Reisetipps Frankreich

Stichworte Frankreich

Architektur

Macht und Architektur gehen in Frankreich Hand in Hand. Es gehört zum guten Ton eines Regenten, sich in Bauwerken zu verewigen. Angefangen hat damit bereits Kaiser Augustus (43 v. Chr.-14 n. Chr.), der Großneffe und Adoptivsohn Caesars. In Nîmes und an anderen Orten im Süden Frankreichs ließ der Herrscher des römischen Reichs Tempel, Thermen und Arenen errichten. Später machten es ihm die kirchlichen Regenten nach. Ihnen verdankt das Land eine große Anzahl an romanischen Kirchen, allen voran Cluny und die Basilika St-Sernin in Toulouse, und später Meisterwerke der Gotik, wie St-Denis, Reims und Chartres.

Der Stil mit den berühmten Spitzbögen hielt sich bis ins 16. Jh. hinein, um dann von einem regelrechten Bauboom im Stil der Renaissance abgelöst zu werden. Hotspots an der Loire wie Azay-le-Rideau oder Chambord, später Fontainebleau, überboten sich gegenseitig an Pracht und Ausstattung. Doch es ging noch monumentaler: Im Klassizismus schuf Ludwig XIV. mit Versailles ein Bauwerk, dass alles andere blass aussehen ließ.

Im 18. Jh. entstanden vor allem Stadthäuser, unter der napoleonischen Herrschaft ziemlich verschnörkelte Empire- und später Rokokobauten. Mit der Dritten Republik übernahmen vom Volk gewählte Präsidenten das architektonische Zepter. Präsident Georges Pompidou initiierte das nach ihm benannte Kunstzentrum, und François Mitterrand war in seiner Bauwut kaum noch zu bremsen. Er ließ die besten Architekten der Welt nach Paris einfliegen, um die Stadt zu modernisieren: Der Chinese Ieho Ming Pei errichtete die Pyramide im Louvre, der Lateinamerikaner Carlos Ott die neue Oper, der Däne Johann Otto von Spreckelsen die Grande Arche de la Défense, um nur einige zu nennen. Mitterrands Nachfolger Jacques Chirac begnügte sich damit, das Musée du Quai Branly von Jean Nouvel zu Ende zu bringen. Was Nicolas Sarkozy plant, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Banlieue

Mit dem Begriff, der wortwörtlich übersetzt „Ort des Banns“ bedeutet, werden heutzutage die armen Vorstädte in Frankreich bezeichnet. Die Entstehung dieser quartiers sensibles, wie sie auch gern genannt werden, setzte in den 1950er-Jahren ein, als Frankreich peu à peu seine nordafrikanischen Kolonien verlor und die vertriebenen Franzosen zurück ins Heimatland strömten. Zu ihnen gesellten sich in den 1970er-Jahren viele Immigranten. Um der heranströmenden Bevölkerung Herr zu werden, zogen die Großstadtverwaltungen im Umkreis massenweise Sozialwohnungen in Plattenbauweise hoch, was zu einer Gettoisierung der Vorstädte führte.

Zu trauriger Berühmtheit gelangten die Banlieues, als es im Oktober 2005, bedingt durch den Tod zweier Jugendlicher, die vor der Polizei auf ein Starkstromgelände geflohen waren, zu Unruhen kam. Über Wochen hinweg brannten Autos in den Vorstädten; vor allem die jugendliche Bevölkerung lieferte sich einen erbitterten Kampf mit den Ordnungshütern. Die Ausschreitungen waren die schlimmsten seit den Studentenunruhen im Jahr 1968. An der prekären Lage der Banlieuebewohner, die allein wegen ihrer „schlechten“ Adresse oft keinen Job bekommen und damit keine Zukunftschancen haben, hat sich dadurch jedoch kaum etwas geändert. Allerdings wird mit dem Thema heute sensibler umgegangen, die Jugendlichen kommen zu Wort, und vorschnelle Verurteilungen sind seltener geworden.

Bevölkerung

Frankreich hat seine Bevölkerung in zwei Jahrhunderten verdoppelt. 62,9 Mio. zählt die Nation. Nach Deutschland hat damit Frankreich die zweithöchste Einwohnerzahl in Europa. Mit einer Geburtenrate von 2,1 Prozent liegt das Land im europäischen Vergleich an der Spitze. Hochrechnungen sagen, dass es 2050 rund 75 Mio. Franzosen geben wird. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 80,2 Jahren sehr hoch. Berechnungen zufolge wird 2025 jeder Dritte in Frankreich über 60 Jahre alt sein.

Korsika & Dom-Rom

Von den 26 französischen Regionen befinden sich vier in Übersee (Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, La Réunion). Sie werden kurz DOM-ROM genannt (départements et régions d'Outre-Mer). Eine gewisse Sonderstellung nimmt auch die Insel Korsika (260 000 Ew.) ein. Die „Insel der Schönheit“, wie sie gern genannt wird, ist das viertgrößte Eiland im Mittelmeer. Sie bietet über 1000 km Küste, türkisfarbenes Wasser, schneeweiße Strände, raues Gebirge, pittoreske Orte und einen der schwierigsten Wanderwege des Landes, den berühmten GR 20. Die Bewohner sind stolz auf ihre Insel, ihre Kultur und auf sich. Sie fühlen sich nicht als Franzosen, sondern als Korsen. Unabhängigkeitsbestrebungen gab es immer, inzwischen ist es aber um die separatistische Bewegung FLNC recht ruhig geworden. Die Insel ist in zwei Departements verwaltungstechnisch aufgeteilt: Ajaccio, die Geburtsstadt Napoleons, ist Hauptstadt von Corse-du-Sud und Bastia, die Business-Zentrale der Insel, die Hauptstadt von Haute-Corse. Über die Insel informiert ausführlich der MARCO POLO Band „Korsika“.

