Reisetipps Kalifornien

Auftakt Kalifornien Was für ein Land!

Die „Straßen von San Francisco“, Micky Maus und Silicon Valley, goldene Strände und Mammutbäume - die Liste der Schlagworte zu Kalifornien ist schier endlos. Aus den Filmen Hollywoods kennt jeder die typischen Szenerien. Die Realität ist noch viel bunter, schräger, schriller. Bis heute lockt der Golden State die Kreativen, die Macher und die Hoffnungsvollen an. Ein Urlaub hier ist ein faszinierendes Wechselbad aus ultrahipper Cityszene und nostalgischem Roadmovie, aus gepflegtem Golfurlaub und packendem Abenteuer mit Rafting und Wüstenwandern. Kalifornien hat seine Besucher noch nie enttäuscht.

In der Geschichte Amerikas ist das „Westward, Ho“, der legendäre Zug nach Westen, die bedeutendste Episode: die unermüdliche Suche nach neuen Ufern. Ganz im Westen entdeckten die Pioniere schließlich ihr gelobtes Land: Kalifornien. Und trotz großer Mühen wurde für viele hier der amerikanische Traum zur Wirklichkeit. Bis heute hat dieser Landstrich zwischen Sierra Nevada und Pazifik nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Anders als damals lässt sich die Landschaft jedoch heute bequem mit dem Auto durchfahren und genießen. Der Golden State ist das ideale Ziel für Individualisten, die auf eigene Faust die Natur erleben wollen, ohne auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten zu müssen. Ein Superlativ reiht sich hier an den anderen. Die Berge im Nordosten, bepackt mit ewigem Eis, gehören zu den höchsten des Kontinents. Death Valley im Südosten markiert nicht nur den tiefsten Punkt der USA, sondern auch den heißesten. An der Pazifikküste wachsen Bäume höher in den Himmel als ihre Artgenossen. Manche, wie die Sequoias in der Sierra Nevada im Osten, gehören zu den ältesten der Welt.

Kaum ein Teil Amerikas ist so gepriesen worden wie der nach Alaska und Texas drittgrößte Staat der USA. Von allem gibt es mehr als genug: mächtige Wasserfälle im Yosemite National Park und kleine, malerische Städtchen an der Küste, raue Wüstenlandschaften und fruchtbare Täler, echte Wale im Ozean und künstliche (Micky) Mäuse in Disneyland. Auf einer Fläche etwas größer als Deutschland leben viel weniger Menschen. Von den 36 Mio. Einwohnern konzentriert sich mehr als die Hälfte um Los Angeles im Süden.

Zwischen Oregon im Norden und Mexiko im Süden bleibt viel Platz für einsame Bergketten, unberührte Wälder und menschenleere Wüste. Das alles wird noch gekrönt: Der Vorrat an Sonne, Sand und Strand ist schier endlos. Wo die Natur so verschwenderisch ist, sind es auch die Menschen: Man hat Zeit. Der kalifornische Lebensstil ist betont locker und entspannt. Das Bild einer froh gelaunten Freizeitgesellschaft - hier kommt es dem Klischee am nächsten: Beach boys fahren mit dem Surfbrett im Auto zum Strand und tanzen auf den Wellen. Kalifornier aller Altersgruppen trainieren Körper und Geist - ob im Studio oder bei sportlichen Aktivitäten in der freien Natur.

Kalifornien verzauberte schon vor gut 150 Jahren. Der Goldrausch lockte 300000 Menschen aus allen Winkeln der Welt an. Zwar fanden die wenigsten das begehrte Edelmetall, doch das neue Land bot allen eine Chance - zuerst beim Bau der Eisenbahn, später im Ölgeschäft und dann vor allem in der Landwirtschaft.

