Reisetipps Kalifornien

Stichworte Kalifornien

California Crazy

Schön ist, was gefällt: Nach diesem Motto bauen die Kalifornier am liebsten. Ein typisch kalifornischer Stil entstand erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Diner und Coffeeshops riesige Fenster und kühn hervorkragende Dächer erhielten und drinnen pralle, ketchuprote Sitzbänke, die im grellen Neonlicht glänzten. „Googie“ wurde dieser Stil genannt, und phantasievoll ging es weiter. Das Hamburger-Restaurant in Form eines Hamburgers, die Immobilienfirma Sphinx in einem als Sphinx geformten Haus, ein Dinosauriermuseum in einem riesigen Dinosauriermodell - Kalifornien hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem architektonischen Freistilparadies entwickelt, in das sich nahtlos auch die abenteuerlichen Wohnhäuser aus Redwoodholz einfügen, die sich an der Küste Nordkaliforniens entlangziehen. Der Fachbegriff für die groteskesten Auswüchse: California Crazy.

Kaliforniens Wolkenkratzer übrigens sind alle jüngeren Datums. Erst seitdem erdbebensicher gebaut werden kann, wird hier auch hoch gebaut. Wie hoch, das zeigt die neue Downtown von Los Angeles, die seit etwa zehn Jahren einen Bauboom erlebt.

Erdbeben

Die Westküste sitzt auf dem Ring of Fire, einer Vulkan- und Erdbebenzone rund um den Pazifik. Die Reibung der tektonischen Platten am Rand des Kontinents verursacht ruckartige Bewegungen, die sich als Erdbeben an der Oberfläche bemerkbar machen. Die bisher schwersten Beben an Kaliforniens bekanntester Reibungslinie, dem San-Andreas-Graben, ereigneten sich 1857 in Los Angeles sowie 1906 und 1989 in San Francisco. Mittelschwere Beben verursachten erhebliche Schäden in Long Beach (1933) und im Norden von Los Angeles (1994). Geologen sind der Ansicht, dass die ganz große Katastrophe, The Big One, noch aussteht. Doch Prophezeiungen über den Zeitpunkt lassen sich nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung nicht machen.

Fauna und Flora

Auch wenn Grizzlybär und Kalifornischer Kondor aus der freien Natur verschwunden sind, bietet Kalifornien noch immer vielen bedrohten Tieren Lebensraum. Die Heimat von unter anderem 123 Amphibien und Reptilien, 260 Vogelarten und 27000 verschiedenen Insekten gestattet entlang der Küste den Blick auf Wale, Seelöwen, Seehunde sowie Seeotter. An Land entdeckt man - mit etwas Glück - Wiesel, Luchse, Graufüchse, Waschbären, Elche, in höheren Lagen Bergziegen, Murmeltiere und Schwarzbären.

Die hervorstechenden Pflanzen Kaliforniens sind die Redwoods (mit mehr als 100 m die höchsten Bäume der Welt), Sequoias (Mammutbäume mit bis zu 30 m Umfang die an Masse größten Lebewesen der Welt), Palmen, Kakteen und Yuccapflanzen wie die Joshua Trees, nach denen ein ganzer Nationalpark in Südkalifornien benannt wurde. Wilde Blumen blühen von Frühling bis Herbst in allen Farben. In den Bergen wachsen Begonien, Zwiebeln, Astern und Schafgarben, in der Wüste widerstandsfähige Sträucher wie der Kreosotbusch mit olivgrünen Blättern und gelben Blüten.

Hollywood

Als sich die ersten Filmfirmen in Hollywood niederließen, schufen sie die Bausteine für eine Industrie, die längst weltumspannend über das Kinogeschäft hinausreicht. Das amerikanische Fernsehen begann in den 1950er-Jahren damit, die großen Studiogelände, die in der Stummfilmzeit entstanden waren, als Produktionsstätten für den wachsenden Bedarf an TV-Serien zu nutzen. Heute ist das Fernsehen der größte Zweig der kalifornischen Unterhaltungsindustrie. Durch die wachsende wirtschaftliche Verflechtung von Unternehmen zogen ab Anfang der 1970er-Jahre auch die großen Schallplattenfirmen an die Westküste. Die Bedeutung des Entertainment-Business für Los Angeles lässt sich nicht nur an der jährlichen Verleihung von Oscars, Grammys, Emmys und anderen Auszeichnungen für Unterhaltungskünstler ablesen. Mit mehr als 130000 Beschäftigten und ungezählten Nachwuchstalenten, die auf ihre Chance hoffen, prägt das Showgeschäft den Lebensstil. Sichtbar wird er vor allem an den Superreichen, die sich in Beverly Hills und Malibu, abgeschirmt hinter hohen Mauern, wahre Traumhäuser gebaut haben.

Indianer

Die Ureinwohner Amerikas kamen vor etwa 12000 bis 25000 Jahren über die Beringstraße aus Asien ins Land. Sie lebten westlich der Rocky Mountains verstreut in kleinen Dörfern - insgesamt wohl eine halbe Million Menschen. Da sie keine Schriftsprache und kaum entwickelte Handwerkstechniken besaßen, haben sie außer in Höhlenmalereien und einigen meisterlich geflochtenen Körben, die heute in Museen bewahrt werden, wenig Hinweise auf ihre Kultur hinterlassen. Die ersten Europäer, die per Schiff an Kaliforniens Küsten landeten, wurden freundlich begrüßt. Die Miwoks etwa adelten Sir Francis Drake, als er an Land ging, mit einer Krone aus Federn.