Mode

Die Mode- und Textilindustrie hat in Frankreich immer eine große Rolle gespielt. Bayeux ist für seine Spitze, Lyon für seine Seide bekannt. In Lille sind viele wichtige Stoffunternehmen beheimatet. Zentrum der Mode ist jedoch heute wie damals Paris, das weltweit als Modehauptstadt angesehen wird. Hier erfand der Engländer Charles Frederick Worth 1857 die Haute Couture, aus der in den 1960er-Jahren die Prêt-à-Porter-Mode hervorging. Viele altehrwürdige Haute-Couture-Unternehmen wie Chanel, Dior oder Givenchy geben noch heute in der Mode den Ton an. In den vergangenen Jahren schafften es auch in Vergessenheit geratene Firmen wie Lanvin, Balenciaga oder Nina Ricci sich durch junge Designer aus dem In- und Ausland zu verjüngen und an alte Erfolge anzuknüpfen.

Rauchen

Frankreich galt lange als Raucherparadies. Geprägt durch die rauchenden Akteure im berühmten Genre des „Film Noir“, entwickelte sich auch jenseits der Landesgrenzen das Klischee des Franzosen mit der Gauloise in der Hand. Doch dieses Bild muss inzwischen revidiert werden. Durch stark steigende Tabakpreise haben mehr und mehr Franzosen das Rauchen aufgegeben. Im Februar 2007 wurde ein Gesetz verabschiedet, das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden untersagt. In Bars und Restaurants wurde das Gesetz erst im Januar 2008 wirksam. Ausgenommen vom Rauchverbot sind Taxis, in denen der Fahrer es ausdrücklich erlaubt.

Religion

Frankreich ist ein laizistischer Staat. Das bedeutet, dass Staat und Religionsgemeinschaften vollkommen voneinander getrennt sind. Auf den Laizismus wird großen Wert gelegt, deswegen gibt es auch keine staatlichen Erhebungen über Religionszugehörigkeiten. Die veröffentlichen Statistiken variieren stark, jedoch geht man davon aus, dass die Mehrheit, konkret 62 Prozent, katholischen Glaubens sind. 26 Prozent gehören keiner Konfession an, 2 Prozent sind protestantisch, 1 Prozent Juden und 6 Prozent Muslime. Der Islam ist damit zweitstärkste Religion in Frankreich.

Sommerpause

Das Jahr in Frankreich ist inoffiziell in die Zeit vor und nach der Sommerpause eingeteilt. Ab Mitte Juli bis einschließlich 15. August ruht in den meisten Büros die Arbeit, in den Großstädten sind Bäckereien, Restaurants, Bars und Geschäfte geschlossen. Das „normale“ Leben hält erst in der ersten Septemberwoche wieder Einzug. Diese Zeit wird als la rentrée (die Rückkehr) bezeichnet. Das Wort orientiert sich an der Rückkehr der Schulklassen, doch der Begriff wird inzwischen weiter gefasst. Denn parallel zur rentrée verschreibt sich das Land sozusagen einer kulturellen Rundumerneuerung, die mit der Vorstellung neuer Filme, Bücher, Mode usw. einhergeht. In den Ferienorten an den französischen Küsten findet diese Sommerpause natürlich nicht statt. Im Hinterland kann es einem jedoch selbst im Süden passieren, vor verschlossenen Restauranttüren zu stehen.

Wein

Frankreich nimmt eine herausragende Stellung in der Weinproduktion ein, seine Anbaugebiete sind weltberühmt. Es werden mehr als 100 Rebsorten angebaut, die zur Erzeugung von über 450 Weinen mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung beitragen. Für Weißwein sind vor allem das Elsass und Burgund bekannt. Einer der berühmtesten Weine der Welt ist der Sauternes, ein süßer Dessertwein, der bis zu 100 Jahre gelagert werden kann. Rotwein dagegen kommt eher aus den Regionen der Loire, Languedoc und Côtes du Rhône - und natürlich Bordeaux, das mit rund 5000 Weingütern das wichtigste Anbaugebiet des Landes ist. Eine Ausnahmestellung nimmt die Champagne ein, die weltweit allein das Recht hat, ihren Schaumwein Champagner nennen zu dürfen.

Wirtschaft

In Frankreich waren bis vor wenigen Jahren sehr viele Großbetriebe noch in staatlicher Hand. Man sprach deshalb auch von einer gelenkten Volkswirtschaft. Jedoch wurde, wie auch in Deutschland, zunehmend privatisiert und auch dereguliert. Die Landwirtschaft spielt in der Nation noch eine wichtige Rolle. Rund 80 Prozent des Nationalgebiets sind ländlicher Natur. Davon werden 53 Prozent landwirtschaftlich genutzt, 28 Prozent forstwirtschaftlich.

Der bedeutendste Industriesektor ist die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung mit über 130 Mia. Euro Umsatz. Die Automobilindustrie belegt Platz drei, nach dem Hoch- und Tiefbau. Zahlenmäßig geringer, aber bedeutend im Außenhandel ist die Mode- und Parfümindustrie, bei der Frankreich als wichtigster Exporteur weltweit gilt. Zu den größten französischen Unternehmen zählen Total, Carrefour, Axa und PSA Peugeot Citroën.