Die heranwachsende Filmindustrie, die sogenannte „Traumfabrik“, die sich zu Beginn des 20. Jhs. in Los Angeles niederließ, machte den amerikanischen Traum made in California der ganzen Welt zugänglich. Hightechbranchen basteln an der Zukunft. Kalifornien verfügt über die sechststärkste Wirtschaft der Welt. Jedoch hat das Modell eines verschwenderischen, liebens- und lebenswerten Lebens auch seine Schattenseiten. Die dem Auto huldigenden Kalifornier produzierten wuchernde Metropolen, die vor Aktivität strotzen, aber die Natur bedrohen. Kalifornien, politisch liberal und ökologisch sensibel, hat sich zwangsläufig zum Schrittmacher für umweltpolitische Neuerungen entwickelt. Die ernsthaften Ansätze für eine Stromproduktion mit Sonnen- und Windenergie weisen den Weg in die Zukunft der alternativen Brennstoffe.

Energie wird auch in den kommenden Jahren ein wichtiges Schlagwort bleiben, da die Bevölkerung stetig wächst. Dass die Zuwanderer heute vor allem wieder Mexikaner sind, lässt die Zeit der Anglo-Amerikaner fast wie eine Zwischenära erscheinen. Denn kolonialpolitisch gehörten Baja (das untere) California und Alta (das obere) California zu Mexiko und wurden mit ihm 1821 in die Unabhängigkeit entlassen. Die aus dem Osten an den Pazifik drängenden Amerikaner betrieben die Abspaltung des Nordteils. 1846 gründeten Siedler im Schatten des mexikanisch-amerikanischen Krieges die California Republic, die wegen des Bären auf der Fahne auch als Bear Flag Republic in die Geschichtsbücher eingegangen ist. 1850, als mit dem Goldrausch Washingtons Interesse am Land im fernen Westen erwacht war, wurde das junge Kalifornien der 31. Staat der USA.

Der kulturelle Einfluss des Südens, der damals zurückgedrängt wurde, ist heute wieder zu spüren. Mexikaner, die legal oder illegal einwandern, verändern die Bevölkerungsstruktur. Mittlerweile gelten fast 35 Prozent aller Kalifornier als Hispanics (so die offizielle Bezeichnung). Die Zahl wächst so rapide, dass viele Anglo-Kalifornier befürchten, ihr Land könne offiziell zu einem zweisprachigen Staat werden.

So weit ist es aber noch nicht. Als Besucher kommt man mit Englisch mühelos durch. Doch für eine Reise sollte man die Distanzen und die kulturellen Eigenheiten der Regionen bedenken. Eigentlich wäre jede der vier Regionen, in die man Kalifornien nach geografischen und touristischen Kriterien aufteilt, und jede der Metropolen eine eigene Reise wert. Wer jedoch die Vielfalt des Landes während einer Rundfahrt kennenlernen möchte, hat die Gelegenheit, sich eine Reise mit echten Höhepunkten zusammenzustellen: den Norden mit seinen einsamen Buchten und Redwoodwäldern, dazu die faszinierenden Höhenzüge von Mount Shasta und Cascade Range; den Hwy. 1 mit seiner atemberaubenden Küste zwischen San Francisco und Los Angeles; Südkalifornien mit seinen zahllosen Badestränden, Vergnügungsparks und wildromantischen Wüsten; die raue Sierra Nevada jenseits des Central Valley, mit den Geisterstädten aus der Goldgräberzeit. Nicht zu vergessen: die stimulierenden Großstädte San Francisco und Los Angeles. Sie liegen nahe genug beieinander, um sie auf einer einzigen Reise kennenzulernen, doch weit genug voneinander entfernt, um ihre unterschiedlichen Charaktere zu wahren: Die Stadt am Golden Gate gibt sich eher europäisch und kultiviert. Die Entertainmentkapitale eine Tagesreise weiter südlich hingegen versteht sich als Drehscheibe für Extrovertiertes, Show und Glamour.

All dies bedeutet: Kalifornien bietet mehr als jede andere Region in Amerika. Doch wer viel sehen will, legt dabei große Entfernungen zurück. Um Kalifornien wirklich zu erleben, müssen Sie sich schon etwas Zeit nehmen.