In der Nähe der spanischen Missionen wurden von 1770 an die Küstenstämme durch Krankheiten wie Masern, Windpocken und Syphilis dezimiert. Die aus dem Osten heranrückenden Siedler drängten die Indianer des Inlandes gegen manchen Widerstand zurück. In den Bergen Nordost-Kaliforniens kämpften die Modocs einen mehrjährigen, vergeblichen Guerillakrieg gegen US-Truppen. 1870 waren fast 90 Prozent der Ureinwohner ausgelöscht, die Überlebenden in kleine Reservationen auf minderwertigem Land eingewiesen. Ihre Nachkommen leben noch heute dort, viele - wie die Cahuila bei Palm Springs, die Paiute-Shoshonen in Owens Valley und die Hupa an der Nordküste - sehr zurückgezogen. Zahlreiche der rund 400000 kalifornischen Indianer leben heute aber auch in den Großstädten.

National Parks

Acht der 58 amerikanischen National Parks befinden sich in Kalifornien: Channel Islands, Death Valley, Joshua Tree, Kings Canyon, Lassen Volcanic, Redwood, Sequoia und Yosemite. In diesen Naturschutzgebieten überleben viele der 260 Vogelarten, über 100 Reptilien und Amphibien sowie Wale, Seelöwen, Graufüchse und Schwarzbären, beschützt von einem gewaltigen Heer von Förstern, Rangers genannt. Die Territorien dienen aber nicht nur dem Artenschutz. Sie ermöglichen 20 Mio. Besuchern im Jahr (Gesamt-USA), sich das Wunder Natur und die geologische Entwicklung der Erde aus der Nähe anzuschauen.

Je stärker sich der Naturschutzgedanke durchsetzte, desto mehr Gebiete wurden unter Denkmalschutz gestellt (National Monument), als hegenswertes Waldareal (National Forest) oder als Erholungszonen (National Recreation Area) der privaten Nutzung entzogen. Mit einem America the Beautiful Annual Pass für 80 $ erhalten Passinhaber plus Auto und drei Passagiere freien Eintritt für ein Jahr in allen Parks und anderen bundesstaatlichen Schutzgebieten. Weitere Infos unter www.nps.gov.

Politik und Gesetze

Die föderative Ordnung der USA garantiert den 50 Bundesstaaten Gestaltungsspielräume, besonders im Erziehungswesen und im Strafrecht. Kalifornien beispielsweise vollstreckt inzwischen wieder die Todesstrafe, räumt Frauen das Recht auf Abtreibung ein und belegt den Besitz von bis zu 25 g Marihuana mit einer Geldbuße von bis zu 500 $. Der Alkoholverkauf ist reglementiert (Mindestalter 21 Jahre, Ausschankverbot zwischen 2 und 6 Uhr).

Oberster Repräsentant des Staates ist der Gouverneur, der zusammen mit den Politikern zweier Gesetzgebungskammern regiert. Die Wahlbevölkerung greift - ähnlich wie in der Schweiz - per Volksabstimmung, genannt Referendum, regelmäßig in die Politik mit ein.

Silicon Valley

Die Wortschöpfung für die massierte Ansiedlung von Computer- und Chipherstellern im Santa Clara Valley dokumentiert Kaliforniens Innovationskraft. Das 40 km lange Tal mit fast 1000 Firmen wurde während des Zweiten Weltkriegs von Absolventen amerikanischer Elite-Universitäten, Banken und staatlichen Stellen zu einem Zentrum der Elektronikindustrie aufgebaut. Heute befinden sich in Silicon Valley auch die wichtigsten Firmen für Laser- und Gentechnologie sowie Telekommunikation und Internet. Trotz des Einbruchs der New Economy im Jahr 2000 ist dies nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftstandorte des Staates - die Grundstückspreise beweisen es.

Smog

Los Angeles, die Stadt der Freeways und der Autos, ist für ihren Smog berüchtigt: Seit Jahren warnt die American Lung Association vor der schlechtesten Luft der USA. Doch das eine bedingt das andere. Mit den strengsten Umweltgesetzen der Nation versucht Kalifornien u. a. die Luftverschmutzung in L. A. in den Griff zu bekommen. Erste Erfolge wurden schon verzeichnet. So konnte der Smogpegel um 75 Prozent gesenkt werden. Man sieht schon häufiger Elektroautos fahren und an so manchen Parkplätzen auch Steckdosen zum Auftanken für die schadstofffreien Flitzer. Und von den Aussichtspunkten am Mulholland Drive oder vom Getty Museum aus zeigt sich L.A. immer häufiger in verblüffend klarer Panoramasicht.

Wasserknappheit

Immer häufiger wird den Menschen im Süden für ein paar Stunden pro Woche das Wasser abgedreht: Wasserknappheit! Allein Greater Los Angeles und San Diego, in die Wüste gebaut und ungebremst wuchernd, benötigen drei Viertel der kalifornischen Trinkwasservorräte. Wie lange die Angelenos noch sorglos ihre Rasen sprengen können, ist seit Jahren ein Standardthema. Das kostbare Nass wird vom größten Pipelinesystem der Welt herangeschafft: Der Colorado-River-Aquädukt allein liefert 3,8 Mio. m³ Wasser täglich! Los Angeles erhält sein Wasser aus der 400 km entfernten Sierra Nevada, aus dem Lake Havasu, der auch San Diego beliefert, und aus dem 700 km entfernten Sacramento Valley.