeichnete sich nicht nur als umsichtiger Befehlshaber der britischen Karibikflotte aus, er war auch in seinen Privatangelegenheiten ein vorausplanender Mensch - wenn auch nicht immer mit Erfolg. Auf der Insel Nevis lernte er die junge Witwe Nisbet kennen, die im Ruf stand, eine sehr gute Partie zu sein. Nach der Hochzeit musste Nelson erkennen, dass ihr Wohlstand bei weitem nicht so groß war, wie er angenommen hatte, sodass ihm die erhoffte Sicherung eines standesgemäßen Lebensstils doch nicht gelungen war.

Piraten

Die Freibeuter, Piraten und Bukaniere waren im 16., 17. und 18. Jh. die wahren Herren der Karibischen See. Besonders die mit reichen Gold- und Silberschätzen aus der Neuen Welt beladenen spanischen Galeonen waren eine willkommene und oft auch leichte Beute. Henry Morgan, Blackbeard und all die anderen verwegenen Gesellen schreckten auch keineswegs davor zurück, selbst gut befestigte Städte auf den Inseln zu überfallen und auszuplündern. Ein Ende nahm das Piratenunwesen erst, als die europäischen Großmächte davon abließen, diese undisziplinierten und unberechenbaren Banden als Hilfstruppen in den Stellvertreterkriegen einzusetzen, die sie in der Karibik untereinander ausfochten.

Rum

Mit Bedacht genossen, gehört Rum zu den kulinarischen Höhepunkten eines Karibik-Aufenthalts. Das aus Melasse (ein Abfallprodukt, das beim Pressen des Zuckerrohrs anfällt) hergestellte Getränk ist das letzte Zeugnis der ehemaligen Herrschaft des Zuckers auf den Inseln. Noch heute hat fast jede der Kleinen Antillen ihre eigene Marke, oft sogar mehrere, sodass man sich schwer tut, seinen persönlichen Favoriten zu küren.

Vulkane

Die Karibik ist eine geologisch unruhige Zone. Viele Vulkane sind nicht erloschen, sondern nur inaktiv. Große Schäden hinterließ der Vulkanausbruch auf Montserrat: 1995-97 zerstörten mehrere Eruptionen Teile der Insel und die Hauptstadt Plymouth. Die meisten der inaktiven Vulkane haben markierte Wege, sodass auch weniger trainierte Besucher sie begehen können. Besonders empfehlenswert ist eine Besichtigung auf Dominica, Guadeloupe, Martinique, St. Vincent und St. Lucia.

Zucker

Der Zucker regierte für lange Zeit das Leben auf den Kleinen Antillen. Die Inhaber der großen Plantagen bestimmten das politische und soziale Leben, obwohl sie oft als absentee landlords in London oder Paris residierten und ihre Besitztümer von Verwaltern führen ließen. Unermesslicher Reichtum und die damit verbundene Macht lagen in den Händen nur weniger Familien - geschaffen von einem Heer afrikanischer Sklaven, die für den Luxus ihrer Herrschaften oft genug ihr Leben lassen mussten. Erst der Anbau von Zuckerrüben in Europa brachte dem Plantagenwesen in der Karibik den Niedergang.